Historischer Stadtrundgang durch die Blücherstadt Kaub

Vor dem Häuschen am Ende von "Auf der Mauer"

Das Häuschen auf der Mauer 32 ist ein Baukuriosum. Es Besitzt kein eigenes Fundament und keinen eigenen Grund und Boden. Es ist ganz einfach auf dem Oberboden des darunter stehenden Hauses errichtet.  

Vor der Sonnenuhr an der Kirche "Auf der Mauer"

Diese Sonnenuhr ist eine sogenannte Méridienne, also eine Mittagsweiserin. Wenn der Sonnenstrahl durch das kreisrunde Loch in der Scheibe auf den langen, schmalen Wulst fällt, dann ist es genau 12 Uhr Mittags, und früher wußte der Küster daß er dann zu läuten hatte. 

Auf dem Kirchplatz

Hier in Kaub haben wir es, was die Kirchen betrifft, mit einer baulichen Besonderheit zu tun. Die ev. Kirche links stammt aus dem 12. Jahrhundert, der 27 m hohe Kirchturm gehörte übrigens früher zur Stadtbefestigung.

Die kath. Kirche rechts wurde in den Jahren 1771/72 errichtet. Ich möchte Ihnen kurz erläutern wie die beiden Kirchen unter ein Dach kommen.

Nach Einführung der evangelisch - lutherischen Religion im Jahre 1560 fand in der Kauber Pfarrkirche nur noch reformierter Gottesdienst statt. Nach der Regierungsübernahme der katholischen Linie Pfalz- Neuburg im Jahre 1685 wird das pfälzische Kirchensimultaneum gegründet. Nun dürfen auch Katholiken wieder ihre Religion ausüben. 1686 erfolgt die Neugründung einer katholischen Kirchengemeinde in Kaub. Von 1687- 1707 wird nun die Stadtkirche simultan genutzt. 1707 wird der spätgotische Chorbogen vermauert, und von nun an dient das Langhaus den Protestanten, das Chor aber den Katholiken als Kirchenraum.

1770 wurde der alte vermauerte Chorraum abgerissen und in den Jahren 1771-72 durch den Neubau der St. Nikolaus Kirche ersetzt. Das Dach der neuen Kirche war mit einer Haubenlaterne, einem sogenannten Dachreiter ausgestattet in welchem sich zwei Glocken befanden. 1954 wurde die Kirche unter Pfarrer Peter Urlichs erweitert und umgebaut. Die Glocken hängen nun in einem separaten Glockenstuhl hier oben in den Felsen unweit des sogenannten Grafen Hauses.

Die Inneneinrichtung der Kirche ist in ihrer Gesamtheit im Rokokostil ausgeführt und somit einmalig im Bistum Limburg. Die Holz- und Bildhauerarbeiten wurden von dem kurpfälzischen Holzschnitzer Paul Eggel gefertigt. Der Kreuzweg wurde nach Meister Januarius Zick gemalt. Im Kirchenbesitz befinden sich wertvolle sakrale Gegenstände wie Meßkelch, Ziborium, Monstranz usw. die zum Teil aus der Werkstatt des Augsburger Goldschmiedemeisters Johann Zickel stammen.

Die heutige evangelische Kirche wurde ursprünglich im romanischen Stil errichtet. Im Laufe der Jahrhunderte wurden im Zuge von Umbauten auch gotische Elemente eingebracht. So weist auch dieses Portal in Form und Beschlag spätgotischen Charakter auf. Über dem Portal befindet sich der Gedenkstein der Familie Lehrius aus dem Jahre 1722. Johann Heinrich Lehrius war von 1654 bis 1688 Pfarrer in Kaub. Ein weiterer Denkstein aus dem Jahre 1553 befindet sich im Inneren der Kirche. Seine Inschrift lautet: Am ersten Tag der vergeblichen Belagerung der Burg Gutenfels über Kaub, durch den Landgrafen Wilhelm von Hessen, am 18. August 1504, verstarb im 64. Lebensjahr Laurenz Koch, Heerführer zu Kaub, einer der Besten des Vaterlandes. Unter der Kanzel der Kirche befindet sich eine Gedenktafel an die Mitwirkung der Kauber Schiffer bei Blüchers Rheinübergang in der Neujahrnacht 1813/14. Die Kauber Schiffer wurden in der evangelischen Kirche in Eid und Pflicht genommen. Beide Kirchen haben eine Orgel aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In Verbindung mit den Kirchen sei noch ein Kunstwerk aus dem Jahre 1430 erwähnt. Es ist die sog. Kauber Madonna, eine ca. 1,30 m hohe Lindenholzfigur, die in den Wirren des 30. jährigen Krieges aus der Kauber Stadtkirche entwendet wurde. Sie steht heute im hessischen Landesmuseum in Kassel und alle bisherigen Bemühungen die Skulptur nach Kaub zurück zu bekommen sind gescheitert.