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Entwicklung einer heimischen Industrie in Nieder- und Oberlahnstein von Herbert Roth Schon 1861 hatte der aus Herschbach stammende Jacob Schmidt in Niederlahnstein Ecke Heerstraße-Emserstraße die Fabrikation von handgefertigtem Drahtgewebe aufgenommen. 1885 verlegte sein Sohn Christian Sebastian die nun von ihm geleitete Firma in die Bahnhofstraße auf ein weitläufiges Gelände am Mückenberg. Schon zehn Jahre später -1895- kaufte C. S. Schmidt mehrere Morgen Land nach der Grenze zu Horchheim hin gerade gegenüber der Bierbrauerei Weckel an der Coblenzerstraße ... da die jetzige Fabrik mit ca. 70 Arbeitern zu klein ist. Im neuen Werk wurde die Produktion nach der Aufstellung von Gasmotoren erweitert und Drahtgewebe und -geflechte jeglicher Art und Kleindrahtartikel, sowie Drahtstifte produziert. Das dazu benötigte Rohmaterial, der Walzdraht, wurde in der im Jahre 1900 erworbenen ehemaligen Hohenrheiner Hütte gezogen, verzinkt oder verkupfert, ehe es zur Weiterverarbeitung ins Hauptwerk transportiert wurde. Bereits 1910 schloß die Firma mit der Stadt einen Vertrag über die Anlage einer Starkstromeinrichtung. 1925 wurde die letzte Lokomobile abgeschafft. Fortan betrieben nur noch Elektromotoren über Transmissionen die Webstühle in der zu einer der größten Drahtwebereien Deutschlands angewachsenen Fabrik. Bereits in den frühen 50er Jahren hatte die Firma die Herstellung von Förderbändern erntwickelt. In der Folge wurden Baustahlmatten, Drahtgewebe für Sicherheitsglas, Siebe und Stacheldraht hergestellt. Doch schon in den 80er Jahren wurden einzelne Arbeitsbereiche - wie die Zieherei und die Verzinkerei - nach und nach aufgegeben. Im Jahre 1900 beschäftigte das Unternehmen 126 Arbeiter; es wurde 1918 in die Drahtwerke C. S. Schmidt A. G. überführt. 1973 konnte mit 533 Beschäftigten die höchste Mitarbeiterzahl verzeichnet werden. Heute beschäftigt die in eine GmbH umgewandelte Firma weniger als 200 Menschen. Fast gleichzeitig wurden in Niederlahnstein in den Jahren 1890-92 zwei große Industrieanlagen errichtet: die von der Löhnberger Actien-Gesellschaft erbaute große Dampfmühle und die Stettiner Chamotte-Fabrik. Als derBerliner Mühlenbaumeister C. Ehrenberg unmittelbar am Rhein nahe der Grenze zu Horchheim eine Roggenmühle errichtet hatte, war ein imposanter Industriebau entstanden, dessen Formen einen vornehmen Spätklassizismus atmeten, der seine Berliner Herkunft nicht verleugnen kann. Letztlich sind es sogar Schinkelbauten gewesen,...die Vorbildcharakter getragen haben. Somit ist der Bogen...von der Löhnberger Mühle zum schräg gegenüber liegenden Schloß Stolzenfels geschlagen. Die Mühle war die größte Dampfmühle in Westdeutschland. Sie konnte täglich 100.000 Kilo Getreide mahlen. Die Mühle hatte sogar eine eigene Schiffsrampe, da das Fabrikgelände bis zum Rheinufer reichte. Nachdem die Anlage schon 1911 auf die Produktion von Weizenmehl erweitert worden war, hatte sich der Betrieb fast ausschließlich auf die Vermahlung südrussischen Getreides eingestellt, ehe man den Mühlenbetrieb 1928 ganz einstellte. Ende 1929 erwarb Kurt Kampffmeyer die Mühle, die er Ende 1930 in die Rheinisch-Nassauische Lagerei und Speditionsgesellschaft (später Rheinisch-Nassauische Lagerei und Spedition Kurt Kampffmeyer) überführte. Vor allem Mühlenfabrikate wurden ins In- und Ausland verfrachtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg führte man den Lagerei- und Speditionsbetrieb weiter. 1953 waren 56 Mitarbeiter beschäftigt, genau so viele wie im Jahre 1900, wenige Jahre nach der Gründung der Löhnberger Mühle. 