| Wissenswertes aus der
Nassauer Geschichte: Das Stadtarchiv Nassau Von Karl-Heinz Schönrock Hans Hermann Meyer gründete in den 1920er Jahren das Archiv der Stadt Nassau, das sich damals "Ortsgeschichtliche Sammlung" nannte. Der am 4.10.1869 als Sohn des gräflichen Rentmeisters Konrad Julius Hermann Meyer im Steinschen Schloß in Nassau geborene Hans Hermann Meyer verlebte in Nassau seine Kindheit. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Hadamar wurde er Beamter der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. Ein früh einsetzendes Leiden zwang ihn bereits mit 49 Jahren zur Aufgabe seines Berufes. So zog es Hans Hermann Meyer 1918 wieder zurück in seine Vaterstadt Nassau, der er in den folgenden 15 Jahren (bis zu seinem Tode 1933) mit all seinen ihm verbliebenen Kräften segensreich diente. In der Erforschung und Darstellung der heimatlichen Geschichte fand er eine neue Lebensaufgabe. H. H. Meyer begann früh und intensiv mit dem Sammeln heimat- und kulturgeschichtlicher Exponate. Aus seiner Privatsammlung erwuchs schließlich die "Ortsgeschichtliche Sammlung", als vier Männer - darunter Meyer - 1921 die Ortsgruppe des "Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung" (heute Geschichtsverein) gründeten. Am 12. Juli 1921 rief Meyer erstmals öffentlich zur Hergabe von Exponaten auf. Er hatte zunächst wenig Erfolg, blieb aber "dran". Ein wichtiges Ziel erreichte er nach drei Jahren. Der Sammlung wurde - laut Protokoll der Stadtratssitzung vom 4.10.1924 - ein Raum im Rathaus zur Verfügung gestellt. Durch den Übergabevertrag vom 30.10.1929 ging die "Ortsgeschichtliche Sammlung des Hans Hermann Meyer" in den Besitz der Stadt Nassau über und wurde durch ein Kuratorium verwaltet. Schon 1930 war sie in zwei Räumen des "Adelsheimer Hofes" untergebracht, die gesammelten Ausstellungsstücke übersichtlich präsentiert und der Öffentlichkeit voll zugänglich. Hans Hermann Meyer suchte und sammelte mit großem Eifer weiter. 1930 konnte er mit Stolz u.a. berichten: "Ursprünglich meine Privatsammlung, erweiterte sie sich und wuchs. Leihgaben und Schenkungen aus Nassauer Privatbesitz, wertvolle städtische Akten und Papiere, Neuanschaffungen, die besonders mit Hilfe des früheren Bürgermeisters Hasenclever, sowie durch städtische Mittel ermöglicht wurden, vervollständigten die Ortssammlung, so daß wir heute auf die Nummernzahl 1300 schauen. Unser Bestreben war und wird es weiterhin sein, die Sammlung auszubauen und für unsere Nachkommen zu erhalten." Im März 1945 wurde ein großer Teil der Sammlung durch Bombenangriffe vernichtet oder in der sich anschließenden turbulenten Zeit gestohlen. So kam u.a. die umfangreiche Münzsammlung abhanden. Wertvolle Urkunden waren im Schloßkeller versteckt und konnten dadurch gerettet werden. Diese insbesondere bildeten den Grundstock unseres 1955 neu gegründeten Stadtarchivs und der dann schließlich um viele Sammlungsstücke erweiterten "Neuen ortsgeschichtlichen Sammlung", die im "Haus Pfau" in der Emser Straße untergebracht war. H. H. Meyer war ein vielseitig begabter Mensch. Seine besonderen Fähigkeiten und Fertigkeiten im Zeichnen und Malen und die reichen Kenntnisse im Bereich der Heimatgeschichte wurden harmonisch durch seine literarischen Fähigkeiten ergänzt. Er starb am 1, Juli 1933 und wurde auf dem Friedhof seiner Vaterstadt begraben. Sein Nachfolger, der um Nassaus kulturgeschichtliches Erbe ebenfalls sehr verdiente Rudolf Mackeprang, fand für den Verstorbenen in der Beilage zum Nassauer Anzeiger anerkennende Worte des Dankes und der Erinnerung. Die Schlußbemerkungen Mackeprangs fassen das