Die Mühlen und die Müllersfamilien

von Kurt Bruchhäuser

1 Die Bedeutung von Mühlen in früheren Zeiten

1.1 Lage und Anlage von Mühlen

Wer sich mit geschichtlichen Überlieferungen in dörflicher Umgebung befaßt, stellt fest, daß der Berufsstand des Müllers früher neben dem des Bauern und der Handwerker eine ganz eigenständige Rolle gespielt hat. Natürlich war dieser Berufsstand in den Mittelgebirgslandschaften auf die Flußtäler beschränkt, wohingegen im Flachland und insbesondere am Meer günstige Voraussetzungen zum Betrieb der Mühlen durch die Nutzung der Windenergie vorlagen. Mühlen konnten sich hier eben nur an den Flußläufen entwickeln, wo die vorhandene Wasserkraft zum Bewegen der Mühlsteine sowie den Antrieb von Maschinen in Anspruch genommen werden konnte. Beliebt, weil die baulichen Voraussetzungen weitgehend in eigener Regie geschaffen werden konnten, waren die zu den größeren Flüssen strebenden Bäche. Dabei mußte jedoch auf einen möglichst das ganze Jahr hindurch sicheren Wasserstand geachtet werden.

Die geografische Lage von Dausenau bot für die Anlage von Mühlen sehr gute Voraussetzungen, denn der aus den stark bewaldeten Westerwaldhöhen kommende Unterbach, der im Unterlauf Verstärkung durch die Einmündung des Oberbachs aufnimmt, führt im Jahresverlauf ohne Unterbrechung Wasser. Das sanft ansteigende, sich gleich hinter dem Ortskern verbreiternde Tal mit seinen recht ausgedehnten Wiesen und Weiden bot nicht nur Raum für den Bau der Mühlen sondern es stand dort auch das Gelände für die übliche Haustierhaltung in unmittelbarer Umgebung der Anwesen zur Verfügung.

1.2 Bedeutung innerhalb der früheren Wirtschaftsordnung

Die umfangreiche Arbeit von Prof. Adolf Bach über das Mühlenwesen in der Vogtei Ems enthält sehr viele Informationen, die von grundsätzlicher Bedeutung sind für die Beurteilung der Mühlen in der früheren Wirtschaftsgesellschaft. Nachstehend lesen wir einige Auszüge daraus:

"Schon in der Frühzeit der fränkischen Geschichte nahmen die Mühlen eine Sonderstellung in der Rechtsordnung und im Gewerksleben ein. Während der Franke die übrigen Gewerbe, soweit der Bedarf der Familie es erforderte, in der Hauswirtschaft betrieb, ließ ihn der technische Aufwand der Wassermühlen, der dem einzelnen meist unerschwinglich sein mochte, zur gemeinsamen Errichtung der Mühle auf Kosten der Gesamtheit schreiten."

Mit der Erstarkung der Territorialstaaten schufen sich die Landesherren, ähnlich wie in anderen Bereichen des täglichen Lebens eine weitgehende Zuständigkeit für die Genehmigung und damit Ausübung des Betriebes von Mühlen.

"In der älteren Zeit war die gemeinsame und ausschließliche Benutzung der Gemeindemühle durch die Gemeindegenossen wohl allgemeiner Brauch, und diese hatten, ohne daß ein Zwang zur Benutzung der Gemeindemühle nachzuweisen wäre, das Recht zum Mahlenlassen in der Gemeindemühle, der Müller hatte die Pflicht zur Vermahlung".

Diese Situation konnten die Landesherren, zumal, wenn sie auch noch gleichzeitig in ihrer Eigenschaft als Grundherren Einfluß in einer Gemeinde ausüben konnten, leicht zu ihren Gunsten verändern.

"... brachte es mit sich, daß aus dem Recht, in der Gemeindemühle mahlen zu lassen, ein Zwang, aus der Freiwilligkeit der Benutzung die Pflicht, sich der grundherrlichen Mühle zu bedienen, erwuchs, während die Pflicht des Müllers zur Vermahlung der Früchte der Markgenossen ein Recht wurde. Die alte Gemeindemühle ward zur Bannmühle und damit zur sicheren Einnahmequelle der Grundherren und ihrer Rechtsnachfolger".

Inhaber solcher Mühlen hatten für die Verleihung der "Banngerechtigkeit" an den Landesherrn ein "Banngeld" zu zahlen, das in Geld oder Naturalien geleistet werden mußte. Unabhängig von dieser Abgabe mußten alle Mühlenbetreiber, dies konnten ja auch solche sein, die die Mühle auf eigene Rechnung betrieben und selbst erbaut hatten, für die Nutzung des Wasserrechts einen "Wasserzins" entrichten, der in der Regel auch dem Landesherrn zustand. Diese Wasserrechte aus früheren Zeiten, von ähnlicher Rechtsqualität sind ja die Fischereirechte, wurden wegen ihrer im 19. Jahrhundert noch großen Bedeutung für die vom Wasser abhängigen Berufsstände in die Rechtsordnung des modernen Verfassungsstaates übernommen. Heute spielen diese jedoch nur noch eine eher untergeordnete Rolle.

1.3 Entwicklung in der Gemeinde Dausenau

In Dausenau hat sich keine sogenannte Herrenmühle gehalten, für die ein Banngeld an die Landesherren zu zahlen war. Wir wissen lediglich, daß die Landesherren von Nassau-Weilburg im Jahr 1416 4½ Echtel Korn von einer Mühle zu Dausenau erhielten, das nachweislich noch bis zum Jahr 1734 gezahlt wurde. H. Gensicke sieht hinter dieser Mühle die im Jahr 1610 als "gemein Mühl" bezeichnete Mühle im unteren Dorf.

Zur Situation in Dausenau ist zu sagen, daß die meisten Mühlen im Privatbesitz standen. Es gab daneben eine "gemeine Mühl", sie stand ursprünglich wohl im Eigentum der bürgerlichen Gemeinde. Außerdem gab es eine "geistliche Mühl", die früher zum Kirchenvermögen gehörte und Abgaben an den Patronatsherren unserer Kirche zu leisten hatte, und schließlich war das adelige Haus vom Stein in Nassau Besitzer einer Mühle im Ort, die ursprünglich "Junkers Mühl" und am Schluß ihrer Existenz "Fuhrs Mühle" hieß.

Eine sogenannte "Herrschaftliche Mühle", die in anderen Dörfern mit größeren Rechten, wie z.B. dem Bannrecht ausgestattet war, gab es hier zumindest in den von dort bekannten Erscheinungsformen nicht.

1.4 Allgemeines zu den Mühlen in Dausenau

Besonders stark war in Dausenau das Mühlengewerbe besetzt, so beginnt H. Gensicke seine Ausführungen in der umfangreichen Quellensammlung zur Dausenauer Ortsgeschichte in "Kirchspiel und Gericht Dausenau". Der Verfasser beschreibt hierin exakt die Lage der einzelnen Mühlen mit den jeweiligen Eigentümern bzw. Pächtern, läßt jedoch wissen, daß eine genaue Zuweisung der einzelnen geschichtlichen Überlieferungen nicht in allen Fällen möglich sei.

Die erste urkundliche Nachricht von einer Mühle in Dausenau ist danach aus dem Jahr 1416 überliefert, die sich auf die "gemein Mühl" bezog. Sie ist heute noch unter dem Namen "Sierings Mühl" bekannt und liegt mitten im unteren Flecken.

Sehr umfangreich sind die Studien zur Dausenauer Mühlengeschichte, die in unveröffentlichten Schriften von Theodor Maxeiner im Stadtarchiv Bad Ems vorliegen. Dem Verfasser kam es offenbar sehr darauf an, exakte Standortbeschreibungen zu liefern. Daß dies gelungen ist, wird daran deutlich, daß die verschiedensten Nachrichten aus geschichtlichen Überlieferungen herangezogen worden sind. Ein breiter Raum nimmt dabei die Auswertung des alten Flurbuchs aus dem Jahr 1740 (Ajeckes Dausenauer Lagerbuch) ein. Daneben halfen Aufzeichnungen aus alten Bürgermeisterrechnungen vor allem des 17. Jahrhunderts, Nachrichten den entsprechenden Mühlen richtig zuzuordnen. Viele Informationen aus früheren Zeiten hat sich Maxeiner auch durch Befragung älterer Leute aus dem Dorf beschafft. Dadurch konnte manche Überlieferung für die Nachwelt erhalten werden. Schließlich, und dies ist ein besonders wertvolles Ergebnis der Arbeit Maxeiners für die Dausenauer Ortsgeschichte, hat er neben der eigentlichen Mühlengeschichte eine Geschichte der Dausenauer Müllersfamilien geschrieben, die insbesondere auf den Registern des Kirchengemeindearchivs fußt.