1960 wurden eine Großtankanlage und bald darauf neue Lagerhallen mit einem Fassungsvermögen von 15.000 und 18.000 Tonnen errichtet, weil neben der Spedition von Getreide und Flüssigbrennstoffen neue Umschlaggüter wie Steine, Holz, Eisen und Schrott hinzugekommen waren. Die Fabrikanlagen wurden weiter modernisiert, zwei neue Krananlagen mit einer Kapazität von 4, bzw. 7 t wurden errichtet und der Gleisanschluß zum Bahnhof Niederlahnstein erweitert. 70 Mitarbeiter waren damals beschäftigt. 1983 wurde die Firma in die Rheinisch-Nassauische Lagerei und Spedition GmbH umgewandelt, der Speditionsbetrieb zunehmend von Schiff und Bahn auf LKW verlagert. Heute beschäftigt der Betrieb knapp 30 Mitarbeiter. Im Juni 1890 wurde der Grundstein für die größte Industrieanlage in Niederlahnstein gelegt, die Stettiner Chamotte-Fabrik Actien-Gesellschaft, vorm. Didier. Das Werk suchte neben den Anlagen in Stettin und Gleiwitz einen weiteren Industriestandort in Westdeutschland, um die in den Hütten- und Stahlwerken an Rhein und Ruhr benötigten feuerfesten Steine, die die Hauptproduktion bildeten, liefern zu können, ohne daß ein zu großer Transportaufwand nötig war. Die Ton und Quarzitvorkommen des Westerwaldes gaben den Ausschlag für den Standort Niederlahnstein. Zwischen Bahn und Rhein wurde die Fabrik auf einem Areal von 200 Metern Länge und 33 Metern Breite errichtet. Neben dem Fabrikgebäude waren ein dreistöckiges Direktionsgebäude, ein 2½-stöckiger Wohnbau für die Beamten und zwei Arbeiterwohnhäuser geplant. Um 1900 waren auf der Schamott schon 280 Arbeiter und Beamte beschäftigt. Der Tageslohn für einen Arbeiter über 16 Jahre betrug damals 2,50 Mark und 1,60 Mark für einen Arbeiter unter 16 Jahren. 1899 wurde die Fabrik um ein weiteres Gebäude vergrößert. 1913 kam es zu einem Brand, der eines der Fabrikgebäude zerstörte. Durch die Kriegsereignisse ging die Produktion ab 1915 zurück, doch schon kurz nach Kriegsende konnten wieder 400 Mitarbeiter beschäftigt werden. Nach vorübergehender Stillegung infolge der Weltwirtschaftskrise 1929 wurde der Betrieb mit der Fabrikation von Glaswannensteinen 1937 mit 175 Arbeitern und Angestellten wieder aufgenommen. Im Zweiten Weltkrieg waren Teile des Werkes zerstört worden und die Produktion kam zum Erliegen, konnte aber schon Ende 1945 wieder aufgenommen werden. In den 50er Jahren waren 270 Mitarbeiter mit der Fertigung von Glaswannen- und feuerfesten Steinen beschäftigt. 1958 kam es noch einmal zu einem Großbrand, dem das 1891 errichtete Fabrikgebäude zum Opfer fiel. Als die Nachfrage nach Schamottesteinen ständig zurückging, kam der klassische Produktionszweig in Bedrängnis. Man verlegte sich auf die Produktion von Hochwertsteinen, mußte aber 1979 die Fabrik der Verwaltung des Werkes in Bendorf unterstellen. Doch in beiden Werken wurden Produktion und Belegschaft ständig reduziert, bis sie 1995 geschlossen werden mußten. Heute stellt sich die Frage, ob das Fabrikgebäude als Industriedenkmal erhalten oder ob auf dem Gelände ein Freizeitpark errichtet werden soll. Der Ingenieur Heinrich Reifenrath kam im Jahre 1890 von Herborn nach Niederlahnstein, um dort einen Straßenwalzenbetrieb mit Dampfwalzen zu eröffnen, nachdem er schon seit einigen Jahren Erfahrungen mit solchen Walzen beim Chauseebau gesammelt hatte. Bald hatte er seinen Bestand auf 25 Walzen vergrößert, die er in stetig wachsendem Radius dank des sogenannten Zugsystems einsetzen konnte. Ein solcher Walzenzug bestand aus der Dampfwalze, einem oder mehreren Kohlen- und Wasserwagen und dem Wohnwagen, in dem das Personal kochen und schlafen konnte. Schon 1895 begründete Reifenrath den Straßenwalzen-Betrieb vormals Heinrich Reifenrath GmbH mit Sitz in Niederlahnstein. Als nach der Jahrhundertwende viele Städte und Gemeinden dazu übergingen, die Straßen zu macadamisieren (ein nach dem schottischen Straßenbauer MacAdam benannter Straßenbelag aus Teer, Splitt und Sand) anstatt zu pflastern - weil das billiger war -, vergrößerte sich das Tätigkeitsgebiet der Firma. In ganz Deutschland von Straßburg bis Köln, von Metz bis Hannover wurden neue Niederlassungen gegründet. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges - so verkündete der Firmenkopf eines Geschäftsbriefes - waren über 120 Dampfwalzen von 160 - 500 Ctr. im Betrieb. Die Kriegsverluste waren schnell überwunden, und man konnte neue Walzenbetriebe in Wunsdorf, Hameln und Weimar aufkaufen. Die Dezentralisierung der Firma führte 1923 zur Gründung der Straßenbau-Actien-Gesellschaft Niederlahnstein, der Strabag, die 1929 bereits 2.400 Mitarbeiter beschäftigte. Aus der zweitgrößten Niederlahnsteiner Firma der Jahrhundertwende war eines der größten Straßenbauunternehmen Deutschlands geworden. Mit der Verlegung des Firmensitzes nach Köln ging die Geschichte des Niederlahnsteiner Unternehmens zu Ende, obwohl eine Zweigstelle mit mehr als 100 Beschäftigten heute noch besteht. Auch in Oberlahnstein kam es nach der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer Reihe von Industriegründungen, weil der Standort an zwei Flüssen und zwei Eisenbahnlinien sich als besonders günstig erwies. Eine wechselhafte Geschichte hatte die Maschinenfabrik Otto Kaiser KG in Oberlahnstein hinter sich, als das Firmengelände 1976 vom Globus-Warenhaus übernommen wurde: 1863 Körber & Mayer, 1872 Stühlen & Bieger, seit 1880 Gauhe, Gockel & Cie, Oberlahnstein/Rhein. Oft waren drei Generationen von Lahnsteinern gleichzeitig bei Gauhes beschäftigt. Die Firma, die zunächst Kleingeräte für den Bau herstellte, wuchs schnell heran. Schon bald wurden Dampflokomobile und Baukräne gebaut, die später von Otto- oder Elektromotoren angetrieben wurden. Vor dem Ersten Weltkrieg beschäftigte die Firma bereits mehr als 300 Mitarbeiter. Während des Krieges mußte die Produktion umgestellt werden, z. B. auf Granaten-Rohlinge. Nach dem Krieg ging die Produktion infolge der geringen Nachfrage auf dem Baumarkt zurück. Nach vorübergehender Beteiligung der Georg Arnold AG Neuwied übernahm Dr. Walter Lessing das Werk unter dem bisherigen Firmennamen. Durch den Lizenzvertrag mit einer amerikanischen Baumaschinenfabrik und Lieferverträgen mit Frankreich im Rahmen der deutschen Reparationsleistungen kam die Firma wieder in ruhigeres Fahrwasser, bis die Weltwirtschaftskrise 1929 das Werk an den Rand der Stillegung brachte. Durch die Konstruktion und Fertigung von großen Baumaschinen für den Reichsautobahnbau nach 1933 konnte das Werk wieder zum Erfolg geführt werden. 1938 wurde die Firma von der Maschinenfabrik Otto Kaiser KG, St. Ingbert/Saar erworben und als Zweigniederlassung Oberlahnstein weitergeführt. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb wieder in den Dienst der Kriegswirtschaft einbezogen; es mußten wieder Granaten-Rohlinge und Bombenhülsen hergestellt werden. Auch ein leicht zu transportierender - deshalb in Einzelteile zerlegbarer - Mischer für den Bau von Geschützstellungen der Gebirgsjägertruppe wurde konstruiert und produziert. Nach der Beseitigung der Zerstörungen infolge der Luftangriffe auf Oberlahnstein konnte schon 1945 wieder mit der Produktion von Ersatzteilen für Baumaschinen begonnen werden. Beim Wiederaufbau nach der Währungsreform 1948 waren Baumaschinen aller Art gefragt. Dennoch ging die Maschinenproduktion nach einem kurzen Aufschwung in den 60er und 70er Jahren stetig zurück, teils weil das Hochwasser, das das Fabrikgebäude überspülte, die Firma in Lieferschwierigkeiten brachte, teils weil die Abkoppelung vom Stammwerk im französisch besetzten Saarland zu innerbetrieblichen Schwierigkeiten führte. 