Wesentliche um Hans Hermann Meyer zusammen: "In den Kreisen der Nassauer Altertumsfreunde hat sich H. H. Meyer durch seine rastlose und unermüdliche Arbeit ein dauerndes Andenken gesichert. An jener Stätte, wo er uns die Geschichte der Heimat in plastischen Formen vor Augen führt; dort, wo er ein Heimatmuseum geschaffen, das ihm und uns Ehre macht: dort wollen wir das Andenken H. H. Meyers bewahren als eines Mannes, dem die Verehrung des Alten und Ererbten, die Erhaltung und Schonung des Gewordenen, die Liebe zum angestammten Boden, die Pflege des geschichtlichen Sinnes zum zweiten Lebensinhalt wurden. Mögen ihm Nachfolger erwachsen, die im gleichen Geiste und mit gleichem Eifer wirken!" Nach dem Zweiten Weltkrieg fand sich in Dr. Hugo Rosenberg ein Nachfolger, der mit Eifer und Engagement das Werk Hans Hermann Meyers fortführte. Kaum hatte Dr. Rosenberg nach seiner Pensionierung seinen Wohnsitz in Nassau genommen, begann er mit der ungemein mühsamen Arbeit, aus den im Rathaus und ehemaligen Amtsgericht recht und schlecht gespeicherten, ungeordnet abgelagerten, verschmutzten und beschädigten Beständen an Urkunden, Akten, Bildern, Gegenständen das Stadtarchiv nach modernen Gesichtspunkten neu aufzubauen. Es galt zu sichten, zu reinigen, neu zu katalogisieren und zu archivieren, kurz: die unbedingt notwendige Ordnung in einen so wertvollen Bestand hineinzubringen. Durch selbstlosen Einsatz bewahrte Dr. Rosenberg viele Zeugnisse der Heimatgeschichte vor dem Verlorengehen und dem Verderben. Fast drei Jahrzehnte, bis zu seinem Tode am 19.10.1982, hat Dr. Hugo Rosenberg die so wertvolle und wichtige Arbeit des Archivleiters ehrenamtlich geleistet. Gerda Dürrbaum Karl-Heinz Schönrock Gerda Dürrbaum hat unsere Stadt und die Region um Nassau bereichert. Sie war eine besondere, eine geachtete und beachtete Mitbürgerin, die sich beteiligte, einmischte, die Stellung bezog und sich engagierte. Sie hatte ein besonders inniges Verhältnis zur Natur. Ihre Tier- und Pflanzenliebe offenbarte sich nicht nur durch liebevolles Verhalten ihren Katzen gegenüber, die sich in echter Wohngemeinschaft mit ihr befanden und sich darin wohlfühlten oder durch den gehegten und gepflegten kleinen Wintergarten ihrer Wohnung. Sie liebte alles Lebende und setzte sich für den Schutz von Fauna und Flora ihrer Heimat ein. Landschaften, Bäume, Blumen, Tiere und immer wieder Katzen und Pferde waren bevorzugte Motive für ihr künstlerisches Gestalten. Gerda Dürrbaum arbeitete in vielfältiger Weise als Zeichnerin und Malerin. Von hoher Qualität und voller Lyrik sind viele ihrer Aquarelle, voller Brillanz ihre Ölbilder. Neben Gestaltungen der Natur malte sie immer wieder Porträts, darunter viele Selbstporträts. Als ihr bedeutendstes Werk in Öl kann sicher der große Flügelaltar in der Kaiser-Wilhelm-Kirche zu Bad Ems bezeichnet werden. Gewissermaßen Verzauberungen der Wirklichkeit stellen ihre Hinterglasbilder dar. Nicht selten ertappte man Frau Dürrbaum bei unterschiedlichen Veranstaltungen (etwa dem Senioren-Nachmittag in der Stadthalle) beim Zeichnen und Malen mit farbigen Kreiden, mit denen sie besondere Momente und Situationen im Bild festhielt. Zur Schilderung ihres bewegten Lebens lasse ich Gerda Dürrbaum selbst zu Wort kommen. Unter der Überschrift "So verlief mein Leben" schrieb sie 1991: "Geboren bin ich am 29.12.1901 in Woronowo/Kreis Moskau, aber aufgewachsen in Livland im Kreis Fellin. Zuerst auf dem Rittergut Jaska, dann in Lehowa, mit Hunden, Pferden und anderen Tieren in großer Weite. Mein Bruder und ich hatten Hauslehrerinnen. 