Nochern
Der Friedhof von Nochern war für die Synagogengemeinde Weyer (Rhein-Lahn-Kreis) angelegt. In Nochern selbst lebten immer nur wenige Juden. Die Juden von Lierschied setzten ihre Toten ebenfalls in Nochern bei. Auf dem Friedhof sind noch 25 Grabsteine erhalten.
Da die Gemeinde sehr klein war, bestand zwischendurch der Plan diese mit der Gemeinde in St. Goarshausen zu vereinen. Trotzdem blieb Weyer als Gemeinde bestehen. In dem Haus des Kultusvorstehers M. Ackermann wurden die Gottesdienste abgehalten.
Vor 1933 lebten in Weyer noch 25 Mitglieder der jüdischen Gemeinde. Nach 1933 lebten dort nur noch drei jüdische Familien. Zwei Familien wanderten nach Amerika aus. Die Familie von Siegfried Ackermann wurde in das Sammellager Friedrichssegen verbracht. Von da an verliert sich ihre Spur in den Konzentrationslagern in Osteuropa. Ihre Namen stehen auf dem Mahnmal Tagschacht in Friedrichssegen.
1988 gingen die Wogen bei dem Versuch einen Gedenkstein für die ermordeten Weyerer Juden und die Zwangsarbeiter aus Frankreich, Polen und der Sowjetunion am 9. November 1988 auf dem kirchlichen Teil des Dorfplatzes zu errichten hoch. In einer Gemeindeversammlung in der evangelischen Kirche kam es zu keiner Einigung zwischen der Kirchengemeinde, die den Vorschlag gemacht hatte, und der bürgerlichen Gemeinde. Diese Kontroverse hat aber vielleicht das Gedenken späterer Jahre ermöglicht.
Natürlich ist die Diskussion um einen Gedenkstein für Menschen, die einmal unter uns lebten und die ihrer ganzen Existenz einschließlich des Lebens beraubt wurden, kein Einzelfall. Andere Kommunen haben sich auch schwer getan. Im Gedenken vollzieht sich verantwortetes Leben.
Wenn man die Diskussionen um den Sinn solchen Gedenkens vor dem Hintergrund der Tatsache sieht, daß immer wieder betont wird, daß die Juden in gutem Einvernehmen mit ihren dörflichen Mitbewohnern lebten, wenn man weiter bedenkt, daß im ersten Weltkrieg annähernd 100 000 Juden als Frontsoldaten für Deutschland kämpften und etwa 12 000 das mit dem Leben bezahlten, dann fällt es schwer die mangelnde Einsicht in die Notwendigkeit des Gedenkens nach dem Holocaust zu verstehen.
Der Weg:
Von der Straße zwischen Weyer und Nochern, gegenüber der MKW geht ein Weg in Richtung Wald. Am Wald angekommen, muß man linker Hand am Waldrand entlanggehen bis man zum Friedhof kommt.
Statistik:
Weyer:
1843 11 Personen
1865 9; 3 Familien mit zwei Kindern
1871 17 Personen
1885 19 Personen
1895 20 Personen
1905 20 Personen
1925 21 Personen
1933 9; 3 Familien bzw. 15 Personen
1939 9; 6 Personen
Nochern
1843 3 Personen
1865 9; 2 Familien
Lierschied
1843 9; 6 Personen
1865 9; 1 Familie mit zwei Kindern