| Kreisbauern - und Winzerverband St. Goarshausen: Fünf Jahrzehnte im Rückblick Von Armin Geisel, Geschäftsführer des Kreisbauern - und Winzerverbandes St. Goarshausen Anlass für Jubiläum und Geburtstag zugleich: 50 Jahre Kreisbauern und Winzerverband St. Goarshausen. Die vorliegende Festschrift soll der Versuch sein, Entwicklungen zu dokumentieren, die auch zur Rückschau verpflichten. Ein halbes Jahrhundert berufsständische Arbeit und Interessenvertretung in einer sich ständig und immer schneller wandelnden Welt können nur ansatzweise dargestellt werden. Der Strukturwandel im ländlichen Raum, das Aufgeben der Höfe, die Veränderung der Dörfer, Technisierung und Motorisierung, der Wertewandel: Für diese Schlagworte ergeben sich Auswirkungen, die jede bäuerliche Familie, auch in unserem Kreis, betreffen. Und somit sind und waren die kleinen und großen Probleme unserer Heimat auch die von Rheinland - Nassau, von Rheinland - Pfalz, und Deutschland. Dank gebührt den Männern und Frauen, die ehrenamtlich oder im Hauptamt in den zurückliegenden 50 Jahren ihre Kraft für die Menschen dieser Region, für ihre Mitglieder eingesetzt haben. Dank denen, die neben all den unzähligen agrarpolitischen Problemen das Wohl und Wehe des Einzelnen nicht aus dem Auge verloren. Dieser Leitgedanke hat unseren Verband stark gemacht und übt auch heute noch eine starke Bindung und Anziehung aus. Freuen wir uns an diesem heutigen Tage, dass wir das Jubiläum unseres kleinen Kreisbauern - und Winzerverbandes in Frieden und Freiheit feiern dürfen, in einem wiedervereinigten Vaterland, feiern in einem noch weiter auszubauenden Europa, zu dem es trotz aller Kritik keine politische Alternative gibt. 1946 - Gründung Eine Besatzungsmacht kam in unseren Raum, die an Nahrungsmitteln arm war und nach Kriegs- und Siegerrecht handelte: Verpflegung aus den besetzten Gebiet und Versorgung des Heimatlandes: "La Grande Nation". Die Auflagen hinsichtlich Ablieferung und Requirierungen wurden unerträglich. Die Bürgermeister des Kreises protestierten (von 64 Gemeinden des ehemaligen Loreleykreises waren fast 60 Gemeinden bäuerlich orientiert). Unsere heimische Stadtbevölkerung hatte Hunger. Sie betete wirklich um das tägliche Brot, ja um all das, was zum täglichen Bedarf, zum Leben gehört. Die Notlage spitzte sich immer mehr zu. Der Einzelne war macht- und rechtlos. Im Sommer 1946 luden gemäß eines Beschlusses einer Bürgermeisterversammlung die Landwirte Rudolf Tönges, Welterod und August Hell, Niederwallmenach zu einer Gründungsversammlung für einen "landwirtschaftlichen Verein" ein. Diese Versammlung fand am 9. Dezember 1946 im Beisein der Militärregierung in der Nastätter Turnhalle statt. Nach dem Muster des Bauernverbandes von vor 1933 wurde ein "Landwirtschaftlicher Verein" gegründet. Vorsitzender und Vorstand wurden gewählt. Dies fand die Billigung der Militärregierung, die die Wahl genehmigte. Somit entstand in Rheinland Pfalz der erste genehmigte berufsständische Verband und gleichzeitig mit einer der ersten in der Bundesrepublik Deutschland. Dem damaligen "vorläufigen Vorstand"
gehörten an: Als Vorsitzender wurde Ernst Schmidt aus Niederwallmenach gewählt. 3298 Betriebe in 64 Gemeinden mit einer Gesamtfläche von 12355 Hektar waren damals Mitglieder unserer Organisation. Als Geschäftsführer wurde Hans-Kurt Götzensberger bestellt mit einem "fürstlichen" Gehalt von 150, DM/Monat. Der Mitgliedsbeitrag betrug 40 Pfennig pro Hektar. Als Büro diente das Wohnzimmer des ersten Vorsitzenden Herrn Ernst Schmidt in Niederwallmenach. Ein Schreibtisch kam von der Raiffeisenkasse Niederwallmenach. Bleistifte und Papier stellte die Gemeinde Niederwallmenach. Aus den Unterlagen ist zu entnehmen, dass im Rahmen der Zwangsbewirtschaftung mit deutschen Behörden harte Auseinandersetzungen stattfanden. Außerdem blieben gefährliche Zusammenstöße mit der Besatzungsmacht infolge der harten Requisitionsforderungen nicht aus, wenn man unter Berücksichtigung der damaligen Verhältnisse nicht "Vaterlandsverräter" sein wollte. Oft stand der Vorsitzende Ernst Schmidt und der Geschäftsführer Hans-Kurt Götzensberger vor dem Kreiskommandanten und der Surrtè. Drohungen, wie "Gefängnis, ich sperre Sie ein, oder ich mache Sie einen Kopf kürzer", waren Umgangston. 1949 Rheinisch-Nassauischer Bauerntag Der Gewerbeverein Nastätten stellte 1.000, DM zur Verfügung und 65.000 DM Kredit wurden für die Ausstellungskosten aufgenommen. Dann, acht Tage vor der Veranstaltung, sagte der damalige französische Statthalter Hettier de Bois-Lambert den Bauerntag ab. Begründung: Der Spitzenverband, der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau, sei nicht genehmigt und bestehe damit nicht offiziell. Nach Vorsprache des Vorsitzenden Schmidt in der Residenz mit Dr. Schüler und Geschäftsführer Erdnüss vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau konnte der Bauerntag stattfinden mit der ausdrücklichen Genehmigung: "Ich kenne keinen Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau in Koblenz, sondern nur einen Bauern- und Winzerverband St. Goarshausen mit dem alleinverantwortlichen Monsieur Schmidt". So fand der erste Nachkriegs-Bauerntag unter der Verantwortung eines Kreisvorsitzenden Ernst Schmidt aus dem Rhein-Lahn-Kreis statt. Weiterhin bedeutete diese Aussage auch noch die Genehmigung unseres Verbandes von 1946. Es wurde vom Kreiskommandanten für diesen Bauerntag ein Bezugschein für ein Rind und ein Schwein ausgestellt. Dazu sagte Wirtschaftsoffizier Dabitsch: In der Bibel steht geschrieben "Speisung der 5000 mit fünf Fischen und zwei Broten". Wunder des Kreisbauernverbandes St. Goarshausen: Ein Rind und ein Schwein: 65.000 Bauerntagsbesucher wurden satt. Das war damals ein einmaliges Erlebnis mit dem Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes, Herrn Reichsminister a.D. Dr. Hermes an der Spitze, mit Ministerpräsident Altmeier und dem gesamten rheinland-pfälzischen Kabinett. Unsererseits war alles ehrenamtlich und alles in eigener Regie geregelt. 14 Tage lang waren täglich ca. 250 - 300 ehrenamtliche Mitglieder aus dem gesamten Kreis im Einsatz. Dann gab's Fleischwurst und Gehacktes nach Herzenslust. Interessant auch die Beschlüsse der Delegiertentagung des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau am 9. Juli 1949 in Nastätten mit seinem Präsidenten Dr. Schüler an der Spitze, zeitgleich mit dem ersten rheinisch-nassauischen Bauerntag. Diese Delegiertentagung fasste folgende Beschlüsse: 1. Aufhebung der Zwangswirtschaft und Regelung des Marktes durch eine beruflich gelenkte Wirtschaft. 