1918 mußten wir fliehen. Auf der Flucht übers Meer wurde ich 17 Jahre alt. Hierauf haben wir in Pommern gelebt. Ich machte meinen schulischen Abschluß in Kolberg. Anschließend studierte ich an der Kunstakademie in Berlin. Halb verhungert mußte ich aussetzen. Nun erkrankte meine Mutter und ich konnte erst nach ihrem Tode in Stettin weiter studieren. Direktor der Kunstschule war Dr. Rosenbauer, der vom Bauhaus kam. Nach meinem Studium habe ich 3 Jahre in der Reklame gearbeitet. Im Alter von 27 Jahren habe ich am 3.5.1929 Kai Dürrbaum geheiratet. Wir lebten in Kolberg, Hildesheim und 13 Jahre in Berlin. Ich habe immer ernst gearbeitet, aber die Geschehnisse haben mich oft gehindert. 1943 wurden wir ausgebombt. Einen Teil meiner Arbeiten verlor ich damals, der größte und wichtigere ging später auf der Flucht verloren. Mein Mann fiel am 21. April 1945 in den Kämpfen um Berlin. Ich war mit Rucksack und Pistole mitgegangen und stand alleine auf einer fremden Straße. Ich war 43 Jahre alt. Meine Wanderung endete in dänischen Lagern. Nach 3 ½ Jahren wurde ich in Dausenau eingewiesen. Wiederum nach 3 ½ Jahren zog ich nach Nassau. Dort konnte ich - mittlerweile im Alter von 50 Jahren - erst richtig anfangen zu arbeiten. Nun lebe ich bereits 43 Jahre im Lahntal. Ich habe verschiedene Ausstellungen beschickt, u.a. München, Mainz, Koblenz, Limburg, Bad Ems, Nassau. Die Verbandsgemeinde Nassau richtete mir 1988 in dem Nebengebäude der Freiherr-vom-Stein-Schule in Nassau, Windener Straße, eine Dauerausstellung ein. Jetzt bin ich 90 Jahre alt und voll Dank an die göttliche Leitung und ihre Helfer. Johanna Gabriele Gerda Dürrbaum, geb. von Specht." Seit 1992 war Gerda Dürrbaum nicht mehr zu künstlerischem Arbeiten fähig. Sie lebte mit ihrem Kater Micki in ihrer Wohnung in der Obernhofer Straße. Nachdem ihr "Chef", wie sie Micki zu nennen pflegte 1994 verstorben war, erlitt Frau Dürrbaum auf dem Weg zur evangelischen Kirche einen Oberschenkelhalsbruch. Hierdurch und durch einen erneuten Sturz war sie nicht mehr in der Lage, allein in ihrer Wohnung zu bleiben. Schweren Herzens zog sie im August 1994 ins Georg Vömel-Haus, Bad Ems, um. Hier verstarb sie am 7. Juni 1996. Gerda Dürrbaum vererbte der Verbandsgemeinde Nassau ihre Gemälde. Nicht wenige schmücken nun Räume des Rathauses. Eine beachtliche Anzahl der übrigen Werke ist in einer nur ihr gewidmeten ständigen Ausstellung im Schulnebengebäude der Freiherr-vom-Stein-Schule zu sehen. Johanna Gabriele Gerda Dürrbaum hat im wahrsten Sinne des Wortes "Farbe" in unsere Stadt gebracht. Sie hatte einen Blick für die Schönheit und Farbigkeit der Natur und der Dinge. Sie sah nicht nur in, sondern hinter die Dinge und stellte in ihren Bildern viel Hintergründiges, Rätselhaftes und Geheimnisvolles dar. Vor einigen Jahren berichtete mir Gerda Dürrbaum in einem Gespräch unter vier Augen, daß sie zuweilen die Gabe des "Zweiten Gesichts" habe. Wiederholt habe sie bei Begegnungen mit Personen deren baldigen Tod vorausgesehen. Mit dem Heimgang der Künstlerin Dürrbaum hat Nassau an Glanz verloren, ist unsere Stadt ärmer und blasser geworden. Unter dem Titel "Mein Leben" erschien vor einigen Jahren ein Gedicht-Zyklus Gerda Dürrbaums, in dem sie Stationen ihres Lebens in Versen beschrieb und hinterfragte. Ich glaube, nichts paßt besser an den Schluß meines Beitrags über sie, als ihr letztes nachdenkliches Gedicht aus dem Jahr 1988: "Ich weiß da keinen Namen für diesen großen Geist, Der mir mein Tun und Denken in seiner Schöpfung weist. Nur eines deutlich dringt zu mir, Die Liebe, die da kommt von Dir, Du bist der Schöpfer, der da schafft und denkt. Du bist der