Frücht

1679 wurden erstmals Juden in Frücht erwähnt. 1694 wird ein Haus als Judenhaus benannt. Um das Jahr 1800 sind drei Familien in Frücht als Schutzjuden namentlich bekannt. Später kam eine weitere Familie dazu.

Nach der Verfügung von 1842 mußten die Juden Familiennamen annehmen. Vor dieser Zeit war es üblich zur Definierung einer Person noch den Namen des Vaters zu benennen. Zum Beispiel: Isaak der Sohn des Abraham. In Frücht weiß man welche Juden welchen Familiennamen angenommen haben.

Moses Isaak Samuel Morgenthal

Josef Samuel Roos

der Sohn dieses Samuel Blum

Anschel Löw Isaak Strauß

Ein Nachfahre aus der Familie Morgenthal wurde später Rabbiner in Frankfurt.

Ein Kuriosum stellt die Tatsache dar, daß die 1847 gebildete Bürgergarde unter der Führung von Elias Roos stand. Es ist aber auch zugleich ein Zeichen dafür, daß in jener Zeit das Verhältnis zu den Juden sich zu normalisieren begann. Damals lag der jüdische Bevölkerungsanteil in Frücht über 10 Prozent.

1844 war Frücht auch Hauptort des Synagogenbezirkes. Dazu gehörten außerdem noch die Orte Fachbach, Miehlen und Nievern. Acht Jahre später wurde allerdings Nievern zum Hauptort. In Nievern war auch die Synagoge. Trotzdem wurden in Frücht noch so lange Gottesdienste abgehalten, solange man noch die nötige Anzahl an Männern dazu hatte.

Vor und nach dem ersten Weltkrieg verließen die Juden Frücht. Meist zogen sie in die Städte, die ihnen mehr Entfaltungsmöglichkeiten boten. Der letzte Jude verließ Frücht 1929.

Der Friedhof, 1813 angelegt, liegt südlich von Frücht, im sogenannten Judenwald. Es heißt, daß vorher die Juden einfach im Wald begraben wurden.

In einem Tal, in der Nähe des Dorfes, mit dem Namen ‘Im Weikert’, sind Terrassen angelegt, die ‘Die sieben Juden’ genannt wurden. Woher der Name kommt ist unklar. Eine mögliche Erklärung könnte sein, daß Juden, das ihnen zur Verfügung gestellte Gelände in Terrassen anlegten, um es bestellen zu können.

Der Weg:

 

An der Straße zwischen Dachsenhausen und Frücht, oberhalb der evangelischen Kirche befindet sich eine kleine Anlage, von der zwei Wege ausgehen. Wenn man dem linken bis zum Wald folgt, kommt man zu dem kleinen eingezäunten Friedhof.

Statistik:

1800 drei Familien

1816 26 Personen

1843 31 Personen

1847 26 Personen

1905 12 Personen

1929 verläßt der letzte Jude Frücht