Kreisbauern - und Winzerverband
St. Goarshausen: Fünf Jahrzehnte im Rückblick
 

Von Armin Geisel, Geschäftsführer des Kreisbauern - und Winzerverbandes St. Goarshausen 

Anlass für Jubiläum und Geburtstag zugleich: 50 Jahre Kreisbauern und Winzerverband St. Goarshausen. Die vorliegende Festschrift soll der Versuch sein, Entwicklungen zu dokumentieren, die auch zur Rückschau verpflichten. Ein halbes Jahrhundert berufsständische Arbeit und Interessenvertretung in einer sich ständig und immer schneller wandelnden Welt können nur ansatzweise dargestellt werden. Der Strukturwandel im ländlichen Raum, das Aufgeben der Höfe, die Veränderung der Dörfer, Technisierung und Motorisierung, der Wertewandel: Für diese Schlagworte ergeben sich Auswirkungen, die jede bäuerliche Familie, auch in unserem Kreis, betreffen. Und somit sind und waren die kleinen und großen Probleme unserer Heimat auch die von Rheinland - Nassau, von Rheinland - Pfalz, und Deutschland. 

Dank gebührt den Männern und Frauen, die ehrenamtlich oder im Hauptamt in den zurückliegenden 50 Jahren ihre Kraft für die Menschen dieser Region, für ihre Mitglieder eingesetzt haben. Dank denen, die neben all den unzähligen agrarpolitischen Problemen das Wohl und Wehe des Einzelnen nicht aus dem Auge verloren. Dieser Leitgedanke hat unseren Verband stark gemacht und übt auch heute noch eine starke Bindung und Anziehung aus. 

Freuen wir uns an diesem heutigen Tage, dass wir das Jubiläum unseres kleinen Kreisbauern - und Winzerverbandes in Frieden und Freiheit feiern dürfen, in einem wiedervereinigten Vaterland, feiern in einem noch weiter auszubauenden Europa, zu dem es trotz aller Kritik keine politische Alternative gibt. 

1946 - Gründung 

Eine Besatzungsmacht kam in unseren Raum, die an Nahrungsmitteln arm war und nach Kriegs- und Siegerrecht handelte: Verpflegung aus den besetzten Gebiet und Versorgung des Heimatlandes: "La Grande Nation". Die Auflagen hinsichtlich Ablieferung und Requirierungen wurden unerträglich. Die Bürgermeister des Kreises protestierten (von 64 Gemeinden des ehemaligen Loreleykreises waren fast 60 Gemeinden bäuerlich orientiert). 

Unsere heimische Stadtbevölkerung hatte Hunger. Sie betete wirklich um das tägliche Brot, ja um all das, was zum täglichen Bedarf, zum Leben gehört. Die Notlage spitzte sich immer mehr zu. Der Einzelne war macht- und rechtlos. 

Im Sommer 1946 luden gemäß eines Beschlusses einer Bürgermeisterversammlung die Landwirte Rudolf Tönges, Welterod und August Hell, Niederwallmenach zu einer Gründungsversammlung für einen "landwirtschaftlichen Verein" ein. 

Diese Versammlung fand am 9. Dezember 1946 im Beisein der Militärregierung in der Nastätter Turnhalle statt. Nach dem Muster des Bauernverbandes von vor 1933 wurde ein "Landwirtschaftlicher Verein" gegründet. Vorsitzender und Vorstand wurden gewählt. Dies fand die Billigung der Militärregierung, die die Wahl genehmigte. Somit entstand in Rheinland Pfalz der erste genehmigte berufsständische Verband und gleichzeitig mit einer der ersten in der Bundesrepublik Deutschland. 

Dem damaligen "vorläufigen Vorstand" gehörten an:
Otto Sauerwein, Weisel
Otto Tönges, Weidenbach
Ernst Schmidt, Niederwallmenach
Karl Friedewald, Miehlen
Adolf Laubach, Ruppertshofen
Karl Laux, Kehlbach
Walter Roth, Lierschied
Wilhelm Junkers , Oberlahnstein
Friedrich Priesteroth, Braubach
Hermann Udersbach, Holzhausen

Als Vorsitzender wurde Ernst Schmidt aus Niederwallmenach gewählt. 3298 Betriebe in 64 Gemeinden mit einer Gesamtfläche von 12355 Hektar waren damals Mitglieder unserer Organisation. 

Als Geschäftsführer wurde Hans-Kurt Götzensberger bestellt mit einem "fürstlichen" Gehalt von 150,– DM/Monat. Der Mitgliedsbeitrag betrug 40 Pfennig pro Hektar. Als Büro diente das Wohnzimmer des ersten Vorsitzenden Herrn Ernst Schmidt in Niederwallmenach. Ein Schreibtisch kam von der Raiffeisenkasse Niederwallmenach. Bleistifte und Papier stellte die Gemeinde Niederwallmenach. 

Aus den Unterlagen ist zu entnehmen, dass im Rahmen der Zwangsbewirtschaftung mit deutschen Behörden harte Auseinandersetzungen stattfanden. Außerdem blieben gefährliche Zusammenstöße mit der Besatzungsmacht infolge der harten Requisitionsforderungen nicht aus, wenn man unter Berücksichtigung der damaligen Verhältnisse nicht "Vaterlandsverräter" sein wollte. Oft stand der Vorsitzende Ernst Schmidt und der Geschäftsführer Hans-Kurt Götzensberger vor dem Kreiskommandanten und der Surrtè. Drohungen, wie "Gefängnis, ich sperre Sie ein, oder ich mache Sie einen Kopf kürzer", waren Umgangston. 

1949 – Rheinisch-Nassauischer Bauerntag 
Wir standen vor der Ausrichtung des ersten Rheinisch-Nassauischen Bauerntages in Nastätten vom 9. bis 11. Juli 1949, den unser Verband "im Bewusstsein seiner Stärke" übernommen hatte.

Der Gewerbeverein Nastätten stellte 1.000,– DM zur Verfügung und 65.000 DM Kredit wurden für die Ausstellungskosten aufgenommen. Dann, acht Tage vor der Veranstaltung, sagte der damalige französische Statthalter Hettier de Bois-Lambert den Bauerntag ab. Begründung: Der Spitzenverband, der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau, sei nicht genehmigt und bestehe damit nicht offiziell. Nach Vorsprache des Vorsitzenden Schmidt in der Residenz mit Dr. Schüler und Geschäftsführer Erdnüss vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau konnte der Bauerntag stattfinden mit der ausdrücklichen Genehmigung: "Ich kenne keinen Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau in Koblenz, sondern nur einen Bauern- und Winzerverband St. Goarshausen mit dem alleinverantwortlichen Monsieur Schmidt". So fand der erste Nachkriegs-Bauerntag unter der Verantwortung eines Kreisvorsitzenden Ernst Schmidt aus dem Rhein-Lahn-Kreis statt. 

Weiterhin bedeutete diese Aussage auch noch die Genehmigung unseres Verbandes von 1946. Es wurde vom Kreiskommandanten für diesen Bauerntag ein Bezugschein für ein Rind und ein Schwein ausgestellt. Dazu sagte Wirtschaftsoffizier Dabitsch: In der Bibel steht geschrieben "Speisung der 5000 mit fünf Fischen und zwei Broten". Wunder des Kreisbauernverbandes St. Goarshausen: Ein Rind und ein Schwein: 65.000 Bauerntagsbesucher wurden satt. 

Das war damals ein einmaliges Erlebnis mit dem Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes, Herrn Reichsminister a.D. Dr. Hermes an der Spitze, mit Ministerpräsident Altmeier und dem gesamten rheinland-pfälzischen Kabinett. Unsererseits war alles ehrenamtlich und alles in eigener Regie geregelt. 14 Tage lang waren täglich ca. 250 - 300 ehrenamtliche Mitglieder aus dem gesamten Kreis im Einsatz. Dann gab's Fleischwurst und Gehacktes nach Herzenslust. 

Interessant auch die Beschlüsse der Delegiertentagung des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau am 9. Juli 1949 in Nastätten mit seinem Präsidenten Dr. Schüler an der Spitze, zeitgleich mit dem ersten rheinisch-nassauischen Bauerntag. Diese Delegiertentagung fasste folgende Beschlüsse: 

1. Aufhebung der Zwangswirtschaft und Regelung des Marktes durch eine beruflich gelenkte Wirtschaft.

2. Schaffung gerechter Erzeugerpreise für alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse.

3. Schaffung tragbarer Gestehungskosten (Düngemittelpreise, Handwerkerpreise, Höhe der Kredite etc.).

4. Klarheit der Steuergesetze

5. Erhaltung der Zuständigkeit der zur Zeit in unserem Landesteil bestehenden landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften.

6. Keine Erhöhung der Gütertarife der Bahn für landwirtschaftliche Massenartikel.

7. Verhütung oder Ersatz des katastrophalen Wildschadens.

8. Förderung der Zusammenlegung oder Bodenordnung.

9. Durchgreifende Maßnahmen zur Beseitigung der Landflucht.

10. Maßgeblicher Einfluss des landwirtschaftlichen Berufsstandes in den gesetzgebenden Körperschaften und Ausschüssen. 

Wenn man nach fast 50 Jahren noch einmal einen Blick zurückwirft, muss man sich eingestehen, dass wir auch heute noch in unseren Gremien an vielen dieser Probleme arbeiten und versuchen, mit unseren politischen Möglichkeiten Einfluss zu nehmen. 

1954 – Aller Anfang ist schwer! 
In einer Versammlung anlässlich eines Zusammenlegungsverfahrens in der Gaststätte Adler in Dahlheim waren die Bauern anderer Meinung als unser Verband. Die Emotionen schlugen derart hoch, dass der damalige Vorsitzende Ernst Schmidt und der Geschäftsführer Hans-Kurt Götzensberger aus "Sicherheitsgründen" den Saal durch ein Fenster "fluchtartig" verlassen mussten, um keinen Schaden an Leib und Seele zu erleiden. 

1957 – Beitrag 
Im Jahr 1957 wurde der Beitrag für unseren Kreisverband mit einem Grundbeitrag von 1,– DM und Flächenbeitrag von 2,40 DM je Hektar landwirtschaftlicher Fläche und je 1000 Stock Weinreben mit 2,– DM festgesetzt. Heute beträgt der Grundbeitrag 50,– DM und der Flächenbeitrag 4,50 DM je Hektar landwirtschaftlicher und 45,– DM je Hektar weinbaulicher Fläche. 

1957 – Altersversorgung 
Zu den ersten Gratulanten des Vorsitzenden Schmidt zu seiner Wahl im Jahr 1946 gehörte damals das alte Vorstandsmitglied der Bauernschaft vor 1933 Wilhelm Wöll aus Miehlen. Er gratulierte unter anderem mit den Worten: "Ich habe eine Generation lang gespart, zweimal mein Geld verloren,1914 in Kriegsanleihen gezeichnet und habe für mein Alter keinen Pfennig mehr. Wenn du (Ernst Schmidt) als Vorsitzender überhaupt nichts erreichst, so versuch doch, eine Altersversorgung für uns zu schaffen, dann hast du genug getan." Dieses Wort des alten Bauern Wöll war dem Vorsitzenden Schmidt ein Vermächtnis. Sofort und unermüdlich hat er sich innerhalb unseres Verbandes und bis in die Spitzen nach Bonn, mit Bundestagsabgeordneten vereint, mit allen Kräften für die Schaffung einer Altersversorgung eingesetzt. Etliche Mitstreiter hat er im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau gefunden. Trotz vieler Wehen und Ablehnung mancher Berufskollegen aus konservativer Einstellung, wurde 1957 die Altershilfe für Landwirte vom Bundestag beschlossen. Der monatliche Beitrag betrug damals 10,– DM, das Altersgeld wurde für den verheirateten Betriebsinhaber auf monatlich 60,– DM und für den unverheirateten auf 40,– DM monatlich festgesetzt. Heute, 50 Jahre später beträgt der monatliche Beitrag 311,– DM, die Altersrente beträgt bei einer Beitragszahlung ab 1957 für den Verheirateten ca. 1.250,– DM und für den unverheirateten ca. 830,– DM. Aus den Unterlagen ist zu entnehmen, dass unser Kreisverband St. Goarshausen bei dieser Geburt Pate gestanden hat. 