Schöpfer, der da liebt und lenkt. Du gibst das Leben und du nimmst es wieder, Und doch singt alles preisend Deine Lieder. Denn Leben, Sterben ist noch nicht das Ende, Du führst den Geist in uns zu ew´ger Wende." Dr. Emil Haupt und das "Kurhaus Bad Nassau" Von Karl-Heinz Schönrock Fünf Straßen oder Wege in der Stadt Nassau sind bestimmten Personen gewidmet: St. Bonifatius - Freiherr vom Stein - Dr. Haupt - Gerhart Hauptmann - Dr. Mutterer. Entweder hielt man hier diese Persönlichkeiten für allgemein bedeutend oder man ehrte sie mit der Namensgebung, weil sie sich für Nassau Verdienste erworben hatten. Während man nach Bonifatius, dem Freiherrn vom Stein oder Gerhart Hauptmann in jedem Lexikon nachschlagen kann, erfährt man nicht ohne weiteres etwas über die für Nassau so verdienten Mediziner Dr. Haupt und Dr. Mutterer. In meinem Beitrag möchte ich zum einen Emil Haupt vorstellen und zum anderen von seiner "Gründung", dem "Kurhaus Nassau" berichten, die sich 1996 zum 140. Mal jährte. Dabei geht es mir nicht um eine lückenlose Darstellung der Geschichte des Kurhauses. Ich möchte bewußt das Besondere dieser Einrichtung beschreiben und einiges Interessante aus ihrer Geschichte herauspicken. Ich danke Gerhardt und Else Biesenbach (Nassau) sehr herzlich für wertvolle Auskünfte und dafür, daß sie sonst nicht mehr erreichbare Materialien zur Verfügung stellten. Im übrigen stützt sich mein Beitrag vorwiegend auf Veröffentlichungen, die am Schluß angegeben sind. Der Arzt Dr. Haupt Emil Haupt wurde am 29. April 1819 in Lich (Oberhessen) geboren. Zu dieser Zeit war sein Vater, Kaspar Friedrich Haupt, Beamter des Fürsten von Lich-Solms. Im Jahr darauf berief Freiherr vom Stein ihn als Rentmeister auf seine Güter nach Nassau. Stein fand großen Gefallen an Haupts Sohn Emil, zumal er selbst keine Söhne hatte. Er soll schon früh beschlossen haben, den aufgeweckten Jungen einmal studieren zu lassen. Da Stein jedoch starb, als Emil gerade das 12. Lebensjahr vollendet hatte, konnte eine Studienförderung durch ihn nicht mehr erfolgen. In einer handschriftlichen Aufzeichnung eines unbekannten Verfassers aus dem Jahre 1867 heißt es über Emil Haupt "... an diesem Orte (Nassau) war es, wo der Sohn (Emil) die ersten bleibenden Eindrücke der Kindheit empfing. Derselbe besuchte hier das von Ortsgeistlichen geleitete Privat-Erziehungsinstitut, ging später auf das Pädagogium zu Hadamar, und von da bei Eintritt in das 14. Lebensjahr auf das Gymnasium zu Weilburg, das er nach vierjährigem Cursus mit sehr guten Zeugnissen versehen absolvierte, um nunmehr zum Erwerbe der Kenntnisse für den von ihm gewählten Lebensberuf als Arzt überzugehen". Zum Medizinstudium besuchte er die Universitäten in Göttingen (wo auch sein Förderer Stein studiert hatte) und Marburg. Zwischendurch studierte er auch an der Universität Berlin, um dann 1841 in Göttingen zum Doktor der Medizin zu promovieren. Nach einem mit Auszeichnung bestandenen Staatsexamen wurde er 1842 von der Herzoglich Nassauischen Regierung als "Medizinalaccessist" seiner Vaterstadt Nassau angestellt. Für ein Jahr (1844/45) wurde er von seiner Regierung nach Kemel versetzt. Hier lernte er seine spätere Ehefrau Amalie von Eck, die Tochter des "Erlenhof"-Besitzers Johann Friedrich Arnold von Eck, kennen. Aus der Bürgerschaft Nassaus und der näheren Umgebung bildete sich - initiiert und kräftig unterstützt von Dr. Emil Haupt - 1850 ein Verein mit dem Ziel, zwei "Wohltätigkeitsanstalten" zu gründen: eine allgemeine Krankenanstalt, worin Kranke ohne Unterschied der Religion, der Konfession, der Heimat, des Alters, des Geschlechts