2. Schaffung gerechter Erzeugerpreise für alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse. 3. Schaffung tragbarer Gestehungskosten (Düngemittelpreise, Handwerkerpreise, Höhe der Kredite etc.). 4. Klarheit der Steuergesetze 5. Erhaltung der Zuständigkeit der zur Zeit in unserem Landesteil bestehenden landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften. 6. Keine Erhöhung der Gütertarife der Bahn für landwirtschaftliche Massenartikel. 7. Verhütung oder Ersatz des katastrophalen Wildschadens. 8. Förderung der Zusammenlegung oder Bodenordnung. 9. Durchgreifende Maßnahmen zur Beseitigung der Landflucht. 10. Maßgeblicher Einfluss des landwirtschaftlichen Berufsstandes in den gesetzgebenden Körperschaften und Ausschüssen. Wenn man nach fast 50 Jahren noch einmal einen Blick zurückwirft, muss man sich eingestehen, dass wir auch heute noch in unseren Gremien an vielen dieser Probleme arbeiten und versuchen, mit unseren politischen Möglichkeiten Einfluss zu nehmen. 1954 Aller Anfang ist schwer! 1957 Beitrag 1957 Altersversorgung 1959 Hagelschlag Weidenbach: 357,81 Zentner Die Gemeinde Welterod verzichtete damals auf eine Spende zugunsten der anderen Gemeinden. Die Verteilung in den Gemeinden wurde von den Ortsvorsitzenden und Bürgermeistern vorgenommen. Nichtmitglieder wurde der gleiche Anteil ausgegeben. 1962 Grundstücksverkehrsgesetz 1962 Trockenjahr Der Winterweizen wurde zur Hälfte umgebrochen und neu einläset mit Sommerung, die aber auch nur lückig stand. Klee ist zum größten Teil eingegangen; die Heuernte war je nach Lage mittelmäßig bis sehr schlecht. Aus diesem Grunde haben die vier Kreisvorsitzenden der nassauischen Kreise mit den Geschäftsführern der Kreise und des Bauernverbandes Koblenz den Landtagsabgeordneten Tönges (Welterod) und Meyer (Herold) in Montabaur folgende Forderungen als Hilfsmaßnahmen aufgestellt: 1. Das Verbandsgebiet des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau ist als Futternotstandsgebiet von der Landesregierung zu erklären. 2. Aus diesem Notstandsgebiet müssen die überständigen Auftriebe auf den Schlachtviehmärkten durch die Einfuhr- und Vorratsstelle rechtzeitig bzw. sofort herausgenommen werden, um Preiseinbrüche zu vermeiden. 3. Das Notstandsgebiet ist entsprechend dem gemeldeten Bedarf mit verbilligtem Kraft- und Rauhfutter zu versorgen. Die Kraftfutterversorgung soll durch die Einfuhr- und Vorratsstelle, die Rauhfutterversorgung über den freien Markt erfolgen. 4. Zinslose Fristverlängerung für existenzgefährdete Betriebe auf Antrag für alle bis zum 1. Juli 1962 aufgenommenen, abgesicherten Kredite für die Kalenderjahre 1962 und 1963. 1963 Schweinemastprüfring 1. Regelmäßige Gewichtskontrolle mit Aufstellen eines Futterplanes. 2. Möglichkeit eines gemeinsamen Bezuges verbilligter Futtermittel 3. Verwertung und Absatz der erzeugten Schweine. 1964 Gründung Weizenanbaugemeinschaft Dem Aufruf der Landwirtschaftsschule und des Kreisbauernverbandes zur Gründung einer Weizenanbaugemeinschaft im Herbst 1964 folgten viele Landwirte und auch die Vertreter von Handel und Genossenschaften sowie der Mühlen aus dem Loreleykreis. Nur diese Anbaugemeinschaft ist in der Lage, ein einheitliches und großes Angebot auf den Markt zu bringen. Wenn auch im ersten Anbaujahr keine Qualitätszuschläge bezahlt werden konnten und die Beihilfen (pro Hektar 70, DM) in etwa die Mehrkosten für das Hochzucht-Saatgut deckten, so konnte doch ein Jahr später festgestellt werden, dass durch diesen Zusammenschluss die Landwirte im Loreleykreis mit am Markt sind. 1965 Betriebshelfer 1966 Erste Besteuerung 1968 Erste Großdemonstration
Mansholtplan 1. Sofortige Festsetzung der Getreidepreise auf den alten Stand, mit dem Ziel einer späteren Anpassung an erhöhte Gestehungskosten. 2. Stabilisierung der Preise bei Vieh, Fleisch und Eiern, basierend auf den Gestehungskosten. Beschränkung der Veredlungsproduktion auf die Betriebe, die eine entsprechende Bodenproduktion haben. Abstimmung der Einfuhren auf den tatsächlichen Bedarf. 3. Beibehaltung und Einbau der deutschen Milchmarktordnung in die EWG-Planung, basierend auf einem Erzeugerpreis von 0,42 DM/Kg bei 3,7 % Fett. 4. Sofortiger Abbau der Wettbewerbsverzerrungen im EWG-Raum. 5. Ausbau der Altershilfe. Erhöhung der bisherigen Altrenten von 150, bzw. 100, DM auf 300, bzw. 200, DM (jeweils verheiratet/ledig) monatlich. 6. Vorsorge und Schutz im Krankheitsfalle. 7. Schaffung von Arbeitsplätzen im Nahbereich, damit der Strukturwandel ohne soziale Härten vor sich geht. 8. Umschulungsmaßnahmen für Landwirte, die infolge Strukturveränderungen ihre Betriebe aufgeben. 9. Bessere bäuerliche Vertreter zu den Verhandlungen in Brüssel. Am 23. März protestieren die Bauern des Loreleykreises mit 380 Schleppern in einem Zug durch Nastätten, St. Goarshausen, Braubach und Lahnstein. Knapp 30 Jahre später müssen wir uns eingestehen, dass dieser Plan agrarpolitische Wirklichkeit geworden ist, ja die Realität ihn zum Teil schon weit übertroffen hat. Hier wäre Anlass zum philosophieren, wie die Entwicklung verlaufen wäre, wenn der Mansholtplan in dieser Form von Seiten der Europäischen Kommission nicht vorgelegt worden wäre. Man kann darüber nur spekulieren, aber wahrscheinlich wäre die Entwicklung in die gleiche Richtung verlaufen, obwohl ein Blick auf die ländlichen Räume heute zeigt, dass mit diesem Plan ein riesiger und radikaler Strukturwandel eingeleitet wurde und viele Hoffnungen auf dauerhafte außerlandwirtschaftliche Arbeitsplätze Drade in der heutigen Zeit als nicht erfüllt betrachtet werden könnte. 1969 Landabgabenrente 1970 Schließung der
Landwirtschaftsschule in Nastätten Chronik der Landwirtschaftsschule und