1959 – Hagelschlag 
Im Jahr 1959 wurde in der "Vogtei" die Ernte durch Hagelschlag vernichtet. Um die entstandene Not zu lindern, beschlossen die Delegierten am 22.7.1959 eine Selbsthilfeaktion zu starten, mit dem Ziel, eine Getreidesammlung durchzuführen, um den Geschädigten zu helfen. Gleichzeitig fasste die Versammlung den Beschluss, für die Brandgeschädigten eine Heusammlung vorzunehmen, um die erste Futterknappheit zu überbrücken. In einer Vorstandssitzung am 27.10.1959, wo noch die Bürgermeister sowie die Ortsvorsitzenden der Gemeinden Weidenbach, Strüth, Münchenroth und Diethardt eingeladen waren, wurde das Sammelergebnis der Selbsthilfeaktion bekannt gegeben. Bis zur Sitzung wurde an die Geschäftsstelle 863,3 dz Getreide gemeldet, was einem damaligen Wert von ca. 35.000,– DM entsprach und in seiner Höhe nicht erwartet wurde. Ferner gab der Vorsitzende bekannt, daß der Kreis St. Goarshausen 8.493,20 DM an Beihilfen für den Mähdrusch an die geschädigten Gemeinden ausgezahlt hat. Weiterhin verzichtete der Bauernverband auf den Beitrag dieser Gemeinden in Höhe von 1.462,87 DM. Eine Eingabe an die Regierung, zwecks zinsverbilligter Kredite (83.800,– DM) war bis zu diesem Tag ohne Bescheid geblieben. Nach Ausführungen des Vorstandsmitgliedes R. Tönges, Welterod, ist mit einer Hilfe nicht zu rechnen. Die damaligen Vertreter beschlossen, die Spenden nach den Flächen der Mitglieder in den einzelnen Gemeinden zu verteilen, so dass folgende Aufteilung erfolgte:

Weidenbach: 357,81 Zentner
Münchenroth: 212,80 Zentner
Strüth: 643,03 Zentner
Diethardt: 428,61 Zentner
Welterod: 81,81 Zentner nur für Hof Angschied

Die Gemeinde Welterod verzichtete damals auf eine Spende zugunsten der anderen Gemeinden. Die Verteilung in den Gemeinden wurde von den Ortsvorsitzenden und Bürgermeistern vorgenommen. Nichtmitglieder wurde der gleiche Anteil ausgegeben. 

1962 – Grundstücksverkehrsgesetz 
Das Grundstücksverkehrsgesetz trat am 1. Januar 1962 in Kraft. Dieses Gesetz dient der Verbesserung der Agrarstruktur sowie zur Sicherung der land - und forstwirtschaftlichen und weinbaulichen Betriebe. Mit diesem Gesetz soll die weitere Zersplitterung der Betriebe und das Abwandern der Grundstücke in berufsfremde Hände verhindert werden. Gerade für eine Region wie den Rhein-Lahn-Kreis, der auch unter der von Napoleon aufgezwungenen Realteilung zu leiden hatte und in welchem sich in den letzten anderthalb Jahrhunderten das Grundeigentum immer mehr zersplitterte, ist ein solches Gesetz von eminenter Wichtigkeit. Von Seiten des Berufsstandes ist es daher zu bedauern, dass die Anzeigepflichtsgrenze Iaut des Landesgesetzes zur Ausführung des Grundstücksverkehrsgesetzes vom 1.2.1993 pro Grundstück auf 0,50 ha erhöht worden ist und damit ein hoher Anteil von Grundstücken aus den vorgenannten Gründen nicht mehr der Kontrolle des Grundstücksverkehrsgesetzes unterliegen. 

1962 – Trockenjahr 
Der Loreleykreis ist im Jahre 1962 in schwerster Futternot, die Dürreschäden sind unvorstellbar groß. Angefangen hat es bereits im Herbst 1961 mit dem starken Frost, der das Wintergetreide einfrieren ließ. Dann kam nach recht guter Winterfeuchtigkeit, der Kälteeinbruch im März und April 1962, der den Vegetationsbeginn um drei Wochen verschob. Dann folgte die außergewöhnliche Trockenheit im Mai, Juni und Juli. 

Der Winterweizen wurde zur Hälfte umgebrochen und neu einläset mit Sommerung, die aber auch nur lückig stand. Klee ist zum größten Teil eingegangen; die Heuernte war je nach Lage mittelmäßig bis sehr schlecht. 

Aus diesem Grunde haben die vier Kreisvorsitzenden der nassauischen Kreise mit den Geschäftsführern der Kreise und des Bauernverbandes Koblenz den Landtagsabgeordneten Tönges (Welterod) und Meyer (Herold) in Montabaur folgende Forderungen als Hilfsmaßnahmen aufgestellt: 

1. Das Verbandsgebiet des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau ist als Futternotstandsgebiet von der Landesregierung zu erklären.

2. Aus diesem Notstandsgebiet müssen die überständigen Auftriebe auf den Schlachtviehmärkten durch die Einfuhr- und Vorratsstelle rechtzeitig bzw. sofort herausgenommen werden, um Preiseinbrüche zu vermeiden.

3. Das Notstandsgebiet ist entsprechend dem gemeldeten Bedarf mit verbilligtem Kraft- und Rauhfutter zu versorgen. Die Kraftfutterversorgung soll durch die Einfuhr- und Vorratsstelle, die Rauhfutterversorgung über den freien Markt erfolgen.

4. Zinslose Fristverlängerung für existenzgefährdete Betriebe auf Antrag für alle bis zum 1. Juli 1962 aufgenommenen, abgesicherten Kredite für die Kalenderjahre 1962 und 1963. 

1963 – Schweinemastprüfring 
Ins Jahr 1963 fällt die Gründung eines Schweinemastprüfrings, der folgende Arbeiten hat:

1. Regelmäßige Gewichtskontrolle mit Aufstellen eines Futterplanes.

2. Möglichkeit eines gemeinsamen Bezuges verbilligter Futtermittel

3. Verwertung und Absatz der erzeugten Schweine. 

1964 – Gründung Weizenanbaugemeinschaft 

Dem Aufruf der Landwirtschaftsschule und des Kreisbauernverbandes zur Gründung einer Weizenanbaugemeinschaft im Herbst 1964 folgten viele Landwirte und auch die Vertreter von Handel und Genossenschaften sowie der Mühlen aus dem Loreleykreis. Nur diese Anbaugemeinschaft ist in der Lage, ein einheitliches und großes Angebot auf den Markt zu bringen. Wenn auch im ersten Anbaujahr keine Qualitätszuschläge bezahlt werden konnten und die Beihilfen (pro Hektar 70,– DM) in etwa die Mehrkosten für das Hochzucht-Saatgut deckten, so konnte doch ein Jahr später festgestellt werden, dass durch diesen Zusammenschluss die Landwirte im Loreleykreis mit am Markt sind. 

1965 – Betriebshelfer 
Im Jahr 1965 hat die CDU-Fraktion einen Antrag auf Gewährung einer Beihilfe von 5.000,– DM zur Einstellung eines Betriebshelfers an den Loreleykreis gestellt. Die Problematik der Betriebs- und Haushaltshilfe begleitet uns noch heute. 

1966 – Erste Besteuerung 
Im Jahr 1966 fuhren der Geschäftsführer Götzensberger und die Mitarbeiterin Edith Dillenberger auf die einzelnen Gemeinden unseres Verbandes, und es wurde erstmals für die Landwirte Steuererklärungen erstellt. Dabei fanden diese Termine in den Wohnzimmern der Ortsvorsitzenden oder in den Gastwirtschaften der Gemeinden statt.

1968 – Erste Großdemonstration – Mansholtplan
Im Jahr 1968 kommen die Landwirte des Loreleykreises unter Vorsitz von Ernst Schmidt innerhalb weniger Wochen zum dritten Mal zusammen. Auslöser dieser Zusammenkünfte war der so genannte Mansholtplan des EWG-Vizepräsidenten und Agrarkommissars Sicco Mansholt. In einer bis auf den letzten Platz gefüllten Informationsveranstaltung in der Turnhalle in Lierschied wurde dieser Plan vom freischaffenden Wissenschaftler Dr. Dr. Gather vorgestellt. Er sagte unter anderem aus, dass nur noch Betriebe mit Mindestgrößen von 80 bis 120 Hektar als lebensfähig gelten. Vieheinheiten werden mindestens gefordert: 40 bis 50 Kühe oder 120 bis 200 Masttiere oder 460 bis 600 Schweine oder 10.000 Legehennen oder 100.000 Masthähnchen. Diese Aussagen führten zu Unruhe und Ärger bei den Landwirten. Allerorts gärt es in der Landwirtschaft. Die Preise für Agrarprodukte sind gefallen, die Gestehungskosten aber spürbar gestiegen. Die Zusagen der Bundesregierung seien nicht eingehalten worden, das Landwirtschaftsgesetz werde nicht beachtet. Innerhalb der Landwirtschaft mache sich eine Staatsverdrossenheit bemerkbar. Bauern und Winzer seien von Hause aus keine "Radikalinskis", doch müsse man jetzt Entschlossenheit und Härte zeigen. Der Aktionsausschuss des Verbandes müsse aktiv werden. Außerdem fordert unser Kreisverband eine Großdemonstration in Bonn sowie kleinere Aktionen auf Landesebene. So beteiligten sich 500 Bauern aus dem Kreis St. Goarshausen an der Protestkundgebung des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau am 16. März 1968 in der Hunsrückhalle in Simmern. In der Schlusskundgebung in Dachsenhausen wurden die nachstehenden Forderungen und Wünsche gegenüber der Bundesregierung beschlossen und vom Kreisvorsitzenden Schmidt weiter getragen: 

1. Sofortige Festsetzung der Getreidepreise auf den alten Stand, mit dem Ziel einer späteren Anpassung an erhöhte Gestehungskosten.

2. Stabilisierung der Preise bei Vieh, Fleisch und Eiern, basierend auf den Gestehungskosten. Beschränkung der Veredlungsproduktion auf die Betriebe, die eine entsprechende Bodenproduktion haben. Abstimmung der Einfuhren auf den tatsächlichen Bedarf.

3. Beibehaltung und Einbau der deutschen Milchmarktordnung in die EWG-Planung, basierend auf einem Erzeugerpreis von 0,42 DM/Kg bei 3,7 % Fett.

4. Sofortiger Abbau der Wettbewerbsverzerrungen im EWG-Raum.

5. Ausbau der Altershilfe. Erhöhung der bisherigen Altrenten von 150, bzw. 100,– DM auf 300,– bzw. 200,– DM (jeweils verheiratet/ledig) monatlich.

6. Vorsorge und Schutz im Krankheitsfalle.

7. Schaffung von Arbeitsplätzen im Nahbereich, damit der Strukturwandel ohne soziale Härten vor sich geht.

8. Umschulungsmaßnahmen für Landwirte, die infolge Strukturveränderungen ihre Betriebe aufgeben.

9. Bessere bäuerliche Vertreter zu den Verhandlungen in Brüssel. 

Am 23. März protestieren die Bauern des Loreleykreises mit 380 Schleppern in einem Zug durch Nastätten, St. Goarshausen, Braubach und Lahnstein. Knapp 30 Jahre später müssen wir uns eingestehen, dass dieser Plan agrarpolitische Wirklichkeit geworden ist, ja die Realität ihn zum Teil schon weit übertroffen hat. Hier wäre Anlass zum philosophieren, wie die Entwicklung verlaufen wäre, wenn der Mansholtplan in dieser Form von Seiten der Europäischen Kommission nicht vorgelegt worden wäre. Man kann darüber nur spekulieren, aber wahrscheinlich wäre die Entwicklung in die gleiche Richtung verlaufen, obwohl ein Blick auf die ländlichen Räume heute zeigt, dass mit diesem Plan ein riesiger und radikaler Strukturwandel eingeleitet wurde und viele Hoffnungen auf dauerhafte außerlandwirtschaftliche Arbeitsplätze Drade in der heutigen Zeit als nicht erfüllt betrachtet werden könnte. 