und der Vermögensverhältnisse Verpflegung und Genesung suchen sollten, sowie eine vorzugsweise protestantische Rettungsanstalt (aus der schließlich die Heilerziehungs- und Pflegeheime Scheuern geworden sind) für verwahrloste Knaben, um sie zu tüchtigen Bürgern heranzubilden. Während der Nassauer Kaplan Burchardi insbesondere die Gründung des Rettungshauses betrieb, setzte sich Haupt vor allem für die Verwirklichung des Hospitals für arme Kranke ein. Ende September 1850 versandte er einen gedruckten Aufruf an die Behörden des Herzogtums Nassau sowie an Freunde und Bekannte. Er erläuterte darin "die Notwendigkeit der Errichtung beider Anstalten unter Hinweis auf die Verpflichtungen der christlichen Religion, da von staatlicher Seite offenbar nicht zu erwarten stehe". Der Plan, in der Stadt Nassau ein Gebäude auszuwählen oder zu erbauen, ließ man fallen, als die Gräfin Henriette von Giech (älteste Tochter des Freiherrn vom Stein) den oberen Stock des von ihr gekauften und leerstehenden Schlosses Langenau an der Gelbachmündung unentgeltlich für die Dauer von sechs Jahren zur Verfügung stellte. Am 14. September 1851 wurde die "Anstalt zu Langenau" feierlich eingeweiht und fortan von Dr. Haupt geleitet. In der Folgezeit wurden wiederholt Sammlungen veranstaltet, um in der Stadt Nassau ein Haus zu erwerben oder zu errichten. Dr. Haupt gelang es so, insgesamt 3.000 Gulden aufzubringen. Weitere 500 Gulden für den laufenden Baufonds gaben die beiden Töchter des Freiherrn vom Stein, die Gräfinnen Henriette und Therese. Die Stadt Nassau und umliegende Gemeinden trugen nicht unerheblich zu den Baukosten bei. Da von der inzwischen verstorbenen Gräfin von Giech ein Nachlaß für den Baufonds von 19.857 Gulden zur Verfügung stand und ihre Schwester, Gräfin Therese von Kielmannsegge, weitere 7.626 Gulden als unveräußerliches Kapital sowie 5.000 Gulden als unverzinsliches Darlehen für die Zeit des Bestehens der Anstalt bereitstellte, konnte schon 1857 mit dem Krankenhausneubau "vor den Toren" der Stadt Nassau begonnen werden. 1858 wurde das Krankenhaus fertiggestellt, in Betrieb genommen und erhielt auf Beschluß des Vorstandes vom 5. November 1858 in Anerkennung der Zuwendungen der beiden Gräfinnen den Namen "Henrietten-Theresen-Stift". Das "Kurhaus Bad Nassau" Dr. Haupt bestrebt, stets auf dem neusten Stand seiner Wissenschaft zu bleiben. Obgleich er sich bereits im fünften Jahr seiner Anstellung befand, verbrachte er den Winter 1846/47 zu Studien an der Universität Berlin. Hier, bei Kapazitäten der medizinischen Fakultät, bildete er sich fort und holte sich Anregungen für seine ärztliche Arbeit. Er unterhielt in Nassau eine ausgedehnte Praxis und erwarb sich hohe Anerkennung und das Vertrauen seiner Mitbürger. Kein Wunder, daß er 1848, kaum 29jährig, in die Nassauische Ständeversammlung berufen wurde. Dem freisinnigen, liberal-demokratisch eingestellten Geist behagte die Ende eines herzoglichen Beamten nicht. Er sah seine Selbständigkeit und Freiheit eingeengt und sein beruflich wissenschaftliches Fortkommen erschwert. So entschloß er sich, aus dem Staatsdienst auszutreten. Dieser Entschluß wurde endgültig, nachdem er selbst 1855 wegen heftiger Gichtbeschwerden eine Kur im Kaltwasser- und Kiefernadelbad Braunfels absolvieren mußte. Schon bei verschiedenen Kranken des von ihm geleiteten Hospitals im Schloß Langenau hatte er, soweit es die Einrichtungen dort zuließen, diese damals neu aufkommende Heilmethode mit Erfolg angewandt. Nun, nach erfolgreich verlaufener Kur in Braunfels, schied Dr. Haupt aus dem herzoglichen Dienst aus und ging sofort mit voller