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1000 Jahre Stadtgeschichte: Die Bevölkerung im Dorf Ems lebte bis zum 19. Jahrhundert überwiegend von der Landwirtschaft. Die Sense rechts des Eingangs erinnert an sie. Vom Mittelalter bis weit in das 20. Jahrhundert hinein wurde an den Südhängen auch Wein angebaut. Durch den Aufstieg zum Weltbad änderte sich die Erwerbsstruktur. Handwerk und Gewerbe prägten das Leben in der Stadt. Im Kurviertel siedelte sich ein auf die Bedürfnisse der Gäste spezialisiertes Kurgewerbe an: Hotels, Schmuck- und Andenkenläden, Dienstleistungen. Um sie ging es auch bereits in der Abteilung Kurgeschichte (Raum 1).
Die Hochvitrine links zeigt Gegenstände aus Handwerk und Gewerbe. Die Bleiwaage fand Verwendung im Baugewerbe der frühen Neuzeit. Typisches Handwerk ist vertreten durch die Schneiderellen und die Brotschaufel aus einer Bäckerei, allerdings aus Arzbach. Das Zunftfass von 1786 geht wohl auf die ein Jahrhundert zuvor begründete Bad Emser Bäckerzunft zurück. Allerdings hatte die Zunft in Bad Ems nie Bedeutung. Die Handelsgwichte sind mit "HN" für Herzogtum Nassau bezeichnet und waren Mitte des 19. Jahrhunderts in den Bad Emser Geschäften in Gebrauch. Die Vielfalt des Gewerbes spiegeln die Annoncen aus der Kurzeitung von 1906 wider. Die Paketwaage stammt aus der Buchhandlung Kirchberger, die über ein Jahrhundert zum heimischen Gewerbe gehörte, bis die jüdische Familie von den Nationalsozialisten in Auschwitz und Theresienstadt umgebracht wurde. Die Bildleiste an der linken Wand gibt einen Überblick über die Stadtgeschichte. Ems, eine fränkische Siedlung aus dem 6. Jahrhundert , wurde 880 n. Chr. erstmals urkundlich erwähnt. Seit 1405 teilten sich die Grafen von Nassau die Landesherrschaft mit den Grafen von Katzenelnbogen, seit 1479 mit den Landgrafen von Hessen. 1324 erhielt Ems Stadtrechte, 1379 auch Marktrechte, blieb aber auf der Stufe einer Minderstadt. Um 1530 wurde die Reformation eingeführt. Aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) stammen teilweise die Kanonenkugeln und die Uniformteile eines in Bad Ems bestatteten schwedischen Offiziers. Ems wurde damals verwüstet und war zeitweise ganz verlassen. 1629 und 1631 wurden mehrere Frauen Opfer der Hexenverfolgungen. Der Spieß (Bahnofsviertel) mit dem Mainzer Haus (Mainzer Straße 1) gehörte zu Oberlahnstein und damit zu Kurmainz. Von der "Kleinstaaterei" in der Region zeugen auch die Grenzsteine, die im Eingangsbereich des Museums (Raum 1) aufgestellt sind, aber auch die alten Landkarten im Flur gegenüber Raum 6. Die Grenzsteine zeigen u. a. das Mainzer Rad, das Wappen von der Leyen, die Stein’sche Rose und den Emser "Krähenfuß". 