1969 – Landabgabenrente 
Die Landabgabenrente zum Zwecke der Strukturverbesserung wurde im Jahr 1969 eingeführt. Der damalige Geschäftsführer Götzensberger erkannt eine Gesetzeslücke, wo die Abgabe an die eigenen Kinder nicht schädlich war. Daraufhin wurden im Verbandsgebiet viele Betriebe der Eltern an die Kinder abgegeben, und die Eltern konnten die Landabgaberente erhalten. Nachdem der Gesetzgeber diese Lücke "auch" erkannt hatte, wurde sie geschlossen. Aus den heutigen Statistiken der Alterskasse ist immer noch zu entnehmen, dass es im Rhein-Lahn-Kreis erheblich mehr Landabgabenrenten-Empfänger als in anderen Kreisen gibt. 

1970 – Schließung der Landwirtschaftsschule in Nastätten 
Bereits im Jahre 1966 befasste sich der Kreisverband erstmals mit der bevorstehenden Schließung der Landwirtschaftsschule in Nastätten. Man wollte alle Möglichkeiten ausschöpfen, die Schule in Nastätten zu erhalten. Im Prinzip sei man mit einer Zusammenlegung von Landwirtschaftlichen Fachschulen einverstanden, hält aber den Standort Katzenelnbogen nicht für geeignet. Nastätten sei ein zentraler Mittelpunkt bäuerlichen Lebens, liege verkehrsmäßig günstig und sei in langer Tradition gewachsen. Darüber hinaus weisen die Entwicklungszahlen der landwirtschaftlichen Betriebe gegenüber dem Unterlahnkreis eine zukunftssichere Entwicklung. Alle Bemühungen führten jedoch nicht zum Erfolg, der damalige Minister Stübinger gab die etappenweise Schließung von 24 der 48 Landwirtschaftsschulen bekannt, wobei auch die Schule in Nastätten war. Die Schülerzahlen an den Landwirtschaftsschulen im gesamten Rheinland-Pfalz waren von 2.600 im Jahr 1953 auf 1.280 im Jahre 1966 gesunken. Die Schule in Nastätten wurde im Jahre 1970 geschlossen. 

Chronik der Landwirtschaftsschule und Beratungsstelle Nastätten: 
Im Jahre 1908 wurde die Landwirtschaftsschule und Beratungsstelle in Nastätten gegründet. Die damalige Leitung hatte Dr. Flad, der mit örtlichen Hilfslehrern den Unterricht zunächst einklassig vornahm. Unterbringung war im Schadeschen Haus. Von 1914 bis 1918 fand – bedingt durch die Kriegsverhältnisse – kein Unterricht statt. Im Jahr 1921 wurde ein neues Schulgebäude errichtet. Am 1.11.1921 übernahm Direktor Schmitt die Schulleitung. Für die Leitung der Hauswirtschaftlichen Abteilung verpflichtete man zunächst für die Wintermonate die Kreishaushaltungslehrerin Roggenbach, die während der Sommerzeit Wanderkurse in den Gemeinden des Kreises St. Goarshausen durchführte.

Im Wintersemester 1923/24 übernahm Frau Schuchardt die Nachfolge. Diese wurde im Winter 1927/28 von Frau Oechelhäuser abgelöst. Am 1.5.1931 übernahm LR Walter die Dienststellenleitung, gefolgt von Direktor Wittgen, der bis Ende 1936 wirkte. Von 1937 bis 1964 ist LR Bernhard Schulleiter. 

Von Oktober 1934 bis Herbst 1937 leitete Frau Wunderlich die Hauswirtschaftliche Abteilung. Bis zu diesem Zeitpunkt waren neben den Hilfslehrern die Herren Dipl. agrar. Sittig, Dr. Luley, Vierhaus, Dr. Lenz, Reuß u. a. – soweit aus den wenigen Unterlagen ersichtlich – tätig. Die Leiterinnen der Hauswirtschaft und deren Mitarbeiterinnen haben von dieser Zeit an häufig gewechselt. Sie sind nachfolgend in zeitlicher Reihenfolge aufgeführt: 

Leiterinnen: Fach- bzw. Hilfslehrerinnen:
Frau Engemann, Frau Pfluger, Frau Meyer, Frau Nentwig Frau Schnapka, Frau v.d. Driesch, Frau Lenneper, Frau Schäfer, Frau Zimmermann, Frau Lüthje, Frau Kruli, (bis 1960) Frau Rink, Frau Pütn, Frau Icus-Rothe, Frau Kluzowski, Frau Schroeder (bis 1964), Frau Sander, Frau Senf (1964 bis 1968) 

Noch kurz vor Kriegsausbruch konnte im Sommer 1939 die Hauswirtschaftliche Abteilung zum Internat ausgebaut werden. Am 22.3.1945 wurde durch Bombeneinwirkung das Schulgebäude schwer beschädigt. In den Wintersemestern 1945/46 und 1946/47 wurde in einem Gasthaus im fünf Kilometer entfernten Bogel unterrichtet. Nachstehend folgt eine Übersicht über die personelle Besetzung der Landwirtschaftlichen Abteilung der Dienststelle: 

Dienststellenleitung: Ab 1964 OLR Baden (vorher LR Bernhard) Mitarbeiter: LR Peters (bis 1959); LR Hiepe (bis 1961); Kreisberater Mölleken 1958 - 1959); Flurbereinigungsberater Kresse (von 1958 - 1960); Pflanzenbautechniker Sopp (von 1953 - 1970) Büroangestellter Geißler (von 1946 - 1970); LA Baden (1960 - 1970) LA Dr. Volz (1965 - 1967); Dipl. agrar. von Wolf-Zdekauer (1965 - 1970). Im Wintersemester 1962/63 findet in der Hauswirtschaftlichen Abteilung kein Unterricht statt. 1963/1964 kam noch einmal eine Klasse zustande, dann wird der Unterricht am 20.3.1964 eingestellt. Im Wintersemester 1959/60 wird einklassiger Unterricht in der Landwirtschaftlichen Abteilung eingeführt. 1960/61 und 1962 - 1964 fällt der Unterricht wegen Schülermangels aus. Im Wintersemester 1965/66 wird zum letzten Mal in Nastätten unterrichtet. 

Zum 30.9.1970 wird die Landwirtschaftliche Beratungsstelle in Nastätten aufgelöst. Der Dienstbezirk wird von Katzenelnbogen aus betreut, das Gebäude wird von der Sonderschule übernommen, die Herren von Wolf-Zdekauer, Passek und Sopp werden nach Katzenelnbogen versetzt. 

1972 – Krankenkasse 
Die Einbeziehung der Landwirte, ihrer Ehegatten und ihrer Familienangehörigen und der Altenteiler in das System der sozialen Sicherheit unseres Landes erstreckte sich über einen Zeitraum von Jahrzehnten. Zuerst wurde die gesetzliche Unfallversicherung – ausgehend von dem Reichsgesetz, betr. die Unfall- und Krankenversicherung der in land - und forstwirtschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen vom 5. Mai 1886 – geschaffen. Ihr folgte mit dem Gesetz über eine Altershilfe für Landwirte vom 27. Juli 1957 eine Regelung der gesetzlichen Alters- und später auch der Invaliditätsversicherung. Das Gesetz über die Krankenversicherung der Landwirte vom 10. August 1972 hat die im System der sozialen Sicherheit für die Landwirte bis dahin noch vorhandene Lücke sodann mit einer gesetzlichen Regelung des Krankenversicherungssschutzes beginnend ab 1.10.1972 geschlossen. Die Krankenversicherung der Landwirte bildet damit die dritte Säule der landwirtschaftlichen Sozialversicherung. Somit wurden auch die ständigen Bemühungen unseres Kreisverbandes, eine soziale Absicherung der Landwirte und Winzer zu erreichen, erfüllt. 

1972 – Maschinenring 
Am 23.3.1972 wurde in Rettert der Maschinenring Rhein-Lahn auf Initiative der damaligen Staatlichen Beratungsstelle für Landwirtschaft, Katzenelnbogen und des Landwirtschaftsministerium in Mainz gegründet. Dadurch sollte eine bessere Auslastung und ein kostengünstigeren Einsatz der Maschinen erreicht werden. Ein weiteres Ziel war die Vermittlung von Arbeitskräften untereinander. Der MBR wird gefördert vom Land Rheinland-Pfalz und finanziell von den Kreisverwaltungen Rhein-Lahn und Westerwald unterstützt. Weiterhin führte er immer neue Maschinen und Arbeitstechniken vor. Im Jahr 1974 wurde er auf den Westerwald erweitert und dazu umbenannt in Maschinen- und Betriebshilfsring Taunus-Westerwald. 

Die Geschäftsstelle war von 1972 bis 1984 im Haus des langjährigen Geschäftsführers Willi Christ ( Bettendorf). Vorsitzende waren von 1972 bis 1974 Anton Bilo (Seelbach), von 1974 bis 1990 Oskar Meyer (Lierschied ) und ab 1990 bis heute Klaus Ferdinand (Dausenau). Im Jahr 1994 schlossen sich der MBR Taunus-Westerwald und der MBR Westerwald zusammen und unterhalten eine gemeinsame Geschäftsstelle in Montabaur. Geschäftsführer ist Martin Schmitz. Weitere Aufgabengebiete (z. B. Klärschlammverwertung, Kompostverwertung etc.) kamen in den letzten Jahren dazu, um diese entsprechend abwickeln zu können, wurde eine MBR Agrar-Service GmbH gegründet.

Im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen Kreisbauern - und Winzerverband und Maschinenring wird in Zukunft eine noch engere gemeinschaftliche Arbeit in den verschiedensten Tätigkeitsfeldern erforderlich sein. Denn beide Organisationen müssen an einem Strang ziehen für die Landwirte ihrer Region. Gerade der Vermittlung von Betriebshelfern oder auch in Zukunft Urlaubsvertretungen kommt zur Sicherung der bäuerlichen Betriebe eine immer größer werdende Notwendigkeit zu. 

1973 – Wechsel des Kreisvorsitzenden 
Der langjährige Vorsitzende Ernst Schmidt, Niederwallmenach, trat aus Gesundheitsgründen zum 1.7.1973 von seinem Amt zurück. In der Delegiertentagung am 23.7.1973 in der Gaststätte Nassauer Hof (Miehlen) wurde Artur Zellmann (Endlichhofen) zum neuen Vorsitzenden des Kreisverbandes St. Goarshausen von den Ortsvorsitzenden gewählt. 

1976 – Dürreschäden 
Vorsitzender Zellmann berichtete über die Sondersitzung beim Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V., die wegen der Dürreschäden einberufen worden war. Der Bericht löste eine eingehende Aussprache aus, und man war sich einig darüber, dass die Futterlage im Kreisgebiet sehr ernst sei und Hilfe erforderlich wäre.

Folgende Maßnahmen wurden für erforderlich gehalten: 

1. Ausdehnung der Interventionsschlachtereien, die Gewichtsbegrenzung von 350 kg Schlachtgewicht/Bulle muss geändert werden.

2. Der Kreis muss zum Notstandsgebiet erklärt werden.

3. Bedarf an Futter- und Strohmengen müssen festgestellt werden.

4. Verkauf des Zuchtviehs soll mit Züchterverband und Tierzuchtwart Klein besprochen werden.

5. Futter-Zukaufsmittel sollten verbilligt werden (30%). Entsprechende Anträge sollen gestellt werden.

6. Bei Darlehen mit Zinsverbilligung soll eine Freijahr beantragt werden.

Die Vorsitzenden der beiden Kreisverbände im Rhein-Lahn-Kreis werden ständigen Kontakt miteinander halten. Ebenso sollen alle Aktionen mit der Landwirtschaftskammer, dem Maschinenring, den Genossenschaften und Kreisverbänden koordiniert werden.

1977 – Kreisbereisung Landrat 
Seit 1977 lädt der Landrat des Rhein-Lahn-Kreises die Kreisbauernverbände jedes Jahr zu einer Kreisbereisung zwecks Besichtigung landwirtschaftlicher Betriebe ein. Landrat Hans Krämer begann mit den Kreisbereisungen; fortgesetzt hat sie der jetzige Regierungspräsident Gerd Danco. Auch der heutige Amtsinhaber, Kurt Schmidt, lässt es sich nicht nehmen, mit den Kreisbereisungen den gegenseitigen Austausch zu fördern und die Kontakte zu vertiefen. Diese eintägige Kreisbereisung hat sich zu einer wichtigen Institution entwickelt, weil hier positives wie auch negatives über die Situation der Betriebe und der Landwirtschaft in unserem Kreisgebiet aufgezeigt wird. Hieraus können Schlussfolgerungen für Kreispolitik aber auch die Verbandspolitik gezogen werden. Viele Betriebsleiter nehmen mit Wohlwollen die Sympathie und auch den Dank unseres Landesrates zur Kenntnis und verstehen dies auch als weiteren Ansporn für die tägliche Arbeit. 