Energie an die Verwirklichung seines Planes, selbst eine Anstalt in Nassau zu gründen, die auf die Heilkraft des Wassers und der Kiefernadeln sowie auf den Einsatz der Elektrizität und Heilgymnastik setzt. Die Anstalt sollte "allen Erfordernissen der Zweckmäßigkeit, wie der Bequemlichkeit und Eleganz entsprechen". Noch während des Baus seiner Heilanstalt 1855/56 im "vornehmen" Westen der Stadt Nassau (in der sogen. "Neuen Welt") begab sich Dr. Haupt zu weiteren Studien nach Berlin, um insbesondere vom berühmten Augenarzt Professor von Gräfe zu profitieren. Der folgende Winter sah ihn in Wien bei den Vorträgen der bekannten Professoren Ludwig und Oppholzer. Das erste massive und bereits recht stattliche Gebäude wurde im Frühjahr 1856 vollendet. Der viergeschossige Bau enthielt im Keller zwölf Badezellen. Im Erdgeschoß befanden sich die Gesellschaftsräume, die Arzt- und Privatzimmer. 24 Zimmer im ersten und zweiten Stock standen zur Vermietung an Kurgäste bereit. Nach der offiziellen Einweihung und Eröffnung am 1.Juni 1856 wurde der Kurbetrieb im "Institut für Elektrizität, Heilgymnastik, Kiefernadel- und Kaltwasserbäder in Nassau an der Lahn" aufgenommen. Die nun praktizierten und im Institutsnamen bezeichneten Heilmittel hatte Dr. Haupt bewußt ausgewählt und in seiner Kuranstalt vereinigt, "weil sie dem Krankheitscharakter des Menschengeschlechts, der sich in einer Schwäche der Funktionen des Nerven- und Blutlebens der Haut, der Unterleibs- und Sekretionsorgane hauptsächlich zu erkennnen gibt, am meisten entsprechen; weil jedoch nicht jedes einzelne für alle verschiedenen oben genannten Zustände passend erscheint, und gegen viele Krankheiten die vereinten Kräfte mehrere Mittel Anwendung finden müssen". In einem Inserat in der Kurliste von 1856 schreibt Dr. Haupt: "Die genannten Mittel, die kräftigsten der Neuzeit, hat Unterzeichneter in einer Anstalt vereinigt und hofft, indem er in sorgfältiger Würdigung des individuellen Bedürfnisse jedem einzelnen Erfordernis ein besonderes Mittel bereit hält, indem er, wo es möglich und notwendig ist, mehrere dieser verwandten Heilmethoden mit einander verbindet, Erfolge zu erzielen, welche der exklusiven Kultivierung eines einzelnen Mittels bisher unzugänglich waren. - Unter den Krankheiten eignet sich vor allem das große Heer der Nervenkranken zur Behandlung, besonders die sogenannten Nervenschwäche, Lähmungen, Krämpfe und Neuralgien; alle chronischen Formen von Gicht und Rheumatismus, Störungen und Trägheit der Unterleibsfunktionen, Krankheiten mit mangelhafter Blutbereinigung, Asthma, Anlage zur Lungenschwindsucht und chronische Katarrhe". Von Beginn an wurden zur mehrdimensionalen Krankenbehandlung gezielt "neuzeitliche" Geräte, Mittel und Techniken eingesetzt. So ziemlich alles, was für die elektrische Behandlung in jener Zeit benötigt wurde, war im Kurhaus vorhanden: Zwei Dubois Reymondsche Induktionsapparate, ein größer Stöherscher magnet-elektrischer Rotationsapparat, verschiedene Bunsensche, Grovtsche und Danielsche Ketten und Duchennesche Regulatoren. Die Heilgymnastik kam in Form von "duplizierten" (Widerstandsbewegungen mit dem Gymnasten) und passivem Bewegungen (Walkung des Magens und Unterleibs, Rotierungen der Gelenke, Hackung, Klopfung, Erschütterung, Drückung, Streichung etc.) zur Anwendung. In einem besonderen Raum eines Nebenbaus befanden sich zudem Apparate zur Durchführung von Heilgymnastik wie Spanngestell, Sprossenmast, Wippe, Wolm und Klappgestell. Das Kiefernadelextrakt wurde zu Wannenbädern, die Dämpfe zu Dampfbädern (in Schwitzkästen), zu Dampfduschen und Inhalationen