Osterspai
Johannes Mechtel schreibt in der Limburger Chronik:
"
Acht Dieb zu Boppard gefangen, dern warn 4 Juden und 4 Christen, hatten dem wirt zu Osterspey ein groß geld entnommen, den 5. Mai mit dem schwert hingerichtet, 3 getauft uff den kirchof, der vierte ohngetauft an sein ort begraben worden."Diese kleine Notiz läßt einige Fragen offen. Es wird nicht gesagt woher die Delinquenten stammten. Auffallend ist, daß fein säuberlich zwischen Juden und Christen unterschieden wird. Es wird dabei nur die Hinrichtung der Juden berichtet. Drei waren schnell noch getauft worden. Der vierte war dem Glauben der Väter treu geblieben. Hingerichtet wurden alle vier. Das zeigt die mittelalterliche Praxis, Juden unter allen Umständen zu taufen, um diese "für das Reich Gottes zu retten". Die Juden, die sich taufen ließen, versprachen sich ihrerseits Milde und Anerkennung von Gesellschaft und Obrigkeit. Diese Hoffnung stellte sich oft als Irrtum heraus. Es half ihnen weder vor der Inquisition in Spanien noch vor der Verfolgung im Dritten Reich.
Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts gab es in Osterspai eine kleine jüdische Gemeinde. Aber bereits 1919 verließ der letzte jüdische Bewohner Osterspai. Es gab immer eine enge Verbindung zu den Gemeinden in Braubach, Nieder- und Oberlahnstein. Offenbar kam es am Ende des vorigen Jahrhunderts zu Spannungen in der Gemeinde. Denn die zwei bessergestellten Familien traten aus der Gemeinde aus.
Der Friedhof war für die Juden in Filsen, Kamp-Bornhofen und Osterspai bestimmt. 1997 haben Vandalen den kleinen Friedhof verwüstet, indem sie die Grabsteine umwarfen, die Einfriedung zerstörten und leere Bierdosen zurückliessen.
Der Weg:
Der Friedhof liegt auf dem Plateau oberhalb von Osterspai. Man fährt in Osterspai an der Kirche vorbei über die Eisenbahn. Dann führt der Weg am Berghang bis auf die Höhe. Nach einer Rechtskurve in der Nähe der Florianshütte liegt der Friedhof.
Statistik:
1850 6 Steuerzahler
1843 24 Personen
1905 18 Personen