1974 wurde deshalb das Werk in Oberlahnstein stillgelegt. Im Jahre 1898 hatte das Frankfurter Farb- und Gerbstoffwerk Carl Flesch eine am Rhein bei Oberlahnstein gelegene Lohmühle erworben, die Josef Neesen bereits seit 1859 zur Fabrikation von Gerbstoffen betrieben hatte. Das Werk bestand bis 1939, als es von der Chemnitzer Firma Zschimmer & Schwarz wegen des verkehrsmäßig günstig gelegenen Produktionsstandortes in Westdeutschland erworben wurde. 1942 wurden die ehemaligen Fleschwerke in Zschimmer & Schwarz Chemische Fabnrik und Gerbstoffwerk Oberlahnstein AG umbenannt. Das Stammwerk in Chemnitz war 1945 völlig zerstört, so daß man sich auf den Ausbau des Oberlahnsteiner Werkes konzentrierte, das stetig modernisiert wurde bis hin zu einer betriebseigenen biologischen Kläranlage, die seit 1980 besteht. 1994 wurde ein teilautomatisiertes, EDV-unterstütztes Hochregallager errichtet. Seit 1960 ist die Firma auch im europäischen Raum und international mit entsprechenden Gesellschaften aktiv. 1871 erwarb die Grenzhausener Firma Schroeder & Stadelmann eine unterhalb der Burg Lahneck gelegene und zu dieser gehörige Mühle an der Lahn, die schon 1508 den Namen Wisze Mole führte. Sie war bis ins 17. Jahrhundert die einzige Mühle in Oberlahnstein und bis 1852 in Betrieb. Danach erwarb die Gewerkschaft Friedrichssegen die Mühle und errichtete dort für knapp zwei Jahrzehnte die Eisenhütte Carolina. Schon in Grenzhausen hatte die Firma Schroeder & Stadelmann Erd- und Mineralfarben aus den Westerwälder Farberdevorkommen hergestellt. Nach der Jahrhundertwende war der Betrieb in Oberlahnstein so stark angewachsen, daß 60 bis 80 Mitarbeiter beschäftigt werden konnten. Inzwischen hatte man sich auf die Fertigung von Eisenoxydrot spezialisiert, das aus Westerwälder Ockersteinen gewonnen wurde. Da der bei der Produktion enstehende Farbstaub die Umgebung rot färbte, war aus der Weißmühle im Volksmund die ruud Mill, die rote Mühle, geworden. Nach und nach hatte die Firma eine Reihe von Grubenkonzessionen im Hunsrück, in Westfalen und in der bayerischen Oberpfalz erworben. Die dort gewonnenen Farberden - Eisenhydroxyd, Goldocker, Siena und Umbra - wurden im Lahnsteiner Betrieb aufbereitet. Abnehmer der Lahnsteiner Produkte waren vor dem Ersten Weltkrieg vorwiegend die skandinavischen Märkte. Nach dem Krieg ging die Produktion bedingt durch die Inflation und Auflagen der französischen Besatzungsmacht stark zurück. Dazu kam die Hochwasserkatastrophe im Winter 1921/22, die zu einer weitgehenden Zerstörung der Fabrikgebäude geführt hatte. Schon einmal war das Werk durch ein verheerendes Feuer heimgesucht worden. Am 6. 1. 1875 war im Lahnsteiner Anzeiger zu lesen: Das Farbenwerk "Weißmühle" der Herren Schröder und Stadelmann ist fast gänzlich abgebrannt. Es soll aber so schnell als möglich wieder aufgebaut werden. Bereits ein Jahr später waren die Schäden behoben und es konnte eine 80 PS starke Jonvalturbine eingebaut werden. Der Wiederaufbau nach der neuerlichen Hochwasserkatastrophe zog sich allerdings bis ins Jahr 1925; doch nun sicherte man das Fabrikgelände durch eine mehrere hundert Meter lange Stützmauer. Während des Zweiten Weltkrieges waren auch die seit 1930 in eine AG umgewandelten Farbwerke in die Kriegsproduktion - man stellte nun Tarnfarben her - einbezogen worden. Nach dem Krieg wurden die Erdfarben zunehmend von künstlichen Eisenoxydfarben verdrängt, so daß die Produktion auf andere Pigmente umgestellt werden mußte. Schon 1956 begann man mit der Fabrikation hochwertiger Kunststoffprodukte. Nach der Übernahme der Firma Sternring Plastic GmbH & Co im Jahre 1964wurden die Farbwerke Schroeder & Stadelmann AG 1968 an die Farbwerke Hoechst