benutzt. Sowohl die Abkochung wie das Destilat wurden getrunken. Beide Präparate wurden in besonderen Kochvorrichtungen im Kurhaus selbst bereitet. Kaltwasserbäder wurden in Form von Umschlägen, Brausen, Duschen und Sitzbädern als unterstützender Zusatz zu den anderen Mitteln hinzugenommen. Auch die Anwendung von Abreibungen, Einpackungen und Vollbädern war "nicht prinzipiell ausgeschlossen". Die wirtschaftliche Leitung des gesamten Kurbetriebes lag in den Händen von Dr. Haupts Ehefrau Amalie. Das Leben in der Anstalt war ein "sehr geregeltes". "Überhaupt war es regstes Bestreben (des Arztes Dr. Haupt und seiner Gattin), das Leben in der Anstalt den Pensionären so angenehm wie möglich zu machen und sie durch einen geselligen Umgang, durch ein freundliches Entgegenkommen sowie aufmerksame Behandlung für den Verlust des eigenen Familienlebens soviel als möglich schadlos zu halten". So hatte man "auch die Genugtuung, dass fast keiner abreiste, ohne seine Zufriedenheit nach dieser Seite hin erkennen zu geben und seinen wärmsten Dank dafür auszusprechen". Bereits im Sommer 1856 kamen 185 Kranke zur Behandlung in die neue Anstalt, von denen damals noch ein Teil Zimmer in der Stadt mieten mußte. 124 Heilungsuchende kamen aus dem Herzogtum Nassau. Aus dem übrigen Deutschland waren es 46 und aus dem Ausland 15 Kurgäste. In dieser kurzen Zeit wurden 3.728 Wasserbäder und 472 Dampfbäder verabreicht. 69 Kranke besuchten den "heilgymnastischen Saal", und 76 wurden mit Elektrizität behandelt. Die Elektrizität bewährte sich in den ersten Jahren als das "souveräne Mittel. Hören wir Dr. Haupts Stellungnahme aus dem Jahre 1857 zum Einsatz und zur Wirkungsweise seiner Mittel: "Die Elektrizität nimmt offenbar die hervorragendste Stellung unter den Heilmitteln der Neuzeit ein und wird sich einer noch stets wachsenden Anerkennung unter dem ärztlichen Publikum erfreuen. Sie ist indessen ein zweischneidiges Schwert: sie regt namentlich reizbare Individuen bei zu heroischer Anwendung ganz außerordentlich auf und hat alsdann oft einen bedeutenden Collapsus der Kräfte im Gefolge ihrer Applikation; sie ist deshalb nur mit großer Vorsicht, mit genauer Kenntnis ihrer Wirkung und gewissenhafter Erwägung in Bezug auf Grad und Dauer, sowie auf Unterbrechung, Konstanz und Stromesrichtung anzuwenden (...). Die Heilgymnastik ist dagegen ein milderes. vorzugsweise durch die Muskeln und beschränkte Hautstellen in den Organismus eingreifendes Mittel, das bei richtiger Anwendung leicht ertragen wird, ein sehr weites Feld eröffnet. Die Heilgymnastik fand immer mehr Verehrer und wurde von fast allen in der Anstalt wohnenden Gästen benutzt. "Die Kiefernadelbäder wurden nur drei- bis viermal wöchentlich gegeben, weil sie bei häufigerer Anwendung manchmal Aufregung und Entkräftung zur Folge hatten. Die Anwendung der Kaltwasserkuren geschah immer mit der größten Vorsicht, da sie bei denjenigen Kranken, deren Reaktionsfähigkeit nicht mehr die notwendige ist, mehr Schaden als Nutzen bringen". Bereits 1857, nur ein Jahr nach seiner Eröffnung, fand das "Kurhaus Bad Nassau" in Aloys Henningers großem Werk "Das Herzogthum Nassau" lobende Erwähnung: "Sonst haben wir in dem freundlichen, milden und friedlichen Städtchen (Nassau) vorzüglich noch das Institut für Elektricität, Heilgymnastik, Kiefernadeln- und Kaltwasserbäder von Dr. Haupt hervorzuheben. Die seit 1856 errichtete Anstalt, welche die kräftigsten Heilmittel der Neuzeit vereinigt, erfreut sich einer trefflichen Einrichtung und erzielt die schönsten Erfolge bei Nervenkrankheiten, Lähmungen, Krämpfen und Neuralgien, bei Gicht, Rheumatismus