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Der Industrielle Paul Multhaupt und sein Wirken in Friedrichssegen Das Hauptinteresse des Industriellen Paul Multhaupt galt in Friedrichssegen dem Erwerb der Bergbaurechte der 1913 in Konkurs gegangenen Bergbau-Aktiengesellschaft Friedrichssegen. Seit dem Jahre 1919 ist die Anwesenheit des Herrn Multhaupt bekannt. 1920 erwarb er von der Stadt Oberlahnstein Wald und kaufte von benachbarten Bauernhöfen Äcker und Wiesen auf. Auch im Ortsteil Friedrichssegen erwarb er Grundstücke, die für die spätere Errichtung einer Autogarage und eines Gärtnerhauses erforderlich waren, sowie Äcker- und Wiesen. Darunter das Gelände auf der später (1953-1958) die Siedlergemeinschaft St. Martin ihre familiengerechten Heime im Wege der Selbsthilfe errichtete. Bis zum Bezug des von Karl Buschhüter, Architekt, Krefeld, errichteten ‚Haus Jungfried‘ im Süßgrund auf dem Rabelsteinerkopf, bewohnte er an der Wolfsmühle an der Lahn, gegenüber der Drahtfabrik von C.S. Schmidt, Niederlahnstein-Hohenrhein, eine Mietwohnung, aus der er auch seine Geschäfte betreffend Friedrichssegen abwickelte. Es ist ein Schreiben erhalten, welches Paul Multhaupt am 13. August 1922 unter der Ortsangabe: Wolfsmühle bei Oberlahnstein an den Bergrevierbeamten in Diez betreffend‚ die verlassenen Bergwerke des Friederichssegener Tales‘ gerichtet hat. Paul Multhaupt erwarb dann auch alle 100 Anteile (Kuxen) der Gewerkschaft Friedrichssegen und öffnete mit dieser Firma in den Jahren von 1926 bis 1928 wieder die Grube Friedrichssegen und gründete die "Gewerkschaft Erzverein, Elektromagnetische Erzaufbereitung in Friedrichssegen a. d. Lahn. Beide Firmen wurden vom Verwaltungssitz , Steinstraße 13, Düsseldorf aus verwaltet. Hier war auch die Firma Eduard Schloemann, Konstruktionsbüro für Pressen und Walzwerke angesiedelt, der Paul Multhaupt vorstand. Hierzu eine Pressemeldung in der Rheinisch-Nassauischen Tageszeitung vom 4. August 1926:Friedrichssegen, Grubenhalde. Nach oberflächlicher Schätzung sind die blei - und zinkhaltigen Haldenbestände so groß, daß Ihre Verarbeitung bei vorgesehenem Betrieb ungefähr 20 Jahre in Anspruch nehmen wird. Im Zuge der Errichtung der neuen Aufbereitungsanlage (oberhalb der des Ortsteiles Neue Welt) Wurde auch der Weg vom Ortsteil Neue Welt bis zum Ortsteil Kölsch Loch durch die Firma "Gewerkschaft Erzverein" instandgesetzt. Es wurden produziert: 1926 = 235 to, 1927 = 347 to und dann noch 1928 = 5 to Zinkerz. Der Betrieb wurde wieder eingestellt. Nachfolgend werden nun die Aktivitäten zum Bau des "Haus Jungfried" geschildert: Die Feier der Grundsteinlegung von "H a u s J u n g f r i e d" auf dem Rabelsteinerkopf im Süßgrund zu Oberlahnstein am 17. September 1921, mittags 12 Uhr: Zum Waidwerken kam ich vor Jahresfrist mit einem treuen Freund und Jagdgenossen hierher und eine Blockhütte mit eigenen Fäusten gebaut war damals der Wünsche Ziel. Aber beim Durchstreifen der Wälder und Wiesen, im Alleinsein mit sich und der weiten Natur findet sich der Mensch zurück zum Urquell seines Seins und Werdens und mit vollem Herzen und geweiteter Brust beim ersten Morgenstrahl alle 