Beratungsstelle Nastätten: Im Wintersemester 1923/24 übernahm Frau Schuchardt die Nachfolge. Diese wurde im Winter 1927/28 von Frau Oechelhäuser abgelöst. Am 1.5.1931 übernahm LR Walter die Dienststellenleitung, gefolgt von Direktor Wittgen, der bis Ende 1936 wirkte. Von 1937 bis 1964 ist LR Bernhard Schulleiter. Von Oktober 1934 bis Herbst 1937 leitete Frau Wunderlich die Hauswirtschaftliche Abteilung. Bis zu diesem Zeitpunkt waren neben den Hilfslehrern die Herren Dipl. agrar. Sittig, Dr. Luley, Vierhaus, Dr. Lenz, Reuß u. a. soweit aus den wenigen Unterlagen ersichtlich tätig. Die Leiterinnen der Hauswirtschaft und deren Mitarbeiterinnen haben von dieser Zeit an häufig gewechselt. Sie sind nachfolgend in zeitlicher Reihenfolge aufgeführt: Leiterinnen: Fach- bzw. Hilfslehrerinnen: Noch kurz vor Kriegsausbruch konnte im Sommer 1939 die Hauswirtschaftliche Abteilung zum Internat ausgebaut werden. Am 22.3.1945 wurde durch Bombeneinwirkung das Schulgebäude schwer beschädigt. In den Wintersemestern 1945/46 und 1946/47 wurde in einem Gasthaus im fünf Kilometer entfernten Bogel unterrichtet. Nachstehend folgt eine Übersicht über die personelle Besetzung der Landwirtschaftlichen Abteilung der Dienststelle: Dienststellenleitung: Ab 1964 OLR Baden (vorher LR Bernhard) Mitarbeiter: LR Peters (bis 1959); LR Hiepe (bis 1961); Kreisberater Mölleken 1958 - 1959); Flurbereinigungsberater Kresse (von 1958 - 1960); Pflanzenbautechniker Sopp (von 1953 - 1970) Büroangestellter Geißler (von 1946 - 1970); LA Baden (1960 - 1970) LA Dr. Volz (1965 - 1967); Dipl. agrar. von Wolf-Zdekauer (1965 - 1970). Im Wintersemester 1962/63 findet in der Hauswirtschaftlichen Abteilung kein Unterricht statt. 1963/1964 kam noch einmal eine Klasse zustande, dann wird der Unterricht am 20.3.1964 eingestellt. Im Wintersemester 1959/60 wird einklassiger Unterricht in der Landwirtschaftlichen Abteilung eingeführt. 1960/61 und 1962 - 1964 fällt der Unterricht wegen Schülermangels aus. Im Wintersemester 1965/66 wird zum letzten Mal in Nastätten unterrichtet. Zum 30.9.1970 wird die Landwirtschaftliche Beratungsstelle in Nastätten aufgelöst. Der Dienstbezirk wird von Katzenelnbogen aus betreut, das Gebäude wird von der Sonderschule übernommen, die Herren von Wolf-Zdekauer, Passek und Sopp werden nach Katzenelnbogen versetzt. 1972 Krankenkasse 1972 Maschinenring Die Geschäftsstelle war von 1972 bis 1984 im Haus des langjährigen Geschäftsführers Willi Christ ( Bettendorf). Vorsitzende waren von 1972 bis 1974 Anton Bilo (Seelbach), von 1974 bis 1990 Oskar Meyer (Lierschied ) und ab 1990 bis heute Klaus Ferdinand (Dausenau). Im Jahr 1994 schlossen sich der MBR Taunus-Westerwald und der MBR Westerwald zusammen und unterhalten eine gemeinsame Geschäftsstelle in Montabaur. Geschäftsführer ist Martin Schmitz. Weitere Aufgabengebiete (z. B. Klärschlammverwertung, Kompostverwertung etc.) kamen in den letzten Jahren dazu, um diese entsprechend abwickeln zu können, wurde eine MBR Agrar-Service GmbH gegründet. Im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen Kreisbauern - und Winzerverband und Maschinenring wird in Zukunft eine noch engere gemeinschaftliche Arbeit in den verschiedensten Tätigkeitsfeldern erforderlich sein. Denn beide Organisationen müssen an einem Strang ziehen für die Landwirte ihrer Region. Gerade der Vermittlung von Betriebshelfern oder auch in Zukunft Urlaubsvertretungen kommt zur Sicherung der bäuerlichen Betriebe eine immer größer werdende Notwendigkeit zu. 1973 Wechsel des Kreisvorsitzenden 1976 Dürreschäden Folgende Maßnahmen wurden für erforderlich gehalten: 1. Ausdehnung der Interventionsschlachtereien, die Gewichtsbegrenzung von 350 kg Schlachtgewicht/Bulle muss geändert werden. 2. Der Kreis muss zum Notstandsgebiet erklärt werden. 3. Bedarf an Futter- und Strohmengen müssen festgestellt werden. 4. Verkauf des Zuchtviehs soll mit Züchterverband und Tierzuchtwart Klein besprochen werden. 5. Futter-Zukaufsmittel sollten verbilligt werden (30%). Entsprechende Anträge sollen gestellt werden. 6. Bei Darlehen mit Zinsverbilligung soll eine Freijahr beantragt werden. Die Vorsitzenden der beiden Kreisverbände im Rhein-Lahn-Kreis werden ständigen Kontakt miteinander halten. Ebenso sollen alle Aktionen mit der Landwirtschaftskammer, dem Maschinenring, den Genossenschaften und Kreisverbänden koordiniert werden. 1977 Kreisbereisung Landrat 1979 Verabschiedung Götzensberger Wer schreitet spät abends vom Büro mit
Ärger Wer macht verständlich die Gesetze, die
keiner versteht? Sag nur, daß das der Götzensberger nit
sei! Wen kannst du greife zu mindern den Ärger E kennt die Bauern, die Bäurinne, die
Knecht. Mit ääner Hand schreibt er, mit der
anner an der Stripp, Drum lieber Kurt, es werd sonst zu lang, 1984 - Milchquote / Aufkaufaktion 1990 An einer weiteren begrenzten Hilfsaktion als kleine Ermessensklausel für Haupterwerbsbetriebe Anfang 1985 beteiligten sich 16 Betriebe, von denen 7 mit einer Menge von insgesamt knapp 50.000 kg Milch abgeholfen werden konnte. Diese Härtefallregelungen verursachte Neid und Zwietracht unter den Bauern. Es wurden Wunden gerissen, die bis heute nicht vernarbt sind. Gleichzeitig im Jahr 1984 konnten Betriebe einen Antrag auf Vergütung für die endgültige Aufgabe der Milcherzeugung, die so genannte Milchrente, an das Bundesamt für Ernährung und Forstwirtschaft in Frankfurt/Main stellen. Bei dieser Aktion beteiligten sich 122 Antragsteller, und dem Kreis gingen insgesamt über 3,8 Mill. kg Milch verloren. Als Vergütung erhielt der Antragsteller 1, DM für 1 kg abgegebene Referenzmenge. Es folgte ab 1.1.1986 eine Aufkaufaktion des Landes Rheinland-Pfalz, an der sich jedoch wenige Landwirte beteiligten. Die bei dieser Aktion freigesetzte Menge wurde in einer Verteileraktion im Jahr 1987 an Junglandwirte verteilt. Von 146 Antragstellern erhielten 136 insgesamt 217.150 kg zugeteilt, im Durchschnitt knapp 1.600 kg/Betrieb. Die wohl spektakulärste Aufkaufaktion des Bundes begann am Montag den 19.3.1990. An diesem Tag stellten 109 Antragsteller ihren Milchrentenantrag, und es wurden über 4,2 Mill. kg Milch aus dem Kreisgebiet freigesetzt. Die Vergütung betrug 1,60 DM/kg und wurde in einem Betrag ausgezahlt. Anfang des Jahres 1991 folgte eine zweite Aufkaufaktion des Landes. Hierbei war das Land aber praktisch nur der Mittler zwischen abgabe - und ankaufwilligen Milcherzeugern. Auch bei dieser Aktion "blutete" der Rhein-Lahn-Kreis stark, denn den abgabewilligen Landwirten standen nur wenige ankaufwillige Milcherzeuger gegenüber. Neben diesen großen Aktionen fanden immer wieder Landwirte bei Bedarf Gelegenheit, von anderen Landwirten, aus dem Kreis, oder auch von außerhalb des Kreises, Referenzmengen erst mit, später auch ohne Flächen, anzukaufen oder anzupachten. Das mögliche Milch-Leasinggeschäft, innerhalb der jeweiligen Molkerei für ein Milchwirtschaftsjahr entsprechende Quoten zu leihen, wird von vielen Landwirten des Kreises seit Jahren praktiziert. Zwischen dem Tag der Einführung der Milchgarantiemengenregelung und heute, also innerhalb der letzten zwölf Jahre, hat sich das Bild vieler Ortschaften gewandelt. Vor 1984 standen praktisch in jedem Ort des Rhein-Lahn-Kreises Milchkühe. Heute hat sich die Zahl der milchviehhaltenden Betriebe doch stark dezimiert. Gleichzeitig ist aber die Zahl der mutterkuhhaltenden oder ammenkuhhaltenden Betriebe angestiegen, allerdings nur als kleiner Ersatz für die vielen aufgebenden Milchviehbetriebe. Dies wird in der Konsequenz auch Auswirkungen auf die Bewirtschaftung unserer Landschaft haben, denn wo keine Kühe mehr stehen, wird Grünland wertlos wird zum betriebswirtschaftlichen Ballast. Damit wird aus dieser agrarpolitischen Frage auch eine umweltpolitische Problematik. 