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Kurleben Die warmen Quellen waren nur eine Seite des Kurbetriebs. Die andere Seite war das gesellschaftliche Leben, die Plauderei im Café, das Sehen und Gesehen werden auf der Promenade, auf Bällen, in Konzerten, der Ausritt zu Pferde oder Esel und das prickelnde Erlebnis des Glücksspiels. So bot der kleine Badeort dem verwöhnten internationalen Publikum, das alljährlich aus den Metropolen Europas anreiste, ein beachtliches Spektrum an Zerstreuung. Die Emser Spielbank ist seit 1720 bekannt und damit eine der ältesten Deutschlands. Gespielt wurden früher Karten- und Würfelspiele, das Roulette setzte sich erst im frühen 19. Jahrhundert durch. Der im Museum ausgestellte Roulettekessel soll der älteste Deutschlands sein. Er stammt aus der Zeit um 1815 und hat noch die doppelte "0". Die zugehörige Elfenbeinkugel und ein Rateau liegen in der Tischvitrine vor der Treppe. Die Spielbank, zunächst in einem kleinen Gesellschaftssaal untergebracht, finanzierte 1839 den Bau des neuen, repräsentativen Kursaals.
Die Säulen und Abbildungen im Museum erinnern an den Marmorsaal, der nach Vollendung des Kursaals zum Mittelpunkt des Kurlebens wurde. Hier traf man sich, wie es die Stiche zeigen, zum Ball, hier lauschte man Franz Liszt und Paganini, Clara Schumann und Jenny Lind, deren Konzertankündigung in der Tischvitrine ausliegt. Ab 1858 stand Jacques Offenbach am Dirigentenpult des Emser Kursaal-Theaters und brachte seine Werke zur Aufführung. In einem eigenhändigen Brief Offenbachs geht es um die Uraufführung von "Bavard et Bavarde" 1862 im Kursaal. Schauplatz all dieser Ereignisse blieb der Marmorsaal, bis 1914 das Kurtheater angebaut wurde. Die Spielbanken wurden in Deutschland 1872 geschlossen. Erst seit 1987 rollt wieder die Kugel im Kursaalgebäude. Jetons des ersten Spiels sind in der Tischvitrine vor der Treppe zu sehen. |