6 Tagewerke der Schöpfung erneut und verjüngend fühlend, wuchs und reifte hier in der Einsamkeit der Wälder der Wille und die Kraft zur Tat. Eine Tat wollte ich tun, meine lieben Freunde, die jeder von uns in seinem persönlichen Leben einmal tun sollte, ein Haus zu bauen, das ich vor nunmehr 10 Jahren meiner jungen Frau zu bauen versprach und diese tiefen Wälder, diese grünen Wiesen und wechselnden Hänge sollten der Platz dafür hergeben. Aus frühester Jugend kannte ich das Gefühl der Heimaterde, das Gefühl des heimatlichen Bodens, das ich beim Eintritt in weite, wirtschaftliche Leben im Lande der Jugend zurücklassen mußte und das im brausenden Wirtschaftsgetriebe und im Qualm der Städte verkümmerte und faßt verloren ging. Dieses Gefühl der Heimaterde wollte ich hier zurückgewinnen und einen Traum aus frühester Jugend hier verwirklichen. Auf eigener Scholle wollte ich hier neu wachsen und werden, aus eigener Scholle neue Kraft ziehen für mich, für die Meinen und für alle die, denen ich Leiter und Führer bin. Hier wollte ich die große reine Freude des alternden Faust groß und stark nacherleben. Den Wunsch und Wille Tat werden zu lassen ALS FREIER MENSCH AUF FREIEM GRUND ZU STEHEN: Im Baumeister Buschhüter, dem Hüter als wahrhaft Schönen, fand ich den Mann, der meine und meiner Frau innerste Wünsche bald erfühlte und das im Geiste werdende Haus bald zum fertigen Bilde formte. Nun zogen Bauherr und Baumeister hinaus den Platz auszuwählen. Der Süßgrund sollte es sein, dieses weitab der bürgerlichen Heerstraße gelegene sanft geschwungene Wiesental und hier wiederum der Rabelsteinerkopf auf dem wir hier stehen, wie es Monat vorher mein treuer Jagdgenosse vorausverkündet hatte. Hier taten wir in überschäumender Energie zu Untersuchung des Baugrundes den ersten Spatenstich noch bevor das Baugelände erworben war. Aber weil von jeher die Welt der Jugend und der unternehmenden Kraft gehört, stießen wir hier weiter erfolgreich vor und fanden in raschem Zugreifen alle zum Bau des Hauses notwendigen Baustoffe: die Steine, den Sand und das Wasser. Einer klugen und weitsichtigen Leitung und Vertretung der Stadt Oberlahnstein und seiner die Sache freundlich fördernden Waldkommission danke ich die Erwerbung eines geschlossenen Besitzes. Dankbar bin ich auch dem Vertreter der staatlichen Forsten, der die ewig mahnende Stimme des allzu gewissenhaften Hüters der städtischen Wälder mit wohlwollendem Verständnis für das Werk zu dämpfen verstand. Ich danke von Herzen meinen treuen Bauführer Eisenbarth, dem Mann der eisernen Arbeit und dem Herzen voller Liebe für sein Werk und seine Werkleute. Erstaunliches wurde hier geleistet In wenigen Wochen Bauzeit mit einer Arbeiterschar, die an Fleiß und Treue zur Arbeit und zum Werke steht. Ein Haus, meine lieben Freunde, soll hier erstehen das Ruhe und Erholung bietet von überanstrengender Arbeit und im rollenden Wirtschaftsgetriebe. Aber weil der Mensch Erholung und inneres Gleichgewicht nur findet in Verbindung mit neuen Taten, soll diese Haus harmonisch vereinigt werden einem Hofe, der produktiver Arbeit leistet und Werte schafft. So wachse und werde denn Worte der Bauherrin: Dreigieblig soll Haus Jungfried her erstehen, Worte des Sohnes: Wir wollen zu Erinnerung an dies Fest
