Das Weben

Der Webstuhl - dieser ist ca. 200 Jahre alt - wurde nach der Feldarbeit im Spätherbst in der Webstube oder einer Kammer aufgestellt. Den Rest des Jahres lagerte er, in Einzelteile zerlegt, unter dem Dach der Scheune. Da nur wenige Pflöcke zu stecken waren, konnte man das Aufstellen in zwei Stunden erledigen. Das Aufspannen der Kettfäden zog sich dann aber über Tage hin. Zunächst mußten die Fäden auf eine einheitliche Länge - etwa 85 m - gebracht werden. Dazu benutzte man die Haspel. Eine bestimmte Anzahl von Umdrehungen ergab einen Strang, der zum Aufspannen von 10 Kettfäden reichte - wehe, wenn man sich beim Zählen "verhaspelte"!Anschließend wurden die Kettfäden mit Hilfe des Spulrades von der Trommelhaspel auf dicke Holzspulen gewickelt. Das Schußgarn wurde auf gleiche Weise aufgewickelt, als Spulen dienten hohle Holunderstäbe, die einfach in die Schiffchen eingesteckt werden konnten. 20 gefüllte Kettfädenspulen steckte man auf den Scherrahmen, zog jeden Faden durch ein Loch im Scherbrett, um ein Verwirren zu vermeiden und wickelte alle 20 Kettfäden auf den Scherbaum. So war gewährleistet, daß alle Fäden dieselbe Länge und Spannung hatten. Der Weber wiederholte den Vorgang so oft, bis er die Anzahl der Kettfäden beisammen hatte. 1.000 bei gröberem, 1.500 für feineres Leinen. Alle Stränge wurden mit der Hand zu einer schweren Luftmaschenkette "gehäkelt". Sie erleichterte die Handhabung beim Aufketten. Eine weitere Erleichterung schuf man sich, indem man die fertiggestellte Webarbeit so vom Rahmen schnitt , daß die Fadenenden noch durch die Litzen bzw. den Kamm durchgefädelt blieben. Also brauchte man nur die neuen Fäden dranzuknoten. Trotzdem war es eine langwierige Arbeit, die viel Ausdauer erforderte. Die über 80 m langen Kettfäden waren zunächst um den Kettbaum aufgewickelt; schritt die Arbeit voran, wurde der Kettbaum nachgelassen und das fertige Leinen gleichzeitig auf den Warenbaum aufgerollt. Zum Heben und Senken der Kettfäden wurden die Litzen über Fußpedale bedient; je schwieriger die Webmuster waren, desto mehr Litzen und entsprechende Fußpepale waren notwendig. Am verbreitesten waren neben der einfachen Leinenbindung das Gerstenkornmuster bei Handtüchern - es erhöhte die Saugfähigkeit - und schmückende Köper- und Atlasbindungen bei Tischtüchern.

Komplizierte Muster wurden vorgezeichnet und in Musterbüchern gesammelt. Unser Musterbuch stammt von 1720.