Nassauische Kleinbahn
Im
Juli 1898 wurde in Berlin die "Nassauische
Kleinbahn-Aktiengesellschaft" (N.K.A.G.) gegründet mit
Unterstützung des preußischen Staates, der Landkreise St.
Goarshausen und Unterlahn (heute zum Rhein-Lahn-Kreis vereint)
und des Regierungsbezirks Wiesbaden.
Vom Bahnhof Nastätten, in dem auch Betriebsleitung, Lokschuppen und Reparaturwerkstatt eingegliedert waren, fuhren Züge nach St. Goarshausen/Rhein (16 km), nach Zollhaus/Aar (28 km) und nach Braubach/Rhein (20 km), für wenige Jahre sogar am Rhein entlang bis Oberlahnstein.
Ein typischer Personenzug bestand in der Regel aus einer etwa 200 PS starken C-Tenderlok,
ein bis zwei Reisezugwagen und einem "Packwagen" mit Postraum und einseitiger Kurzplattform. Der Anstrich war dunkelgrün. Über breite Trittbretter konnten Zugführer oder Schaffner während der Fahrt von Wagen zu Wagen wechseln und bei Bedarf die Bremsen betätigen. Die Höchstgeschwindigkeit betrug rund 30 Stundenkilometer. Der Gütertransport spielte eine sehr wesentliche Rolle. Dazu gab es eine ganze Reihe von Spezial-Güterwagen: "Selbstentlader" für Erze, Trichterwagen für Getreide, Muldenwagen für den Kalksteintransport.
Die Bedeutung der Nassauischen Kleinbahn lag in der Verkehrserschließung des Raumes. Neben der landwirtschaftlichen Struktur konnte sich eine Gewerbestruktur entwickeln. Was die Nassauische Kleinbahn einst für den westlichen Taunus bedeutete, mögen einige Zahlen verdeutlichen. Zwischen 1904 und 1913 beförderte die Bahn jährlich rund 200.000 Fahrgäste, im Kriegsjahr 1942 waren es fast 93.000 und 1947 sollen es über 700.000 Personen gewesen sein, die die Züge hoffnungslos überfüllten. Über 200.000 Tonnen Frachtgut transportierte die Kleinbahn schon in den ersten Jahren ihres Bestehens. 1913 war mit 350.000 Tonnen Gütern ein Spitzenjahr in der wechselvollen Geschichte des "Bimmelbähnchens".
1920 wurde bereits die Strecke Braubach/Oberlahnstein abgebaut, 1932 die Strecke Miehlen/Braubach, der Güterverkehr verlagerte sich immer mehr auf die Straße. 1957 wurde der Schienenverkehr nach St. Goarshausen, 1958 bis Hohlenfels eingestellt. 1962 kam die Einstellung der Strecke Hohlenfels/Zollhaus, 1977 Braubach/Rheinhafen und Blei- und Silberhütte.
An die Nassauische Kleinbahn erinnern heute nur noch die Busverkehrsgesellschaft und das Gebäude des Nastätter Bahnhofs sowie weitere kleine Bahnhöfe und die letzte Lok an der Umgehungsstraße in Nastätten.