1.5 Quellen - Literatur

Die Geschichte der Dausenauer Mühlen ist weitestgehend erforscht, die hier vorgelegte Veröffentlichung stützt sich im wesentlichen auf die Arbeiten von Theodor Maxeiner aus Bad Ems und von Hellmuth Gensicke; dabei konnten jedoch verschiedene neue Erkenntnisse noch Berücksichtigung finden.

2 Die Berichte zu den einzelnen Mühlen:

Neben den ausführlich beschriebenen - weil vielerlei archivaliche Unterlagen vorliegen - gibt es noch weitere Hinweise auf Mühlen in Dausenau, auf die kurz eingegangen wird:

2.1 Fournierschneidemühle

Christian Marx erhielt im Jahr 1838 die Genehmigung zum Bau einer solchen Mühle "oberhalb aller Mühlen". Auch darüber ist nichts näheres bekannt geworden. Es wird sich bei dem Antragsteller um den Johann Christian Marx handeln, der in den Jahren vor 1830 bis etwa 1839 Müller auf der Steinischen Mühle war.

2.2 Gipsmühle

Diese von H. Gensicke genannte Mühle war ja nicht nur Gipsmühle, sie stand wohl im Zusammenhang mit der Ölmühle, über die folgend berichtet wird.

2.3 Die Ölmühle, heute als Privathaus geführt mit Namen "Waldmühle"

Sie war die oberste aller Dausenauer Mühlen; aus dem Flurbuch von 1740 können zur Lage derselben einige Schlüsse gezogen werden. Die Aktenhinweise lesen sich so:

"Aufm Teich gleich über der Bach An der Alt Öhle Mühl", "Aufm Teich, der Bien Garten genannt". Maxeiner hat aus diesen und weiteren, nicht exakt zu klärenden Aktennotizen die Vermutung abgeleitet, daß die heute als Ölmühle bekannte oberste Mühle im Dorf nicht identisch ist mit der vielfach genannten "alten Ölmühle". Er lokalisiert diese zwischen dem Zusammenfluß von Ober- und Unterbach - früher als "Kennel" bezeichnet - und der alten Blumenmühle, also etwa an der Brücke vor der Waldesruh. An dieser Stelle, so die weiteren Überlegungen, könnte früher auch die "Lohmühle" betrieben worden sein, von der in einer Bürgermeisterrechnung des Jahres 1662 erstmals berichtet wurde: "....hat Reiffert Scheuwerer der Gemeinde wegen seines wassergangs uf die Lohe mühl ein halb ohm wein verehrt".

Nach Auswertung bisher nicht einbezogenen Aktenmaterials aus dem Dausenauer Gemeindearchiv und Akten des Hessischen Hauptstaatsarchivs gibt es hierzu jedoch andere Erkenntnisse, die im Beitrag zur Lohmühle sowie zur Sierings-Mühle ausführlicher beschrieben werden.

Sicher belegt ist, daß Georg Philipp Kreckel bereits im Jahr 1732 außerhalb des Fleckens eine Ölmühle errichtete. Müller auf dieser Ölmühle, als dessen Eigentümer ab 1740 der Georg Philipp Kreckel in Erscheinung tritt, ist danach bis 1748 dessen Bruder Philipp Anthon Kreckel und danach Johann Martin Bäres bis 1754.

Johannes Deusener, der am 13.6.1753 Anna Clara, die Tochter der Eheleute Georg Philipp und Eleonore Marg. Kreckel geheiratet hatte, übernahm die Mühle in jenem Jahr. Johann Adam Dietz der jüngere, sein Schwager, der am 18.2.1763 eine jüngere Schwester seiner Frau heiratete, führte als "Öhlenschläger" bzw. "Ohl Müller" bis 1770 diese Mühle. Johann Wendel Zimmermann, ein weiterer Schwager, übernahm die Mühle anschließend und der bisherige Müller Johann Adam Dietz wurde ab diesem Zeitpunkt Müller der unteren Mühle im Flecken. Müller auf der Ölmühle blieben die Nachkommen des Johann Wendel Zimmermann mit dessen Sohn Johann Wilhelm, geb. am 24.11.1774, dessen Sohn Johann Jacob, geb. am 22.10.1817 sowie dessen Tochter Anna Marie Elisabethe Philippine, geb. am 24.5.1850, die 1875 den Müller Philipp Jakob Schmidt von der Obelsbacher Mühle bei Schweighausen geehelicht hatte.

Da die Eheleute Schmidt keine Nachkommen hatten, verkaufte die verwitwete Ehefrau das Anwesen 1891 an die Eheleute Wilhelm Bettner, die die Mühle in eine Schrotmühle umbauten. Sie waren es dann, die eine Gastwirtschaft einrichteten, ehe das Anwesen an den neuen Besitzer Karl Schaeffer, der Landwirtschaft und Milchhandel betrieb, überging. Im Gemeindearchiv hat sich noch ein altes Photo erhalten, aus dem die frühere Nutzung als Mühle zu erkennen ist(Abb. 1).[Müh 1]

Beschreibung der Mühle im 19. Jahrhundert:

1822

Nr. 103

zweistöckiges Wohnhaus

1867

Nr. 60

Wohnhaus mit Mühle

1869

Nr. 60

Oehlmühle in Holz mit Schieferdach, Scheuer mit Strohdach,

Versicherungskapital: 770 Thaler.

_ Gebäudesteuer-Kataster von 1822, HStAW 235,591

 

 

 

 

_ Gebäudesteuerrolle 1867, HStAW 433,659

 

 

 

 

_ Brandsteuerkataster 1869, HStAW

 

 

 

 

Die bei den anderen Mühlen angebrachten Verweise auf die Archivalien Nr.1, 2 und 3 gelten wie hier, auf eine Wiederholung wird verzichtet.

 

2.4 Die ältere Blumenmühle, heute Waldesruh

Die alte "Blumenmühle" ist 1927 abgebrannt; sie lag etwas oberhalb der Bachheims-Mühle im Unterbachtal.

Wenig darunter ist 1928 von der Familie Wilhelm Tiefenbach ein repräsentatives Pensionshaus errichtet worden, die "Waldesruh", in dem ursprünglich eine Pension mit Gastwirtschaft und seit 1952 von Tochter und Schwiegersohn des Erbauers, der Familie Hans und Else Lichius, zunächst ein Kindersanatorium betrieben wurde. Bereits seit längeren Jahren ist das Haus in ein sozialpädagogisches Heim umgewandelt worden, das vielen Kindern und Jugendlichen zu einem Elternhaus geworden ist.

Im Flurbuch von 1740 wird diese Mühle als "Blumen Mühl" und als "Simons Mühl" oder "des Siemons Mühl" bezeichnet (Abb 2.) [Müh 2]

Daß die Blumenmühle ihren Namen von Simon Blum hat, läßt sich u.a. aus einer Eintragung aus dem Dausenauer Kirchenregister folgenden Inhalts ableiten: "Am 4. September 1753 starb im Alter von 63 Jahren und 8 Monaten zu Dausenau die Anna Margaretha, geb. Blumin, Joachim Schloßers, Bürgers und Metzlers allhier ehel. Frau, Simon Blums Müllers Tochter". Als Sohn des Simon Blum erscheint Johann Jacob Blum noch als Müller, der jedoch bereits im Jahr 1750 die von ihm erbaute neue Mühle, die Schmeltz oder "untere Blumenmühle" bezogen hat.

Es haben sich von der alten Blumenmühle viele Einzelnachrichten erhalten; einige hat Prof. Maxeiner so beschrieben:

"Den Müller Simon Blum entdeckte ich weiter in einer Urkunde vom 6. April 1699. Sie gehört dem jetzigen Müller Jakob Fuhr in der Steinischen Mühle, der vorher als letzter Müller in der Blumenmühle saß. Danach kaufte damals Simon Blum und seine eheliche Hausfrau Elisabethe allhier zu Dausenau ... ein wiß, so gelegen ober Frau häußgen langs den Gemeinen waldt für 17 Reichstaler 24 Albus" .

Simon Blum erschien auch in den Bürgermeisterrechnungen der Jahre 1710 bis 1722, dort zunächst jedoch noch nicht unter der Berufsbezeichnung eines Müllers. Dies wird erstmals in 1718 berichtet. Im Jahr 1710 zahlte er Beisassengeld, doch bereits im gleichen Jahr kaufte Blum "einen Stamm Bauholz" und im Jahr 1718 weiteres Bauholz.

Als Verwandter, vermutlich wird es sich hier um den Vater des Müllers handeln, finden wir in Gemeinderechnungen von 1661 und 1662 den Schmiedemeister Jacob Blum, der 1655 bereits Bürgermeister in Dausenau war. Bei ihm wird es sich um den gleichen Jacob Blum handeln, der in der Einwohnerliste des Jahres 1665 67 Jahre alt war und mit seiner 20 Jahre jüngeren Ehefrau aufgeführt ist. Im elterlichen Haushalt waren damals bereits keine Kinder mehr.