1986 Benachteiligte Gebiete Aus den Unterlagen der ehemaligen Landwirtschaftlichen Beratungsstelle Nastätten geht hervor, dass laut Erlass vom 17.2.1961 folgende elf Gemeinden zu den benachteiligten Gebieten im Loreleykreis gehören: Münchenroth, Lautert, Oberwallmenach, Diethardt, Rettershain, Weidenbach, Strüth, Welterod, Lipporn, Kaub und Sauerthal. Nach einem Erlass vom 6.2.1962 kommen folgende fünf Gemeinden hinzu: Dörscheid, Holzhausen, Hinterwald, Dachsenhausen und Becheln. Seit 1987 gehören ferner nach der erfolgten Feinabgrenzung der benachteiligten Gebiete folgende Gemeinden mit ihrer gesamten Gemarkungsfläche zusätzlich dazu: Berg, Buch, Eschbach, Kehlbach, Nastätten, Obertiefenbach, Oberbachheim, Ölsberg, Ruppertshofen, Auel, Dahlheim, Lierschied, Lykershausen, Prath, St. Goarshausen, Weisel und Weyer. Von den folgenden Gemeinden sind nur bestimmte Ortsteile oder Gemarkungsteile benachteiligt: von der verbandsfreien Gemeinde Stadt Lahnstein nur OT Buchholz, Neuborn, Kirchheimersborn, Deutschherrenhütte, Grenzloch, Buchenberg und Schwarzwald, von der Ortsgemeinde Braubach: OT Molkenborn und Königsstiel, von der Gemeinde Kamp-Bornhofen: OT Am Stierkopf, Büschheck und Dreispitz, von der Gemeinde Osterspai: OT Neuborn, Dachsborn, Erlenborn und Büchelborn von der Gemeinde Kestert: OT Oberkestert, in der Gemeinde Bornich ist die Gemarkung außer den OT Loreley und Hof Leiselfeld benachteiligt. 1986 Tschernobyl 1987 Schlepperdemo Koblenz Insgesamt über 1.000 Schlepper und 10.000 Fußteilnehmer unterstrichen damit die Forderungen des Landesverbandes. Die Bauern forderten: 1. Weg mit den skandalösen und bauernfeindlichen Vorschlägen der EG-Kommission. 2. Beendigung der Brüsseler Preisdruckpolitik 3. Aufrechterhaltung des deutschen Währungsausgleichs. 4. Sofortige Abberufung der unfähigen deutschen EG-Kommissare Die Winzer forderten: 1. In der Weinbaupolitik mehr nationale Eigenständigkeit 2. Zum Schutz unserer Winzer wie auch unserer Verbraucher lückenlose Kontrolle der Weineinfuhr, um den Import von Skandalen zu verhindern. 3. Änderung des Weinbezeichnungsrechts, damit jeder Verbraucher das tatsächliche Ursprungsland von Wein und Sekt erkennen kann. 1988 Wechsel des Kreisvorsitzenden 1990 Konkurs Bleker 1991 - Bau RHG Miehlen Die noch vorhandenen Annahmestellen von Genossenschaft und Landhandel in Nastätten, Niederwallmenach, Miehlen, Singhofen, Pohl, Lahnstein, konnten das Getreide der Landwirte nur unter Problemen annehmen, es kam zu 24stündigen Wartezeiten. Dies war Grund genug für unseren Kreisverband, entsprechende Forderungen an die Genossenschaften zu stellen, um ihre Annahmekapazitäten entsprechend zu verbessern. Nach etlichen Gesprächen und Verhandlungen war die RHG Frankfurt bereit, eine neue Zentrale in Miehlen zu bauen. Dazu übertrugen die Genossenschaftsbanken ihren Zweig Landhandel der RHG. Im Sommer 1993 konnten die Landwirte erstmals ihr Getreide an das fertig gestellte Zentrum der RHG im Industriegebiet in Miehlen anliefern. Der Kreisvorsitzende Wilfried Kaiser und der Geschäftsstellenleiter Armin Geisel haben in vielen Gesprächen zusammen mit Präsident Schartz und dem Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Dr. Derstappen, in Frankfurt letztendlich zu dieser großen Investition beigetragen. 1991 Bayer, Niederwallmenach 1991 Dürreperiode 1991 Schlepperdemo in Bad Ems Zum Beginn des EG-Sondergipfels in Maastrich wollte man verdeutlichen, dass die geplante Agrarreform die Existenz aller Landwirte bedrohe. Unterstrichen wurde diese Aktion durch entsprechende Plakate und zwölf Traktoren, welche die Mitgliedsstaaten der EG symbolisierten. 1992 Agrarverwaltungsreform 1993 EG-Agrarreform Gleichzeitig ist die Gewichtung der Marktordnungsinstrumente im Bereich Rindfleisch verändert worden. Ziel war, das Marktungleichgewicht zu beseitigen und die Wirkung der Stützungsmaßnahmen auf die Erzeugereinkommen zu verbessern. Auch haben Aspekte der verstärkten extensiven Grünlandnutzung eine Rolle gespielt. Die Reform sieht eine stufenweise Verringerung der Interventionspreise vor. Als Ausgleich dafür werden dem Erzeuger erhöhte Prämien gewährt. Um den Landwirten bei dieser Antragsstellung behilflich zu sein, werden seit 1993 jedes Jahr vom Kreisverband zusammen mit der Abteilung Landwirtschaft der Kreisverwaltung Außensprechtage abgehalten. 1995 Fusion Kreisverbände In der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Kreisbauernverbandes Unterlahn am 28.12.1994 beschlossen die Mitglieder einen Wechsel ihrer Betreuung von der Geschäftsstelle von Limburg nach Niederwallmenach. Ein entsprechender Rahmenvertrag wurde vom Präsidenten des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Koblenz und dem Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Untertan unterzeichnet. Alle Landwirte und Winzer des Rhein-Lahn-Kreises werden seit 1.1.1995 von der Geschäftsstelle in Niederwallmenach betreut. Außensprechtage werden im Kreishaus in Bad Ems, bei der Verbandsgemeinde in Katzenelnbogen und bei der Tierversicherung in Diez abgehalten. 1995 Sozialversicherungsträger
Rheinland-Pfalz 1995 Neue Alterssicherung der Landwirte
Soziale Absicherung der Bäuerin 1995 Landespflege Als Folge der Realteilung kam es auch in unserem Verbandsgebiet zu einer immer stärker werdenden Zersplitterung der gesamten Feldflur. Man begann darum Anfang der 50er Jahre, und dies weit bis in die 60er Jahre hinein, in dem gesamten ehemaligen Loreleykreis mit Bodenordnungsverfahren der jeweiligen Gemeinden. Seien es so genannte klassische Verfahren mit der Markierung durch Grenzsteine oder beschleunigte Verfahren, die etwas vereinfachter durchgeführt wurden. Als Ergebnis dieser Bodenordnungsverfahren wurde eine für damalige Verhältnisse enorme Vergrößerung der Schläge von knapp einem bis ca. zwei Hektar im Schnitt erreicht und damit eine Antwort auf die zunehmende Technisierung und Motorisierung auch in der hiesigen Landwirtschaft gegeben. Leider wurde damals den Belangen der Ökologie keine Beachtung geschenkt, und das agrarpolitische Ziel der möglichst großen Erzeugung vieler Nahrungsgüter stand an vorderster Stelle. Bodenordnung heute, wie wir sie seit einiger Zeit in unseren Reihen und auch mit den kommunalpolitischen Gremien diskutieren, muss und wird einen anderen Charakter als die vor einigen Jahrzehnten durchgeführten Verfahren haben. Dies wird u.a. schon deswegen sein müssen, weil Ansprüche an den