Braubach
Der Friedhof, der sich heute auf dem Gebiet der Blei- und Silberhütte Braubach befindet, war zum Zeitpunkt meines Besuches zu Beginn der neunziger Jahre in keinem gutem Zustand. Durch einen Tausch wegen eines Sportplatzes war der Friedhof an die Hütte gekommen. Der Friedhof war von Bäumen überwuchert. Das Friedhofsgelände war durch keinen Zaun gesichert und die teilweise umgestürzten Steine drohten abzurutschen.
1990 ging eine Meldung durch die Presse, daß es auf dem Friedhof zu einer Grabschändung gekommen sei. Eine Grabplatte war gewaltsam mit einem Stemmeisen aufgebrochen worden. Anschließend war ein Loch ausgehoben worden, indem man später einen blauen Müllsack fand. Was der oder die Täter suchten oder bezweckten ist nicht bekannt.
Immer wieder kann man entsprechende Meldungen in den Medien finden. Leider sind gerade jüdische Friedhöfe besonders oft solchen Anschlägen ausgesetzt. Solche Anschläge haben zwar eine lange Tradition. Trotzdem gehört schon eine Portion Abartigkeit und Dummheit dazu die Ruhe der Toten in dieser Weise zu stören. Da ist es egal, ob die Motivation zu solchem Tun in früheren Jahrhunderten religiös war oder wie in unserem völkisch - rassisch begründet wurde. Das Ziel ist immer das gleiche. Man möchte den Menschen in seiner letzten Wehrlosigkeit, die durch den Tod gegeben ist, vernichten und dem Vergessen anheimgeben.
Braubach hatte keine eigene jüdische Gemeinde. Der Mittelpunkt war Oberlahnstein. Hier stand eine Synagoge. Die jüdischen Kinder von Ober- und Niederlahnstein, Braubach und Osterspai hatten zeitweise gemeinsam einen Religionslehrer.
Über die Judenschaft in Braubach ist darüber hinaus wenig bekannt. 1933 lebte dort eine vierköpfige Familie. 1939 gab es keine Juden mehr.
Der Weg:
Der Friedhof ist heute nur über das Gelände der Blei- und Silberhütte Braubach zu erreichen. Man muß sich dazu an der Pforte melden.
Statistik:
um 1812 vier Familien
1842 17 Personen
1933 9; 4 Personen