Von einem Petter Blum erfahren wir 1681, als er mit einem Johann Philipps Elbert anläßlich eines Botengangs nach Koblenz für die Gemeinde genannt wird.

In den Jahren 1687 bis 1690 saß Simon Blum noch als Steinischer Müller im Dorf und es ist wohl anzunehmen, daß Blum von dort aus die "obere Mühle" gekauft hat, die er später nach seinem Namen umbenannte.

Aus mündlicher Überlieferung haben wir die Information, daß im oberen Balken des Türrahmens in der Haustür der Blumenmühle die Jahreszahl 1699 eingekerbt war . Es läßt sich daraus nichts auf das Jahr der Erbauung dieser Mühle schließen, zumal der Kauf von Bauholz in den Jahren 1710 und 1718 auf größere Bautätigkeit in jenen Jahren hinweist, für die bei einer Neuerrichtung der Mühle im Jahre 1699 sicher noch keine Veranlassung bestanden hätte. Im Familienbesitz der letzten Müller aus der alten Blumenmühle, der Familie Fuhr, befand sich eine Urkunde aus dem Jahr 1668, die einen Antrag zur Errichtung einer "Plätschenmühle in der Unterbach enthielt; dieser bezog sich mit einiger Sicherheit auf die hier beschriebene Mühle. Auch die Gemeinderechnung für 1676 enthält einen Hinweis auf den Bau einer neuen Mühle in jenem Jahr. Die Gemeinde hatte für die Lieferung von Buchenholz für den "Kennel" zur "neuen Mühle" Geld vereinnahmt.

In einer Einwohnerliste aus dem Jahr 1722 erscheint der Müller Simon Blum nur noch als "Simon Blume W. Müller". Es ist zu vermuten, daß es sich hierbei jedoch um seine Witwe handelte. Mit dem Wegzug des Johann Jacob, des ältesten Sohnes der Eheleute Simon Blum in die "Schmeltz", endete bereits die Familientradition der Blums auf der alten Mühle im Mannesstamm. Neuer Müller wird jetzt der Schwager des Johann Jacob, der 1749 seine Schwester Christine Blum geehelicht hatte. Johann Jacob Schmidt war der zweite Sohn des Hömberger Schultheißen Johann Peter Schmidt.

Obwohl zwei der drei Söhne aus dieser Ehe das Müllerhandwerk erlernten und zunächst auch gemeinschaftlich den Mühlenbetrieb führten, kam die Mühle durch Erbfolge in den Besitz der ältesten Schwester Maria Clara, die im Jahre 1776 den zweitältesten Sohn des Bachheim-Müllers, den Philipß Jacob Kroeckel heiratete.

Deren Tochter Christine Henriette heiratete 1817 den Johann Andreas Fuhr, der von Holzhausen über Aar im Amt Wehen stammte und von nun an Namensgeber der alten Blumenmühle war. In dieser Zeit bezeichnete sich der Müller gelegentlich auch einmal als "Müller in der Atzebach". Bei dem Eigentumswechsel damals war es offensichtlich zu größeren Streitigkeiten unter den Geschwistern der jungen Frau gekommen, da ihr Onkel Johann Jacob Schmidt sie alleine als Erbin eingesetzt hatte. Den Streit beendete zunächst das Appellationsgericht in Wiesbaden im Jahr 1820, eröffnete jedoch gleichzeitig eine erneute Verhandlungsmöglichkeit beim Amt Nassau. Dazu scheint es jedoch nicht gekommen zu sein.

Seit 1820 ist belegt, daß Fuhr in der Mühle auch einen Backofen besaß, in dem der aus der Steinischen Mühle im Flecken stammende Bäcker und Tagelöhner David August Andreas Kreckel für ihn Brot und Kuchen backte. Der Müller Fuhr schrieb damals "... den 12. August hath er (gemeint war Kreckel) die Kuchen gebacken auf unserer kinthauf in unserem Ofen" (es handelte sich um die Taufe der am 20. Mai 1820 geborenen Tochter Henriette Jakobine Wilhelmine). Mit Konzession des herzoglichen Amtes Nassau hat der Müller der Blumenmühle dann ab 1839 auch eine Bäckerei als Gewerbe betrieben.

Nach dem Tod des Müllers im Jahr 1863 übernahm der älteste Sohn Johann Jacob die Mühle, der schon 1865 47jährig verstarb.

Seine Frau, der er 4 Kinder hinterließ, heiratete 1868 Johann Andreas Fuhr, den Bruder ihres Mannes, der nun Mühlenbesitzer wurde. Auch aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor. Jakob Fuhr, der einzige Sohn aus dieser Ehe, heiratete am 9. Okt. 1897 die ebenfalls aus Dausenau stammende Elisabeth Deusner. Er übernahm die Mühle im Jahr 1911 und führte sie bis 1920. In jenem Jahr kaufte er die Steinische Mühle im Dorf, die er dann auch mit seiner Familie (4 Töchter und ein Sohn) bezog. Jakob Fuhr war also der letzte Müller aus der traditionsreichen Müllersfamilie in der Blumenmühle. Er baute vor seinem Umzug das Mühlrad aus der auch sonst schon abgängigen Mühle aus, da er auf jeden Fall unliebsame Konkurrenz von seiner ehemaligen Mühle vermeiden wollte. Das Anwesen wechselte noch 3 mal den Eigentümer, bis es im Jahr 1926 von den Eheleuten Wilhelm und Paula Tiefenbach erworben wurde. Die sich daran anschließende Nutzung ist zu Beginn bereits beschrieben.

Beschreibung der Mühle im 19. Jahrhundert:

1822

Nr. 54

einstöckiges Wohnhaus mit einer Mahlmühle

1867

Nr. 59

Wohnhaus mit Mühle

1869

Nr. 59

Mühlgebäude in Holz mit Schiefer- und Strohdach; Backhaus, Scheuer und Stall aus Stein mit Schiefer- und Strohdach

Versicherungskapital: 1.890 Thaler

2.5 Die Kastormühle, heute Gastwirtschaft Kastormühle

Sie ist die drittoberste der früheren Dausenauer Mühlen und bereits seit der Jahrhundertwende nicht mehr im Betrieb. Über diese Mühle gibt es sehr viele schriftliche Nachrichten aus früherer Zeit, was darauf zurückzuführen ist, daß sie seit ihrem Bestehen in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Kirche und Schule stand. Der Name St. Kastormühle hat sich erst nach Umwandlung des Mühlenanwesens in eine Gastwirtschaft gebildet.

Johann Adam Heinrich Krekel, genannt Heinrich Krekel III., war der letzte Müller auf der Bachheimsühle; er errichtete 1904 diesseits des Bachlaufs ein Restaurationsgebäude und nannte die Gastwirtschaft "Kastormühle". Ihr heutiges Aussehen erhielt sie von späteren Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen (Abb. 3). [Müh 3]

In ihrer langen Geschichte sind viele Namen mit dieser Mühle verbunden, sie geben Kunde von Eigentumsverhältnissen und den jeweiligen Bewohnern.

In der Kirchenrechnung von 1638 hielt der damalige Kirchmeister fest: "Item aus Frauhäußgens Mühle, oder der Pfarr- und Schuhl Mühle werden jährlich an den Pfarrer gelieffert 2 Nass(auische) Malter Korn und 1 Malter Korn aus dieser Mühle an den Schuhlmeister". Und In der umfangreichen Aufzeichnung über Ausgaben und Einnahmen der Kirchengemeinde vom 28.5.1646 registrierte der damalige Pfarrer Johann Jakob Koch (1639 bis 1649): "Die Frauenhäusgens Mühl" zu Dausenau gibt jährlich zur Schulen 1 Malter Korn. Dies hat sich noch bis in das 19. Jh. so erhalten, denn auf Seite 14 im "Inventarium über das Vermögen der Schule zu Dausenau" aus dem Jahr 1833, findet sich folgender Eintrag: "Dem Lehrer von der Castormühle 1 Nass Malter Korn = 10 Gulden".

Aus einem Steinischen Zinsregister um 1580, in Abschrift aus dem Jahr 1630 ist die Bezeichnung "Fronheusgen" bzw. "Fronhauß" für diese Mühle erhalten. Th. Maxeiner sieht in dieser Form allerdings mit Recht einen Übertragungsfehler. Bereits in dem Protokoll eines 1614 durchgeführten Hubenbegangs findet sich wieder der Name "Frauenhäusgen" für diese Mühle.

