Lahnstein:
Aus den Tiefen des Tales -
Bergbaumuseum Friedrichssegen
Seit 1994 hat sich der "Arbeitskreis Grube Friedrichssegen" zur Aufgabe gemacht, alte Grubenanlagen wieder freizulegen und so weit wie möglich zu renovieren. Bei einer Wanderung durch das reich bewaldete, ruhige Friedrichssegener Tal weisen Hinweistafeln mit Bildern und Wandertipps den Weg zu ehemaligen Anlagen des einstigen Bergbauortes Friedrichssegen.
Im "Bergbaumuseum Friedrichssegen" sind eine große Zahl alter Grubenbilder (1905-1910) und ein 7,25 m langes Modell des Friedrichssegener Tals mit Gebäuden und Werkanlagen aus der Zeit um 1900 ausgestellt.
Zu bewundern sind ferner über 40 Exponate echter Friedrichssegener Mineralien, u.a. aus dem Felix-Stollen. Darunter befinden sich auch "Emser Tönnchen" aus der Sammlung der Urenkelin Karl Leuschners, des letzten Direktors der Grube Friedrichssegen.
Adresse: Bergbaumuseum
Friedrichssegen, Ahler Hof, 56112 Lahnstein
Ansprechpartner: Hans-Günther Christ, Tel. 02621/2841
Öffnungszeiten: dienstags von 14-18 Uhr sowie nach Vereinbarung
Zur Geschichte der Grube Friedrichssegen
Schon die Römer sollen im Friedrichssegener Tal nach Erzen
gegraben haben. Urkundlich gesichert ist aber erst die Vergabe
von Schürfrechten von König Friedrich II. an den Mainzer
Erzbischof Sigfrid im Jahre 1220. In der Zeit bis zur nächsten
urkundlichen Erwähnung des Erzbergbaues im Jahre 1768 können
daher bergbauliche Aktivitäten nur vermutet werden.
Im Hessischen Hauptstaatsarchiv zu Wiesbaden befinden sich Akten
über den Bergbau im Lahnsteiner Wald aus dem Jahre 1768. Es ist
dort angegeben, daß ein Bergwerk "In den Kölschen Löchern"
besteht. Zeitweise arbeiteten dort bis zu 20 Bergleute. 1850
findet man den Namen "Zeche Friedrichssegen". 1852
wurde diese Zeche verkauft und als "Anonyme
Aktiengesellschaft des Silber- und Bleibergwerkes Friedrichssegen
bei Oberlahnstein" geführt. Es begann die erfolgreiche
Betriebszeit.
In der Folgezeit wurden die Grubenbaue und Anlagen ständig erweitert. Es wurden 8 Stollen, 2 Schächte und ein Blindschacht angesetzt. Die modernsten Aufbereitungsanlagen wurden errichtet. 1875 ein Gasanstalt mit rund 1 900 m Leitungen errichtet 1880 eine Grubenzahnradbahn (die erste im Königreich Preußen) mit einer Streckenlänge von 2 509 m vom Kölsch Loch nach Ahl bis zur Lahn angelegt,, der Bahnhof Friedrichs- segen wurde 1884 durch die Grube Friedrichssegen für 42 000 Mark errichtet.
Eine für diese Zeit vorbildliche Sozialstruktur wurde geschaffen. So waren vorhanden: Volksschule, Simultankirche, Beamten und Arbeiter-Kasino ( jeweils mit Kegelbahn) Krankenanstalt mit Apotheke, Badeanstalt und Wäscherei.
Dies alles war nur möglich durch die hohe Rentabilität der Grube Friedrichssegen. Gefördert wurden 1880 12 981 Tonnen Erze und 1886 13 761 Tonnen Erze. Die Gesamtlänge der Stollen und Strecken betrug 22 723 m, davon 18 200 m mit Schienen für Loren (Hunte).
Vom höchstgelegenen Einstiegspunkt, dem "Früchter Luftschacht", bei + 352 m üNN bis zur tiefsten 14. Sohle hatte das Bergwerk eine Gesamtteufe von 664 m.
Der Bergmann im Mittelalter
Die Grubenherrlichkeit dauerte bis 1895. Die Aktionäre hatten ein Gutachten über die noch vorhandenen Erzmittel erstellen lassen, welches besagte, daß das Bergwerk nahezu ausgebeutet sei. Daraufhin wurden zur Minimierung der Kosten die Tiefbausohlen 7 bis 11 unter Wasser gesetzt und 1900 die Grube verkauft.
Zunächst als Gewerkschaft geführt, gründete man 1904 die "Bergwerks Aktiengesellschaft Friedrichssegen zu Friedrichssegen an der Lahn". Es kam zunächst zum Aufblühen der Grube Friedrichssegen. In den Jahren 1905/1906 wurden wieder 335 Mitarbeiter beschäftigt, darunter 206 Bergleute.
1907 wurde das Kraftwerk an der Lahn errichtet, mit dem man die Erzförderkosten senken wollte. Dies war aber leider nicht Fall. Rückläufige Erzfunde und eine hohe Verschuldung verhinderten ab 1908 die Zahlung von Dividenden, bis dann 1913 die Überschuldung so hoch war, daß der Konkurs nicht mehr abzuwenden war.
Die Grube Friedrichssegen wurde stillgelegt. Aus den Grubenbauen wurden sämtliche Eisenteile und anderes brauchbares Material ausgebaut und verkauft. Dadurch war ein Neubeginn gänzlich unmöglich. Nur noch einmal (von 1926 bis 1928) wurde der Versuch unternommen, das Bergwerk wieder in Betrieb zu nehmen. Aber auch dieser Versuch scheiterte .
1952 wurde durch die AG des Altenberg die Halden im Friedrichssegener Tal noch einmal aufbereitet. 1957 waren die Vorräte aufgearbeitet und die Flotationsaufbereitung stillgelegt.
Im "Bergbaumuseum Friedrichssegen" sind eine große Anzahl alter Grubenbilder aus der Zeit um 1905/1910 und ein Modell des Friedrichssegener Tales mit Gebäuden und Werkanlagen aus dieser Zeit ausgestellt. Zu sehen sind auch Friedrichssegener Mineralien. Darunter "Emser Tönnchen" aus der Sammlung der Urenkelin des letzten Direktors der Grube Friedrichssegen.
Ein froh Glück auf!
Arbeitskreis Grube Friedrichssegen