| Jakobswege: Der Lahn-Camino | |
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Das Phänomen Wie alle Reisenden benutzten auch die Jakobspilger bestehende Heeres- und Geleitstraßen, Handelswege, Fluss- und Bergübergänge. „An den vielbegangenen Wallfahrtswegen standen damals in der Entfernung von Tagesreisen Jakobuskirchen, Klöster, Kapellen, Hospitäler und Herbergen zur Aufnahme und Betreuung der Pilger.“ (Willi Eisenbarth). D e n Jakobsweg schlechthin gibt es nicht, vielmehr entstand im Laufe der Jahrhunderte ein Geflecht aus Wegen, das in die Pilgerstätte Santiago mündet. Erkennungszeichen der Pilger war die Jakobsmuschel, die an Hut und Mantel getragen wurde.
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1987 erklärte der Europarat die historischen Jakobswege zur „Ersten Europäischen Kulturstraße“. Als europäisches Phänomen sind sie geeignet, das Bewusstsein für die kulturelle Identität Europas und die abendländische Erbschaft zu fördern und Europa als Raum der Begegnung und des gegenseitigen Kennenlernens erfahrbar zu machen. „Dante sah im Jakobus-Pilger den Hauptvertreter aller Pilger und Pilgerschaft schlechthin“. Der Europatourismus der Gegenwart hat in Santiago den „chancenreichen Ort alternativer Geschichts- und Meditationserfahrung“ entdeckt (Prof. Heinrich Kanz). Ein 25jähriger Santiago-Pilger hat das 1991 so ausgedrückt: „Du suchst eigentlich - jenseits des Religiösen - so ein Gefühl für dich selbst, und warum du so lebst wie du lebst“. Seit über 30 Jahren erfreut sich das Wandern auf den Spuren des „Pilgervaters“ Jakobus wachsender Beliebtheit als Ausdruck des „sanften Tourismus“ und Gegenbewegung zum Massentourismus und bequemen Freizeitkonsum, als Aktivurlaub für Körper und Geist. Die Stationen Nach Prof. Dr. Heinrich Kanz kann der Lahnhöhenweg (Markierung schwarzes „L“ auf weißem Grund) als heute gangbarer Weg der mittelalterlichen Jakobspilger aufgefasst werden. Der Taunusklub hat den „L“ der Taunusseite, links der Lahn, ausgeschildert (Markierung: gelbe Muschel auf blauem Grund). Prof. Kanz hat für diesen Weg den Begriff des „Lahn-Camino“ geprägt. Diez / Limburg: Altstadt Diez - Obernhof: 26 km Im Rhein-Lahn-Kreis (Rheinland-Pfalz) beginnt der aus Hessen kommende Lahn-Camino in Diez. Für die Stadt des Grafenschlosses, des Schlosses Oranienstein (mit Nassau-Oranien-Museum) und schmucker Fachwerkhäuser ist die Jakobsthematik nicht belegt. Dagegen findet sich im Dom des benachbarten Limburg das Brustbild des Apostels „Jacobus major“ in der Emporenlinette, die kennzeichnende Pilgermuschel auf der Brust, im Hintergrund horizontal schwebend das Schwert als Instrument seiner Marter. Von Diez aus windet sich der Weg hinauf zum Aussichtstempel am Geisberg (Blick auf Diez) und führt in den „Naturpark Nassau“, der den Jakobspilger bis nach Lahnstein, den Zielort des Lahn-Camino, begleitet. Über Fachingen (Mineralbrunnen) führt der Pilgerpfad durch die Gemarkung Birlenbach, Balduinstein (Burgruine), Schaumburg (Schloss im neugotischen Stil), nahe am Aussichtstempel „Gabelstein“ vorbei, durch’s „Höllochtal“ und Steinsberg, ins Rupbachtal, an Laurenburg und der gleichnamigen Burg vorbei, hinauf zur Ruine Brunnenburg, weiter oberhalb der Lahnschleuse Kalkofen, über den Aussichtspunkt Falkenhorst nach Obernhof (Winzerstuben, Kirche, Kanuanlegestelle). Obernhof / Seelbach: Obernhof – Nassau: 6 km 600 m weiter erreicht man Kloster Arnstein (14. Jh.), eine Wallfahrtsstätte, in der seinerzeit die Jakobswanderer Rast, Quartier und innere Einkehr gesucht haben dürften. Am Kloster (Besichtigung möglich) verlässt der Lahn-Camino den „L“ und folgt dem „Europäischen Fernwanderweg E1 Flensburg – Genua“ (Markierung: weißes Andreaskreuz „X“ auf schwarzem Grund) nach Nassau. Nassau Nassau – Misselberg: 6 km Hier laden Steinsches Schloss, Adelsheimer Hof und evangelische Johanniskirche zum Betrachten ein. Auf den „L“ zurückgekehrt, führt die Wanderung auf dem Jakobsweg zum Burgberg mit Burgruine Stein, Stein-Denkmal und Burg Nassau (Gastronomie, herrlicher Ausblick), der Wiege der Oranier. Es geht hinab ins Mühlbachtal, in Serpentinen aufwärts in die Gemarkung Misselberg. Misselberg / Dausenau: Misselberg – Bad Ems: 8 km Hinter Misselberg folgt Hof Mauch. 