1979 – Verabschiedung Götzensberger 
Zur Verabschiedung des langjährigen Geschäftsführers Hans-Kurt Götzensberger wurde ihm von Herrn Menges, St. Goarshausen, ein Vers zugedacht: 

Wer schreitet spät abends vom Büro mit Ärger
durchs Dörfchen nach Hause? – Der Götzensberger!
Wer macht für den Bauern die Gänge und Läufe,
die sich im Laufe der Zeiten von selber anhäufe’
und durchgeboxt müssen werden nach allen Seiten,
denn Abgaben kann nun mal keiner gut leiden.

Wer macht verständlich die Gesetze, die keiner versteht?
Sie sind nur zu begreifen, wenn man zum Götzensberger geht. 
Wer kennt die §§»Parre« die "grafe" und das Gesetz?
Wer nimmt dir ab das Geschreib’ und die Hetz’?
Wer bringt irgend ein Krach wieder in die Reih’?

Sag nur, daß das der Götzensberger nit sei! 
Wo Strubbel und Zoores, wo Unheil droth,
Wer hilft da am besten aus all der Not?

Wen kannst du greife zu mindern den Ärger
ich wääß kaan annern, als de Götzensberger! 
So geht das jahrein jahraus fast dreißig Jahr.
Es ist alles so selbstverständlich unn klar,
mer braucht kaan Advokat nit, mer iss uff de Hut
weil de Kurt in Wallmenach alles mache duht. 

E kennt die Bauern, die Bäurinne, die Knecht.
E iss en "Allroundman" - michts jedem gern recht.
So sitzt er im Büro und schafft fürs Land
Alles vom Ländchen kommt zu Ihm gerannt,
heischt Antwort oder will Hilf’ vor der Pfändung,
zwischendorch kimmt der Rundfunk
und macht noch ne Sendung,
des Teiefon geht laufend und läßt ihm kaa Ruh.
E iss Allem gewachse, – das ist der Clou.

Mit ääner Hand schreibt er, mit der anner an der Stripp,
duht er noch diktiere zum Briefe tippe,
unn des schon mehlich bei 30 Jahre
sinn die Bauern mit Ihm gut gefahre.
Er kennt unser Ländche mit all seine Kliente,
er tut was, er kann und ohne Fisematente. 
Drum sei hier zum Beginn vom neie Jahr
all denen die mit Ihm schaffe mol klar
gemacht, unn aach beim richtigen Wort genennt,
daß mer dem "Kurt" mol Danke-schön sage könnt . 

Drum lieber Kurt, es werd sonst zu lang,
sag ich Dir für mein Teil herzlichen Dank!
Für all die Mühen, die Arbeit im Büro,
die Du für uns tatest waren wir froh! 
Als landwirtschaftliche Altersrentner
werden bestimmt wir keine Verschwender,
trotzdem wünschen Dir diese Alten,
daß lange noch Du uns bleibst erhalten!
Menges, St. Goarshausen 

1984 - Milchquote / Aufkaufaktion 1990 
Im Jahr 1984 wurde die Milchquote eingeführt, und jeder Milcherzeuger bekam seine Quote zugeteilt. Im Rahmen der damaligen Härtefallregelung stellten 1984 von Juni bis August 94 Milcherzeuger einen Antrag auf Neuberechnung ihrer Anlieferungsmenge aufgrund einer baulichen Investitionsmaßnahme im Milchbereich. In insgesamt 79 Betrieben des Kreises wurde durch diese Aktion die ablieferbare Referenzmenge um ca. 2,35 Mill. kg Milch angehoben. Im Herbst des gleichen Jahres lief eine Härtefallregelung "Außergewöhnliche Ereignisse" z. b. Krankheit im Stall, Berufsunfähigkeit des Landwirts, an. Von 27 gestellten Anträgen wurden 13 positiv beschieden. Die Referenzmengen-Erhöhung betrug insgesamt etwas über 100.000 kg. 

An einer weiteren begrenzten Hilfsaktion als kleine Ermessensklausel für Haupterwerbsbetriebe Anfang 1985 beteiligten sich 16 Betriebe, von denen 7 mit einer Menge von insgesamt knapp 50.000 kg Milch abgeholfen werden konnte. Diese Härtefallregelungen verursachte Neid und Zwietracht unter den Bauern. Es wurden Wunden gerissen, die bis heute nicht vernarbt sind. 

Gleichzeitig im Jahr 1984 konnten Betriebe einen Antrag auf Vergütung für die endgültige Aufgabe der Milcherzeugung, die so genannte Milchrente, an das Bundesamt für Ernährung und Forstwirtschaft in Frankfurt/Main stellen. Bei dieser Aktion beteiligten sich 122 Antragsteller, und dem Kreis gingen insgesamt über 3,8 Mill. kg Milch verloren. Als Vergütung erhielt der Antragsteller 1,– DM für 1 kg abgegebene Referenzmenge.  

Es folgte ab 1.1.1986 eine Aufkaufaktion des Landes Rheinland-Pfalz, an der sich jedoch wenige Landwirte beteiligten. Die bei dieser Aktion freigesetzte Menge wurde in einer Verteileraktion im Jahr 1987 an Junglandwirte verteilt. Von 146 Antragstellern erhielten 136 insgesamt 217.150 kg zugeteilt, im Durchschnitt knapp 1.600 kg/Betrieb. 

Die wohl spektakulärste Aufkaufaktion des Bundes begann am Montag den 19.3.1990. An diesem Tag stellten 109 Antragsteller ihren Milchrentenantrag, und es wurden über 4,2 Mill. kg Milch aus dem Kreisgebiet freigesetzt. Die Vergütung betrug 1,60 DM/kg und wurde in einem Betrag ausgezahlt. Anfang des Jahres 1991 folgte eine zweite Aufkaufaktion des Landes. Hierbei war das Land aber praktisch nur der Mittler zwischen abgabe - und ankaufwilligen Milcherzeugern. Auch bei dieser Aktion "blutete" der Rhein-Lahn-Kreis stark, denn den abgabewilligen Landwirten standen nur wenige ankaufwillige Milcherzeuger gegenüber.

Neben diesen großen Aktionen fanden immer wieder Landwirte bei Bedarf Gelegenheit, von anderen Landwirten, aus dem Kreis, oder auch von außerhalb des Kreises, Referenzmengen erst mit, später auch ohne Flächen, anzukaufen oder anzupachten. Das mögliche Milch-Leasinggeschäft, innerhalb der jeweiligen Molkerei für ein Milchwirtschaftsjahr entsprechende Quoten zu leihen, wird von vielen Landwirten des Kreises seit Jahren praktiziert. Zwischen dem Tag der Einführung der Milchgarantiemengenregelung und heute, also innerhalb der letzten zwölf Jahre, hat sich das Bild vieler Ortschaften gewandelt. Vor 1984 standen praktisch in jedem Ort des Rhein-Lahn-Kreises Milchkühe. Heute hat sich die Zahl der milchviehhaltenden Betriebe doch stark dezimiert. Gleichzeitig ist aber die Zahl der mutterkuhhaltenden oder ammenkuhhaltenden Betriebe angestiegen, allerdings nur als kleiner Ersatz für die vielen aufgebenden Milchviehbetriebe. Dies wird in der Konsequenz auch Auswirkungen auf die Bewirtschaftung unserer Landschaft haben, denn wo keine Kühe mehr stehen, wird Grünland wertlos – wird zum betriebswirtschaftlichen Ballast. Damit wird aus dieser agrarpolitischen Frage auch eine umweltpolitische Problematik. 

1986 – Benachteiligte Gebiete 
Aufgrund der Situation in den Nachbarkreisen, die zu 100 Prozent im benachteiligten Gebiet liegen, war es eine jahrelange Aufgabe des Kreisverbandes mit dem Vorsitzenden Artur Zellmann an der Spitze, diese Ungerechtigkeit aus der Welt zu räumen. Es wurden dazu Gespräche beim Ministerium in Mainz mit dem damaligen Landwirtschaftsminister Otto Meyer und auf Kreisebene geführt. Verschiedene Modelle wurden vorgestellt. Eine Einbeziehung des gesamten Kreises in die benachteiligten Gebiete konnte nicht erreicht werden. Nach zähen Verhandlungen, Ärger und Unmut unter den Berufskollegen, immer bestrebt, das bestmögliche zu erreichen, können Sie nachstehend die Entwicklung des benachteiligten Gebietes im Kreis St. Goarshausen ersehen: 

Aus den Unterlagen der ehemaligen Landwirtschaftlichen Beratungsstelle Nastätten geht hervor, dass laut Erlass vom 17.2.1961 folgende elf Gemeinden zu den benachteiligten Gebieten im Loreleykreis gehören: Münchenroth, Lautert, Oberwallmenach, Diethardt, Rettershain, Weidenbach, Strüth, Welterod, Lipporn, Kaub und Sauerthal. 

Nach einem Erlass vom 6.2.1962 kommen folgende fünf Gemeinden hinzu: Dörscheid, Holzhausen, Hinterwald, Dachsenhausen und Becheln. Seit 1987 gehören ferner nach der erfolgten Feinabgrenzung der benachteiligten Gebiete folgende Gemeinden mit ihrer gesamten Gemarkungsfläche zusätzlich dazu: Berg, Buch, Eschbach, Kehlbach, Nastätten, Obertiefenbach, Oberbachheim, Ölsberg, Ruppertshofen, Auel, Dahlheim, Lierschied, Lykershausen, Prath, St. Goarshausen, Weisel und Weyer.  

Von den folgenden Gemeinden sind nur bestimmte Ortsteile oder Gemarkungsteile benachteiligt: von der verbandsfreien Gemeinde Stadt Lahnstein nur OT Buchholz, Neuborn, Kirchheimersborn, Deutschherrenhütte, Grenzloch, Buchenberg und Schwarzwald, von der Ortsgemeinde Braubach: OT Molkenborn und Königsstiel, von der Gemeinde Kamp-Bornhofen: OT Am Stierkopf, Büschheck und Dreispitz, von der Gemeinde Osterspai: OT Neuborn, Dachsborn, Erlenborn und Büchelborn von der Gemeinde Kestert: OT Oberkestert, in der Gemeinde Bornich ist die Gemarkung außer den OT Loreley und Hof Leiselfeld benachteiligt. 

1986 – Tschernobyl 
Die Katastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl in Rußland hatte auch Auswirkungen auf die Landwirtschaft im Rhein-Lahn-Kreis. Unter anderem durften die Rinder erst Ende Mai auf die Weide getrieben werden. Es wurden ständig Strahlenmessungen in unserem Kreis vorgenommen. 

1987 – Schlepperdemo Koblenz 
Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau organisierte für den 13. März 1987 eine Schlepperdemonstration in Koblenz. Nach Ausschreibung durch die Geschäftsstelle in Niederwallmenach waren innerhalb weniger Tagen über 100 Landwirte bereit, mit ihren Schleppern an dieser Demonstration in Koblenz teilzunehmen. Um 9.00 Uhr sammelten sich die Landwirte in Dachsenhausen (damit die Teilnehmer nicht hungern mussten, wurde vom Kreisverband jedem ein "Esspaket" ausgehändigt und finanziert, welches aus einem Erfrischungsgetränke, Brötchen und Wurst bestand), kurz später ging es über Braubach, Lahnstein nach Koblenz, wo man sich mit den Berufskollegen anderer Kreisverbände traf.

Insgesamt über 1.000 Schlepper und 10.000 Fußteilnehmer unterstrichen damit die Forderungen des Landesverbandes. Die Bauern forderten: 

1. Weg mit den skandalösen und bauernfeindlichen Vorschlägen der EG-Kommission.

2. Beendigung der Brüsseler Preisdruckpolitik

3. Aufrechterhaltung des deutschen Währungsausgleichs.

4. Sofortige Abberufung der unfähigen deutschen EG-Kommissare 

Die Winzer forderten: 

1. In der Weinbaupolitik mehr nationale Eigenständigkeit

2. Zum Schutz unserer Winzer wie auch unserer Verbraucher lückenlose Kontrolle der Weineinfuhr, um den Import von Skandalen zu verhindern.

