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Kapellen der Pfarrei St. Martin in Lahnstein Zur katholischen Pfarrkirche St. Martin gehört auch eine Reihe von Kapellen. Sie sind zumeist zur Aufnahme von Ältären errichtet worden, welche teils auf geistliche Stiftungen zurückgehen, teils von frommen Bürgern gestiftet waren. Michaels- und Kriegergedächtniskapelle Rund um die Martinuskirche befand sich von altersher der Kirchhof mit den Gräbern der Gemeindeangehörigen. Auf dem Friedhof stand östlich des Chores die doppelstöckige Michaelskapelle. In ihrem Erdgeschoß befand sich das Beinhaus, in dem bei einer Wiederbelegung des Friedhofes die dort aufgefundenen Gebeine aufbewahrt wurden. 1883 wurde die Kapelle abgebrochen, und die Reste des Beinhauses verschwanden bei Planierungsarbeiten 1895. Südlich der Kirche stand die Kreuzkapelle, für die schon 1622 der Zollschreiber Friedrich Weinbach eine Kreuzigungsgruppe gestiftet hatte. Sie ist im Jahre1896 an die Südwestecke des Kirchhofes versetzt und nach dem ersten Weltkrieg in eine Kriegergedächtniskapelle umgewidmet worden. Die Namen der im Kriege Gefallenen waren auf Tafeln an den Seitenwänden angebracht. 1966 wurde die Kapelle abgerissen. Die Hospitalkapelle St. Jakobus Auf dem Weg nach Santiago ist Europa entstanden - Joh. Wolfg. v. Goethe Die Hospitalkapelle wurde um 1330 erbaut. Sie diente mit dem daneben gelegenen Hospital während der großen europäischen Wallfahrten des Mittelalters nach Santiago de Compostela in Spanien zum Grabe des Hl. Apostels Jakobus den durchreisenden Pilgern als Unterkunft, denn bis nach Santiago waren noch rund 2200 km zurückzulegen. Die erste Erwähnung dieser Kapelle stammt aus dem Jahre 1330 im Zusammenhang mit der Nennung eines Priesters Nikolaus, provisor hospitalis Pauperum in Laynstein. Zwei Jahre später gewährten mehrere Erzbischöfe und Bischöfe der Hospitalkapelle zusammen mit der Martinuskirche und der Ulrichskapelle in der Burg Lahneck für Besucher und Beter einen 40-tägigen Ablaß. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts verlor die Kapelle den Charakter ihrer religiösen Bestimmung. 1790 schon wurde sie von Mainzer Husaren als Pferdestall benutzt...1802 wurde von der Regierung die ersuchte Erlaubnis zum Verkauf erteilt. Die Kapelle wechselte dann mehere Male ihre Besitzer, denen sie als Scheune oder Warenschuppen diente. In den Jahren 1981-85 wurde die Kapelle, auf Initiative des Ehrenbürgers Johannes Knauf durch die Stadt und einem eigens hierfür gegründeten Förderkreis Hospitalkapelle St. Jakobus von Grund auf renoviert. Dabei wurden unter dem Kirchenschiff die Reste einer früheren, kleineren Kapelle entdeckt. Der bedeutendste Fund war jedoch ein mittelalterliches Pilgergrab, in dem sich auch zwei Jakobsmuscheln befanden. Es ist das vierte Pilgergrab dieser Art in Deutschland. Jakobsmuscheln - an Hut und Mantel getragen - waren das Erkennungszeichen der Pilger auf ihrem Wanderweg. Nur Pilger, die sich an der "Großen Wallfahrt" nach Santiago de Compostela in Spanien beteiligt hatten, trugen solche Muscheln. Die "St. Jakobsmuschel" war das Abzeichen, das den Compostela-Pilger als Teilnehmer einer Bewegung kennzeichnete, der in dieser Zeit nur noch die Pilgerschaft des Islams nach Mekka ähnlich war... Der Tote selbst hatte eine Körpergröße von 1,65 - 1,70 und war etwa 50 - 60 Jahre alt. Seine Hände lagen über dem Körper und sind wohl gefaltet gewesen. Über dem neu errichteten Portal befindet sich ein Tuffsteinrelief, das 1984 von dem Bildhauer Hans Gerhard Biermann aus Maria Laach geschaffen wurde. Es zeigt den heiligen Jakobus als Patron und Pilger und im Hintergrund ein Boot mit Pilgern sowie das Ziel der Wallfahrt, die Kathedrale in Santiago de