angegliedert. Die Farbwerke Schroeder & Stadelmann AG wurde nach vorangegangener Umwandlung in eine GmbH insgesamt an die Mannesmann-Werke mit dem Firmennamen veräußert und trug fortan den Namen Schroeder & Stadelmann Plastic GmbH.Ab 1971 war man in neue Produktionsstätten nach Niederlahnstein umgesiedelt, und Hoechst kaufte den Farbanteil von Mannesmann zurück. Neue Farbmittel, soganannte Masterbatches zum Einfärben von Kunststoffen und Kunstfasern wurden entwickelt, wodurch das Oberlahnsteiner Unternehmen weltweit zu einem führenden Hersteller wurde. Seit 1977 ist die Röchling Sustaplast KG Nachfolger der Schroeder & Stadelmann Plastic GmbH. Seit dem 1.7.1997 wurde der Geschäftsbereich Spezialchemikalien ... mit dem Schweizer Chemieunternehmen Clariant fusioniert. Von nun an firmierte man unter dem Namen Clariant Masterbatch GmbH, Werk Schroeder & Stadelmann GmbH. ... Mit zwei weiteren Standorten in Ahrensburg und Döbeln (belief) sich die Zahl der Mitarbeiter im Jahr 1998 auf 600. Die Gegend um (Ober-)Lahnstein ist gegen den Rhein hin eben und hat sehr fruchtbares Feld, sonst aber ist sie gebirgig ... Auch zwei Mineralquellen und Sauerbrunnen bestehen nahe der Stadt, schreibt der Goßherzoglich Hessische Kirchen- und Schulrat Dahl aus Darmstadt in seiner Geschichte der Stadt Lahnstein und der Burg Lahneck aus dem Jahre 1827. Schon ein Jahr früher war in Hamm ein Buch des Prof. Chr. Fr. Harless Die salinisch eisenhaltigen Gesundbrunnen am Niederrhein, in der Eifel, am Mittelrhein und auf dem Hunsrücken erschienen, in dem zu lesen stand: Diese Brunnen, vorzüglich der Oberlahnsteiner Säuerling, verdienen es gar sehr, daß sie auch in weiteren Kreisen und in dem ferneren Auslande nach ihrem arzneilichen Werte mehr...gewürdigt werden. Gleich sieben Mineralquellen in der Umgebung von Lahnstein nennt eine Untersuchungskommission der Herzoglich Nassauischen Regierung von 1855, eine davon - ein eisenhaltiger Säuerling - am Wege nach Braubach gelegen. 1879 berichtet der Lahnsteiner Anzeiger, daß der Privatier Herr Best auf seinem Grundstück gegenüber dem Rhenser Mineralbrunnen bei Probebohrungen auf eine Quelle gestoßen sei. Das von Herrn Best geförderte Wasser soll den natürlichen Gehalt an Kohlensäure in höherem Maße besitzen als das Rhenser Wasser... und wurde die wiederaufgefundene Quelle Victoriabrunnen benannt. Best verkaufte 1881 seinen Brunnen - nachdem er eine zweite Bohrung ganz in der Nähe erfolgreich hinabgebracht hatte - an die Firma Rommenhöller & Comp. in Rotterdam und später - 1889 - auch den zweiten Brunnen ebenfalls an die inzwischen in die AG zum Betriebe des Victoria-Brunnens umbenannte Rommenhöllersche Firma. Es kann nicht fehlen, daß bei den vielfältigen Verbindungen, welche den neuen Besitzern zu Gebote stehen, schon in kurzer Zeit der Absatz ein sehr bedeutender werden wird, und ist das Werk jetzt auf eine jährliche Produktion von 1.000.000 Krügen resp. Flaschen eingerichtet. Um die Jahrhundertwende waren etwa 65 Personen beschäftigt; mehr als die Hälfte davon waren weibliche Arbeitskräfte, eine Seltenheit in damaliger Zeit. Das Mineralwasser des Victoria-Brunnens in Lahnstein hatte schon viele internationale Preise gewonnen, als die Quelle 1919 versiegte. Aber eine Bohrung in unmittelbarer Nachbarschaft stieß auf eine neue Quelle, so daß der Betrieb weiterhin florierte, bis er im Zweiten Weltkrieg zu 85 % zerstört wurde. Seit dem Wiederaufbau sprudelt das Victoria-Mineralwasser erneut aus einer Tiefe von 429 Metern. Seit 1961 ist die Quelle Victoria Brunnen in Oberlahnstein ... ein thermaler Natrium-Hydrogencarbonat-Säuerling ... als Heilquelle staatlich anerkannt. Vier verschiedene Wassersorten werden heute vermarktet. Am 4. Juli 1999 wurde