3. Änderung des Weinbezeichnungsrechts, damit jeder Verbraucher das tatsächliche Ursprungsland von Wein und Sekt erkennen kann. 

1988 – Wechsel des Kreisvorsitzenden 
Vorsitzender Artur Zellmann, Endlichhofen stellte sein Amt aus Altersgründen im Jahr 1988 zur Verfügung. Nach einer langen Findungsphase und mehreren Vorstandssitungen wurde am 28. Dezember 1988 bei der dafür eigens einberufenen Delegiertentagung im Gasthaus Erholung in Nochern Wilfried Kaiser (Marienfels) zum neuen Kreisvorsitzenden gewählt. 

1990 – Konkurs Bleker 
Kreisvorsitzender Wilfried Kaiser und Geschäftsstellenleiter Armin Geisel wurden am Samstag und Sonntag, 22./23.12.1990 von Landwirten angerufen und mit einer sich dramatisch zuspitzenden Angelegenheit konfrontiert: Schecks der Fa. Landhandel Bleker in St. Goarshausen (Loreleymühle) wurden nicht mehr eingelöst bzw. waren nicht mehr gedeckt. Beide fuhren unverzüglich nach St. Goarshausen und hatten ein Gespräch mit dem Inhaber. Die Einschaltung von Politik, des Landesverbandes, sämtliche Gespräche mit Inhaber, Bildung einer Interessengemeinschaft durch unseren Verband, Anzeige gegen die Person Bleker, hatten keinen Erfolg. Die Fa. Landhandel Bleker ging in Konkurs. Weitere Gespräche mit dem Konkursverwalter, Betreuung unserer Mitglieder von fünf Rechtsanwälten, Einschaltung der Staatsanwaltschaft waren ebenfalls fruchtlos. Bis heute haben über 70 Mitglieder unseres Verbandes von den Forderungen in Höhe von über 500.000,– DM keinen Pfennig erhalten. 

1991 - Bau RHG Miehlen 
Bedingt durch den Konkurs der Fa Bleker und der damit ausfallenden Getreideannahmestelle St. Goarshausen kam es im Jahr 1991 zu erheblichen Ablieferungsschwierigkeiten im Verbandsgebiet. 

Die noch vorhandenen Annahmestellen von Genossenschaft und Landhandel in Nastätten, Niederwallmenach, Miehlen, Singhofen, Pohl, Lahnstein, konnten das Getreide der Landwirte nur unter Problemen annehmen, es kam zu 24stündigen Wartezeiten. 

Dies war Grund genug für unseren Kreisverband, entsprechende Forderungen an die Genossenschaften zu stellen, um ihre Annahmekapazitäten entsprechend zu verbessern. Nach etlichen Gesprächen und Verhandlungen war die RHG Frankfurt bereit, eine neue Zentrale in Miehlen zu bauen. 

Dazu übertrugen die Genossenschaftsbanken ihren Zweig Landhandel der RHG. Im Sommer 1993 konnten die Landwirte erstmals ihr Getreide an das fertig gestellte Zentrum der RHG im Industriegebiet in Miehlen anliefern. 

Der Kreisvorsitzende Wilfried Kaiser und der Geschäftsstellenleiter Armin Geisel haben in vielen Gesprächen zusammen mit Präsident Schartz und dem Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Dr. Derstappen, in Frankfurt letztendlich zu dieser großen Investition beigetragen. 

1991 – Bayer, Niederwallmenach 
Für den Berufsstand sehr wichtig ist der in Niederwallmenach ansässige EG-Schlachthof Herbert Bayer KG. Im Jahr 1966 wurde ein Schlachthaus mit 2 Kühlräumen errichtet. Bis zum heutigen Tag erfolgten etliche Erweiterungen bis zu einer umfassenden Erweiterung, Umgestaltung und Modernisierung des gesamten Betriebes in 1991. Das gesamte Investitionsvolumen seit Errichtung des Schlachthauses im Jahre 1966 bis 1991 betrug ca. 15 Mio. DM. Unser Kreisverband war ein stetiger Begleiter der Fa. Bayer und war immer behilflich, sei es durch Einschaltung von Politik oder durch Gespräche mit dem Ministerium. 

1991 – Dürreperiode 
Im Jahr 1991 wurde vom Kreisbauern - und Winzerverband eine Futtermittelbörse bei der Geschäftsstelle eingerichtet, da in diesem Jahr, bedingt durch die anhaltende Trockenheit im Rhein-Lahn-Kreis, eine Dürreperiode zu verzeichnen ist, die schlimmer als 1976 war. Im Juni fiel der letzte Regen, so dass die Ende Juli/ Anfang August gesäte Zwischenfrucht zum Teil vertrocknete, erst im Oktober fiel der erste Niederschlag. 

1991 – Schlepperdemo in Bad Ems 
Die geplante EG-Agrarreform war 1991 Grund genug für unseren Kreisverband, um an einer europaweiten Demonstration teilzunehmen. Dabei wurden von Vertretern der Kreisbauernverbände St. Goarshausen und Unterlahn dem Landrat des Rhein-Lahn-Kreises, Herrn Kurt Schmidt, eine vom Deutschen Bauernverband gefasste Resolution vor dem Kreishaus überreicht. 

Zum Beginn des EG-Sondergipfels in Maastrich wollte man verdeutlichen, dass die geplante Agrarreform die Existenz aller Landwirte bedrohe. Unterstrichen wurde diese Aktion durch entsprechende Plakate und zwölf Traktoren, welche die Mitgliedsstaaten der EG symbolisierten. 

1992 – Agrarverwaltungsreform 
Trotz intensiver Bemühungen des Berufsstandes wurde die Staatliche Beratungsstelle für Land- und Hauswirtschaft mit Sitz in Katzenelnbogen zum 1.10.1993 geschlossen. Ab diesem Zeitpunkt ist die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Landwirtschaft Montabaur / Altenkirchen mit Sitz in Montabaur zuständig für unser Gebiet. Somit stand im Rhein-Lahn-Kreis keine staatliche Anlaufstelle mehr zur Verfügung. 

1993 – EG-Agrarreform  
Die EG-Agrarreform im Jahre 1993 brachte auch für unsere Landwirte einen erheblichen bürokratischen Mehraufwand. Seit dieser Zeit müssen sämtliche Parzellen in einem Flächennachweis mit Schlag-, Flur- und Parzellennummern und Kulturart aufgeführt werden. Um den Landwirten diese Arbeit zu erleichtern, werden von unserem Kreisverband seit 1993 jährlich Sprechstunden zusammen mit den Damen und Herren der Kreisverwaltung an verschiedenen zentralen Orten abgehalten, um bei der Ausfüllung dieser Anträge behilflich zu sein. Die Beschlüsse der EG-Agrarreform haben insbesondere bei pflanzlichen Produkten eine neue Marktpolitk eingeleitet. Bei Getreide, Ölsaaten und Eiweißpflanzen (Hülsenfrüchten) und Öllein liegt das Schwergewicht nicht mehr auf der Preisstützung, sondern auf direkten Hilfen in Form von Ausgleichszahlungen. Um in deren Genuss zu kommen, sind die Landwirte, soweit es sich nicht um Kleinerzeuger handelt (Maximale Fläche von a) benachteiligtes Gebiet 20,44 ha und b) nicht benachteiligtes Gebiet 17,86 ha) verpflichtet,15 Prozent bei Rotationsbrache bzw. 20 Prozent bei Dauerbrache der insgesamt ausgleichsberechtigten Fläche stillzulegen. 

Gleichzeitig ist die Gewichtung der Marktordnungsinstrumente im Bereich Rindfleisch verändert worden. Ziel war, das Marktungleichgewicht zu beseitigen und die Wirkung der Stützungsmaßnahmen auf die Erzeugereinkommen zu verbessern. Auch haben Aspekte der verstärkten extensiven Grünlandnutzung eine Rolle gespielt. Die Reform sieht eine stufenweise Verringerung der Interventionspreise vor. Als Ausgleich dafür werden dem Erzeuger erhöhte Prämien gewährt.

Um den Landwirten bei dieser Antragsstellung behilflich zu sein, werden seit 1993 jedes Jahr vom Kreisverband zusammen mit der Abteilung Landwirtschaft der Kreisverwaltung Außensprechtage abgehalten. 

1995 – Fusion Kreisverbände 
Nach jahrzehntelangen Bemühungen und Verhandlungen war es am 1.1.1995 soweit. Die beiden Kreisverbände St. Goarshausen und Unterlahn richteten eine gemeinsame Geschäftsstelle in Niederwallmenach ein. Vorausgegangen waren unzählige Gespräche und Sitzungen, so war unter anderem daran gedacht, ein "Haus der Landwirtschaft" in der Kreisstadt Bad Ems mit entsprechende Büros für den Kreisbauernverband, Maschinenring und den Landfrauen einzurichten.  

In der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Kreisbauernverbandes Unterlahn am 28.12.1994 beschlossen die Mitglieder einen Wechsel ihrer Betreuung von der Geschäftsstelle von Limburg nach Niederwallmenach. Ein entsprechender Rahmenvertrag wurde vom Präsidenten des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Koblenz und dem Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Untertan unterzeichnet. 

Alle Landwirte und Winzer des Rhein-Lahn-Kreises werden seit 1.1.1995 von der Geschäftsstelle in Niederwallmenach betreut. Außensprechtage werden im Kreishaus in Bad Ems, bei der Verbandsgemeinde in Katzenelnbogen und bei der Tierversicherung in Diez abgehalten. 

1995 – Sozialversicherungsträger Rheinland-Pfalz 
Gleichzeitig zum 1.1.1995 wurde die beiden Kreise Westerwald und Rhein-Lahn vom Sozialversicherungsträger Hessen-Nassau mit Sitz in Kassel abgetrennt und gehörten sodann zum neu gebildeten Sozialversicherungsträger Rheinland-Pfalz (ehemals Rheinhessen-Pfalz) mit Sitz in Speyer. Die Geschäftsstelle des Kreisbauernverbandes in Niederwallmenach wurde Verwaltungsstelle für den Rhein-Lahn-Kreis dieses Trägers. 

1995 – Neue Alterssicherung der Landwirte – Soziale Absicherung der Bäuerin 
Ebenfalls zum 1.1.1995 wurde mit dem Agrarsozialreformgesetz 1995 ein langjähriger und mühsamer Weg zur Erneuerung der Alterssicherung der Landwirte abgeschlossen. Das Gesetz über die Alterssicherung der Landwirte (ALG) löst das Gesetz über eine Altershilfe für Landwirte (GAL) ab. Die Neuabgrenzung des versicherungspflichtigen Personenkreises, die Einführung der eigenständigen Sicherung der Bäuerin, die an die Gesetzliche Rentenversicherung angelehnte Berechnung der Renten, sowie die Neuberechnung des neu gestalteten Beitragszuschusssystems sind die wichtigsten Neuerungen dieses Gesetzes. 

1995 – Landespflege 
Die Aufstellung der Flächennutzungspläne mit integrierten Landschaftspläne der Verbandsgemeinden stößt bei den Landwirten auf großen Unmut. Bei verschiedenen Verbandsgemeinden sind die gesamten Gemarkungen restlos überplant worden, was von dem Berufsstand nicht hingenommen wurde. Durch entsprechende Aktivitäten des Kleinbauern - und Winzerverbandes in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz konnten diese "ersten" Landschaftspläne verhindert werden. Gemeinsam mit den Behörden, Planungsbüro, Landespflege sucht man nach vertretbaren Lösungen. 

Als Folge der Realteilung kam es auch in unserem Verbandsgebiet zu einer immer stärker werdenden Zersplitterung der gesamten Feldflur. Man begann darum Anfang der 50er Jahre, und dies weit bis in die 60er Jahre hinein, in dem gesamten ehemaligen Loreleykreis mit Bodenordnungsverfahren der jeweiligen Gemeinden. Seien es so genannte klassische Verfahren mit der Markierung durch Grenzsteine oder beschleunigte Verfahren, die etwas vereinfachter durchgeführt wurden. Als Ergebnis dieser Bodenordnungsverfahren wurde eine für damalige Verhältnisse enorme Vergrößerung der Schläge von knapp einem bis ca. zwei Hektar im Schnitt erreicht und damit eine Antwort auf die zunehmende Technisierung und Motorisierung auch in der hiesigen Landwirtschaft gegeben. Leider wurde damals den Belangen der Ökologie keine Beachtung geschenkt, und das agrarpolitische Ziel der möglichst großen Erzeugung vieler Nahrungsgüter stand an vorderster Stelle. 

