Das Kur- und Stadtmuseum Bad Ems
präsentiert den römischen Limes
Hans-Jürgen Sarholz
Der Limes, dessen
Aufnahme in das Weltkulturerbe der UNESCO beantragt ist, führt quer durch
das Kreisgebiet. Seine Geschichte und seine Bedeutung als Kulturdenkmal
erläutert Dr. Cliff Jost in seinem Beitrag (s. S. ...). Das Bad Emser Kur-
und Stadtmuseum hat dazu in enger Zusammenarbeit mit Dr. Jost von der
Archäologischen Denkmalpflege, Amt Koblenz, eine Ausstellung erarbeitet, die
wegen ihrer Bedeutung für die gesamte Region vom Museumsverband
Rheinland-Pfalz und von der Stiftung Initiative und Leistung der
Nassauischen Sparkasse gefördert wird. Neben eigenen Beständen steuerte vor
allem das Museum Wiesbaden zahlreiche Funde bei, da Bad Ems bis zum Zweiten
Weltkrieg zum ehemaligen preußischen Regierungsbezirk Wiesbaden gehörte und
dort die für die Bodendenkmalpflege zuständigen Behörden saßen. Heute fällt
das Gebiet des Rhein-Lahn-Kreises in die Zuständigkeit des Amtes Koblenz der
Archäologischen Denkmalpflege. Von dort wurde zum Beispiel 2002 die
Notgrabung in der großen Baugrube im Bereich des Kastells Ems durchgeführt,
und so sind auch diese Funde Teil der Ausstellung.
Die römischen Funde
stießen bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts in der privaten Sammlung
von August Vogelsberger auf reges Interesse des Kurpublikums im damaligen
Weltbad. Selbstverständlich erhielt auch das 1906 eingerichtete Museum von
Anfang an ein „Altertumszimmer“.
Angereichert wurde die
Ausstellung mit einem attraktiven Begleitprogramm, das einen Vortrag,
Limes-Wanderungen und Aktivitäten für Kinder und Jugendliche enthält. Im
Winter 2003/2004 wird aus der Ausstellung eine erweiterte Römer-Abteilung
des Kur- und Stadtmuseums erarbeitet. Funde aus dem Limesabschnitt des
gesamten Kreisgebietes, von Arzbach bis Holzhausen, werden hier dauerhaft zu
sehen sein. Das Museum übernimmt damit eine wichtige Rolle bei der
Vermittlung dieses so bedeutenden Abschnitts der regionalen Geschichte und
wird auch langfristig eine sinnvolle Ergänzung zum geplanten
Limes-Informationszentrum in Pohl wie auch zu anderen Museen sein. Funde und
anschauliche Informationstafeln vermitteln das römische Leben am Limes in
drei Schritten:
Zunächst geht es um die
Bedeutung des Limes innerhalb des römischen Weltreichs, das mit seinen
Provinzen auf einer großen Wandkarte zu sehen ist. Militärische Funktion und
Aufbau des Limes werden erläutert und an einem Modell anschaulich
dargestellt. Auch die Erforschung des Limes und seine heutige Bedeutung als
archäologisches Denkmal wie auch als touristische Attraktion im
Rhein-Lahn-Gebiet werden deutlich.
Im zweiten Teil wird
der Limes im Kreisgebiet, von Arzbach bis Holzhausen, vorgestellt. Dabei
zeigt sich, dass er gerade auf den bewaldeten Hochflächen unserer Heimat
noch recht gut erhalten ist. Nicht zuletzt die Luftbildarchäologie bringt
hier neue Erkenntnisse. Angereichert wird diese Beschreibung mit
interessanten Funden aus den Kastellen Arzbach, Marienfels und Holzhausen,
vor allem aber aus dem Kastell Ems.
Schließlich geht es in
einem dritten, thematischen Teil um wichtige Aspekte des römischen Lebens
und der römischen Kultur am Limes: Alltag, Bauen und Wohnen, Handel und
Verkehr, Religion und Kult. Dabei wird deutlich, dass Rom weit mehr als eine
Militärmacht war. Hochwertige Keramik zeugt vom hohen Stand der
Alltagskultur, Ziegel, Verputz und die Überreste komfortabler
Fußbodenheizungen aus den Kastellbädern weisen einen Stand der Zivilisation
nach, der Jahrhunderte später, im Mittelalter, in unserer Region längst
nicht mehr erreicht wurde. Römisches Geld, mit dem man an der Lahn ebenso
wie in Nordafrika und auf Zypern bezahlen konnte, Amphoren, in denen Wein
und Olivenöl vom Mittelmeer bis auf den Taunus transportiert wurden, stehen
für einen gewaltigen Wirtschaftsraum. Verglichen mit seiner räumlichen und
zeitlichen Ausdehnung steckt die Europäische Union unserer Tage noch in de
Kinderschuhen.
So zeigt sich, dass es
beim Limes um viel mehr geht als um Erdwälle im Wald. Die Ausstellung im
Kur- und Stadtmuseum Bad Ems lädt ein zu einer spannenden Reise in die
römische Geschichte unserer Heimat.
Kur- und Stadtmuseum,
Römerstraße 97, 56130 Bad Ems
Tel. 02603/3572,
sbems@rz-online.de,
www.bad-ems.de
Öffnungszeiten: dienstags bis freitags sowie sonn- und feiertags 14.00 bis
17.00 Uhr, Oktober bis März: mittwochs und freitags, 14.00 bis 17.00 Uhr.