eine schöne alte Gepflogenheit wiederbelebt. An der Rheinpromenade unterhalb des Victoriabrunnens sprudelt wieder das original aus dem Erdreich entspringende Mineralwasser für alle Besucher der Stadt. Der Hintergrund für die Eröffnung dieser Quelle am Brunnenstein ist eine Verpflichtung, die der Brunnenbetreiber 1881 eingegangen ist und die besagt, daß die Bewohner von Ober- und Niederlahnstein jeden Samstag von 1 Uhr ab Krüge und Flaschen gegen Vergütung von 8 Pfg. pro Stück sich selbst füllen lassen können. Unbemittelte Kranke oder Leidende, denen das Trinken von Mineralwasser ärztlicher Seits verordnet wird, können das Victoria-Wasser gegen ärztliche Bescheinigung zu jeder Zeit gratis holen lassen. Schon 1894 war in Amsterdam eine Gesellschaft zum Betrieb von Mittelrheinischen Kohlensäurewerken gegründet worden, die von der Victoria-Brunnen AG in Oberlahnstein Gebäude und Einrichtungen zur Verflüssigung von Kohlensäure übernommen hatte. Nachdem 1967 die neugegründete Thermalbad GmbH einen Wasserlieferungsvertrag mit der Victoria-Brunnen AG und dem Rheinischen Kohlensäurewerk abgeschlossen hatte, konnten 1973 die Kurthermen in Lahnstein eröffnet werden, die sich seither steigender Beliebtheit erfreuen. Auf dem linken Lahnufer, gleich vor der Lahnbrücke, errichtete 1910 Georg Löbbecke eine Papierfabrik, die durch den kugelförmigen Wasserturm weithin sichtbar war. Schon vor dem Ersten Weltkrieg wurden viele Sorten von Papierwaren - Klosettpapier, Mund-, Tisch- und Handtücher, auch Kreppapiere und Papiersäcke - hergestellt, die vorwiegend ins Ausland exportiert wurden. Als nach dem Kriege zwei Pergamentpapiermaschinen angeschafft worden waren, war das Lahnsteiner Werk zu einem führenden Hersteller auf diesem Sektor geworden. Dennoch geriet die Firma in den Jahren der wirtschaftlichen Flaute in finanzielle Schwierigkeiten, so daß es 1926 zur Zwangsversteigerung kam. 1927 wurde die Fabrik von der englischen Inveresk Paper Co. Ltd. übernommen, wodurch dem Unternehmen der englische Absatzmarkt entzogen worden war. Nach einem Großbrand im Jahre 1927, dem ein Teil der Fabrikgebäude und des Rohstofflagers zum Opfer gefallen war, wurde das Werk an die Königsberger Zellstoff Fabriken und Chemische Werke Koholyt AG verkauft, die 1930 von der Feldmühle AG übernommen wurde. Damit nahm das Oberlahnsteiner Werk als Hersteller von Papiersorten, die von anderen Feldmühle-Fabriken nicht gemacht werden, einen geschätzten Rang ein. Schon gegen Ende und besonders nach dem Zweiten Weltkrieg fertigte man neben verschiedenen Krepp-Papieren auch Pergamentpapier für Fettverpackungsmaterial, außerdem Synthetikfaserpapiere, z. B. für Kfz-Scheine und Ausweise, außerdem Vliesstoffe für unterschiedliche Anwendungen. Die Papierfabrik Lahnstein GmbH war seit 1992 im Besitz der Züricher Papierfabrik an der Sihl. Doch infolge der Konzentration auf "faserverstärkte Papiere und Vliesstoffe" mußte ein neuer Mutterkonzern gesucht werden, der sich in dem in Vermont / USA ansässigen Papierhersteller FiberMark Inc. anbot. Von diesem Konzern wurde die ehemalige Papierfabrik 1999 zu einem Kaufpreis von 41,5 Millionen Mark als zehnter Produktionsstandort übernommen. Z. Zt. sind etwa 220 Mitarbeiter am Standort Lahnstein beschäftigt. Seit 1911 gab es in Oberlahnstein eine zweite Fabrik, die Farben herstellte. In diesem Jahr nämlich hatte Hermann Kriens an der Braubacher Straße eine Chemische Fabrik gegründet, die neben Farben auch Schmierstoffe herstellte. 