Bodenordnung heute, wie wir sie seit einiger Zeit in unseren Reihen und auch mit den kommunalpolitischen Gremien diskutieren, muss und wird einen anderen Charakter als die vor einigen Jahrzehnten durchgeführten Verfahren haben. Dies wird u.a. schon deswegen sein müssen, weil Ansprüche an den Faktor Boden von den verschiedensten Beteiligten heutzutage gestellt werden. Hier seien als erste die Kommunen genannt, die für die Bereitstellung von Baugebieten oder auch Gewerbegebieten einen erheblichen Flächenbedarf haben. Des Weiteren wird viel Land für den Bau von Straßen und Plätzen benötigt. Auch die Umweltbehörden melden verstärkten Flächenbedarf für Biotope, Ausgleichsflächen und dergleichen an. Deswegen wird eine Zweitflurbereinigung" nicht nur der Produktivitätserhöhung der Bodenbewirtschaftung dienen, sondern auch ökologischen und gesellschaftspolitischen Ansprüchen genügen müssen. Auch die Einbeziehung der Aktion "Blau", diese bedeutet Gewässerrenaturierung, Anlegung von Uferrandstreifen und eine mögliche Vermeidung einer zu hohen Abflussgeschwindigkeit in die Talauen bzw. Flußauen, könnte ein wichtiger Teilaspekt einer zukünftigen Bodenordnung werden. 

Aus der Sicht der Landwirte ist auch nach der Wiedervereinigung unseres Vaterlandes, mit ganz anderen Schlaggrößen in den fünf neuen Ländern, eine Erhöhung der Produktivität auf unseren Grundstücken dringend geboten, wollen wir hier, ausgehend von den Festkosten, nicht ins Abseits laufen. Deswegen wird es langwieriger politischer Diskussionen bedürfen, um eine Zweitflurbereinigung mehrheitsfähig und gesellschaftspolitisch durchführbar zu machen. 

Lehrfahrten 
Seit 1950 unternimmt der Kreisbauern - und Winzerverband St. Goarshausen Lehrfahrten. In den ersten Jahren wurden eintägige, dann lange Zeit dreitägige, anschließend fünftägige und die letzten zwei Jahre neuntägige Lehrfahrten organisiert, um unseren Bäuerinnen und Bauern deutsche und ausländische Landschaften und fortschrittliche Betriebe zu zeigen. Gerade in den Anfangsjahren nahmen an diesen Fahrten bis zu 450 Personen jedes Jahr teil, so dass wir mit neun Bussen unterwegs waren. In den letzten zehn Jahren ist auch bei der Organisation dieser Fahren der größer werdende Allgemeintourismus zu spüren, so dass "nur" noch ein Bus eingesetzt werden musste. Damit diese Tradition nicht völlig zum Erliegen kam, hat der heutige Geschäftsführer Armin Geisel Im Jahr 1994 diese Fahrten umgestaltet und ausgebaut. 

Im zweijährigen Rhythmus werden den Mitgliedern nun größere landwirtschaftliche Studienfahrten angeboten. Beginnend in 1994 mit einer Fahrt nach Finnland, wo für die Teilnehmer ein Gespräch im Landwirtschaftsministerium in Helsinki erreicht werden konnte, folgte in diesem Jahr ein Studienrundreise durch Norwegen. 

Diejenigen, die unsere Fahrten mitgemacht haben, kennen einen Großteil Deutschlands, viele Städte und die Schönheit der deutschen Landschaft. Weitere Ziele waren Holland, Schweiz, Österreich, Luxemburg, Belgien, Frankreich, Italien, Finnland und Norwegen. Städtereisen wurden nach Moskau, Paris und Berlin (Besuch der Internationalen Grünen Woche) unternommen. 

Delegiertenversammlung, Jahreshauptversammlung

Vorstandssitzung 
Seit 1948 veranstaltet der Kreisverband jedes Jahr eine Jahreshauptversammlung, die in der berufständischen Arbeit eines jeden Jahres den Höhepunkt darstellt. Auf dieser Veranstaltung wird Rückschau und ein Ausblick in die Zukunft gehalten. Hochkarätige Redner von Politik auf Bundes- und Landesebene, vom Deutschen Bauernverband in Bonn, Präsidenten der Landesbauernverbände in der BRD referieren jedes Jahr über aktuelle agrarpolitische Probleme. Durch die gemeinsame Geschäftsstelle des Kreisbauern - und Winzerverbandes St. Goarshausen und Kreisbauernverband Unterlahn e.V. wird die jährlich Jahreshauptversammlung ab dem Jahr 1995 gemeinsam veranstaltet. Ebenfalls seit 1949 werden zwei Delegiertenversammlungen im Jahr abgehalten, in der alle Ortsvorsitzenden über aktuelle Informationen durch Fachredner unterrichtet werden.

Mindestens viermal im Jahr trifft sich der Kreisvorstand des Verbandes, um aktuelle Probleme zu diskutieren und Beschlüsse zu fassen und entsprechende Forderungen an den Landesverband in Koblenz weiterzuleiten. 

Personen im Ehrenamt und Hauptamt 

Kreisvorsitzende 
Ernst Schmidt, Niederwallmenach, vom 9.12.1946 bis 1.7.1973
Artur Zellmann, Endlichhofen, vom 23.7.1973 bis 29.12.1988
Wilfried Kaiser, Marienfels, vom 29.12.1988 bis heute 
Geschäftsführer Hans-Kurt Götzensberger, Oberwallmenach vom Anfang bis 31.7.1979
Günther Munsch, Weltersburg, vom 1.1.1979 bis 31.1.1995
Armin Geisel, Eschbach, vom 1.2.1995 bis heute
Mitarbeiter der Geschäftsstelle: 
Edith Dillenberger, Niederwallmenach, vom 20.1.1954 bis heute
Hans-Adalbert Zorn, Miehlen, vom 1.7.1979 bis 30.6.1981
Armin Geisel, Eschbach, vom 1.4.1982 bis 31.1.1995
Susanne Lindenblatt, Bornich, vom 1.4.1995 bis heute 

Die Geschäftsstelle 
Haus Schmidt, Niederwallmenach, vom Anfang bis 30.9.1973
Raiffeisenbank Niederwallmenach, vom 1.10.1973 bis heute 
Buchstelle zeitweise in Niederwallmenach,
Heinz-Georg Schlaghecken, Singhofen, vom 1.7.1978 bis 31.3.1982
Irene Ebelshäuser, Ruppertshofen, vom 1.4.1982 bis 2.11.1987
Heidrun Louven-Jacoby, Gemmerich vom 1.1.1983 bis 2.11.1987
 
Der Kreisvorstand im Jubiläumsjahr:
Kreisvorsitzender Wilfried Kaiser, Marienfels
stellv. Kreisvorsitzender Bernhard Didinger, Osterspai
stellv. Kreisvorsitzender Erhard Singhof, Nastätten
Beisitzer Frauke Brost, Nochern
Beisitzer Ludwig Groß, Miehlen
Beisitzer Heinz Hofmann, Holzhausen
Beisitzer Jürgen Maus, Bogel
Beisitzer Werner Redert, Hainau
Beisitzer Helmut Sopp, Rettershain
Vertreterin der Landfrauen Elke Eckert, Obertiefenbach
Vertreter der Landjugend Peter Kern, Welterod 
Ehrenvorsitzender Artur Zellmann, Endlichhofen
Ehrenvorstandsmitglied Heinrich Brodt, Patersberg 

Der Landfrauenverband 
Elke Eckert, Kreisvorsitzende des Landfrauenverbandes Rhein-Lahn 

Das Jahr 1996 ist auch für den Landfrauenverband Rhein-Lahn ein Jubiläumsjahr. In diesem Jahr konnten die Mitglieder das 40jährige Bestehen ihres Verbandes feiern.

Schon bald nach dem Krieg fanden in den Kreisen Loreley und Unterlahn Informationsveranstaltungen für Frauen statt. Angeboten wurden Sie von den Landwirtschaftsschulen Nastätten und Katzenelnbogen. Diese Veranstaltungen wurden von Anfang an sehr gut besucht; sie waren den älteren Frauen noch aus der Zeit vor dem Krieg bekannt, und der Hunger nach Information und Weiterentwicklung war sehr groß. So lag es nahe, dass nach Vorbesprechungen und Planungen im Jahr 1956 die Gründung des Landfrauenverbandes stattfand. 

Von Anfang an sollte der Landfrauenverband nicht nur für Bäuerinnen offen sein, sondern auch für Handwerker und Arbeiterfrauen, also für alle Frauen, die auf dem Lande leben. 

Ursprünglich waren jährlich 2-3 Veranstaltungen, 2 Landfrauennachmittage oder ein Landfrauentag und eine Besichtigungsfahrt vorgesehen. Die Themen der Veranstaltungen kamen aus den Bereichen:

Hauswirtschaft, Haushaltstechnik, Ernährung, Gesundheitspflege, Erziehungsfragen, Gartenbau, Betriebswirtschaft, Fragen zur Agrarpolitik, Rechts- und Sozialfragen, Gleichberechtigung von Mann und Frau und natürlich Veranstaltungen mit kulturellem Inhalt. 

Das vielfältige Angebot sprach viele Frauen an. Der Verband wuchs ständig. Es kamen immer mehr Mitglieder hinzu, so dass der Landfrauenverband heute eine starke Gemeinschaft von 1600 Mitgliedern ist. 

Die beiden Verbände arbeiteten in den ersten Jahren getrennt voneinander und wuchsen erst im Laufe der Jahre Stück um Stück zusammen. Die Geschäftsführung im Unterlahnkreis übernahm von Anfang an Frau Muelenz, Lehrerin an der Landwirtschaftsschule Katzenelnbogen, die schon zur damaligen Gründungsversammlung eingeladen hatte. 

Die Geschäfte des Loreleykreises übernahm Frau Lütje, damals Lehrerin an der Landwirtschaftsschule Nastätten. Als Mitte der 60er Jahre die Schule geschlossen wurde, entstand hier eine große Lücke. Aus der Not heraus sagte der damalige Vorsitzende des Bauern und Winzerverbandes, Herr Schmidt, seine Hilfe zu und der Geschäftsführer des Verbandes, Herr Götzensberger, übernahm bis auf weiteres die Geschäftsführung für die Landfrauen. Erst 1970 übernahm Frau Muelenz dann die Geschäfte beider Kreise. 

Damit war der erste Schritt zu einem Kreisverband getan. Es brauchte jedoch noch viele Jahre bis zur Verwirklichung dieser Idee. Die Geschäftsführung lag seitdem immer in der Hand der Leiterin der hauswirtschaftlichen Abteilung der Landwirtschaftsschule, später der staatlichen Beratungsstelle für Landwirtschaft und Hauswirtschaft, in Katzenelnbogen.

Nach der Pensionierung von Frau Muelenz gab es einige Jahre lang einen ständigen Wechsel der Geschäftsführerin. Von 1983 an war Marianne Feigenbutz Leiterin der hauswirtschaftlichen Abteilung und gleichzeitig neue Geschäftsführerin der beiden Kreisverbände.

Der erste gemeinsame Landfrauentag fand 1971 im Kursaal in Bad Ems statt. In den kommenden Jahren fing man an, die Mehrtagesfahrten gemeinsam durchzuführen. Zu einer gemeinsamen Kassenführung konnte man sich erst 1984 entschließen. Nach wie vor aber gab es zwei Kreisverbände. 

Bei den jeweiligen Gründungsversammlungen wurden zum ersten Mal auch die Kreisvorsitzenden gewählt. Im Unterlahnkreis übernahm Gretel Hofmann aus Katzenelnbogen von Anfang an dieses Amt und hatte es inne, bis 1988 Anni Pfeifer aus Ergeshausen den Vorsitz übernahm. Im Loreleykreis war Hedwig Holstein aus Bogel schon vor der Gründung sehr aktiv tätig, und es war nur folgerichtig, dass sie zur ersten Kreisvorsitzenden gewählt wurde. 1976 musste sie dieses Amt aus familiären Gründen abgeben und Lina Hewel aus Lierschied übernahm ihre Funktion für die nächsten 12 Jahre. Auch sie gab 1988 ihr Amt ab und Elke Eckert, Obertiefenbach, trat an ihre Stelle. 

Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Vorsitzenden war sehr gut, und zusammen mit den beiden Kreisvorständen wurde im Jahr 1992 die Fusion der beiden Kreisteile beschlossen. Im gleichen Jahr wurde Elke Eckert zur ersten Kreisvorsitzenden des Landfrauenverbandes Rhein-Lahn gewählt und Anni Pfeifer zu deren Stellvertreterin.

Im Laufe der vielen Jahre wurde der Landfrauenverband fester Bestandteil des Lebens in unserer ländlichen Region. Wir Landfrauen sorgen weiterhin für viele, gut besuchte Weiterbildungsveranstaltungen; oft zu den gleichen oder ähnlichen Themen wie in der Anfangszeit, wobei sich natürlich die Inhalte stark gewandelt haben; sie haben sich den heutigen, veränderten Strukturen und Erfordernissen angepasst. 

Wir richten Dorffeste aus oder helfen bei Festen im Dorf mit. Bei der Aktion "Unser Dorf soll schöner werden" sind es vor allem die Landfrauen, die überall kräftig mithelfen und durch viel Engagement der Mitglieder konnte im sozialen Bereich schon oft mitgearbeitet oder finanziell geholfen werden. Vieles von der geleisteten Arbeit wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht all unsere Mitglieder so selbstverständlich bereit wären, ihre Zeit und ihre Arbeit ehrenamtlich zur Verfügung zu stellen. Das Ehrenamt wird heute immer mehr in Frage gestellt, oft auch aus finanziellem Zwang heraus. 

Aber gerade unser Verband lebt weitestgehend vom Ehrenamt, und wir sind zuversichtlich, dass auch in Zukunft die Bereitschaft, Anderen zu helfen und sich für die Interessen Anderer einzusetzen, etwas ist, was unseren Verband besonders auszeichnet. 

Die Landjugend 
Susanne Lindenblatt, Mitarbeiterin beim - und Winzerverband St. Goarshausen 

In der Satzung des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau e.V. vom 23. August 1966 heißt es unter § 2, k) "Zweck des Verbandes": Förderung der Landjugend mit dem Ziel, sie auf die Übernahme von Verantwortung im berufsständischen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben unseres Volkes vorzubereiten. Zu diesem Zeitpunkt entsprach die Landjugendvereinigung mit ihren Aktivitäten den vorgenannten Zielen bereits. Im August 1951 konnte davon jedoch noch keine Rede sein. Der damalige Vorsitzende des Kreisbauern - und Winzerverbandes, Ernst Schmidt, Niederwallmenach, wusste um die schlummernden Möglichkeiten und traf eine vortreffliche Wahl, als er Berufsschullehrer Joachim Zitzke bat, die Jugendarbeit im Rahmen des Verbandes zu übernehmen. 

Der erste Einsatz des neuen Jugendobmannes führte ihn zum Bauerntag nach Rendsburg. Von dort brachte er eine Möglichkeit, junge Menschen zur Berufsausbildung anzuhalten, mit nach Hause, die ihn begeisterte und so lief bereits im Herbst 1951 das erste Arbeitsvorhaben "Kälberaufzucht" an, welches über zwei Jahre dauerte und an dem 11 Jungen teilnahmen. Das Prinzip Arbeitsvorhaben in der Berufsschule hat sich bis zur Auflösung der Nebenstelle in Nastätten 1974 gehalten und wurde von der Landwirtschaftskammer Koblenz als Vorleistung zur Gehilfenprüfung anerkannt. 

In Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftsschule und den "Ehemaligen Nastätten" unter Vorsitz von Artur Zellmann wurde im Winter 52/53 in Bogel ein Arbeitskreis für Jungbauern gegründet. Man traf sich jeden Monat einmal, hörte Referate aus den Gebieten der Fachkunde, der Kulturkunde und der Agrarpolitik. Es waren stets 40 - 60 Jungbauern anwesend. 

Im März 1953 fand in Lautert die Prämierung von 96 Arbeitsvorhaben statt. Am 14. November 1953 lud Jugendobmann Zitzke Jugendliche zu einer Besprechung über die künftige organisatorische Gestaltung der Landjugendarbeit ein. Es war die Geburtsstunde des "Bund deutscher Landjugend" im Kreisbauernverband St. Goarshausen. Anlässlich einer weiteren Versammlung nur zwei Wochen später unterschrieben schon 79 Jugendliche ihre Beitrittserklärung. 

Wir wollen keine neuen Vereine in die Dörfer bringen, im Gegenteil, die bestehenden Einrichtungen viel lieber in ihren Bemühungen unterstützen. Unter diesem Leitgedanken von Zitzke kam es, dass das Mandolinenorchester Oelsberg nach bereits 28jährigem Bestehen 1952 in den noch jungen Verband der Landjugend integriert wurde und bis heute eine wertvolle Bereicherung darstellt, was nicht zuletzt an der guten Zusammenarbeit mit dem Vorsitzenden Adolf Baldewein liegt. 

Es folgten erste Aktivitäten wie der Tanzkurs unter dem Namen "Neue Geselligkeit". Die Teilnahmegebühr von 15,- DM für Burschen und 10,- DM für Mädchen lässt vermuten, dass man bei den männlichen Teilnehmern mit "erschwerten Bedingungen" rechnete. 

Bis zum 1. April ‘54 kam es zur Gründung folgender Landjugendgruppen 

Nastätten mit den Orten Buch, Oelsberg, Aftholderbach, Weidenbach, Rettershain, Oberwallmenach mit Lautert, Bogel (weiblich), Bogel (männlich), Ruppertshofen mit Endlichhofen, Himmighofen (weiblich) mit Kasdorf, Pissighofen. 

Es begann die Zeit des "kulturellen Austausches". So waren am 3. Juli 1954 rd. 100 Personen aus Niedersachsen in Himmighofen zu Gast. Man denke an den Aufwand der heute betrieben wird, um nur 10 Besucher z.B. aus einer Partnerstadt in Europa unterzubringen und zu betreuen.

 Am 20. Oktober 1954 gestaltete die Landjugend ihr erstes Erntedankfest in Niederwallmenach. Die abendliche Feierstunde stellte Ernst Schmidt unter den Leitgedanken "Jeder Acker ist Gottes Land - und wir sind Korn in seiner Hand". Ein Gedanke, der an seiner Aktualität bis heute nichts verloren hat. 

1.1.1955: Die Vorbereitungen für den ersten Berufswettkampf der Landjugend liefen an. Von einer verstärkten Werbung wollte man absehen, damit die Teilnehmerzahl 100 nicht übersteigen würde. Es sollten mit dieser Zahl Erfahrungen in der Durchführung gesammelt werden. 

Mitte März war es dann so weit. Die Presse gab bekannt: "In 8 Jugend- und 3 Mädchengruppen stellten sich rund 110 Jugendliche des bäuerlichen Berufsstandes den Prüfern und Prüferinnen im praktischen Teil ihrer Aufgaben. Nachdem die Teilnehmer die Theorie bereits vor 3 Wochen hinter sich gebracht hatten, können wir heute die jeweils Besten einer jeden Gruppe bekannt geben. Die Sieger der Ortsentscheide sind:

Jungen, Jahrgänge 1938 und 1939 Gruppe Rettershain: 1. Theo Pritz, Gruppe Niederwallmenach: 1. Ernst Häuser, Gruppe Miehlen: 1. Ludwig Spriestersbach, Gruppe Berg: 1. Lothar Reichardt aus Geisig, Gruppe Bogel: 1. Kurt Ludwig aus Nastätten, Gruppe Hof Offenthal: 1. Hermann Graßmann aus Weisel. Jahrgänge 1935 – 1937 Gruppe Nastätten: 1. Kurt Kunz aus Geisig, Oberwallmenach: 1. Hermann Lenz aus Rettershain. 

Mädchen, Jahrgänge 1938 und 1939 Gruppe Miehlen: 1. Christa Dressler aus Miehlen, Bogel 1. Gisela Theis aus Lierschied, Niederwallmenach: 1. Inge Plies aus Reitzenhain." 

An dieser Stelle ist auch ein Dank einzuflechten an die Damen und Herren, die selbstlos ihre Betriebe, ihr Wissen und Können für die Landjugendarbeit zur Verfügung stellten und stellen. 

Und wieder gab es eine Premiere: Am 6. Mai 1955 fand in Welterod der 1. Landjugendtag statt, an dem auch Landrat Bohmeier teilnahm. Der Mai 1955 wird auch den 30 Mädchen der Landjugend Niederwallmenach noch lange in Erinnerung geblieben sein. 7 Tage lang waren Sie auf einer Reise durch Bayern deren Höhepunkt die Teilnahme an der DLG-Ausstellung in München mit gymnastischen Tänzen darstellte. Die Presse berichtete u.a. "Minister Lübke saß auf der Tribüne, Wochenschau und Fernsehen rissen sich um unsere Mädchen". 

Der 6. Dezember 1958 war wieder ein Tag von Bedeutung für die Landjugend: es fand die Einweihung des landwirtschaftlichen Berufsschulgebäudes in Nastätten statt. Dem Einsatz von Landrat Bohmeier hatte man es zu verdanken, dass die Landjugend nun eine ordentliche Heimstatt fand und ihre Zusammenkünfte nicht mehr in den Räumlichkeiten von Gaststätten stattfinden mussten. 

Auch die heimischen Politiker waren sich bewusst, von welcher Bedeutung der Bauernstand für sie sein konnte und welches Potential in der nachfolgenden Generation, also der Landjugend, lag. So richteten im Oktober 1959 beim Erntedankfest in der Landwirtschaftlichen Berufsschule Nastätten nicht nur der Landrat und die Herren Pfarrer Neus und Matern ihr Wort an die Gäste, sondern auch MdB Robert Strauch, Katzenelnbogen und Landtagsabgeordneter Tönges aus Welterod. 

Zwischenzeitlich hatte sich ein jahrelanges Anliegen des Verbandes durchgesetzt, und so fand im Mai 1961 in den Gemeinden Nastätten, Winterwerb und Oberwallmenach erstmalig eine Landwirtschafts-Gehilfenprüfung statt, ohne dass die 19 Kandidaten eine praktische Lehrzeit in einem fremden Betrieb abgeleistet hatten. 

Die 60er Jahre können wohl als die Glanzzeit unserer Landjugend bezeichnet werden. Man bereiste das ganze Land, um an landwirtschaftlich geprägten Veranstaltungen teilzunehmen oder andere Landjugendverbände zu treffen. Man fuhr zu Freizeiten und Lehrgängen, erhielt Gegenbesuche, nahm an Wettbewerben teil und vergaß dabei nie neben Spaß und Spiel die fachliche wie auch agrarpolitische Weiterbildung in Form von Lehrgängen. All dies war nur durch das ehrenamtliche Engagement Vieler möglich. 

Den Neigungen der jungen Menschen im Alter von 14 bis 25 Jahren entsprechend wurden Arbeitsgemeinschaften gebildet. So heißt es im Artikel der Rhein-Zeitung vom 17.9.1963: "...Landjugendobmann Zitzke hat dieser Tage ein Winterprogramm veröffentlicht, das in seiner Reichhaltigkeit nichts zu wünschen übrig lässt." Ein Auszug aus dem Programm: Montags englischer Sprachkurs mit Realschullehrer Vömel; dienstags Gesellschaftstanz mit der Tanzschule Volkert (33 Jahre später noch immer ein gut besuchter Kurs in Nastätten für Jugendliche und Erwachsene) sowie Volkstanz mit Kurt Ludwig, Winterwerb; mittwochs anspruchsvolles Laienspiel und kabarettistische Darbietung, vorläufige Leitung Lehrer Kimpel; donnerstags Orchesterprobe unter Herrn Pfaffenberger aus Niederwallmenach; freitags Volkstanzgruppe Bogel mit Jugendpfleger Manfred Zielinski; samstags Volksmusik mit dem Dirigenten Philipp Bartenbach, Oelsberg. 