Faktor Boden von den verschiedensten Beteiligten heutzutage gestellt werden. Hier seien als erste die Kommunen genannt, die für die Bereitstellung von Baugebieten oder auch Gewerbegebieten einen erheblichen Flächenbedarf haben. Des Weiteren wird viel Land für den Bau von Straßen und Plätzen benötigt. Auch die Umweltbehörden melden verstärkten Flächenbedarf für Biotope, Ausgleichsflächen und dergleichen an. Deswegen wird eine Zweitflurbereinigung" nicht nur der Produktivitätserhöhung der Bodenbewirtschaftung dienen, sondern auch ökologischen und gesellschaftspolitischen Ansprüchen genügen müssen. Auch die Einbeziehung der Aktion "Blau", diese bedeutet Gewässerrenaturierung, Anlegung von Uferrandstreifen und eine mögliche Vermeidung einer zu hohen Abflussgeschwindigkeit in die Talauen bzw. Flußauen, könnte ein wichtiger Teilaspekt einer zukünftigen Bodenordnung werden. Aus der Sicht der Landwirte ist auch nach der Wiedervereinigung unseres Vaterlandes, mit ganz anderen Schlaggrößen in den fünf neuen Ländern, eine Erhöhung der Produktivität auf unseren Grundstücken dringend geboten, wollen wir hier, ausgehend von den Festkosten, nicht ins Abseits laufen. Deswegen wird es langwieriger politischer Diskussionen bedürfen, um eine Zweitflurbereinigung mehrheitsfähig und gesellschaftspolitisch durchführbar zu machen. Lehrfahrten Im zweijährigen Rhythmus werden den Mitgliedern nun größere landwirtschaftliche Studienfahrten angeboten. Beginnend in 1994 mit einer Fahrt nach Finnland, wo für die Teilnehmer ein Gespräch im Landwirtschaftsministerium in Helsinki erreicht werden konnte, folgte in diesem Jahr ein Studienrundreise durch Norwegen. Diejenigen, die unsere Fahrten mitgemacht haben, kennen einen Großteil Deutschlands, viele Städte und die Schönheit der deutschen Landschaft. Weitere Ziele waren Holland, Schweiz, Österreich, Luxemburg, Belgien, Frankreich, Italien, Finnland und Norwegen. Städtereisen wurden nach Moskau, Paris und Berlin (Besuch der Internationalen Grünen Woche) unternommen. Delegiertenversammlung, Jahreshauptversammlung Vorstandssitzung Mindestens viermal im Jahr trifft sich der Kreisvorstand des Verbandes, um aktuelle Probleme zu diskutieren und Beschlüsse zu fassen und entsprechende Forderungen an den Landesverband in Koblenz weiterzuleiten. Personen im Ehrenamt und Hauptamt Kreisvorsitzende Das Jahr 1996 ist auch für den Landfrauenverband Rhein-Lahn ein Jubiläumsjahr. In diesem Jahr konnten die Mitglieder das 40jährige Bestehen ihres Verbandes feiern. Schon bald nach dem Krieg fanden in den Kreisen Loreley und Unterlahn Informationsveranstaltungen für Frauen statt. Angeboten wurden Sie von den Landwirtschaftsschulen Nastätten und Katzenelnbogen. Diese Veranstaltungen wurden von Anfang an sehr gut besucht; sie waren den älteren Frauen noch aus der Zeit vor dem Krieg bekannt, und der Hunger nach Information und Weiterentwicklung war sehr groß. So lag es nahe, dass nach Vorbesprechungen und Planungen im Jahr 1956 die Gründung des Landfrauenverbandes stattfand. Von Anfang an sollte der Landfrauenverband nicht nur für Bäuerinnen offen sein, sondern auch für Handwerker und Arbeiterfrauen, also für alle Frauen, die auf dem Lande leben. Ursprünglich waren jährlich 2-3 Veranstaltungen, 2 Landfrauennachmittage oder ein Landfrauentag und eine Besichtigungsfahrt vorgesehen. Die Themen der Veranstaltungen kamen aus den Bereichen: Hauswirtschaft, Haushaltstechnik, Ernährung, Gesundheitspflege, Erziehungsfragen, Gartenbau, Betriebswirtschaft, Fragen zur Agrarpolitik, Rechts- und Sozialfragen, Gleichberechtigung von Mann und Frau und natürlich Veranstaltungen mit kulturellem Inhalt. Das vielfältige Angebot sprach viele Frauen an. Der Verband wuchs ständig. Es kamen immer mehr Mitglieder hinzu, so dass der Landfrauenverband heute eine starke Gemeinschaft von 1600 Mitgliedern ist. Die beiden Verbände arbeiteten in den ersten Jahren getrennt voneinander und wuchsen erst im Laufe der Jahre Stück um Stück zusammen. Die Geschäftsführung im Unterlahnkreis übernahm von Anfang an Frau Muelenz, Lehrerin an der Landwirtschaftsschule Katzenelnbogen, die schon zur damaligen Gründungsversammlung eingeladen hatte. Die Geschäfte des Loreleykreises übernahm Frau Lütje, damals Lehrerin an der Landwirtschaftsschule Nastätten. Als Mitte der 60er Jahre die Schule geschlossen wurde, entstand hier eine große Lücke. Aus der Not heraus sagte der damalige Vorsitzende des Bauern und Winzerverbandes, Herr Schmidt, seine Hilfe zu und der Geschäftsführer des Verbandes, Herr Götzensberger, übernahm bis auf weiteres die Geschäftsführung für die Landfrauen. Erst 1970 übernahm Frau Muelenz dann die Geschäfte beider Kreise. Damit war der erste Schritt zu einem Kreisverband getan. Es brauchte jedoch noch viele Jahre bis zur Verwirklichung dieser Idee. Die Geschäftsführung lag seitdem immer in der Hand der Leiterin der hauswirtschaftlichen Abteilung der Landwirtschaftsschule, später der staatlichen Beratungsstelle für Landwirtschaft und Hauswirtschaft, in Katzenelnbogen. Nach der Pensionierung von Frau Muelenz gab es einige Jahre lang einen ständigen Wechsel der Geschäftsführerin. Von 1983 an war Marianne Feigenbutz Leiterin der hauswirtschaftlichen Abteilung und gleichzeitig neue Geschäftsführerin der beiden Kreisverbände. Der erste gemeinsame Landfrauentag fand 1971 im Kursaal in Bad Ems statt. In den kommenden Jahren fing man an, die Mehrtagesfahrten gemeinsam durchzuführen. Zu einer gemeinsamen Kassenführung konnte man sich erst 1984 entschließen. Nach wie vor aber gab es zwei Kreisverbände. Bei den jeweiligen Gründungsversammlungen wurden zum ersten Mal auch die Kreisvorsitzenden gewählt. Im Unterlahnkreis übernahm Gretel Hofmann aus Katzenelnbogen von Anfang an dieses Amt und hatte es inne, bis 1988 Anni Pfeifer aus Ergeshausen den Vorsitz übernahm. Im Loreleykreis war Hedwig Holstein aus Bogel schon vor der Gründung sehr aktiv tätig, und es war nur folgerichtig, dass sie zur ersten Kreisvorsitzenden gewählt wurde. 1976 musste sie dieses Amt aus familiären Gründen abgeben und Lina Hewel aus Lierschied übernahm ihre Funktion für die nächsten 12 Jahre. Auch sie gab 1988 ihr Amt ab und Elke Eckert, Obertiefenbach, trat an ihre Stelle. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Vorsitzenden war sehr gut, und zusammen mit den beiden Kreisvorständen wurde im Jahr 1992 die Fusion der beiden Kreisteile beschlossen. Im gleichen Jahr wurde Elke Eckert zur ersten Kreisvorsitzenden des Landfrauenverbandes Rhein-Lahn gewählt und Anni Pfeifer zu deren Stellvertreterin. Im Laufe der vielen Jahre wurde der Landfrauenverband fester Bestandteil des Lebens in unserer ländlichen Region. Wir Landfrauen sorgen weiterhin für viele, gut besuchte Weiterbildungsveranstaltungen; oft zu den gleichen oder ähnlichen Themen wie in der Anfangszeit, wobei sich natürlich die Inhalte stark gewandelt haben; sie haben sich den heutigen, veränderten Strukturen und Erfordernissen angepasst. Wir richten Dorffeste aus oder helfen bei Festen im Dorf mit. Bei der Aktion "Unser Dorf soll schöner werden" sind es vor allem die Landfrauen, die überall kräftig mithelfen und durch viel Engagement der Mitglieder konnte im sozialen Bereich schon oft mitgearbeitet oder finanziell geholfen werden. Vieles von der geleisteten Arbeit wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht all unsere Mitglieder so selbstverständlich bereit wären, ihre Zeit und ihre Arbeit ehrenamtlich zur Verfügung zu stellen. Das Ehrenamt wird heute immer mehr in Frage gestellt, oft auch aus finanziellem Zwang heraus. Aber gerade unser Verband lebt weitestgehend vom Ehrenamt, und wir sind zuversichtlich, dass auch in Zukunft die Bereitschaft, Anderen zu helfen und sich für die Interessen Anderer einzusetzen, etwas ist, was unseren Verband besonders auszeichnet. Die Landjugend In der Satzung des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau e.V. vom 23. August 1966 heißt es unter § 2, k) "Zweck des Verbandes": Förderung der Landjugend mit dem Ziel, sie auf die Übernahme von Verantwortung im berufsständischen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben unseres Volkes vorzubereiten. Zu diesem Zeitpunkt entsprach die Landjugendvereinigung mit ihren Aktivitäten den vorgenannten Zielen bereits. Im August 1951 konnte davon jedoch noch keine Rede sein. Der damalige Vorsitzende des Kreisbauern - und Winzerverbandes, Ernst Schmidt, Niederwallmenach, wusste um die schlummernden Möglichkeiten und traf eine vortreffliche Wahl, als er Berufsschullehrer Joachim Zitzke bat, die Jugendarbeit im Rahmen des Verbandes zu übernehmen. Der erste Einsatz des neuen Jugendobmannes führte ihn zum Bauerntag nach Rendsburg. Von dort brachte er eine Möglichkeit, junge Menschen zur Berufsausbildung anzuhalten, mit nach Hause, die ihn begeisterte und so lief bereits im Herbst 1951 das erste Arbeitsvorhaben "Kälberaufzucht" an, welches über zwei Jahre dauerte und an dem 11 Jungen teilnahmen. Das Prinzip Arbeitsvorhaben in der Berufsschule hat sich bis zur Auflösung der Nebenstelle in Nastätten 1974 gehalten und wurde von der Landwirtschaftskammer Koblenz als Vorleistung zur Gehilfenprüfung anerkannt. In Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftsschule und den "Ehemaligen Nastätten" unter Vorsitz von Artur Zellmann wurde im Winter 52/53 in Bogel ein Arbeitskreis für Jungbauern gegründet. Man traf sich jeden Monat einmal, hörte Referate aus den Gebieten der Fachkunde, der Kulturkunde und der Agrarpolitik. Es waren stets 40 - 60 Jungbauern anwesend. Im März 1953 fand in Lautert die Prämierung von 96 Arbeitsvorhaben statt. Am 14. November 1953 lud Jugendobmann Zitzke Jugendliche zu einer Besprechung über die künftige organisatorische Gestaltung der Landjugendarbeit ein. Es war die Geburtsstunde des "Bund deutscher Landjugend" im Kreisbauernverband St. Goarshausen. Anlässlich einer weiteren Versammlung nur zwei Wochen später unterschrieben schon 79 Jugendliche ihre Beitrittserklärung. Wir wollen keine neuen Vereine in die Dörfer bringen, im Gegenteil, die bestehenden Einrichtungen viel lieber in ihren Bemühungen unterstützen. Unter diesem Leitgedanken von Zitzke kam es, dass das Mandolinenorchester Oelsberg nach bereits 28jährigem Bestehen 1952 in den noch jungen Verband der Landjugend integriert wurde und bis heute eine wertvolle Bereicherung darstellt, was nicht zuletzt an der guten Zusammenarbeit mit dem Vorsitzenden Adolf Baldewein liegt. Es folgten erste Aktivitäten wie der Tanzkurs unter dem Namen "Neue Geselligkeit". Die Teilnahmegebühr von 15,- DM für Burschen und 10,- DM für Mädchen lässt vermuten, dass man bei den männlichen Teilnehmern mit "erschwerten Bedingungen" rechnete. Bis zum 1. April 54 kam es zur Gründung
folgender Landjugendgruppen Nastätten mit den Orten Buch, Oelsberg, Aftholderbach, Weidenbach, Rettershain, Oberwallmenach mit Lautert, Bogel (weiblich), Bogel (männlich), Ruppertshofen mit Endlichhofen, Himmighofen (weiblich) mit Kasdorf, Pissighofen. Es begann die Zeit des "kulturellen Austausches". So waren am 3. Juli 1954 rd. 100 Personen aus Niedersachsen in Himmighofen zu Gast. Man denke an den Aufwand der heute betrieben wird, um nur 10 Besucher z.B. aus einer Partnerstadt in Europa unterzubringen und zu betreuen. Am 20. Oktober 1954 gestaltete die Landjugend ihr erstes Erntedankfest in Niederwallmenach. Die abendliche Feierstunde stellte Ernst Schmidt unter den Leitgedanken "Jeder Acker ist Gottes Land - und wir sind Korn in seiner Hand". Ein Gedanke, der an seiner Aktualität bis heute nichts verloren hat. 1.1.1955: Die Vorbereitungen für den ersten Berufswettkampf der Landjugend liefen an. Von einer verstärkten Werbung wollte man absehen, damit die Teilnehmerzahl 100 nicht übersteigen würde. Es sollten mit dieser Zahl Erfahrungen in der Durchführung gesammelt werden. Mitte März war es dann so weit. Die Presse gab bekannt: "In 8 Jugend- und 3 Mädchengruppen stellten sich rund 110 Jugendliche des bäuerlichen Berufsstandes den Prüfern und Prüferinnen im praktischen Teil ihrer Aufgaben. Nachdem die Teilnehmer die Theorie bereits vor 3 Wochen hinter sich gebracht hatten, können wir heute die jeweils Besten einer jeden Gruppe bekannt geben. Die Sieger der Ortsentscheide sind: Jungen, Jahrgänge 1938 und 1939 Gruppe Rettershain: 1. Theo Pritz, Gruppe Niederwallmenach: 1. Ernst Häuser, Gruppe Miehlen: 1. Ludwig Spriestersbach, Gruppe Berg: 1. Lothar Reichardt aus Geisig, Gruppe Bogel: 1. Kurt Ludwig aus Nastätten, Gruppe Hof Offenthal: 1. Hermann Graßmann aus Weisel. Jahrgänge 1935 1937 Gruppe Nastätten: 1. Kurt Kunz aus Geisig, Oberwallmenach: 1. Hermann Lenz aus Rettershain. Mädchen, Jahrgänge 1938 und 1939 Gruppe Miehlen: 1. Christa Dressler aus Miehlen, Bogel 1. Gisela Theis aus Lierschied, Niederwallmenach: 1. Inge Plies aus Reitzenhain." An dieser Stelle ist auch ein Dank einzuflechten an die Damen und Herren, die selbstlos ihre Betriebe, ihr Wissen und Können für die Landjugendarbeit zur Verfügung stellten und stellen. Und wieder gab es eine Premiere: Am 6. Mai 1955 fand in Welterod der 1. Landjugendtag statt, an dem auch Landrat Bohmeier teilnahm. Der Mai 1955 wird auch den 30 Mädchen der Landjugend Niederwallmenach