15 Minuten später erreicht man den Aussichtspunkt „Kuxlay“ (350m). Abstecher: Von Misselberg nach Dausenau in 90 Min. Wer auf den Spuren der Jakobspilger wandelt, sollte ab „Kuxlay“, dem gelben Wegekreuz folgend, nach Dausenau (schöne Fachwerkfassaden) hinab und über die Lahnbrücke zur St. Kastorkirche wandern. Besichtigung: Ostern bis Erntedankfest sonntags 14-17 Uhr; Gruppenf. nach Vereinb., Tel. 02603/6256 und E-Mail: ugschdausenau@aol.com . Im Passionsfries im Hauptchor des frühgotischen Gotteshauses ist neben anderen Aposteln auch Jakobus d. Ä mit den Attributen Buch und Schwert abgebildet. „Bei der archäologischen Grabung im Hauptchor 1991 wurde auch ein Stück einer Muschel gefunden, das durchaus von einer Jakobsmuschel stammen könnte und demnach darauf schließen läßt, daß auch aus Dausenau Menschen nach Santiago de Compostela gepilgert sind.“ (S. Fischbach). Von „Kuxlay“ aus führt der „L“ durch den Oberlahnsteiner Wald, an einem Römerturm vorbei nach Bad Ems. Bad Ems: Bad Ems – Lahnstein: 20 km Lohnende Ziele der Stadt sind Kurhaus, Russ. Kirche, Kur- und Stadtmuseum, ev. St. Martinskirche, Wasserturm, die „Heilquellen in der Stadt“ und die Kapelle „Maria Königin“ mit der renovierten Schöler-Orgel. Öffnungszeiten der Kirchen bitte vor der Anreise bei der Tourist-Info erfragen. Von Bad Ems nimmt der Lahn-Camino Kurs hinauf zur Bergstation der ehemaligen Malbergbahn (1887-1980), dann nach Nievern, verläuft oberhalb von Miellen, durch`s klammartige Mühlental, passiert Frücht (Pfarrkirche 13. Jh.; Familiengruft der Herren vom und zum Stein) und Friedrichssegen (Abraumhalden, Bergbaumuseum), führt um die Kurthermen (Lahnstein a.d.H.) und zur Burg Lahneck (13. Jh.) oberhalb von Lahnstein. Lahnstein: Lahnstein – Santiago de Compostela: 2.200 km Altes Rathaus, Pfarrkirche St. Martin, Johanniskirche, Martins-Schloss sind sehenswert. Am „Alten Marktplatz“ legt die „Hospitalkapelle St. Jakobus“ Zeugnis ab von den Jakobs-Wallfahrern, denen gotische Kapelle und Hospital als Unterkunft dienten. Bei Renovierung der Kapelle in den Jahren 1985-89 wurde ein mittelalterliches Pilgergrab mit Jakobsmuschel entdeckt, das 4. Pilgergrab Deutschlands. Die Kirchentür ist mit Pilger- und Muschelsymbolen verziert, Fresken zeigen u.a. den Kirchenpatron St. Jakobus d. Ä. Über dem Portal befindet sich ein Tuffsteinrelief mit Darstellung des hl. Jakobus als Patron der Pilger, im Hintergrund ein Boot mit Pilgern sowie das Wallfahrtsziel: die Kathedrale in Santiago de Compostela - 2.200 km von Lahnstein entfernt. Übernachtungen / Gastronomie
/ Sehenswürdigkeiten bitte bei folgenden Diez: Tel.: 06432/501-275, E-Mail: mail@urlaubsregion-diez.info Nassau: Tel.: 02604/9702-30, E-Mail: info@nassau-touristik.de Bad Ems: Tel.: 02603/9415-0, E-Mail: info@bad-ems-touristik.de Lahnstein: Tel.: 02621/914-171, E-Mail: touristinfo@lahnstein.de Ausführliches Kartenmaterial der Region: Lahn / Naturpark Nassau, hg. vom Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz und dem Hessischen Landesvermessungsamt, ISBN-Nr.: 3-89637-305-6 IMPRESSUM Herausgeber:
Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft Rhein-Lahn mbH, Insel Silberau, 56130 Bad
Ems; Redaktion: Wolf-Dieter Matern; Grafik:
www.Hamm-Design.de , Lahnstein. Web-Design: Detlef Oster
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