Baumaßnahmen und Projekte für den Industriellen Paul Multhaupt Der Düsseldorfer Industrielle Paul Multhaupt (1884-1933) erwarb 1920 von der Stadt Oberlahnstein im Süßgrund und am Rabensteiner Kopf auf dem Gebiet des Ortsteils und der Eisenhütte Friedrichssegen ein 300 Morgen großes Waldgelände, um dort eine größeres Anwesen zu errichten (Fritz Michel, Geschichte der Stadt Oberlahnstein, 1960, S. 285). Flören, der in der Fa. Eduard Schloemann, Konstruktionsbüro für hydraulische Pressen und Walzwerke, welcher Multhaupt vorstand, Leiter des kaufmännischen Büros und Direktionsassistent war, vermittelte Buschhüter den Auftrag. Buschhüter überzeugte Multhaupt davon, daß er statt eines simplen Jagdhauses lieber das errichten sollte, was Buschhüter als Deutsches Kulturwerk bezeichnete . Damit meinte er eine Verbindung von Kulturzentrum und landwirtschaftlichem Betrieb nach dem Vorbild des Dürerheimes, aber hier schon im Maßstab eines Projektes‚ der inneren Kolonisation‘: ein Landhaus, Haus Jungfried genannt, ein dreiteiliger Bau mit einer Doppelgibelfassade ,die zwei Baukolmplexe, das Herrenhaus und das Gästehaus, zusammengefaßt, während dahinter das kleiner Walterhaus (Verwalterhaus) liegt; eine Scheune , die gleichzeitig Stallungen und Wirtschaftsräume für den landwirtschaftlichen Betrieb enthielt, ein Garagenhaus im nahegelegenen Ortsteil Friedrichssegen, ein Kriegerdenkmal; zu Aufbau, Erschließung und Energieversorgung Bauhütte, Schuppen, Straßen, eine Brücke; Wasserleitung, ein Transformatorenhaus. Andere Bauten, wie ein Torbau, wohl für die Einfahrt zum Gelände gedacht, blieben auf dem Papier. Buschhüter konnte seiner Vorliebe für Obstplantagen frönen und eine Bepflanzung mit 1 400 Bäumen, meist Apfelbäume, anlegen. (Obstbau betrieb Buschhüter schon im Dürerheim) Am 17. September 1921 erfolgte die Grundsteinlegung für das Landhaus. Zeitweise wirkten 200 Arbeiter auf der Bausstelle, Bauarbeiter von Lahn und Mosel, aber auch die aus dem Krieg heimkehrenden Wandervögel, die dort bauen lernten. Gemäß Buschhüters Autarkiekonzept stammten die Steine aus einem nahegelegenen Steinbruch, das Bauholz aus dem eigenen Wald, der Sand aus einem eigenen Sandloch. Schon am 17. Dezember 1922 fand das Richtfest statt. Doch bald stockten die Bauarbeiten. Es gab Schwierigkeiten mit den Bauarbeitern, es gab Differenzen zwischen Multhaupt und Buschhüter, die dieser in Schmähschriften an die Öffentlichkeit trug. 1925 übertrug Multhaupt die weitere Bausausführung an Karl Dahmen und trennte sich von Buschhüter. Es gelang aber bis zum Tode Multhaupt 1933 nicht, den Bau zu vollenden. (??) Paul Multhaupt gefiel sich in der Rolle eines Förderers von Kunst und Wissenschaft. So förderte er C.G. Jung, L. Klages, H. Prinzhorn, den Dichter, Forscher und Verleger Ernst Fuhrmann, den Fotografen Albert Renger-Patzsch. Seine Sammlung von Werken moderner Kunst umfaßte Arbeiten von Beckmann, Campendonk, Chagall, Drexel, Girieud, Heckel, Kirchner, Klee, Kogan, Kolbe, Nauen, Nolde, Pilartz, Seehaus, Vlaminck. (Einladung zur Ausstellung der Sammlung Paul Multhaupt, Galerie Flechtheim, Düsseldorf, 12. 