Amtmann Naurath's Beschreibung des Amtes Nassau von 1646 erwähnt diese Mühle nicht, es wird lediglich die Steinische Mühle genannt, die das Haus vom Stein als Lehen von den Landesherren besaß und in Erbleihe verpachtete. Die Mühle trägt in einer Beschreibung des Amtes Nassau von 1738 zwar noch den Namen "geistliche Mühle" und aus Gemeinderechnungen des frühen 17. Jahrhunderts kennen wir auch die Bezeichnung "die äußerste Mühle", doch festigte sich schon bald nach 1700 der Name "Bachheims Mühle", der auf den damaligen Müller (Johann) Philipp Bachheim zurückgeht, welcher ab 1672 in Dausenauer Gemeinderechnungen erscheint. Johann Philipp Bachheim ist zunächst als Johann Philipp von Oberbachheim genannt, ein deutlicher Hinweis auf seinen Herkunftsort im vorderen Taunus.

Dieser Name hielt sich bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, als der letzte "Bachheims-Müller" Johann Adam Heinrich Krekel den Mühlenbetrieb einstellte und für die von ihm errichtete Gastwirtschaft den Namen "Kastormühle" wählte. Pfarrer Kolb (1795 bis 1826) benutzte diese Bezeichnung schon 100 Jahre früher. Im Taufregister nannte er den Taufzeugen Joh. Jakob Kreckel als ehelichen Sohn des Phil. Kreckel aus der "Castor Mühle".

Aus früherer Zeit sind uns keine Namen der Mühlenbeständer bekannt, die Liste der Müller beginnt erst im Jahr 1673 mit "Philipp dem Müller", bei dem es sich, wie zuvor erwähnt, um einen Bürger aus dem Taunusort Oberbachheim handelte, über dessen Familiennamen bisher nichts bekannt geworden ist. Aus jener Zeit sind einzelne Eintragungen aus Dausenauer Gemeinderechnungen überliefert, wie

"Von Johann Philipß bacheim wegen des wegs so durch ihnen daß Waßer verdorben hat empfahen - 5 fl. 9 alb".

"Philips der Müller zahlte an Weidgeld im Jahr 1673 - 12 alb. und in den folgenden Jahren - 1 fl."

Für 1 fl. und 18 alb. kaufte der gleiche Müller von der Gemeinde "einen Baum zu einem Kennel", wohl ein Beweis für die Annahme, daß die Erneuerung oder Verbesserung des Wasserzulaufs zum bestehenden Mühlrad zur Ausführung anstand.

Johann Philipp Bachheim erscheint erstmals in der Gemeinderechnung von 1692 und wir finden danach erst wieder in den Rechnungen von 1710, 1718 und 1722 Hinweise auf den neuen Müller dort; Georg Philips Bachheim hatte sicher als Sohn die Mühle übernommen, die er mit seiner Frau Maria Magdalena bis zu seinem Tod im Jahr 1739 betrieb.

Der vermutlich einzige Sohn Johann Philipp Bachheim wurde offenbar nicht sein Nachfolger als Müller, denn er war vermutlich bereits vor seinem Vater verstorben. Dies jedenfalls kann man aus dem alten Dausenauer Flurbuch von 1740 schließen, das Grundstücke nennt, an denen die "Johann Philips Bachen Wittwe" einen Aushalt hatte.

Als neuer Müller in der Bachheims Mühle tritt im Jahr 1741 der Georg Philipp Kroeckel in Erscheinung, der am 18.6.1741 Taufzeuge war. Der Pfarrer bezeichnete ihn als "Müller in der Pfarrmühle allhier bey Frauhäusgen". Dieser Georg Philipp, der wohl im Jahr 1731 Eleonore Margarethe, die vermutlich einzige Tochter des letzten Bachheim geheiratet hatte, war ein Sohn der Müllersleute auf der Stein'schen Mühle im Dorf. Das Ehepaar hatte 4 Söhne und 4 Töchter. Der Müller verstarb am 29.1.1765, seine Ehefrau am 31.12.1769.

Philipp Jacob, der drittälteste Sohn übernahm danach die Mühle. Er heiratete am 19.2.1772 Marie Clara Schmidt, die älteste Tochter aus der "alten Blumenmühle". 2 Söhne und 4 Töchter waren deren Nachkommen.

Johann Wendel, der 1773 geborene älteste Sohn heiratete am 21.1.1800 Marie Magdalene Blum, die Tochter der Müllersfamilie aus der "Schmeltz", die damals auch "neue Blumenmühle" und später "Minorsmühle" hieß. Die Eheleute hatten 3 Söhne und 5 Töchter.

Georg Wilhelm erlernte wie der Vater das Müllerhandwerk und übernahm die Mühle nach dem Tod der Eltern; die Mutter verstarb bereits 1834, der Vater 1839. Mit Anna Christine Zimmerschied aus Kemmenau, die er 1837 heiratete, hatte er 2 Söhne und 6 Töchter.

Der zweitälteste, 1839 geborene Sohn Philipp Andreas wurde Nachfolger als Müller. Er heiratete 32jährig die Luise Wilhelmine Tiefenbach, mit der er 6 Söhne und 1 Tochter hatte.

Nach dem Tod der Eltern (Vater am 6.6.1898, Mutter am 9.6.1898) übernahm der älteste Sohn Johann Adam Heinrich, genannt Heinrich Krekel III. als Müller den elterlichen Betrieb. Aus seiner Ehe mit Wilhelmine Philippine Wagner gingen 3 Töchter hervor, von denen die beiden ältesten auf der Mühle geboren wurden. Offensichtlich war die Konjunktur damals für die Aufrechterhaltung einer Vielzahl von Mühlen im Dorf schon nicht mehr günstig, denn der Müller entschloß sich schon bald, den Mühlenbetrieb aufzugeben. Er errichtete bereits 1904 vor dem Mühlenanwesen ein neues Gebäude in der Absicht, dort eine Gastwirtschaft zu eröffnen. Er nannte diese "Kastormühle", führte sie selbst jedoch nur bis zum Jahr 1906.

Er verkaufte das gesamte Areal und nahm eine sichere Arbeitstelle bei der Wasser- und Schiffahrtsverwaltung an. Heinrich Krekel III. beendete somit die lange Müllertradition der Familie Krekel in der "Bachheims-Mühle". Bemerkenswert ist, daß er dem Anwesen mit "Kastormühle" noch einmal einen neuen Namen gab, gerade zu dem Zeitpunkt, als das Mühlrad seinen Dienst für immer einstellte. Was mag der Grund dafür gewesen sein? Denkbar ist, daß er für die neu eröffnete Gastwirtschaft einen zugkräftigen Namen wählte, der auf die künftigen - vor allem auswärtigen - Gäste eine größere Ausstrahlung haben sollte als der damals gebrauchte Name "Bachheims-Mühle".

Wie dem auch sei, die Kastormühle ging bereits 1906 durch Kauf an die Eheleute Max Lotter über, die darin bis Ende 1918 die Gastwirtschaft betrieben.

Neuer Eigentümer wurde 1919 Herr Adalbert Dorsch. Die älteste Tochter Emma, die mit Fritz Ochtinger und nach dessen Tod mit Georg Gensmann verheiratet war, führte bis zu ihrem Tod im Jahr 1990 als Wirtin die Kastormühle, die sich inzwischen zu einem beliebten Ausflugslokal entwickelt hatte. Von dieser hat der jüngere Sohn, Willi Gensmann, den Betrieb übernommen. Sie ist heute eine anerkannt gute Speisegaststätte und erfreut sich besonders in den Sommermonaten sehr großen Zuspruchs.

Beschreibung der Mühle im 19. Jahrhundert:

1822

Nr. 58

zweistöckiges Wohnhaus mit einer Mahlmühle

1867

Nr. 58

Wohnhaus und Mühle, Backhaus

1869

Nr. 58

Wohnhaus und Mahlmühle in Holz und Stein mit Schieferdach; Scheuer und Ölmühle, Anbau und Stall aus Stein mit Schieferdach.

Versicherungskapital: 2.210 Thaler

2.6 Minorsmühle, früher Auf der Schmeltz, neue Blumenmühle

Die Minorsmühle ist heute ein Privathaus, in dem die Nachfahren der letzten Müllersfamilie leben. Aus der Lage des Anwesens, das von dem Unterbach und dem früheren Mühlgraben umfaßt, vor dem Bau der Volksschule Mittelpunkt eines herrlichen Wiesengrundes war, läßt sich mit ein wenig Phantasie erahnen, daß die früheren Bewohner gute Voraussetzungen zur Ausübung eines Mühlengewerbes hatten.

Es wundert einen heute eigentlich, daß gerade an einem solch günstigen Ort erst zu einem recht späten Zeitpunkt eine Mühle in Erscheinung tritt, denn vorher wurde das vorbeifließende Bachwasser zum Betrieb einer Erzaufbereitungsanlage genutzt. Doch dazu später.