Compostela. Durch ein kleines eingelassenes Fenster in dem mit Pilger- und Muschelsymbolen verzierten Portal ist den Besuchern - auch bei verschlossener Tür - ein Blick in das Innere der Kapelle ermöglicht. Die 15 Meter lange und 6 Meter breite Kapelle hat ein 9 Meter hohes, flachgedecktes Schiff mit zwei übereinanderliegenden Emporen. Auf der linken Seite der Kapelle war ehemals das Hospital angebaut. Von den Kragsteinen des Chores stammen zwei aus der Erbauungszeit des Chores, zwei weitere wurden im Zuge der Restaurierung von dem Lahnsteiner Bildhauer Johannes Meuser geschaffen. Im Chor konnten erhaltene Originalreste der ersten Farbfassung, nämlich des relativ dunklen Grau mit weißen Fugen, freigelegt werden. Wertvolle Fresken - von Peter Laros aus Bodenheim freigelegt - zeigen u.a. Christus am Kreuz mit Maria, die Hl. Katharina und den Kirchenpatron St. Jakobus d. Ä. Zur heutigen Ausstattung der Kapelle gehören ein Ablaßbrief für die Hospitalkapelle, die Pfarrkirche in Oberlahnstein und die Burgkapelle auf Lahneck aus dem Jahre 1332, zwei neugotische Reliefs, die Hochzeit zu Kanaa und das heilige Abendmahl (ehem. St. Martinskirche). Sie stammen von dem Lahnsteiner Bildhauer Caspar Weis; dann das Pilgergrab mit der Aufschrift Grab eines unbekannten Jakobus-Pilgers auf einer Basaltplatte und eine Statue des hl. Jakobus von dem Bildhauer Johannes Hillebrand aus Köln-Weiss aus rotem Verona-Marmor. Sie ist 2,32 Meter hoch und beschließt in ihrem Sockel die im Pilgergrab aufgefundene Jakobsmuschel. In der Kapelle hängt auch eine Europafahne, die der Stadt Lahnstein 1988 vom Europarat für ihre europäischen Partnerschaften überreicht worden ist. Heute wird die Kapelle für Konzerte, Vorträge, Dichterlesungen und Ausstellungen genutzt. Am Jakobustag, dem 25. Juli, findet in der Kapelle eine hl. Messe statt. Die Heilig-Geist-Kapelle Auf dem Martinsberg stand schon 1342 weithin sichtbar die Heilig-Geist-Kapelle. Sie war verbunden mit einem Hospital für Kranke mit ansteckenden Krankheiten. Infolge der Säkularisation 1803 fielen Hospital und Kapelle an die Fürsten von Nassau. Heute steht nur noch die Kapelle, die 1898 ein Türmchen zur Aufnahme der Glocke aus der Wenzelskapelle erhielt. Auch Altar und Pietà aus der 1903 wegen der Erweiterung des Güterbahnhofs abgebrochenen Wenzelskapelle wurde in die Heilig-Geist-Kapelle versetzt. Später jedoch wurde das wertvolle Vesperbild in die Pfarrkirche verbracht, während die Heilig-Geist-Kapelle eine Terrakotta-Pietà vom ehemaligen Altar der Schmerzhaften Muttergottes erhielt. Im Jahre 1954 veranlaßte der Katholische Frauenbund eine umfassende Renovierung der Kapelle. Im Zuge dieser Renovierung wurde die Hallgartener Madonna des Bildhauers Caspar Weis aus der Pfarrkirche im Altar aufgestellt. Heute ist die Kapelle ausgestattet mit zwei Gemälden von den ehemaligen Barockaltären der Martinuskirche, einer Kreuzabnahme und einer Darstellung des heiligen Sebastian. Zudem befinden sich in der Kapelle figürliche Darstellungen des heiligen Wendelinus, des heiligen Sebastian und des Königs David. Letztere dürfte wohl ehemals die Stummorgel in der Pfarrkirche geziert haben. Von 1960 bis 1998 fanden in der Heilg-Geist-Kapelle regelmäßig Gottesdienste statt; sie wird auch gern für Trauungen genutzt. Die bei der Kapelle liegende Heilquelle wurde 1972 neu gefaßt. Die Kapelle Unserer Lieben Frau auf dem Hübel Auch dieses besser unter dem Namen Wenzelskapelle bekannte Gotteshaus war 1803 in den Besitz der Nassauer Fürsten gekommen. Der Name der Kapelle erinnert an die am 20. August des Jahres 1400 am Rheinufer in Oberlahnstein erfolgte Absetzung des Deutschen Königs Wenzeslaus von Böhmen. 