3. 1933) Eine besondere Vorliebe hegte Paul Multhaupt für Heinrich Campendonk, dessen Werke einen hervorragenden Platz in seiner Sammlung einnahmen. Er beauftragte Buschhüter mit dem Bau eines Hauses für Campendonk in Krefeld, , das dieser 1922 errichtete. Buschhüters Verständnis von bildender Kunst lag auf der Linie von Karl Diefenbach und Fidus, Campendonk blieb ihm, wie der ganze Expressionismus, unverständlich. Er verfaßte, als das Haus fertig war, ein Spottgedicht auf Campendonk, was zu einem Beleidigungsprozeß führte. Buschhüters Abneigung gegen Campendonk war u.a. darauf zurückzuführen, daß dieser in Haus Jungfried einen Raum gestaltet hatte, dessen Farbgebung das Mißfallen Buschhüters erregte: Die Schminke der Wände des Walterhauses .... läßt den gänzlichen Mangel des eigentlich künstlerischen erkennen ... Nun haben wir eine aparte Auswahl fremder Farben bekommen, die keinerlei Beziehung zum deutschen Wesen, zur Landschaft, zu den sonstigen Farben und Formen des Baues und zum ... Wesen des Bauherren und seiner Angehörigen haben. Ein greulicher Mißklang für das deutsche naive Auge wie für das des Künstlers, den hellen, reinen, farbenumfassenden blauen Sinn des reinen Ariers. Beschreibung: Haus Jungfried Landsitz aus Herren- und Verwalterhaus, Friedrichssegen bei Oberlahnstein, Gemarkungen Süßgrund und Rabensteiner Kopf, 1921 – 1925 Buschhüter, Architekt, danach Karl Dahmen. Der Bau blieb bis zum Tode des Bauherrn 1933 unvollendet. Ausbau in den 50er Jahren zum Altenheim. Bauherr: Paul Multhaupt. Erhalten mit einzelnen Änderungen gegenüber der Planung Buschhüters am Außenbau und vollkommen anderer innerer Raumaufteilung gemäß dem veränderten Verwendungszweck. Änderungen am Außenbau z.B. das hinten am Herrenhaus angebrachte Glockentürmchen und der weiße Verputz, der den ursprünglichen Eindruck der Bruchsteinwände stark verändert. Haupthaus (Herrenhaus) mit Doppelgiebel, dahinter durch einen Gang verbunden Nebenhaus (Verwalterhaus, genannt Walterhaus, auch Försterhaus). 2-geschossig, tiefgezogene Krüppelwalmdächer, 2 ausgebaute Dachgesch0sse. Altan mit Portal (Parabelbogen) vor der Doppelgiebelfassade, Laubengänge im 1. Stock, seitliche und rückwärtige Anbauten. Ursprünglich Bruchsteinmauerwerk, Giebel Fachwerk mit Bruchsteinen. Da Haus Jungfried nach Buschhüters Plan nie vollendet wurde, ist auch eine Beschreibung nicht möglich. Gleich blieb sich in der wechselvollen Baugeschichte nur die Grundkonzeption, wie sie sich am Grundriß ablesen läßt: Die Baugruppe, zusammengesetzt aus 2 Gebäuden, einem Vorderhaus (Herrenhaus und Gästehaus, auch nur Herrenhaus) von 22 m Breite und 19 m Tiefe und ein Hinterhaus (Försterhaus, Walterhaus, Verwalterhaus) von 11 m im Quadrat, dazwischen ein Verbindungstrakt. Bei sonst im allgemeinen symmetrischer Anlage ist der Verbindungstrakt gegenüber dem Haupthaus nach Südosten verschoben, ebenso das Hinterhaus gegenüber dem Verbindungstrakt; im Niveau liegt es zu dem etwas höher. Erst durch die zwei ineinander verschränkten Giebel der Nordostfassade erhält das Haupthaus den Charakter