Der letzte Müller dort war Christian Minor; bereits vor dem ersten Weltkrieg gab er die Mühle und den Bäckereibetrieb auf und widmete sich seitdem nur noch der Landwirtschaft. Wie wir an der Beschreibung der anderen Dausenauer Mühlen sehen und auch aus der Umgebung wissen, war bereits um die Jahrhundertwende ein allgemeiner Rückgang des Mühlengewerbes festzustellen; es hängt sicher mit den Auswirkungen der Industrialisierung und dem damit einhergehenden Strukturwandel in allen Bereichen der Gesellschaft zusammen.

Auch aus der Geschichte dieser Mühle stützen wir uns auf umfangreiche Berichte von Prof. Maxeiner, die auszugsweise wiedergegen werden:

"Die Schmeltz liegt in einem Wiesengrund, genannt der Rosengarten, im Volksmund fälschlich Russengarten, indem er mit Russen in der napoleonischen Zeit zusammengebracht wird. In einem Steinischen Register aus 1614 finde ich "Rosen Garten". Nach dem Dausenauer Pastoreiregister wird 1738 wegen eines Spitalrezesses verpfändet "eine Wiese obig der Schmeltz (es ist hier noch nicht die Mühle gemeint) zu Berg im Rosengart."

"Wilhelm Krekel habe ihm berichtet, sein Großvater Georg Wilhelm Krekel, Müller in der Bachheims-Mühle (1809-1884) habe erzählt, zur Zeit seines Vaters, des Bachheims-Müllers Johann Wendel Krekel (1773-1839), hätten auf der Schmelz die Schlacken noch frei im Hof gelegen. Dies beweist also, daß dort einst aus erzhaltigem Gestein Metalle geschmolzen worden sind." Aus der Hand des einstigen Gemeindearchivars Karl Deusner ist zum Betrieb der Metallschmeltze nachstehender Hinweis überliefert: "1738 forderte die oranische Regierung vom Amtmann Joh. Adam Goedeck (*1695 †1765), dem Bruder des gewesenen Amtmanns Joh. Christoph Goedeck (*1677 †1733) für das Amt Nassau, die Vogtei Ems und das Vierherrische einen Bericht ein. Es wurde gemeldet, in Dausenau gebe es keine Hütten; die Schmelz wurde nicht mehr betrieben".

Die verfallene Schmelzhütte hatte 1732 der Zimmermann Joh. Jost Kirsch gekauft, um sie in eine Mahlmühle umzubauen. Sie wurde 1750 als "untere" und 1763 "unterste Mühl" bezeichnet.

Deren Fertigstellung können wir in die Jahre um 1750 datieren. Johann Jakob Blum, Müller in der Blumenmühle, übergab zu diesem Zeitpunkt seine "alte Blumenmühle" an die Tochter Christine, die den Hömberger Schultheißen-Sohn Johann Jacob Schmidt, der ebenfalls Müller war, am 25.6.1749 geehelicht hatte. Er selbst zog mit Ehefrau sowie den beiden Kindern Johann Jacob und Johann Daniel in die inzwischen fertiggestellte neue Mühle "die Schmeltz", in der fortan die Blum'sche Müllertradition im Mannesstamm weiterlebte.

Johann Daniel wurde in Ems u.a. "Brückenmüller" und Johann Jacob, der von 1786 bis 1798 auch Schultheiß war, übernahm die Schmeltz. Nachfolger als Müller war Johann Jacob Blum, viertes der sechs Kinder der Schultheißenfamilie (Mutter war Maria Regina geb. Elbert).

Johann Heinrich Blum, zweitältestes Kind (Mutter war Maria Catharina Zimmerschied aus Ems), war der letzte Müller aus der Dausenauer Familie Blum im Mannesstamm auf der Schmeltz, denn er war es, der die Mühle am 9. Mai 1866 an den Müller Johann Heinrich Minor aus Scheuern verkaufte. Dieser, so ist überliefert, ging zunächst daran, im Garten vor dem Haus Grund anzufahren, weil beim Bearbeiten des Gartens immer wieder Schlacken aus der Zeit der früheren Nutzung des Anwesens als Metallschmelze in Erscheinung traten.

Johann Heinrich Minor war am 10.12.1834 als Sohn des dortigen Müllers Johann David Minor und dessen Frau Marianne Christiane geb Linkenbach geboren. Er schloß im Mai 1867 die Ehe mit Anna Elisabethe Christiane Minor, die am 11.6.1843 als Tochter der Landleute Justus Minor und Christiane Elisabethe geb. Crecelius in Holzhausen auf der Heide geboren war. Johann Heinrich verstarb am 30.7.1906, seine Frau am 25.10.1913. Die Eheleute Minor hatten vier Söhne; Christian, geb. am 9. Nov. 1874, führte den Betrieb mit seiner Frau Johanna geb. Sternberger noch für einige Jahre fort, doch konnte auch diese Mühle dem stärker werdenden Wettbewerb nicht mehr standhalten. Es wurde weiterhin Getreide gemahlen und zwar noch während der Kriegszeit und der schlechten Zeit nach dem 1. Weltkrieg, doch es vollzog sich damals bereits das langsame Absterben der Existenzgrundlage auf dieser Mühle. Auf Minors Mühle beschränkte sich das Mahlen schließlich nur noch auf das Verschroten von Korn und Hafer, mit dem der letzte Müller neben dem Betrieb der Landwirtschaft seinen Lebensunterhalt sicherstellte.

Die ausreichend vorhandene Wasserkraft bot schließlich immer schon die Möglichkeit, die Antriebskraft auch für andere Maschinen zu nutzen, auch um eine Kreissäge zu betreiben (Abb. 4). Dies nutzte auch der letzte Müller auf Minors Mühle; er konnte - günstig gelegen zwischen dem Wald und dem Ort - seine Dienste zum Sägen des Brennholzes anbieten und damit für seine Familie eine zusätzliche Erwerbsquelle nutzen.

[Müh 4] [Bildunterschrift:

Der Mühlgraben am Einlauf zur Mühle]

Zum letzten größeren Einsatz kam der Sägebetrieb im Jahr 1950, als Herr Engelbert Frielingsdorf das Bauholz für sein Familienheim in der Wälschlade auf Minors Mühle bearbeitete. Mit Christian Minor ging damit eine 200jährige Mühlentraditon zu Ende, die aus der Umnutzung einer ehemaligen Schmelzhütte zwischen 1730 und 1750 entstanden war. Heute wohnt die jüngste Tochter Margarete mit ihrer Familie in dem alten Mühlenanwesen.

Beschreibung der Mühle im 19. Jahrhundert:

1822

Nr.4

zweistöckiges Wohnhaus mit Mahlmühle, Stall und Scheuer

1867

Nr.57

Wohnhaus mit Mühle

1869

Nr.57

Wohn- und Mühlgebäude mit zwei Ställen und Scheuer

Versicherungskapital: 2.920 Thaler

2.7 Die Steinische Mühle, Junkersmühle, Krekelsmühle, Fuhrsmühle

Von dieser Mühle liegen seit 1600 schriftliche Nachrichten vor. Sie gehörte früher den Herren vom Stein und war ihnen zuvor von den nassauischen Landesherren als Lehen übertragen worden. So gibt es auch urkundliche Nachrichten aus dem Stein'schen Archiv zu Nassau, die gemeindliche Akten und Urkunden ergänzen. Aus den frühesten Überlieferungen nachstehend einige Auszüge:

um 1600 - "Die Mühl zu Dausenauw, da Herpeln Hen in wohnt, ist eygen und thut jährlich 4 Malter Korn".

1614 - "Item liegt eine Mühl mit einem gang zu Dausenauw inwendig der ringmauer oben im Flecken die Steinisch Mühl genannt. Ist beyden gevettern vom Stein zustendig, gibt Jahrs ... zur Helfft an Korn - 4½ Malter nassauwer maß, an Eyern pro parte (für jeden) - 50 Eyer".

In der umfangreichen Beschreibung des Amtes Nassau von Amtmann Naurath aus dem Jahr 1646 wird diese Mühle wie folgt benannt: "Zu Dausenau stehet ein Mühl, so denen vom Stein zuständig, und selbige von sämptlicher Herrschaft zu lehen tragen".

Die Betreiber auf dieser Mühle besaßen sie also nicht als Eigentümer sondern als Erbleiher; sie hatten Pacht an die Herren vom Stein (um 1600 waren es 4 Malter Korn, 1822 betrug die Abgabepflicht an die Herren vom Stein noch 5 Malter Korn) und daneben an die Landesherren zu zahlen. Nach dem Naurath'schen Bericht waren dies noch einmal je 1½ Malter Korn an die damals zwei Abgabeberechtigten.