1928 übernahm Jakob Bollinger die Fabrik, die fortan Jakob Bollinger & Co firmierte und in der auch Kaltasphalt für den Straßenbau produziert wurde. Im zweiten Weltkrieg stellte die Firma ebenso wie Schroeder & Stadelmann Tarnfarben her. Bald nach dem Krieg nahm das Werk die Herstellung von Schaumgummi auf, ging aber 1951 in Konkurs. Ein Teil des Betriebsgeländes wurde nach der Übernahme durch die Hamburger Firma Hansing & Bazoche von den Didierwerken genutzt, der andere Teil wurde an die Condorwerke GmbH-KG verpachtet. Aber schon 1957 stellten die Condorwerke die Produktion ein. Ein Jahr später erwarben die Dortmunder Philippinewerke die gesamte Anlage und verlegten den Firmensitz nach Oberlahnstein als Kunststoffwerk Philippine GmbH & Co KG. Nach dem Wiederaufbau des durch einen Großbrand im Jahre 1963 zum Teil zerstörten Fabrikgeländes verlegte man sich hauptsächlich auf die Produktion von Innenausstattungen für die Automobilindustrie. Dazu ist als weiterer Produktionszweig die Herstellung von Schaumformteilen für die Verpackungsindustrie aufgenommen worden. Zur Zeit beschäftigt das Werk, das sich ganz in Familienbesitz befindet, etwa 250 Mitarbeiter. Im April 1894 kaufte Franz J. Fohr aus Ransbach, wo er mit seinen Brüdern eine Brauerei betrieb, eine am Südrand der Stadt gelegene kleine Bierbrauerei, die die Gebr. Junker dort 1870 errichtet hatten, für den Kaufpreis von 26.000 Mark. Fohr nannte den Betrieb fortan St. Martin Brauerei Oberlahnstein.Unter seiner Leitung wurde ber Betrieb bis 1898 durch Einbau eines Dampfsudwerkes und Installation einer elektrischen Kraftstromanlage modernisiert. Besondere Beachtung fand die Errichtung einer großen Eismaschinenanlage, die das in Gefäßen befindliche reine Trinkwasser innerhalb von 6 Stunden zu einem Block friert. Mit dem so erzeugten Kunsteis, welches an Reinheit dem Natureis vorzuziehen ist, wurden in besonders dafür eingerichteten Kühlwagen - damals noch von Pferden gezogen - die Gastwirtschaften in der Stadt und in der Umgebung für ihre Kühlanlagen beliefert. Auch im neuen Jahrhundert wurde der Betrieb weiter modernisiert. Mit dem Erweiterungsbau von 1906 wurden Kühlschiff und Kühlapparate installiert sowie Gärkeller und Lagerkeller eingerichtet. Selbst während des Ersten Weltkrieges im Jahre 1915 konnte noch ein neues Kesselhaus mit zwei Dampfkesseln errichtet und ein neuer Kunsteisgenerator aufgestellt werden. Nach dem Kriege folgte eine Flaschenabfüllanlage, mit der 1200 Flaschen stündlich abgefüllt werden konnten. Nach dem Tode von Franz Fohr im Jahre 1940 verkaufte seine Witwe den Betrieb an die beiden Neffen Hugo und Wilhelm Fohr. Seit 1955 führte Wilhelm Fohr den Betrieb alleine weiter, den er in eine KG umwandelte. Nach Beseitigung der nicht unerheblichen Kriegsschäden wurde die Brauerei weiter modernisiert, z. B. durch eine neue Flaschenabfüllanlage, die eine zehnmal höhere Kapazität hatte als die alte Anlage. 12.000 Flaschen konnten nun täglich abgefüllt werden. 1968 erwarb die St. Martin Brauerei als erste Brauerei ein deutsches Patent für die Herstellung eines alkoholfreien Bieres. Heute wird die Brauerei von Dr. Rainer Fohr geleitet, dessen Sohn Markus seit 1989 ebenfalls der Firma angehört. In den letzten Jahren wurden vor allem umweltschonende Maßnahmen durchgeführt. So werden seit 1987 die Abwässer erst nach einer Vorklärung in die städtische Kanalisation eingeleitet; seit 1996 werden auch die anfallenden Feststoffe recyclet. Heute hat die St. Martin Brauerei sechs verschiedene Biersorten im Angebot. Die Erzvorkommen im Lahngebiet waren für die nassauische Wirtschaft und nach 1866 auch noch in preußischer Zeit von erheblicher Bedeutung. Die geförderten Erze wurden größtenteils lahn- und rheinabwärts zu den Hochöfen der Hüttenwerke im Ruhrgebiet befördert. Davon profitierte zunächst die Lahnschiffahrt, später die Eisenbahn, die sicherer und kostengünstiger transportieren konnte. So wanderten die lahntalnah abgebauten Erze auf dem Wasser- und später auf dem Schienenweg zur "Kohle". Schon die Mainzer Erzbischöfe hatten in Oberlahnstein beim heutigen Friedrichssegen seit 1220 Schürfrechte erworben. Nach der Errichtung des Herzogtums Nassau 1806 wurde eine Bergwerksgewerkschaft gegründet. Der damalige Verwalter der Grube war der nassauische Berg- und Hüttenkommissar Wilhelm Christian Stoeckicht, dessen Sohn seit 1823 das Werk weiterführte. 