eines Doppelhauses. Wie so oft bei Buschhüter ist das entscheidende Bauelement das Dach. Dieser Doppelgiebel steht als wuchtige Fachwerkkonstruktion im Obergeschoß und 2 Dachgeschossen auf einem Unterbau aus Bruchsteinen als Erdgeschoß. Dieser Unterbau springt vor und bildet so einen Altan mit Terrasse über die ganze Breite der Fassade. In der Mitte des Unterbaus befindet sich ein großer Fallbogen als Tor, flankiert von 2 Bogenfenstern bei sonst bis auf 2 Luken geschlossener Wand. Der Grundriß ist geschlossen bis auf einen als Veranda oder Laube bezeichneten Anbau nach Südosten und aus dem Baukörper gestellte Treppenhäuser und Sanitärräume an der Rückseite, beim Walterhaus flankiert von 2 Altanen. Buschhüters Grundrisse vom 21. Mai 1921 zeigen symmetrische Dispositionen für beide Gebäude. In das Haupthaus gelangt man durch einen Windfang, flankiert von 2 Ablagen und 2 Erkerräumen. Diese seitlichen Erker, auch noch eingezeichnet in den Plan von 1931, wurde nie gebaut, statt dessen befanden sich dort von Anfang an Fenster mit Fallbögen. Mittelpunkt des Erdgeschosses ist eine 3-schiffige Halle mit Kreuzgratgewölbe, das auf 4 Pfeilern ruht, die jeweils aus 43/4 Pfeilern kleeblattförmig gebündelt sind. Neben der Halle befinden sich im Südosten die Räume von Hausherr und Hausfrau, im Nordwesten die Gästezimmer, darüber im Obergeschoß die jeweiligen Schlafzimmer, die sich um eine Diele und ein Frühstückszimmer gruppieren. Die Küche liegt im Verbindungstrakt. Jede Hausseite hat ihr eigenes Treppenhaus. Das ‚Walterhaus‘ stellte Buschhüter auch im Innenausbau fertig, es war seit 1923 bewohnt. Im Plan von 1921 war es symmetrisch konzipiert, wurde aber so nicht ausgeführt. Der Plan von 1931 zeigt das Erdgeschoß wie entworfen mit mittlerem Flur, auf jeder Seite zwei Räume, die ursprünglich für Wohnzwecke gedacht waren, aber für Wirtschaftszwecke gebraucht wurden. Im Obergeschoß aber ist die ebenfalls geplante Symmetrie durchbrochen zugunsten einer Laube nach Südosten. Dieses Geschoß wurde als Wohnung genutzt. Der Plan von 1931 stammte von Karl Dahmen. Damals wollte Multhaupt die Bauarbeiten wieder aufnehmen. Die Änderungen liefen auf eine Aufhebung der Zweiteilung in Herrenhaus und Gästehaus hinaus. Vorgesehen war ein einheitliches Herrenhaus mit größeren Räumen, größerer Bequemlichkeit und höherem Repräsentationsgrad. Das Erdgeschoß sollte eine Freitreppe im Hintergrund der Halle erhalten, links von der Halle sollten Herrenzimmer und Bibliothek, rechts ein Speisezimmer eingerichtet werden. Die Terrasse vor dem Obergeschoß führte gemäß der symmetrischen Anlage nach jeder Seite zu einer der für Buschhüter typischen traufseitigen Lauben. Die Laube an der Südost-Seite sollte ausgebaut und in die angrenzenden Räume (Schlaf- und Wohnzimmer) einbezogen werden. In der Mitte des Obergeschosses sollte eine 7,50 m hohe Halle unter Ausbruch von Räumen im Dachgeschoß angelegt werden. Der Zwischentrakt und ein seitlicher Anbau sollten Glasdächer erhalten. Ein Foto der 30er Jahre zeigt die ausgeführten Änderungen, soweit sie den Außenbau betreffen und von der Südost-Seite zu erkennen sind. Gegenüber dem Plan sind einige