Im 17. Jh. begegnen wir mehreren Müllern, die an die Gemeinde Zahlungen leisteten; ein geschlossenes Bild läßt sich aus jener Zeit jedoch noch nicht gewinnen. Der häufige Wechsel, der noch keine familiäre Tradition auf dieser Mühle entstehen ließ, wird wohl auf ungünstige wirtschaftliche Bedingungen zurückzuführen sein, die schon in der Person der jeweiligen Pächter lagen. So zahlte dieser Müller im Jahr 1645 2 Gulden 6 Albus in die Gemeindekasse, weil sein Vieh mit der Gemeindeherde ging. 1647 hatte Cloß der möllner 5 Gulden 15 Albus zu zahlen, weil er von der Gemeinde Wasser und Weydte in Anspruch nehmen mußte. Daraus ist zu schließen, daß jene beiden Müller über keine oder zumindest nur geringe eigene Ländereien verfügten. Bei beiden wird es sich deshalb auch nicht um Müller aus eingesessenen Familien gehandelt haben. In diesem Zusammenhang stehen auch die Hinweise auf zu zahlendes Beisassengeld verschiedener Müller. So vereinnahmte die Gemeinde in den Jahren 1677 und 1688 Beisassengeld vom Steinischen Müller. Beisassengeld hatten in den ersten Jahren der Anwesenheit in Dausenau auch die Begründer der Dausenauer Müllerfamilien Johann Jacob Kroeckel sowie Simon Blum zu entrichten. (Beisassengeld hatten die Einwohner zu zahlen, die noch keine Bürger waren). Die uns bekannten frühen Müller auf der Steinischen Mühle waren:

um 1600 - Herpeln Hen,

1614 - Hermans Henn,

1647 - Cloß der möller,

1662 - Henrich Stengell der Müller,

1687 - Simon der Steinische Müller,

1690 - Simon Blum steinischer Müller,

(Simon Blum war offensichtlich vor seinem Einzug in die "Blumenmühle" für kurze Zeit Müller in der Steinischen Mühle)

1695 - Frantz Clauß Müller in der Steinischen Mühl zu Dausenau,

1719 - Johann Jacob Kroeckel, der vorher kurze Zeit als Ölenmüller in Ems wirkte.

Sowohl dessen 1693 geborener Sohn Johann Jacob, der 1771 verstarb, als auch dessen Sohn Johann Jacob *1741 †1815 standen als Müller auf der Steinischen Mühle, die sie in Erbleihe führten. Letztgenannter war ab 1785 Gemeindevorsteher, er heiratete am 9. Mai 1770 die Maria Magdalena Müller, Tochter des Dausenauer Bürgers Wilhelm Müller. Die Eheleute hatten 10 Kinder, sie verstarben beide Ende Januar bzw. Anfang Februar 1815.

Es ist nicht exakt nachzuvollziehen, ob und wenn ja, für welchen Zeitraum der 1775 geborene Sohn Johann Henrich, der in den Kirchenregistern mal mit Ackersmann, mal als Müllermeister bezeichnet wird, die Nachfolge seines Vaters in der Steinischen Mühle angetreten hat.

Wir finden bereits in den Jahren 1802 als Pächter der Mühle den 68jährigen Georg Philipp May. Dieser hatte im Jahr 1766 eine Tochter des David Kraft geheiratet, der zu jener Zeit "Steinischer Hofmann zu Mauch" war und diesen Hof ebenfalls als Erbleihe des Hauses vom Stein betrieb. Pfarrer Bender schrieb im Kirchenregister anläßlich des Todes der Ehefrau Elisabeth Magdalena im Jahre 1829 zu deren verstorbenem Ehemann Georg Philipp May: "Dieser starb als Beständer der von Steinischen Mühle dahier im Jahr 1816 den 22. Februar". Die Eheleute hatten 7 Söhne und 3 Töchter.

Der am 6. Juli 1776 geborene Johann Henrich May heiratete am 1.12.1801 die 1778 geborene Tochter des einstigen Müllerehepaares Johann Jacob Kroeckel und wirkte eine zeitlang als Müller auf der Steinischen Mühle.

Nach Johann Henrich Mays wahrscheinlich frühem Tod wurde noch im Laufe des Jahres 1818 Johann Wilhelm Kraft dessen Nachfolger. Er war ein Kousin von Johann Henrich May, denn sein Vater Philipp Gottfried Kraft war ein Bruder von Johann Henrich May's Mutter.

Aus Eintragungen in den Kirchenbüchern ist zu entnehmen, daß Kraft lediglich in den Jahren von 1819 bis 1826 Müller dieser Mühle war, da er später nur noch als Bauer und Ackersmann genannt wird; er war seit dem 9. August 1805 verheiratet mit Marie Wilh., des Andreas Diez ehelicher Tochter. Das Ehepaar hatte 8 Knaben und 5 Mädchen, von denen nach dem Tod ihrer Mutter am 2. Sept. 1832 noch 5 bzw. 3 lebten.

Keines der Kinder und auch keiner aus der Verwandschaft übernimmt die Nachfolge als Müller. Zum ersten Mal erwähnt wird danach als "Müller zu Dausenau" der Johann Christian Marx, als ihm am 31. Januar 1827 die Tochter Anna Maria Catharina geboren wurde.

Marx war wohl nur ca. 12 Jahre Müller auf der Steinischen Mühle, denn bereits 1839 taucht Victor Adolf Andreas Christoph Fuhr als Müller auf. Dieser war am 12. März 1813 zu Diez geboren und seit März 1836 mit Lisette geb. Müller aus Mosbach verheiratet. Er verstarb am 2. Okt. 1856, seine Ehefrau lebte 1868 noch in Biebrich. Victor Fuhr war zumindest kein naher Verwandter seiner Namensvettern, die seit 1817 als Müllersleute auf der Blumenmühle saßen. Verwandtschaftliche Beziehungen erscheinen allerdings nicht völlig ausgeschlossen. Letztmals nannte ihn der Dausenauer Pfarrer im Jahr 1850 als Müller.

Für eine kurze Zeit war Johann Philipp Blum aus der Schmeltz Eigentümer und wohl auch Inhaber der Steinischen Mühle, bevor dieselbe durch Kauf an die Eheleute Christian und Caroline Balzer aus Nassau im Jahre 1865 überging.

Christian Balzer behielt die Mühle, in der auch eine Bäckerei betrieben wurde, bis 1871. Er beschäftigte den aus Nassau stammenden Bäcker Johann Georg Philipp Kreußler, der zweimal verheiratet war. Die Familie Kreußler erwarb später das Haus Ecke Kirchgasse/Bergstraße und betrieb darin eine Bäckerei. Die weiteren Besitzer der früher Steinischen Mühle waren dann die Eheleute Anton und Christine Nickenich aus Camp von 1871 bis 1878; darüber liegen keine nennenswerten Unterlagen vor.

Der ledige Müller Johann Adam Philipp Schild kaufte die Mühle 1878, er stammte von der Neumühle bei Singhofen und heiratete 1879 die Karoline Henriette von Renesse vom Malbergshof bei Ems.

Nach dessen Tod heiratete seine Witwe 1897 den Witwer und Rentner zu Dausenau Johann Friedrich Groß, der am 14. Sept. 1853 in Hömberg geboren war. Die Ehe blieb kinderlos. Als dieser im Jahr 1910 verstarb, ging die Mühle auf seinen Sohn aus der vorangegangenen Ehe, den ledigen Müller und Bäcker Philipp Friedrich Groß über, der im Jahr 1912 heiratete, jedoch im Jahr 1918 in Dausenau einer Kriegsverletzung erlag; sein Grabstein ist noch erhalten.

Dessen Bruder August Groß verkaufte das Anwesen am 9. Juli 1919 an den Müller Jakob Fuhr den Jüngeren aus der alten Blumenmühle. Hierüber wurde bereits an jener Stelle berichtet. Die Mühle wurde von Jakob Fuhr modernisiert, er führte sie bis zu seinem Tod 1952 fort. Sein Sohn Adolf Fuhr betrieb zunächst noch beide Gewerbe. 1956 legte er das Wasser getriebene Mühlrad, das noch aus der alten Blumenmühle stammte, still. Das alte eiserne Mühlrad wurde drei Jahre später ausgebaut, als die Bäckerei ihre letzte Modernisierung erfuhr. Adolf Fuhrs Sohn Günter (genannt Adolf) Fuhr übernahm den Bäckereibetrieb, bis er aus gesundheitlichen Gründen im Jahr 1970 seinen Beruf aufgeben mußte. Eine sehr lange Familientradition der Familie Fuhr, deren Vorfahren bereits vor 1700 in der alten Blumenmühle als Müller saßen, war damit ebenso beendet, wie das traditionsreiche Mühlenanwesen in der oberen Kirchgasse, das als "Steinische", auch "Junkers Mühle" und später "Krekelsmühle" über eine sehr lange Zeit im Dorf eine große Rolle gespielt hat.

