Bad Ems

Wer den jüdischen Friedhof von Bad Ems sucht, findet diesen leicht, denn er ist Teil des allgemeinen Friedhofs im Emsbachtal. Wenn man zuvor einige der anderen jüdischen Friedhöfe des Lahntales besucht hat und geht dann durch die Reihen der Gräber in Bad Ems, dann empfindet man eine wohltuende Normalität. Wenigstens im Tode sollten die Menschen gleich sein. Mit dem Nebeneinander und Ineinander von christlichen und jüdischen Gräbern bildet der Friedhof von Bad Ems eine seltene Ausnahme.

Auch in anderer Hinsicht noch ist dieser Friedhof eine Ausnahme. Zwischen den jüdischen Gräbern steht eine kleine Halle. Und der Friedhof macht einen sehr gediegenen und gepflegten Eindruck. Dafür es gibt verschiedene Gründe. Durch den Badebetrieb kamen auch jüdische Kurgäste in die Stadt. Manche fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Bad Ems war aber auch zeitweilig Sitz des Rabbinates. Bedeutende Männer leiteten die Kultusgemeinde. Das gab der Judenschaft in Bad Ems ein gewisses Gewicht. Davon erzählt auch heute noch der Friedhof. Nahe bei dem neuen Friedhof findet man den alten Friedhof mit verwitternden Grabmalen aus dem vorigen Jahrhundert.

Von der Bedeutung der jüdischen Gemeinde in Bad Ems berichten auch die mancherlei sozialen Aktivitäten. 1891 wurde ein Waisenheim und Mädchenheim gegründet. Für psychisch Kranke schuf man 1904 einen eigenen Hilfsverein. Ebenso wurde ein Heim für alte und erholungssuchende Lehrer und Kantoren eröffnet. Schließlich gab es noch ein kleines Sanatorium, "Heilquelle", mit zwölf Plätzen.

Die Gemeinde besaß wegen ihrer Beutung und Größe schon früh einen eigenen Raum zur gottesdienstlichen Versammlung. Im 18. Jahrhundert betreute der aus Singhofen zugezogene Getreide- und Viehändler Hirz Schweig die Gemeinde als Schächter und Vorbeter. Es ist bekannt, daß sich 1790 der vorhandene Betraum in einem Privathaus als zu klein erwies. Man plante hinter dem Haus des Hirz Schweig einen Neubau. 1792 wurde der Bau einer Synagoge genehmigt. Im Jahre 1837 wurde die neue Synagoge in der Römerstraße 65 mit einem bedeutenden Zuschuß durch das Bankhaus Rothschild aus Frankfurt errichtet.

1850 wurde Dr. Benjamin Hochstädter zum Bezirksrabbiner Bad Ems - Weilburg mit Sitz in Bad Ems ernannt. Sein Nachfolger wurde Dr. Lasar Weingarten, der dieses Amt bis 1931 innehatte. Auf ihn gehen die Anregungen für die sozialen Einrichtungen der Gemeinde zurück.

Die Synagoge in der Römerstraße war in der sogenannten "Reichskristallnacht" das Ziel von SA-Trupps, die zunächst den amtierenden Bezirksrabbiner Dr. Fritz Elijahu Laupheimer unter Schlägen auf die Straße trieben und entehrten, indem sie ihm den Bart abschnitten. Danach zerstörten sie die Einrichtung der Synagoge, entweihten die Kultgegenstände und zerrissen und verbrannten die Torarollen. Es ist erschreckend, festzustellen zu was entfesselter Fanatismus fähig ist. Die Torarollen enthalten die fünf Bücher Mose. Sie werden mit der Hand auf Pergament geschrieben. Reichverziert wie eine Braut waren diese Rollen oft das Wertvollste was die Gemeinden materiell und ideell besaßen. Die Tora, der Pentateuch, die fünf Bücher Mose sind Teile der Hebräischen Bibel, die sowohl Christen als auch Juden heilig ist. Die Christen nennen die Hebräische Bibel in ihrem Sprachgebrauch Altes Testament.

Das Synagogengebäude blieb noch bis zu Beginn der fünfziger Jahre stehen. Es mußte dann einem Geschäftshaus weichen.

Der Weg:

Der jüdische Friedhof ist in den städtischen Friedhof im Emsbachtal integriert.

Statistik:

1618 1 Familie

1665 5 Personen

1738 8 Familien

1799 9 Familien

1843 78 Personen

1853 104 Personen

1866 119 Personen

1871 173 Personen

1925 108 Personen

1932 100 Personen

ab Herbst 1941 "judenfrei"