noch lange in Erinnerung geblieben sein. 7 Tage lang waren Sie auf einer Reise durch Bayern deren Höhepunkt die Teilnahme an der DLG-Ausstellung in München mit gymnastischen Tänzen darstellte. Die Presse berichtete u.a. "Minister Lübke saß auf der Tribüne, Wochenschau und Fernsehen rissen sich um unsere Mädchen". Der 6. Dezember 1958 war wieder ein Tag von Bedeutung für die Landjugend: es fand die Einweihung des landwirtschaftlichen Berufsschulgebäudes in Nastätten statt. Dem Einsatz von Landrat Bohmeier hatte man es zu verdanken, dass die Landjugend nun eine ordentliche Heimstatt fand und ihre Zusammenkünfte nicht mehr in den Räumlichkeiten von Gaststätten stattfinden mussten. Auch die heimischen Politiker waren sich bewusst, von welcher Bedeutung der Bauernstand für sie sein konnte und welches Potential in der nachfolgenden Generation, also der Landjugend, lag. So richteten im Oktober 1959 beim Erntedankfest in der Landwirtschaftlichen Berufsschule Nastätten nicht nur der Landrat und die Herren Pfarrer Neus und Matern ihr Wort an die Gäste, sondern auch MdB Robert Strauch, Katzenelnbogen und Landtagsabgeordneter Tönges aus Welterod. Zwischenzeitlich hatte sich ein jahrelanges Anliegen des Verbandes durchgesetzt, und so fand im Mai 1961 in den Gemeinden Nastätten, Winterwerb und Oberwallmenach erstmalig eine Landwirtschafts-Gehilfenprüfung statt, ohne dass die 19 Kandidaten eine praktische Lehrzeit in einem fremden Betrieb abgeleistet hatten. Die 60er Jahre können wohl als die Glanzzeit unserer Landjugend bezeichnet werden. Man bereiste das ganze Land, um an landwirtschaftlich geprägten Veranstaltungen teilzunehmen oder andere Landjugendverbände zu treffen. Man fuhr zu Freizeiten und Lehrgängen, erhielt Gegenbesuche, nahm an Wettbewerben teil und vergaß dabei nie neben Spaß und Spiel die fachliche wie auch agrarpolitische Weiterbildung in Form von Lehrgängen. All dies war nur durch das ehrenamtliche Engagement Vieler möglich. Den Neigungen der jungen Menschen im Alter von 14 bis 25 Jahren entsprechend wurden Arbeitsgemeinschaften gebildet. So heißt es im Artikel der Rhein-Zeitung vom 17.9.1963: "...Landjugendobmann Zitzke hat dieser Tage ein Winterprogramm veröffentlicht, das in seiner Reichhaltigkeit nichts zu wünschen übrig lässt." Ein Auszug aus dem Programm: Montags englischer Sprachkurs mit Realschullehrer Vömel; dienstags Gesellschaftstanz mit der Tanzschule Volkert (33 Jahre später noch immer ein gut besuchter Kurs in Nastätten für Jugendliche und Erwachsene) sowie Volkstanz mit Kurt Ludwig, Winterwerb; mittwochs anspruchsvolles Laienspiel und kabarettistische Darbietung, vorläufige Leitung Lehrer Kimpel; donnerstags Orchesterprobe unter Herrn Pfaffenberger aus Niederwallmenach; freitags Volkstanzgruppe Bogel mit Jugendpfleger Manfred Zielinski; samstags Volksmusik mit dem Dirigenten Philipp Bartenbach, Oelsberg. Am 17. Juli 1964 wurde der Regierungs- und Landwirtschaftsrat Ernst Bernhard aus seinem Amt als Direktor der Landwirtschaftsschule und Beratungsstelle verabschiedet. Die Landjugend hat Herrn Bernhard und seiner Dienststelle viel Rat und Mithilfe zu verdanken. 1965 war die Geburtsstunde der Werbehelfer, die nun regelmäßig zum Einsatz kamen wie z.B. während der grünen Wochen in Berlin oder an den Tagen des offenen Hofes, der sich noch immer großer Beliebtheit erfreut und bei gutem Wetter bis zu 2000 Besucher anlockt. 1968 kam es nach 17jährigem Bestehen zur Auflösung der Landjugendgruppe Bogel. 1970 hatte der Verband noch 119 Mitglieder; davon 23 Einzelmitglieder, 14 Mandolinenorchester, 27 Werbehelfer, 16 Spielschar, 39 Tanzgruppe. Am 31. Dezember 1970 gab Jugendobmann Joachim Zitzke sein Amt an den Kreisbauern - und Winzerverband zurück. Mit diesem Ausscheiden ging nach 2 Jahrzehnten eine Ära zu Ende. Berufsschullehrer Joachim Zitzke hat sich mit seiner motivierten, zeitaufwendigen und erfolgreichen Jugendarbeit um die jungen Menschen, um den bäuerlichen Nachwuchs dieses Kreises verdient gemacht. Ohne ihn hätte es in unserem Kreis wohl keine Landjugendarbeit gegeben. Viele seiner ehemaligen Schüler oder auch Mitglieder der Landjugendgruppe sind ihm noch heute dankbar, durch seinen Einsatz Rüstzeug auch für das gesamte weitere Leben bekommen zu haben. Als Kreisvorsitzende der Landjugend ab 1970 sind insbesondere die Herren Berthold Krebs, Obertiefenbach, Fritz-Willi Göbel, Ölsberg und Rolf Müller, Himmighofen zu erwähnen, die stets einen guten Draht zum Kreisbauern - und Winzerverband St. Goarshausen pflegten. Mit der Gründung des Landjugendverbandes Rheinland-Nassau im Jahr 1975 engagierten sich die Landjugendlichen im Rhein-Lahn-Kreis stärker über die Kreisebene hinaus. Bei der ersten Vorstandswahl wurde Anita Thorn aus Geisig zur Landesvorsitzenden gewählt; Wilfried Kaiser wurde stellvertretender Landesvorsitzender. Mit dieser personellen Stärkung durch den Kreisverband auf Landesebene wie auch beim Bund der Deutschen Landjugend in Bonn, erhielten unsere Aktivitäten neuen Auftrieb. Schwerpunkte der Landjugendarbeit in den 70er und 80er Jahren, und dies gilt bis heute noch, sind die Durchführung der Tage des Offenen Hofes, sind agrarpolitische Diskussionen und gesellschaftspolitische Foren. Darüber hinaus beteiligt man sich immer wieder an Demonstrationen des Erwachsenenverbandes. Auf ihre Fahne hat sich die Landjugend eine Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit und eine Imagepflege für den ländlichen Raum geschrieben. Höhepunkte in den vergangenen Jahren war die Feier des 30jährigen Bestehens im Jahr 1981 in Niederbachheim mit den damaligen Landräten Bohmeier und Hans Krämer. Zu erwähnen ist noch, dass Wilfried Kaiser, Marienfels, über 10 Jahre von 1979 bis 1989, also bis zu seiner Wahl als Kreisvorsitzender, den Arbeitskreis Agrarpolitik auf Landesebene leitete und als Delegierter des BDL an zwei Weltkongressen der Junglandwirte in Obervolta/Afrika und Ohio/ USA teilnahm. Landjugendarbeit ist über den Bereich der Jugendarbeit hinaus auch Arbeit für den ländlichen Raum, für intakte Dörfer und ein harmonisches, geselliges Zusammenleben der Menschen in ihrer Region. St. Goarshausen und der Weinbau Kreisbauern - und Winzerverband, Rüdiger Schornick, Ehemaliger Leiter der Weinbauberatungsstelle St. Goar Der Kreisbauern - und Winzerverband ist ein Kind der Nachkriegszeit. Der Weinbau dagegen kann auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblicken. Der Verband übernahm somit die Berufsvertretung der Winzerschaft und auch Verantwortung über das Kulturgut Weinbau mit seinen damals vorhandenen ca. 400 ha Rebflächen; eine bedeutende Wirtschaftsgröße im Kreis. Es ist sicher interessant, einmal einen Überblick über die Entwicklung der Rebfläche im Kreisgebiet während der letzten 50 Jahre aufzuzeigen. 