Beschreibung der Mühle im 19. Jahrhundert:

1822

Nr.54

einstöckiges Wohnhaus mit einer Mahlmühle

1867

Nr.56

Mühle, Wohnhaus mit Hof

1869

Nr.56

Mahlmühle in Stein mit Schieferdach; Scheuer in Holz mit Ziegeldach.

Versicherungskapital: 1.370 Thaler

2.8 Die untere Mühle im Ort, heute Sieringsmühle

Die älteste Nachricht über eine Mühle in Dausenau sieht Dr. H. Gensicke im Jahr 1416. "Von einer Mühle zu Dausenau bezog Nassau-Weilburg 1416 4½ Echtel Korn, es war dies sein Viertel von den 2 Maltern, die 1484 und noch 1734 von dieser Mühle den drei Herren zustanden. Diese Mühle, die 1610 "gemein Mühl" hieß, stand 1776 mitten im Flecken. Johannes Ramberger besaß 1648 und 1658 diese "unterste Mühle". Ein späterer Besitzer ließ sie verfallen. Als verfallene Ölmühle des Schultheißen Ebenau kam sie vor 1776 an Johann Adam Diez."

Einige Hinweise aus alten Gemeinderechnungen des 17. u. 18. Jahrhunderts geben Aufschluß über Einzelheiten sowie Angaben über Eigentümer bzw. Besitzer der Mühle. In den Jahren 1667 bis 1676 werden als Müller auf dieser Mühle genannt: Philipß Weinwirt, Weinert, Weinerth oder Weynorth.

Ebenfalls erwähnt das "Emser Pfarrzinsregister" bereits im Jahr 1662 den Philipß Weinortt. Ziemlich lückenlos können die Besitzer dieser Mühle bis heute nachgewiesen werden.

Johann Adam Kirsch, der 1681 "für zwey Eygen Stämm (Eichenstämme)" vier fl (Gulden) an die Gemeinde entrichtete, war der erste Müller aus dieser Familie; zwei Söhne, der als geistesschwach bezeichnete Johann Philipp und der Zimmermann Johann Jost Kirsch lebten noch bis 1743 bzw. 1757 auf dieser Mühle, die jedoch zu jener Zeit schon von einem Vetter, dem Joh. Henrich Vesper betrieben worden war.

Vorgänger auf dieser Mühle war ein Johann Kiesel oder Kießel, so läßt sich dies aus dem Verzeichnis über "Dausenauer Pastorey, Schuhl, Kirch und Hospital Zinsen" entnehmen, das von den Jahren 1734 bis nach 1736 vorliegt. Die Mühle wird in jener Zeit u.a. so beschrieben: "die sogenannte olim (einst) Kieselische, jetzo aber Vesperische Unter Mühle in Dausenau, welche jetzo dessen Nachfolger Joh. Jacob Schäfer besitzt".

Ein anderer Hinweis über Besitzverhältnisse lautet so: "Am 17. März 1750 starb zu Dausenau im Alter von über 74 Jahren bei ihrer Tochter, die einen Friedrich Elbert geheiratet hatte, Anna Margarethe, die Frau des zu Ems wohnenden Servatius Schäfer, der mit 88 Jahren am 16. März 1754 zu Ems verschied. Ihr Vater war nach dem Totenregister (von Ems) Philipp Weynorth".

Seit 1770 ist als Inhaber der "untersten Mühle im Flecken" der Johann Adam Dietz der Jüngere bezeugt, der mit seiner 1738 geborenen Ehefrau Christina Catharina geb. Kroeckel bis dahin als Ölenmüller für einige Jahre in der obersten Mühle im Dorf, der "Ölenmühle", die im Eigentum seines Schwiegervaters stand, wirkte.

Man darf sicher davon ausgehen können, daß es sich bei ihm um den "Müller Dietz junior" handelt, der im Ortsplan des "Flecken Dausenau von 1776" als Eigentümer dieser Mühle, zu der damals auch das nördlch des ehemaligen Mühlgrabens liegende Gebäude gehörte (später Wohnhaus Zerbach - Schneider), genannt ist. Der am 4.4.1763 geborene Sohn Johann Adam Diez hat die Mühle von seinem Vater übernommen; das Gebäudesteuerkataster von 1822 weist als Eigentümer noch den Adam Diez aus. Dieses Anwesen wechselte 1838 bereits zum erstenmal den Besitzer, bis es im Jahre 1850 in das Eigentum der Eheleute Wendel Deusner und Henriette geb. Scheuern überging. Johann Wendel, so laut Taufregister sein vollständiger Vorname, war Bäckermeister und stammte ebenso wie seine Frau aus eingesessener Familie, übte in den Jahren 1843 bis 1846 das Amt des Gemeinderechners aus. Es läßt sich z.Z. nicht sicher klären, ob Deusner das Anwesen für sich oder schon von Anfang an zur Versorgung für seine am 23.2.1823 geborene einzige Tochter Magdalena Regina erworben hatte. Maxeiner beschrieb die damalige Situation wie folgt: "Sicher von 1853 an, möglicherweise aber schon seit 1850, erscheint als Müller in der untersten Mühle der am 8.12.1819 zu Kleve am Niederrhein geborene Ludwig Wilhelm Siering. Anfangs war er Bäcker; auch nach dem Erwerb der Mühle betrieb er die Bäckerei weiter". In den Kirchenbüchern wird er von 1853 bis 1867 noch als Bäcker und Müller bezeichnet.

Nach dem Tod seiner Frau im Jahre 1854, die ihm einen Sohn und zwei Töchter hinterließ, schloß Siering 1856 in Braubach eine zweite Ehe; die Familie erscheint bereits 1868 als Betreiber der Gastwirtschaft am Ortsausgang nach Ems, dem heutigen Hotel Lahnhof. Diese Gastwirtschaft übernahm um die Jahrhundertwende der Sohn Fritz Siering aus der zweiten Ehe. Den Mühlen- und Bäckereibetrieb hatte bereits im Jahr 1865 der damals 26jährige Sohn Heinrich aus erster Ehe übernommen, nachdem auch der weitere Grundbesitz, der ja aus dem von der Mutter in die Ehe eingebrachten Besitz stammte, auf ihn und die beiden Schwestern übergegangen war. Heinrich Philipp Jakob Siering heiratete am 18.2.1872 noch als "Bäcker und Müller" die aus Miehlen stammende Elisabethe Charlotte Heß; er hinterließ seiner Frau nach seinem Tod am 4.12.1904 zwei Söhne und vier Töchter. Er hatte damals bereits den Bäckereibetrieb aufgegeben. Sein Sohn Georg Heinrich, *9.10.1877, übernahm nun die Mühle, mußte den Betrieb jedoch infolge des allgemein einsetzenden Niedergangs im Mühlengewerbe bald nach dem 1. Weltkrieg aufgeben. Das Mühlengebäude vermittelte bis in die 60er Jahre im Inneren noch ganz deutlich die Spuren seiner einstigen Nutzung und auch noch heute, obwohl durch umfangreiche Umbaumaßnahmen inzwischen zeitgemäße Wohnungen geschaffen worden sind, ist der Bereich, in dem sich einstmals das Mühlrad drehte, noch weitgehend in seiner ursprünglichen Gestalt erhalten. In der jenseits des Bachs liegenden kleinen Scheune und Remise wurde noch bis nach dem zweiten Weltkrieg gedroschen, jedoch war der alte Mühlenantrieb zu dieser Zeit schon nicht mehr im Gebrauch. Als sichtbares Zeichen hatte sich die Riemenscheibe der Transmissionseinrichtung erhalten, die über den Bach, später war es ja der überbrückte Weg zwischen Kirch- und Langgasse, den Antrieb des Mühlrades aufnahm. Das Anwesen übernahm der Sohn Rudi, der darin mit seiner Familie wohnte und später eine Fremdenpension betrieb.

Die Bezeichnung der Mühle als "unterste Mühle im Ort" haftet an diesem Mühlenanwesen nicht nur, weil wir uns dies wegen ihrer Lage heute gar nicht anders vorstellen können, nein, auch aus vereinzelt in alten Akten vorkommenden Hinweisen, über die schon berichtet wurde, ist diese Lagebezeichnung vertraut. Beim näheren Hinsehen lassen frühere Aktenverweise jedoch interessante Schlüsse zu.