1898 wurde sie an die Königlich - preußische Eisenbahnverwaltung verkauft und 1903 bei der Erweiterung des Güterbahnhofs abgerissen. Chor und Vorhalle wurden 1905 nach mehrmaliger Aufforderung durch die Gemeinde von der Eisenbahnverwaltung für 3000 Mark mit dem alten Steinmaterial 80 Meter weiter westlich wieder aufgebaut. Da bekanntlich die Gesellschaft zum Betriebe des Victoriabrunnens 2000 Mark zu den Baukosten beigesteuert und auch den Grund und Boden kostenlos zur Verfügung gestellt hat ... so ist die Königliche Eisenbahnverwaltung, die doch naturgemäß zum Aufbau der Kapelle verpflichtet war, sehr billig davongekommen. 1953 ließ die Firma Zschimmer & Schwarz die Kapelle renovieren und stiftete zudem eine neue Glocke. Die Oelbergkapelle Das hohe Heiligenhäuschen am östlichen Ende der Burgstraße wird schon 1851 als Oelbergkapelle bezeichnet. Diese Kapelle war ursprünglich die erste Station eines Kreuzweges, der zur Heilig-Geist-Kapelle auf dem Martinsberg führte. Noch um die Jahrhundertwende bestanden von diesem Kreuzweg die zweite und die letzte Station. Die heutige Straßenbezeichnung Aufm Charweg erinnert noch daran, weil dieser Kreuzweg in der Karwoche begangen wurde. Da die Kapelle den zunehmenden Straßenverkehr behinderte, wurde sie 1934 etwas versetzt und in fast der gleichen Form wieder aufgebaut. Doch 1972 wurde sie endgültig abgerissen, weil sie wiederum dem Verkehr im Wege stand. Als Ersatz für die Kapelle wurde wurde an der Mauer des alten Friedhofes eine moderne Pietà angebracht. 1981 wurde auf Initiative von Karl Pott auf dem Gelände des alten Friedhofes eine neue kleine Oelbergkapelle errichtet, in der die Christusfigur der früheren Kapelle - doch ohne den Engel mit dem Leidenskelch - steht. Die Batholomäuskapelle Im kurfürstlichen Schloß Martinsburg befand sich die Bartholomäuskapelle, in der ehemals regelmäßig die hl. Messe von einem vom Mainzer Kurfürsten bestellten Vikar gelesen wurde. Mit dem Martinsschloß kam die Kapelle 1803 ebenfalls in den Besitz der Nassauer Fürsten. Am Karfreitag des Jahres 1861, nachmittags um 4 Uhr wurde in dieser Kapelle, die bis dahin als Kornspeicher genutzt worden war, auf Betreiben des Braubacher Pfarrvikars Wilhelmi der erste evangelische Gottesdienst in Lahnstein gehalten, der fortan alle vierzehn Tage wiederholt wurde. Nachdem die nassauische Landesregierung 1866 in einem ihrer letzten Beschlüsse der evangelischen Gemeinde in Oberlahnstein einen eigenen Kaplan zur Verfügung gestellt hatte, konnte bis zur Errichtung der evangelischen Kirche in der Nordallee im Jahre 1875 allsonntäglich der Gottesdienst in dieser Kapelle gefeiert werden. Heute ist die Kapelle zu Wohnzwecken ausgebaut; der ehemals an der Ostseite vorspringende Chorerker ist nicht mehr vorhanden. Die Ulrichskapelle In einer von Eltville 1386 datierten Urkunde erklärt Erzbischof Adolf I., daß einige seiner Vorgänger beabsichtigt hätten, auf Schloß Lahneck eine Ulrichskapelle zu errichten und zu dotieren ... Dekan Eberhard und das ganze Kapitel gaben am 18. Januar 1390 ihre Zustimmung zu dieser Stiftung, die am 8. März 1390 Erzbischof Werner von Trier von Ehrenbreitstein aus genehmigt. Die Ulrichskapelle auf der Burg Lahneck war seit 1689 ebenso wie die Burg eine Ruine. 1852 wurde sie im Zuge der Restaurierung der Burg wieder aufgebaut. In der Ulrichskapelle finden heute Konzerte und Eheschließungen statt. Die Josefskapelle Eine Kapelle des hl. Josef war schon in der zweiten Hälfte des vorigenen Jahrhunderts im Bereich der heutigen Nordallee erbaut worden. 1889 wurde sie abgebrochen und auf der Höhe neben dem Todtentalerweg wieder aufgebaut. 1982 erfolgte eine Renovierung der Kapelle. s. Heimatjahrbuch des Rhein-Lahn-Kreises 2000
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