weitergehende Änderungen erfolgt. Der seitliche Anbau ist in die Terrasse vor dem Obergschoß einbezogen, in der Mitte der Rückseite des Haupthauses befindet sich ein türmchenartiger Anbau mit einem Pyramidendach, das einen Dachreiter trägt, in dem sich ein Glöckchen befindet. Weitgehend verändert wurde der Eindruck des Hauses auch dadurch, daß der Bruchstein weiß verputzt wurde. Nach Multhaupts Tod 1933 übernahm seine zweite Frau Dory das Anwesen. Sie führte die dem Haus angeschlossene Gutswirtschaft weiter, die 1936 den Status eines Erbhofes erhielt. 1946 veräußerte Frau Multhaupt den Besitz an das ‚Diakonissenhaus Friedenswarte‘ in Bad Ems, das dort ein Altersheim für Frauen einrichtete. Dafür waren umfangreiche Baumaßnahmen notwendig, die den Außenbau wohl im großen und ganzen im Zustand der 30er Jahre beließen, den Innenausbau aber sehr veränderten, so daß außer Halle im Erdgeschoß nichts mehr von der ursprünglichen Buschhüterschen Raumdisposition zu erkennen ist. Wirtschaftgebäude (Scheune) für Haus Jungfried, Friedrichssegen, bei Oberlahnstein, im Süßgrund, 1921/1925, gleich nach der Fertigstellung abgebrannt, Bauherr: Paul Multhaupt. 2-geschossig in Hanglage, Krüppelwalmdach, Bruchstein. Auf der nachstehenden Abbildung erkennt man auch die durch den Architekten Karl Buschhüter angelegen Obstgärten. Des weiteren ist darauf zu erkennen, daß der Löschteich um diese Zeit noch nicht angelegt war. Weitere landwirtschaftlich genutzte Gebäude: Pferdeställe, Kleintierställe für Hühner, Enten und Gänse, und eine Wohnung, die heute (1998) noch bewohnt wird, direkt am Löschteich gelegen. Links neben der Straße zum Biebricher Hof war eine große Feldscheune, hauptsächlich für Heu, errichtet. An dieser Feldscheuer waren Unterstellplätze für landwirtschaftliche Maschinen angebaut, die heute noch erkennbar sind. Ein Großteil dieser Feldscheune wurde bereits abgerissen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann diese Feldscheune zusammenbricht. Garagenhaus für Haus Jungfried, Friedrichssegen bei Oberlahnstein, Ahl 23 (Ortslage), 1923, Bauherr: Paul Multhaupt. 2-geschossig, freistehend, Krüppelwalmdach, an einer Seite abgeschleppt, Ausgebautes Dachgeschoß, 2 Garagen im Erdgeschoß, Bruchstein, Fachwerk im Obergeschoß der Traufseiten, jetzt verputzt. Aus: Wahlfried Pahl, Karl Buschhüter 1872 – 1956, Krefelder Architekten, (= Krefelder Studien - Band 4) Krefeld 1987 Gegen die Baujahreszahl 1923 spricht nachstehender Eintrag in der Schulchronik: In der Schulchronik der Schulen in Friedrichssegen schreibt Lehrer Heep: Ein neues Schulprojekt ist aufgetaucht. Herr Multhaupt – Haus Jungfried – hat die neu erbaute, noch im Rohbau stehende Autogarage am Eingang zum Süßgrund der Stadt Oberlahnstein angeboten. Sofort ist der Schulneubau in der Versenkung untergetaucht, und die städtischen Behörden ereifern sich für das neue Projekt. Die Garage als Schule hat schwere Bedenken. Zwar sind 2 schöne Wohnungen vorhanden, die respektable Lehrerwohnungen abgäben, allein die Räume der Garage zu Schulräumen umgewandelt ergäben 2 Räume im Ausmaß von 8x4 m, also sehr schmale Säle. In der Hauptsache aber spricht