Am 17. Juli 1964 wurde der Regierungs- und Landwirtschaftsrat Ernst Bernhard aus seinem Amt als Direktor der Landwirtschaftsschule und Beratungsstelle verabschiedet. Die Landjugend hat Herrn Bernhard und seiner Dienststelle viel Rat und Mithilfe zu verdanken. 

1965 war die Geburtsstunde der Werbehelfer, die nun regelmäßig zum Einsatz kamen wie z.B. während der grünen Wochen in Berlin oder an den Tagen des offenen Hofes, der sich noch immer großer Beliebtheit erfreut und bei gutem Wetter bis zu 2000 Besucher anlockt. 

1968 kam es nach 17jährigem Bestehen zur Auflösung der Landjugendgruppe Bogel. 1970 hatte der Verband noch 119 Mitglieder; davon 23 Einzelmitglieder, 14 Mandolinenorchester, 27 Werbehelfer, 16 Spielschar, 39 Tanzgruppe. Am 31. Dezember 1970 gab Jugendobmann Joachim Zitzke sein Amt an den Kreisbauern - und Winzerverband zurück. 

Mit diesem Ausscheiden ging nach 2 Jahrzehnten eine Ära zu Ende. Berufsschullehrer Joachim Zitzke hat sich mit seiner motivierten, zeitaufwendigen und erfolgreichen Jugendarbeit um die jungen Menschen, um den bäuerlichen Nachwuchs dieses Kreises verdient gemacht. Ohne ihn hätte es in unserem Kreis wohl keine Landjugendarbeit gegeben. Viele seiner ehemaligen Schüler oder auch Mitglieder der Landjugendgruppe sind ihm noch heute dankbar, durch seinen Einsatz Rüstzeug auch für das gesamte weitere Leben bekommen zu haben. 

Als Kreisvorsitzende der Landjugend ab 1970 sind insbesondere die Herren Berthold Krebs, Obertiefenbach, Fritz-Willi Göbel, Ölsberg und Rolf Müller, Himmighofen zu erwähnen, die stets einen guten Draht zum Kreisbauern - und Winzerverband St. Goarshausen pflegten. 

Mit der Gründung des Landjugendverbandes Rheinland-Nassau im Jahr 1975 engagierten sich die Landjugendlichen im Rhein-Lahn-Kreis stärker über die Kreisebene hinaus. Bei der ersten Vorstandswahl wurde Anita Thorn aus Geisig zur Landesvorsitzenden gewählt; Wilfried Kaiser wurde stellvertretender Landesvorsitzender. Mit dieser personellen Stärkung durch den Kreisverband auf Landesebene wie auch beim Bund der Deutschen Landjugend in Bonn, erhielten unsere Aktivitäten neuen Auftrieb. 

Schwerpunkte der Landjugendarbeit in den 70er und 80er Jahren, und dies gilt bis heute noch, sind die Durchführung der Tage des Offenen Hofes, sind agrarpolitische Diskussionen und gesellschaftspolitische Foren. Darüber hinaus beteiligt man sich immer wieder an Demonstrationen des Erwachsenenverbandes. Auf ihre Fahne hat sich die Landjugend eine Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit und eine Imagepflege für den ländlichen Raum geschrieben. 

Höhepunkte in den vergangenen Jahren war die Feier des 30jährigen Bestehens im Jahr 1981 in Niederbachheim mit den damaligen Landräten Bohmeier und Hans Krämer. Zu erwähnen ist noch, dass Wilfried Kaiser, Marienfels, über 10 Jahre von 1979 bis 1989, also bis zu seiner Wahl als Kreisvorsitzender, den Arbeitskreis Agrarpolitik auf Landesebene leitete und als Delegierter des BDL an zwei Weltkongressen der Junglandwirte in Obervolta/Afrika und Ohio/ USA teilnahm. 

Landjugendarbeit ist über den Bereich der Jugendarbeit hinaus auch Arbeit für den ländlichen Raum, für intakte Dörfer und ein harmonisches, geselliges Zusammenleben der Menschen in ihrer Region. 

St. Goarshausen und der Weinbau

Kreisbauern - und Winzerverband, Rüdiger Schornick, Ehemaliger Leiter der Weinbauberatungsstelle St. Goar 

Der Kreisbauern - und Winzerverband ist ein Kind der Nachkriegszeit. Der Weinbau dagegen kann auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblicken. Der Verband übernahm somit die Berufsvertretung der Winzerschaft und auch Verantwortung über das Kulturgut Weinbau mit seinen damals vorhandenen ca. 400 ha Rebflächen; eine bedeutende Wirtschaftsgröße im Kreis. 

Es ist sicher interessant, einmal einen Überblick über die Entwicklung der Rebfläche im Kreisgebiet während der letzten 50 Jahre aufzuzeigen. 1929 waren es ca. 520 ha mit Reben bepflanzte Flächen in 15 Weinbau betreibenden Städten und Gemeinden. Eine Erfassung aus dem Jahr 1963 ergab eine Rebfläche von ca. 240 ha in 12 Städten und Gemeinden. Diese Entwicklung lässt befürchten, dass die Rebfläche in den nächsten Jahren noch weiter zurückgeht und nur noch dort verbleibt, wo eine Flurbereinigung durchgeführt wurde. Es handelt sich dabei um eine Fläche von etwa 45 ha. Den größten Rückschlag erhielt der Weinbau meines Erachtens durch den Winterfrost im Januar und Februar 1956 (bis -28°C). Die Reben wurden zum Teil so stark beschädigt, dass viele Winzer nicht mehr den Mut zur Wiederbepflanzung aufbrachten. 

Ich glaube, dass diese Entwicklung zeigt, wie wenig heute der Weinbau direkt zur Wirtschaftsentwicklung im Kreis beiträgt, eine indirekte Auswirkung über den Fremdenverkehr jedoch nicht zu unterschätzen ist. 

Zu Weinausbau und Vermarktung ist zu sagen, dass etwa 12 % der Traubenernte genossenschaftlich erfasst ist. Ähnlich groß dürfte zur Zeit die Abgabe an den Weinhandel sein. Der Rest läuft über die Selbstvermarktung. hiervon wird ein Großteil über betriebseigene Gastronomie vermarktet. Unter den Selbstvermarktern nehmen Nebenerwerbswinzer einen nicht unbedeutenden Anteil ein. Der Fassweinverkauf spielt eine völlig untergeordnete Rolle. Rebland bewirtschaftende Betriebe dürfte es im Moment noch 130 geben, wobei etwa 60 den Wein selbst ausbauen. Es ist mir nicht bekannt, dass es im deutschen Weinbau einen Bereich gibt, wo der Weinbau so rückgängig ist wie hier, trotz guter Absatzmöglichkeiten. Den Rückgang allein auf die steilen schwer zu bewirtschaftenden Weinberge zurückzuführen trifft nicht ganz zu. Sicher scheint, dass anderswo, so die Meinung vieler Noch-Winzer und ehemaliger Winzer, Geld leichter zu verdienen ist? 

Die Entwicklung bei den Genossenschaften verlief dem eben gesagten ähnlich. Die vor und nach dem Krieg in Kaub, Bornich, Patersberg, Braubach und Lahnstein gegründeten Genossenschaften haben sich bis auf Bornich alle aufgelöst. Erfreulich ist, dass sich die Genossenschaft in Bornich mit ihren ca. 7 ha erfassten Weinbergen immer mehr zu einem weinbaulichen Mittelpunkt im Kreisgebiet entwickelt. 

Nicht unerwähnt soll an dieser Stelle die bei den Winzern so genannte "Weinbauschule" sein. Sie stand lange Jahre im weinbaulichen Mittelpunkt und war stets ein besonderes Anliegen des Kreisbauern - und Winzerverbandes St. Goarshausen, denn von ihr aus wurden die Kontakte zwischen dem Verband und den Winzern gepflegt. Auch sie musste ihren Tribut im Rahmen der Entwicklung im Weinbau des Kreises entrichten. 

Eingerichtet wurde die Weinbauschule 1934, damals als Ableger der Weinbauschule Eltville. Sie war als staatliche Einrichtung für Weinbau, Landwirtschaft und Obstbau für den westlichen Teil des Kreisgebietes zuständig. Das waren die Rheinorte, die Rheinhöhenorte und die Orte an der Lahn, die zum Kreisgebiet zählten. Darüber hinaus wurden von ihr die Weinbauorte im damaligen Unterlahnkreis weinbaulich betreut. 

Mit Aufgabe des Schulbetriebes aus Schülermangel war sie ab 1959 nur noch Weinbauberatungsstelle. 1963 wurde ihr die Dienststelle des Kommissars für Reblausbekämpfung und Wiederaufbau im Aufsichtsbezirk Mittelrhein (ohne Amt Bacharach) Ahr – Untermosel angegliedert. 1966 kam dann noch die Landesrebenveredlungsanstalt Vallendar und die Anerkennungsstelle für Rebpflanzengut im Ausland hinzu. Die Landesrebenveredelungsanstalt wurde 1971 aufgelöst. 

Im Zuge der Verwaltungsreform sind die 3 Weinbauberatungsstellen am Mittelrhein (staatlich), Bacharach und Leutesdorf (Kammer) zu einer Dienststelle 1973 in St. Goar zusammengefasst worden. Einer weiteren Reform musste am 1.3.1994 die gesamte Dienststelle in St. Goar geopfert werden. Zuständig für die Weinbauberatung im Kreisgebiet ist nun die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Landwirtschaft und Weinbau Bad Kreuznach-Simmern. 

Spricht man von der Weinbauschule St. Goarshausen, so sollen an dieser Stelle die Schulleiter Rodrian (1934 - 1938), Lemb (1938-1952) und D. Schuster (1952-1962) nicht unerwähnt bleiben. 

Ein wichtige Funktion in der Zusammenarbeit von Verband und Beratungsstelle nahm der Verein Ehemaliger Weinbauschüler ein, deren langjähriger Vorsitzender Heinrich Brodt auch gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender im Kreisbauern - und Winzerverband war. In seiner Wirkungszeit hat sich eine besonders enge Zusammenarbeit von Winzerschaft und Verband entwickelt. So unter anderem z.B. die langsam in Vergessenheit geratene alljährliche Wanderung "Immer dem Weine nach" von Obernhof bis Kaub, die sich über 5 Tage in der jeweils ersten Dezemberwoche hinzog und auch bei Nichtwinzern sehr regen Zuspruch fand. 

Eine besondere Erwähnung verdient die in den 50er Jahren durchgeführten Kreisweinprämierungen unter der Federführung von Verband und Weinbauschule. Erinnern möchte ich an einige Winzer, die zum Gelingen der Proben beitrugen. So z.B. Peter Bahles (Kaub), Geschäftsführer der VCW Scheible (Kaub), Fritz Maus und Willi Menges (St. Goarshausen) sowie Friedrich Priesteroth aus Braubach, der auch über lange Jahre stellvertretender Vorsitzender im Bauern- und Winzerverband war. Ebenfalls in die 50er Jahre fiel die Wahl zur deutschen Weinkönigin (1951/52) von Gisela Koch, der heutigen Frau Colonius vom Hotel Colonius in St. Goarshausen. 

Die 60er und 70er Jahre waren davon geprägt, den immer stärkeren Rückgang der Rebfläche aufzuhalten. Immer mehr Winzer waren nicht mehr bereit, ihren Weinbau in den schlecht zugängigen Kleinterrassen zu betreiben. Die Weinbergflurbereinigung bot sich an, die Rebflächen mit Wegen zu erschließen und Gronterrassen zu schaffen, die eine maschinelle Bewirtschaftung ermöglichen. In mühevoller Uberzeugungsarbeit seitens des Verbandes und der Beratungsstelle bei Flurbereinigungsbehörden und Winzern wurde dann auch endlich erreicht, dass mit der Weinbergflurbereinigung in Kaub 1966, Dörscheid 1970, Bornich 1973, Nochern 1973 und Wellmich 1980 begonnen werden konnte. Leider war es nicht möglich, wie vorgesehen, in allen Rhein- und Rheinhöhenorten über die Flurbereinigung die Voraussetzungen zu schaffen, den Weinbau auch für die Zukunft zu erhalten. 

Es hat sich immer wieder gezeigt, dass dort, wo alle Verantwortlichen bereit sind, an einem Strang zu ziehen, wertvolles geschaffen werden kann.