1851 übernahm Direktor Carl Heberle sen. die Verwaltung der Grube, die 1852 an die Familie Boudon aus Paris verkauft werden mußte. 1858 wurde die erste Dampfmaschine aufgestellt, der bald weitere folgten. Die Erze wurden in Stollen abgebaut, aber schon bald wurde der sogenannte Tagschacht abgeteuft, der 1884 bereits eine Tiefe von 483 Metern erreicht hatte. Weil der Hauptförderstollen, der Heinrichsstollen, und die Aufbereitungsanlagen 2,5 km von der Versandstation entfernt lagen, mußte wegen der erheblichen Höhendifferenz, die im engen Tal zu überwinden war, eine besondere Transportbahn angelegt werden, die die Steigungen durch eine Zahnsradunterstützung auf einem zusätzlichen Zahnstangengleis überwinden konnte. Das geförderte Mischerz mußte vor dem Abtransport geschieden werden, was zunächst an Klaubetischen durch Handarbeit und dann nach weiterer Zerkleinerung des Materials durch eine elektromagnetische Anlage geschah. Während der Bergwerksbetrieb zunächst florierte, ging er gegen die Jahrhundertwende zurück. Die Grube Freidrichssegen war ausgebeutet, so daß das Interesse der französischen Betreiber erlahmte und das Werk wiederum veräußert werden mußte. Nachdem die Grube, die zwischenzeitlich als Gewerkschaft Blei- und Silberhütte Friedrichssegen fortgeführt woden war, seit 1904 als Bergwerks-Aktiengesellschaft Friedrichssegen firmierte, stieg die Zahl der beschäftigten Bergarbeiter noch einmal deutlich an, um nach 1906 zunehmend abzufallen, bis die Grube 1913 in Konkurs gehen mußte. Aufbereitungsversuchen auf den Halden des Grubengeländes nach dem ersten und zweiten Weltkrieg war kein dauerhafter Erfolg beschieden. Im Jahre 1892 wurde vor Friedrichssegen ein Tonwerk gegründet, das sich Dampfziegelei Friedrichssegen nannte. Um die Jahrhundertwende wurden vor allem Mauersteine hergestellt, für die der Ton von der bei Koblenz-Horchheim gelegenen Schmittenhöhe über eine mehr als 2,5 km lange Drahtseilbahn in das Friedrichssegener Werk befördert wurde. Im Jahre 1911 wurde die Ziegelei an die Nassauische Tonindustrie Gebr. Lachs Düren veräußert und ging am 1. 11. 1913 in den Besitz der Familie Edelhoff über, die das Werk über zwei Generationen zu Stand und Ansehen gebracht hat. Das Edelhoff KG Ton- und Dachziegelwerk Friedrichssegen, wie sich die Firtma seit 1937 nannte, stellte vielfältige Ziegelerzeugnisse her. Vor allem aber durch den im eigenen Labor entwickelten EDELHOFF-Ton-Dachziegel erlangte das Werk weite Anerkennung. Nach Durchwandern der modernsten Ton-Aufbereitungsmaschinen, wie Kollergängen, Walzwerken und Sumpfanlagen (wurde) der Ton für die Verformung der verschiedenen Ziegelerzeugnisse aufbereitet. Nach der Trocknung wurden die gepreßten Rohlinge in sogenannten Zick-Zack-Öfen bei ca. 1000 ° C gebrannt. Als ein Brand im Jahre 1957 einen Großteil der Werksanlagen vernichtet hatte, modernisierte man die Fabrikation durch einen 1959 errichteten Tunnelofen, so daß täglich 25.000 Dachziegel das Werk verlassen konnten. Aber nach wirtschaftlichen Mißerfolgen mußte die Fabrik 1964 an die Bergbaugesellschaft Marx veräußert werden, die bis 1999 lediglich Tonprodukte zur Verwendung in Gärtnereibetrieben und für die Langschaftspflege herstellte. Seit März 1999 ist die Fabrik geschlossen.
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