Cramberg
Der Friedhof in Cramberg war ursprünglich für die Judenschaft von Holzappel und die von Cramberg bestimmt. Letztere bildeten keine eigene Gemeinde, da sie der Gemeinde in Diez an geschlossen war. Im Zusammenhang mit dem Friedhof gibt es eine Notiz, die ich zitieren möchte: "Die Bezirksgemeinde besaß zwei Friedhöfe. Der ca 250 Jahre alte, dessen Fläche, gemäß einer noch heute in Holzappel befindlichen Urkunde, von den Fürsten von Schaumburg als ‘ewige Begräbnisstätte für die Juden der Grafschaft Schaumburg’ bestimmt und ihnen als Geschenk übermacht worden war, lag bei Cramberg"
Der Weg:
In Cramberg einfahrend muß man rechts in die Oberstraße einbiegen. Von der Oberstraße zweigt rechts ein geteerter Feldweg ab. Kurz vor dem Wald muß man sich erneut links halten. Der Weg führt durch Wiesen zu dem neueren Teil des Friedhofs. Dieser ist mit einer Hainbuchenhecke eingefaßt. Unterhalb in dem Fichtenwald, nur noch durch größtenteils in die Erde gesunkene und teilweise zerbrochene Grabsteine erkenntlich, ist der ältere Teil des Friedhofes. Hier finden sich Grabsteine, die durch ihre schöne Schrift und sorgfältige Gestaltung auffallen. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, daß die ältesten Grabinschriften immer nur hebräisch sind. In einer späteren Übergangszeit hat man auf der anderen Seite der Grabsteine oft auch eine deutsche Inschrift angebracht. Zum Schluß hat man schließlich oftmals ganz auf hebräische Inschriften verzichtet und sich nur noch hebräischer Symbole bedient. Bei der Gestaltung der Inschriften kam es auf die Fähigkeiten der Steinmetze an, die in den meisten Fällen wahrscheinlich christlich waren. Denn den Juden war jahrhundertelang der Zugang zu dem Handwerk verwehrt.
Statistik:
1843 22 Personen
1905 19 Personen
Die folgende Notiz ist nicht typisch für Cramberg, sondern typisch für die Zeit und die Vorgehensweise in dieser Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft. Ähnliches ließ sich für viele andere Ortschaften belegen.
"In Cramberg lebten nur noch wenige j. Familien. Es war keine Sy im Orte. Der in der Naehe des Dorfes liegende j. Friedhof gehoerte zu der Gemeinde in Holzappel. Am Morgen des 10.11.1938 war der j. Metzger Y auf dem Wege nach Holzappel. Sein grosser weisser Hund begleitete ihn. Die SA, die ihn in seinem Hause nicht mehr antraf, folgte ihm und wollte ihn auf dem Wege verhaften. Als aber der Hund einen der Angreifer ansprang, lies-sen sie zunächst von Y ab, holten aber Verstaerkung in Hoehe von ca. 50 Mann und misshandelten dann Y auf die uebelste Weise. Es gelang auch den Leuten, den Hund einzufangen, den sie vor dem Rathaus "standrechtlich" erschossen. Y wurde nach dem KZ Buchenwald gebracht und gezwungen, sein Haus und seine Felder billig zu verkaufen. Waehrend ihr Mann noch im KZ Buchenwald war, erhielt Frau Y von der Kreisleitung in Diez (Lahn) einen Brief, in welchem ihr mitgeteilt wurde, dass ihr Hund den auf "einem friedlichen Spaziergang befindlichen SA-Mann N.N. angefallen und dessen Anzug verdorben habe". Sie wurde darin aufgefordert, einen Schadensersatz in Hoehe von M 140 zu leisten. Was die geaengstigte Frau dann auch getan hat."