Schuster-Schuhmacher

Im Mittelalter gab es die Stadtschuster. Sie hatten eine Zunftordnung und fertigten normal nur neue Schuhe und Stiefel an, machten aber auch Reparaturen. Bei uns trugen sie ihre neuen Schuhe auf dem Schusterweg von Nastätten bis Frankfurt. Daneben gab es den Flickschuster. Auf dem land gab es noch den Hausschuster. Er ging von Haus zu Haus und benötigte für die Arbeit von einem Paar neuer Schuhe meist nur einen Tag. Sein Handwerkszeug trug er in einem Sack oder Beutel mit sich. Lederschuhe konnten sich meist nur begüterte leisten. Auch sie trugen oft werktags Holzschuhe und sonntags Lederschuhe. Im 19. Jahrhundert verschwanden die Holzschuhe und wurden durch Lederschuhe ersetzt. Es entwickelte sich bereits eine Schuhmode, die von besonders spezialisierten Schustern hergestellt wurde - diese nannten sich Schuhmacher. Um 1840 gab es im nassauischen Nastätten 106 Schuhmacher - genau so viel wie Leinenweber. Unser Schuhmacherwerkstatt diente der Herstellung und der Reparatur von Schuhmacherwerkstatt diente der Herstellung und der Reparatur von Schuhwerk. Sie war oftmals in der Küche, Wohnstube oder neben der Schlafkammer des Altmeister-Ehepaares untergebracht.

Herstellung eines Schuhes:

Jeder Kunde hatte seinen Leisten, den man dem Fuß immer wieder neu anpaßte. Das Schaftleder paßte man dem Leisten an, schnitt es zu und vernähte alles. Als nächstes wurde die Brandsohle zugeschnitten, gemeinsam mit dem Schaftleder und der Brandsohle auf den Leisten aufgenagelt. Die Hinterkappe wurde zugeschnitten, geschärft, in den Schuh eingebaut und abgezwickt. Mit der Schuhahle stach man Löcher und nähte mit dem Hanfgarn Schuhschaft, Brandsohle und die Hinterkappe fest. Danach wurden die Paßnägel gezogen und durch Holznägel (Pinnen) ersetzt. Schließlich legte man den Rahmen und die Ledersohle auf und nagelte sie ebenfalls fest. Als nächstes putzte man den Schuh mit der Raspel innen aus und glättete die Sohle mit Messer und Glas. Anschließend wurde der Absatz befestigt und die Pinnen mit einem Pinnlöffel entfernt. Oft benagelte man die Schuhsohle und den Absatz noch mit Schuhnägeln und Eisenplättchen.

1. Regal für Leisten - Leisten dienten als Modell. Über den Leisten wurde das Leder gezogen und angepaßt. Eine Vielzahl von Kleingeräten vervollständigte das Handwerksgerät. Spitzeisen, zum Anreißen der Risse, Zierrädchen, Dickschnitteisen, Ausputzeisen, Gelenkeisen, Brenneisen, Hammer, Nähahle, Schuhspanner, Lederschere, Raspel u. a.

2. Schustertisch

a) Nägelständer mit Rundlauf für Pinnen, Schuhnägeln, Klammern.

b) Schusterkugel - eine mit Wasser gefüllte Glaskugel, die das spärliche Licht der Petroleumlampe gebündelt auf die Arbeitsfläche warf.

c) Klopfstein - das eingeweichte Sohlenleder wurde geklopft, damit die Poren abgedichtet (wasserfest) wurden.

d) Schuhmaß - mit Hilfe des Maßes wurde die Größe des Fußes gemessen.

3. Schneidebrett - darauf wurde das Leder zugeschnitten.

4. Nagelständer - zum Nageln der Schuhe (Schuhnägel, Schuheisen).

5. Nageleisen - zum Nageln der Schuhe (wurde zwischen die Beine geklemmt).

6. Nähkloben - in ihn wurde das Oberleder beim Zusammennähen eingespannt.

7. Zwickzange - zum Aufzwicken des Schaftes.

8. Pinnheft - damit wurden die Holznägel in die Löcher eingeschlagen.

9. Pinn- oder Holznagelmaschine (1907) diente dem Befestigen der Schuhsohlen mit Holznägeln.

10. Nähmaschine - löste das Nähen der Schuhe von Hand mit dem Pech- oder Wachsdraht ab.

11. Lederwalze - Das eingeweichte Sohlenleder brauchte durch den Einsatz der Maschine nicht mehr auf dem Klopfstein bearbeitet zu werden, sondern wurde mit der Lederwalze bearbeitet.