gegen das Projekt der weite Weg (50 Minuten), den die Kinder des Tagschacht täglich 2 x zurücklegen müßten. Trotz dieser Bedenken hat sich Schulrat Winter nach Besichtigung des Gebäudes am 8. Dezember 1925 für Annahme des Projektes entschieden, auch Magistrat und Schuldeputation haben demgemäß beschlossen und den Plan der Regierung zur Genehmigung vorgelegt. Eine Schule wurde jedoch nicht in der Autogarage eingerichtet, obwohl die Regierung das Projekt genehmigt und 15 00 RM dazu bewilligt hatte. Das Projekt verschwand in den Schubladen, weil inzwischen die Stadtverordnetenversammlung sich dagegen ausgesprochen hatte. Ehrenmal für die Gefallenen des 1. Weltkriegs Das Ehrenmal erhielt um 1955 eine neue Schrifttafel, auf der auch die gefallenen und vermißten Friedrichssegener Soldaten und Zivilisten des 2. Weltkrieges aufgeführt sind Herr Paul Multhaupt engagierte sich auch um die große Not innerhalb der Bevölkerung zu lindern. In der schon zitierten Schulchronik der Schulen in Friedrichssegen finden wir immer wieder Hinweise darauf, daß oftmals für diese wirtschaftlich schlechte Zeit größere Geldbeträge für die Schulkinder gespendet wurden. Die Gründung des Sportvereins "Rot-Weiß" Friedrichssegen im Jahre 1931 und der Bau eines Sportplatzes auf dem Haldengelände am Tagschacht konnte nur durch die Hilfe von Herrn Multhaupt erfolgen. Das Gelände für diesen Sportplatz, sollte unter Mithilfe von Herrn Multhaupt dem Sportverein geschenkt werden, indem entsprechendes Land aus dem Besitz Multhaupt gegen das Gelände des Sportplatzes getauscht werden sollte. Dazu kam es leider nicht mehr, weil Herr Multhaupt 1933 aus dem Leben schied. Danach wurde 1935 durch den Reichsarbeitsdienst unterhalb ‚Haus Jungfried‘, vor den Wirtschaftsgebäuden ein sogenannter Löschweiher angelegt. Hierzu war für einige Zeit auch ein Lager für den Reichsarbeitsdienst eingerichtet. Dieser erhielt eine Insel mit entsprechender Bestallung für die neu eingesetzten Wasservögel. Auf ihm konnte man auch eine kleine Kahnpartie machen.Verbotenerweise wurde der Weiher in kalten Winter von der Friedrichssegener Schuljugend zum Eisrutschen und Schlittschuhlaufen genutzt. Lange Jahre war der Weiher als Fischweiher verpachtet. Man konnte dort gegen Bezahlung etliche Fischarten angeln. Um die 90er Jahre wurde mit einem Aufwand von rund 56 000 DM der Löschweiher zu einem Feuchtbiotop umgewandelt. Hätte man die Natur 10 Jahre walten lassen, wären dem Steuerzahler 56 000 DM erspart geblieben. Gegen Ende des 2. Weltkrieges wurde die Fassade von ‚Haus Jungfried‘ zum Schutze gegen Tiefflieger grün angestrichen. Im Dorf Friedrichssegen vermutete man auch, daß hier ein besonderes Wehrmachtskommando untergebracht war. Nach dem 2. Weltkrieg ging der Besitz ‚Haus Jungfried‘ auf der Basis eines Rentenvertrages an das Diakonissenhaus ‚Friedenswarte‘ Bad Ems. ‚Haus Jungfried‘ wurde für ein Schwesternheim (Alterssitz für Diakonissinen) umgebaut und die Landwirtschaft verpachtet. (Landwirte Schmidt, Mutschalk, Ritter und zZ Weinig). 1991 – 1998 war ein Aussiedlerheim eingerichtet. Was kommt danach ?
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