1806 bis 1866 gehörte das ganze untere Lahngebiet zum Herzogtum Nassau, danach zu Preußen. In der Tischvitrine links gibt die Gemeinderechnung von 1719 einen Überblick, wie sich Einnahmen und Ausgaben der Vogtei Ems im 18. Jahrhundert zusammensetzten. Längst ausgedient hat die Ortsschelle, mit der der Gemeindediener bis um 1900 die öffentlichen Bekanntmachungen ausrief. Symbole der Gemeinde waren Siegel und Wappen. Die Siegel aus dem 18. Jahrhundert gehen auf die Figur des mittelalterlichen Schutzpatrons, des Hl. Martin zurück. Diese Figur wurde im 1908 eingeführten Stadtwappen aufgenommen. Den Entwurf des Stadtwappens genehmigte Kaiser Wilhelm II. persönlich. Die große eisenbeschlagene Truhe des Gerichts zu Ems aus dem 16. oder 17. Jahrhundert diente der Aufbewahrung wichtiger Dokumente wie auch der Gemeindekasse. Bemerkenswert ist vor allem das handgearbeitete, kunstvolle Schloss. Zur Stadtgeschichte gehört auch die Geschichte von Kirchen und Gotteshäusern. Die evangelische Martinskirche aus dem 12. Jahrhundert ist die alte Dorfkirche von Ems. Reinermanns Stich zeigt die Kirche im frühen 19. Jh. Das Weihwasserbecken ist noch aus vorreformatorischer Zeit, also aus dem Mittelalter, der Opferstock wohl aus dem 15. Jahrhundert. Die Spießer Kapelle Maria Königin ließ der katholische Landgraf Ernst von Hessen 1661 erbauen. Ihr Bauplatz lag damals außerhalb der protestantischen Vogtei Ems auf Gelände der kurmainzischen und damit katholischen Stadt Oberlahnstein. Erst 1876 wurde das Gebiet an Bad Ems abgetreten. Als im 19. Jahrhundert der Anteil der Juden an der Bevölkerung wie auch an den Kurgästen zunahm, wurde 1837 eine Synagoge in der Römerstraße (65) erbaut. Sie wurde in der Reichsprogromnacht verwüstet, aber erst 1955 abgerissen. Aus ihr stammt das Fenster. In der Tischvitrine rechts liegt ein kleines Pergament mit einem Bibeltext. Es wurde in einem Metallbehälter im Türpfosten des einst jüdischen Hauses Koblenzer Straße 15 gefunden. Hier war vor der Erbauung der Synagoge der Gebetssaal der jüdischen Gemeinde. (Die Synagoge) Die Englische Kirche wurde 1857 für Kurgäste aus Großbritannien errichtet. Es war die erste anglikanische Kirche in Deutschland im 19. Jahrhundert. Kelch und Opferteller in der Tischvitrine sind aus dieser Zeit. Die kleine Kirche stand auf dem Grundstück des heutigen Hauses Villenpromenade 9 und wurde 1956 niedergelegt. Für russische Kurgäste, die um 1860 jährlich zu hunderten nach Bad Ems kamen, wurde 1876 die Russische Kirche erbaut. Sie ist eine der ältesten orthodoxen Gotteshäuser in Deutschland.
Kelch und Opferteller aus der Englischen Kirche, 1858 Als die Kurstadt Ende des 19. Jahrhunderts rasch wuchs, errichteten die beiden großen Konfessionen neue Gotteshäuser. Die neugotische katholische Pfarrkirche St. Martin wurde 1876 vollendet, der Turm wurde erst sechs Jahre später aufgesetzt. Ausgestattet wurde sie mit einer Orgel von Cavallé-Coll, einem der bedeutendsten Orgelbauer des 19. Jahrhunderts. Von diesem 1962 ersetzten Instrument ist die Orgelpfeife als Erinnerung erhalten. Am Bau der evangelischen Kaiser-Wilhelm-Kirche, die 1899 eingeweiht wurde, hatte Pastor Friedrich von Bodelschwingh, Leiter der Anstalt zu Bethel und Kurgast in Bad Ems, maßgeblichen Anteil. In Bad Ems gründete Johann Christian Schöler 1748 eine Orgelbauerwerkstatt (Haus Rosengarten, gegenüber Kursaal), die bis 1837 bestand. Seine erste Orgel baute er für die Martinskirche. In der Spießer Kapelle steht die letzte Bad Emser Schöler-Orgel. |