1929 waren es ca. 520 ha mit Reben bepflanzte Flächen in 15 Weinbau betreibenden Städten und Gemeinden. Eine Erfassung aus dem Jahr 1963 ergab eine Rebfläche von ca. 240 ha in 12 Städten und Gemeinden. Diese Entwicklung lässt befürchten, dass die Rebfläche in den nächsten Jahren noch weiter zurückgeht und nur noch dort verbleibt, wo eine Flurbereinigung durchgeführt wurde. Es handelt sich dabei um eine Fläche von etwa 45 ha. Den größten Rückschlag erhielt der Weinbau meines Erachtens durch den Winterfrost im Januar und Februar 1956 (bis -28°C). Die Reben wurden zum Teil so stark beschädigt, dass viele Winzer nicht mehr den Mut zur Wiederbepflanzung aufbrachten. Ich glaube, dass diese Entwicklung zeigt, wie wenig heute der Weinbau direkt zur Wirtschaftsentwicklung im Kreis beiträgt, eine indirekte Auswirkung über den Fremdenverkehr jedoch nicht zu unterschätzen ist. Zu Weinausbau und Vermarktung ist zu sagen, dass etwa 12 % der Traubenernte genossenschaftlich erfasst ist. Ähnlich groß dürfte zur Zeit die Abgabe an den Weinhandel sein. Der Rest läuft über die Selbstvermarktung. hiervon wird ein Großteil über betriebseigene Gastronomie vermarktet. Unter den Selbstvermarktern nehmen Nebenerwerbswinzer einen nicht unbedeutenden Anteil ein. Der Fassweinverkauf spielt eine völlig untergeordnete Rolle. Rebland bewirtschaftende Betriebe dürfte es im Moment noch 130 geben, wobei etwa 60 den Wein selbst ausbauen. Es ist mir nicht bekannt, dass es im deutschen Weinbau einen Bereich gibt, wo der Weinbau so rückgängig ist wie hier, trotz guter Absatzmöglichkeiten. Den Rückgang allein auf die steilen schwer zu bewirtschaftenden Weinberge zurückzuführen trifft nicht ganz zu. Sicher scheint, dass anderswo, so die Meinung vieler Noch-Winzer und ehemaliger Winzer, Geld leichter zu verdienen ist? Die Entwicklung bei den Genossenschaften verlief dem eben gesagten ähnlich. Die vor und nach dem Krieg in Kaub, Bornich, Patersberg, Braubach und Lahnstein gegründeten Genossenschaften haben sich bis auf Bornich alle aufgelöst. Erfreulich ist, dass sich die Genossenschaft in Bornich mit ihren ca. 7 ha erfassten Weinbergen immer mehr zu einem weinbaulichen Mittelpunkt im Kreisgebiet entwickelt. Nicht unerwähnt soll an dieser Stelle die bei den Winzern so genannte "Weinbauschule" sein. Sie stand lange Jahre im weinbaulichen Mittelpunkt und war stets ein besonderes Anliegen des Kreisbauern - und Winzerverbandes St. Goarshausen, denn von ihr aus wurden die Kontakte zwischen dem Verband und den Winzern gepflegt. Auch sie musste ihren Tribut im Rahmen der Entwicklung im Weinbau des Kreises entrichten. Eingerichtet wurde die Weinbauschule 1934, damals als Ableger der Weinbauschule Eltville. Sie war als staatliche Einrichtung für Weinbau, Landwirtschaft und Obstbau für den westlichen Teil des Kreisgebietes zuständig. Das waren die Rheinorte, die Rheinhöhenorte und die Orte an der Lahn, die zum Kreisgebiet zählten. Darüber hinaus wurden von ihr die Weinbauorte im damaligen Unterlahnkreis weinbaulich betreut. Mit Aufgabe des Schulbetriebes aus Schülermangel war sie ab 1959 nur noch Weinbauberatungsstelle. 1963 wurde ihr die Dienststelle des Kommissars für Reblausbekämpfung und Wiederaufbau im Aufsichtsbezirk Mittelrhein (ohne Amt Bacharach) Ahr Untermosel angegliedert. 1966 kam dann noch die Landesrebenveredlungsanstalt Vallendar und die Anerkennungsstelle für Rebpflanzengut im Ausland hinzu. Die Landesrebenveredelungsanstalt wurde 1971 aufgelöst. Im Zuge der Verwaltungsreform sind die 3 Weinbauberatungsstellen am Mittelrhein (staatlich), Bacharach und Leutesdorf (Kammer) zu einer Dienststelle 1973 in St. Goar zusammengefasst worden. Einer weiteren Reform musste am 1.3.1994 die gesamte Dienststelle in St. Goar geopfert werden. Zuständig für die Weinbauberatung im Kreisgebiet ist nun die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Landwirtschaft und Weinbau Bad Kreuznach-Simmern. Spricht man von der Weinbauschule St. Goarshausen, so sollen an dieser Stelle die Schulleiter Rodrian (1934 - 1938), Lemb (1938-1952) und D. Schuster (1952-1962) nicht unerwähnt bleiben. Ein wichtige Funktion in der Zusammenarbeit von Verband und Beratungsstelle nahm der Verein Ehemaliger Weinbauschüler ein, deren langjähriger Vorsitzender Heinrich Brodt auch gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender im Kreisbauern - und Winzerverband war. In seiner Wirkungszeit hat sich eine besonders enge Zusammenarbeit von Winzerschaft und Verband entwickelt. So unter anderem z.B. die langsam in Vergessenheit geratene alljährliche Wanderung "Immer dem Weine nach" von Obernhof bis Kaub, die sich über 5 Tage in der jeweils ersten Dezemberwoche hinzog und auch bei Nichtwinzern sehr regen Zuspruch fand. Eine besondere Erwähnung verdient die in den 50er Jahren durchgeführten Kreisweinprämierungen unter der Federführung von Verband und Weinbauschule. Erinnern möchte ich an einige Winzer, die zum Gelingen der Proben beitrugen. So z.B. Peter Bahles (Kaub), Geschäftsführer der VCW Scheible (Kaub), Fritz Maus und Willi Menges (St. Goarshausen) sowie Friedrich Priesteroth aus Braubach, der auch über lange Jahre stellvertretender Vorsitzender im Bauern- und Winzerverband war. Ebenfalls in die 50er Jahre fiel die Wahl zur deutschen Weinkönigin (1951/52) von Gisela Koch, der heutigen Frau Colonius vom Hotel Colonius in St. Goarshausen. Die 60er und 70er Jahre waren davon geprägt, den immer stärkeren Rückgang der Rebfläche aufzuhalten. Immer mehr Winzer waren nicht mehr bereit, ihren Weinbau in den schlecht zugängigen Kleinterrassen zu betreiben. Die Weinbergflurbereinigung bot sich an, die Rebflächen mit Wegen zu erschließen und Gronterrassen zu schaffen, die eine maschinelle Bewirtschaftung ermöglichen. In mühevoller Uberzeugungsarbeit seitens des Verbandes und der Beratungsstelle bei Flurbereinigungsbehörden und Winzern wurde dann auch endlich erreicht, dass mit der Weinbergflurbereinigung in Kaub 1966, Dörscheid 1970, Bornich 1973, Nochern 1973 und Wellmich 1980 begonnen werden konnte. Leider war es nicht möglich, wie vorgesehen, in allen Rhein- und Rheinhöhenorten über die Flurbereinigung die Voraussetzungen zu schaffen, den Weinbau auch für die Zukunft zu erhalten. Es hat sich immer wieder gezeigt, dass dort, wo alle Verantwortlichen bereit sind, an einem Strang zu ziehen, wertvolles geschaffen werden kann.
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