In Absatz 1 lesen wir den Hinweis, daß Johannes Ramberger 1648 und 1658 Besitzer der "untersten Mühle" im Dorf war. Auch in den Jahren 1734 - 1736, so die Angaben des o.g. Pastorey-Registers, wird diese Mühle als "die sogenannte olim Kieselische, jetzo aber Vesperische untere Mühle in Dausenau" bezeichnet. In dem Bericht über die Lohmühle erfahren wir erstmals sichere Hinweise über deren Standort, der beweist, daß die "unterste Mühle" in den Jahren von 1661 bis 1725 und von 1796 bis 1840 nur die zweitunterste Mühle im Dorf war, denn während dieser Zeiträume ist ohne jeden Zweifel die Existenz einer Lohmühle im Bereich des heutigen Anwesens Pfaff/Weiß in der Lahnstraße nachgewiesen.

Beschreibung der Mühle im 19. Jahrhundert:

1822

Nr. 20

zweistöckiges Wohnhaus mit einer Mahlmühle

1867

Nr. 32

Mahl- und Oehlmühle

1869

Nr. 32

Mühlgebäude in Stein mit Schieferdach; Stall in Holz mit Schieferdach, Scheuer u. Stall in Stein mit Schieferdach.

Versicherungskapital: 3.070 Thaler

2.9 Lohmühle, Standort war bisher nicht bekannt

Die Lage dieser Mühle konnte bisher bei keiner der Untersuchungen über das Dausenauer Mühlenwesen ermittelt werden; man ging deshalb davon aus, ihr Standort sei im oberen Unterbachtal gewesen, wo sich im Laufe der überschaubaren Geschichte ja immer schon einmal Veränderungen durch Aufgabe und Neuerrichtung von Mühlen ergeben haben. H. Gensicke nennt den Rotgerber Wilhelm Nemnich als Müller dieser Mühle. Aus dem Jahr 1796 liegt sehr umfangreicher Schriftverkehr mit der Landesregierung zu Dillenburg und dem Amt Nassau vor, bei dem es um die Genehmigung zur Errichtung einer solchen Lohmühle ging.

Der Antrag des Wilhelm Nemnich, bei dem es sich um den aus Miehlen im Taunus stammenden Johann Wilhelm Nemnich, Sohn der Eheleute Johann Wilhelm und Anna Salome Nemnich, handelte, der am 13.5.1794 die jüngste Tochter der Müllersleute aus der "Schmeltz", Marie Johannette geehelicht hatte, wird nachstehend auszugsweise mitgeteilt:

"Nachdem ich von Eurer Exellenz ... zu einem gemeinschaftlichen Unterthan nach Dausenau gnädig recipiert worden, habe ich daselbst die Rotgerberprofession gehörig betrieben, bin aber bisher noch mit keiner eigenen Lohmühle versehen gewesen, daher dann die benötigte Lohe außerhalb zubereiten lassen müssen, welches in jedem Betracht sehr kostspielig ist. Da nun vermög anliegender Abschrift, wovon das Original dem hochfürstlich gemeinschaftlichen Amt zu Nassau vorgezeiget worden, ein ehemaliger Rothgerber namems Reifert Scheuern schon eine Lohmühle dahier gehabt, und diese just an meinem dahier erkauften Wohnhaus, wo die Bach dicht vorbei fließet, gestanden, auch daselbsthin wiederum eine Lohmühle füglich angebracht werden kann, und zu dem Ende den dazu gehörigen Platz bereits käuflich an mich gebracht habe. So ergehet an ... meine unterthänige Bitte: mir zur Erbauung einer Lohmühle an mein Wohnhaus dahier gegen jährliche Entrichtung des vorherigen Zinses von 16 alb. die gnädige Erlaubnis zu ertheilen".

Bei dem Schreiben, auf welches sich Nemnich bezieht, handelt es sich um ein Genehmigungsschreiben des Amtes zu Nassau vom 18.1.1661, das nach eingeholter Zustimmung der drei Landesherren dem Reifert Scheuern die Errichtung einer Lohmühle erlaubte. Dem gemeinschaftlichen Schultheis zu Dausenau wurde aufgegeben, künftig zu Martini den Zins "wegen des Wassergangs" in Höhe von 17 alb. Frankfurter Währung zu erheben und an die Renthey abzuführen. In der Bürgermeisterrechnung von 1662 lesen wir hierzu: "... hat Reiffert Scheuwerer der Gemeinde wegen seines wassergangs uf die Lohe mühl ein halb ohm wein verehrt". Offensichtlich wurde der jahrs zuvor beantragte Mühlenbau in relativ kurzer Zeit verwirklicht.

Unter dem 10.9.1795 fertigte das Amt Nassau einen umfangreichen Bericht, der Einzelheiten aus der Geschichte hergibt, jedoch auch keinen eindeutigen Hinweis über die Lage dieses alten Mühlenplatzes; da der Inhalt von einigem Interesse ist, wird der Bericht nachstehend auszugsweise abgedruckt:

"Soviel die abschriftliche Anlage besaget und die älteren Renthey-Rechungen ausweisen, hat die darin bemeldte Lohmühle in toto questionis gestanden. Und soviel uns bekannt ist, hat nachgehend der verstorbene Schultheis Ebenau eine Oehlenmühle - doch aber ein Gebäude weiter aufwärts der Bach gehabt, so aber durch eine Wasserfluth, weil sie zu weit von dem Gebäude in der Mitte der Bach gestanden, ruiniert worden und also gänzlich eingegangen. Supplicant aber ist gesinnet, die Lohmühle besser einwärts außer dem Lauf der Bach zu setzen und durch Legung eines Kennels wider sein Gebäude das Wasserrad treiben lassen, wodurch sie also dem Ruin bei Wasserfluthen nicht so balden ausgesetzet ist. Die angebotenen 16 alb. Wasserlaufzinsen sind soviel uns scheint ... bis zum Eingang im Jahr 1728 gegeben worden (meint wohl bis zur Stillegung dieser Lohmühle)".

Zu neuen Erkenntnissen führte die Auswertung des Gebäudesteuerkataster der Gemeinde Dausenau von 1822. In Blatt 64 ist das bebaute Eigentum des Wilhelm Nemnich aufgelistet. Wir lesen dort zur Lage dieser Hofraithe:

Örtliche Lage: An der Straß (gemeint ist die Lahnstraße)
Ein zweistöckiges Wohnhaus lang 40 Fuß tief 36 Fuß
eine Lohmühle lang 13 Fuß tief 13 Fuß
ein Stall, eine Scheune und Hofraum

In einer späteren Notiz erscheint in der Spalte Anmerkungen folgender Hinweis unmittelbar hinter der Beschreibung der Mühle: "in 1840 ist die Lohmühle als abgebrochen abgeschrieben worden".

Bei dem hier beschriebenen Objekt handelte es sich, jedenfalls kommt der Verfasser des "Ortskataster der Gemeinde Dausenau" von 1990 zu dem Ergebnis, zweifellos um das heutige Anwesen Pfaff/Weiß in der Lahnstraße 18. Diese Auffassung wird noch dadurch erhärtet, daß Berichte und Überlieferungen zur Lagebezeichnung der "untersten Mühle - Sieringsmühle" dieser Auffassung an keiner Stelle widersprechen. Es ist somit sicher nachgewiesen, daß in den Jahren von 1661 bis 1728 sowie von 1796 bis 1840 unmittelbar an der untersten Stelle des Bachlaufs hart an der Ringmauer eine Lohmühle betrieben worden ist; somit besteht jetzt Klarheit über die Lage und den Betrieb von 7 Mühlen in der Gemeinde Dausenau. Die früher geäußerte Vermutung, daß unsere hier beschriebene Lohmühle mit der "Alten Öhle Mühl", im oberen Unterbachtal identisch gewesen sein könnte, kann jetzt als gegenstandslos betrachtet werden.

3 Müllersfamilien Blum und Krekel

Wie wir aus den Einzelberichten sahen, wurden im Laufe der überschaubaren Zeit die Mühlen von verschiedenen Familien bewirtschaftet; dabei lassen sich jedoch deutlich Traditionen feststellen, die sich vor allem auf die Familien Blum und Krekel konzentrierten. Stellvertretend für alle Müllersleute werden deshalb Auszüge aus Stammtafeln dieser beiden Familien als Anlage beigefügt.

4 Namensschreibung

Beim Blick in die alten Akten der Archive sowie die Kirchenregister stellen wir immer wieder unterschiedliche Schreibweisen gerade auch bei Familiennamen fest. Am Beispiel der Familie Krekel wird dies, wie im Verlauf dieses Beitrages über die Mühlen ersichtlich ist, ganz deutlich. Die ersten Zuwanderer dieses Namens schrieben sich noch "Kroeckel", später meist "Kreckel" und erst Pfarrer F. Ph. Cuntz, der von 1864 bis 1872 in Dausenau wirkte, legte die uns heute bekannte einheitliche Schreibweise fest.