Das Spinnen
Spinnräder
gibt es seit etwa 500 Jahren, ihre Technik hat sich bis heute
kaum verändert.
Man unterscheidet das "Bockrad" oder "Stehendes Spinnrad" genannt, vom "Geißenrad" oder "Liegenden Spinnrad" - beim ersten ist der Spinnkopf über dem Schwungrad angebracht, beim zweiten sind die beiden Teile auf gleicher Höhe nebeneinander angeordnet.
Sowohl Wolle wie auch Flachs können versponnen werden, wobei das Flachsspinnen mehr Geschick und Geduld erfordert.
Sollen die Fäden schön glatt werden, müssen die Finger angefeuchtet sein: Dazu diente ein am Spinnrad befestigtes "Netzdippche", gefüllt mit Wasser, Kaffee oder Buttermilch. Andernfalls aßen die Frauen saure Äpfel, um über genügend Speichel zu verfügen.
Das Spinnrad gehörte früher für jedes junge Mädchen zur Brautausstattung. Oft erhielt es sogar zwei; eins zum Gebrauch und ein zweites aus edlem Obstbaumholz, kunstvoll gedrechselt, mit Perlmutt verziert und einem "Brautrocken" besteckt als Schmuck für die "gute Stubb".
Anfang November begannen die Abende, an denen sich Frauen und Mädchen zum Spinnen trafen. Der "Spinnstubenkreis" auf dem großen Wandbild zu sehen - von einer erfahrenen Frau, der "Vuurspinnersch" geleitet, fand in den Häusern reihum statt, einerseits damit man bei der langwierigen Spinnarbeit Unterhaltung hatte, andererseits um Licht und Heizung zu sparen. Er war gesellschaftlicher Mittelpunkt, oft mit kleinen Festlichkeiten. Spät am Abend gesellten sich auch Männer und Burschen dazu, die, wenn sie nicht selbst das kurzfaserige "Werg" verspannen, Geschichten erzählten oder allerlei Späße trieben. Manche Ehe wurde im "Spinnstubenkreis" angebahnt.
Aus den Langfasern schafften junge Mädchen an einem Abend 1000 m Garn zu spinnen, geübte Frauen bis zu 3000 m. War der Leinenfaden fein ausgesponnen, so entsprach er der Stärke unseres heutigen Nähfadens. Wollte man Zwirn haben, verdrehte man in einem 2. Spinnvorgangzweig Einfachfäden miteinander. So erhielt man stabile Kettfäden zum Weben. Als Schuß reichten weniger fest verdrehte Einfachfäden.
Der Spinnvorgang ist bis heute gleichgeblieben.
Zu Beginn steckt man einen aus 3 Zöpfen bestehenden, mit parallel geordneten Fasern aufgewickelten Rocken auf den Rockenstock und umwindet ihn zum besseren Halt mit Bändern. Den Rockenstock befestigt man am Spinnrad nahe der linken Hand, zieht einige Fasern hervor und verdreht sie mit einem Rest Faden, den man vorher durch einen Haken des Spinnflügels und die Spinnvorrichtung geführt und auf die Spule aufgewickelt hat. Durch Treten des Fußpedals werden Spinnflügel und Spule in Drehung versetzt, allerdings in unterschiedliche Geschwindigkeiten, so daß die Fasern zu einem Faden verdrillt werden. Findet die Drehung im Uhrzeigersinn statt, erhält man eine Z-Drehung, im Gegen-Uhrzeigersinn eine S-Drehung.
Das Spinnen hat viel Anlaß zu sinnreichen Sprüchen gegeben. Die bekanntesten sind wohl:
"Spinnen am Morgen, bringt Kummer und Sorgen". Gemeint ist hier, daß das Spinnen dem Broterwerb diente. Wenn Bauern in Not waren, mußten sie andere Arbeiten vernachlässigen, die sie eigentlich tagsüber in ihrer Landwirtschaft zu erledigen hatten. Statt dessen saßen sie schon am Morgen am Spinnrad. Fürs Spinnen gab es aber nur einen "Hungerlohn".