und Unterleibsbeschwerden, bei Leiden aus mangelnder Blutbereitung und allen Formen von chronischen Katarrhen". In den folgenden Jahren wurde das Kurhaus von immer mehr Kranken aufgesucht. Als 1858 die Lahntalbahn bis Nassau durchgeführt wurde, ergab sich damit ein weiterer Aufschwung. Der gute Ruf des Hauses verbreitete sich im In- und Ausland und führte zu erfreulicher Ausweitung des Besuchs. So ergab sich auch bald die Notwendigkeit, die Heilanstalt weiter auszubauen und zu vergrößern. Zur Erlangung der notwendigen Mittel für einen großen Anbau und die Gewährleistung des immer größer werdenden Betriebs gründete man am 1. November 1865 die "Aktiengesellschaft des Bades Nassau" mit einem Stammkapital von 100.000 Gulden. Die Einrichtung erhielt nun die Bezeichnung "Kaltwasserheilanstalt". Nun konnten alsbald römisch-irische Bäder erbaut und ein pneumatischer Apparat angeschafft werden. Die Räumlichkeiten wurden durch neue Säle, eine moderne Küche und eine Wohnung für den "Restaurateur" der von Frau Haupt die Küchenleitung übernahm, vermehrt und der Bau eines Logierhauses mit 56 Zimmern geplant. Der preußisch-österreichische Krieg von 1866 - in dem das Herzogtum Nassau an der Seite Österreichs kämpfte (und verlor!) - beeinträchtigten stark den Besuch und die weitere Entwicklung des Kurhauses. Am schwersten wurde das Unternehmen jedoch durch den plötzlichen Tod des Gründers getroffen. De. Haupt erlag, erst 47 Jahre alt, am 3. September 1866 einem Schlaganfall. Im Frühjahr 1967 übernahm Dr. Ferdinand Runge die ärztliche Leitung der Anstalt, während die Leitung der Verwaltungsangelegenheiten in den Händen von Frau Haupt blieb. Weil unter Dr. Runge die Kaltwasserbehandlung mehr und mehr zurücktrat, erhielt das Haus schließlich 1877 die Bezeichnung "Wasserheilanstalt". Da Dr. Runge mit Beginn des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 ins "Feld" mußte, gab es im Kurbetrieb eine Unterbrechung. Als er im April 1871 wieder zurückkehrte, füllte sich das Haus schnell wieder. Im Winter 1871/72 wurde die erste Hälfte des sog. "Neubaus" nach Westen hin errichtet. In den drei Stockwerken wurden 22 große Fremdenzimmer geschaffen und im Keller acht Baderäume für Damen eingerichtet. Waren bisher nur Sommerkuren durchgeführt worden, blieb zum ersten Mal 1872/73 das Kurhaus den ganzen Winter über geöffnet. Welches hohe Ansehen das "Bad Nassau" bereits in den 1870er Jahren hatte, man daran ermessen, daß bei der "Enthüllung des Denkmals für den Freiherrn vom Stein am 9. Juli 1872" das Festessen im Saale des Kurhauses stattfand. Immerhin waren Kaiser Wilhelm I., seine Gemahlin Kaiserin Augusta, der Kronprinz, Reichskanzler Bismarck und andere staatstragende Persönlichkeiten dazu geladen. (Die Speise- und Getränkekarte für dieses Mahl ist noch im Original vorhanden). Schon im Winter 1873/74 folgte die Errichtung der zweiten Hälfte des Westflügels, wodurch weitere 24 Fremdenzimmer, Baderäume für Damen und ein neuer Saal für Heilgymnastik geschaffen wurden. Zur Bestreitung der Kosten wurde das Aktienkapital auf 150.000 Gulden erhöht. Da sich der "Restaurateur" als ungeeignet erwies und dadurch der Küchenbetrieb immer wieder Schwierigkeiten bereitete, übernahm Frau M. von Eck, die älteste Tochter Dr. Haupts, am 1. April 1872 die Oberleitung der Küche. Sie behielt diese über 30 Jahre, um dann Anfang des 20. Jahrhunderts von Paul Classé - dem Besitzer der Villa "Quisisana" in der Emser Straße - abgelöst zu werden. Die Jahre bis zum Ersten Weltkrieg brachten für das Kurhaus Bad Nassau stetigen und regelmäßigen Fortschritt. Weit über unsere Region hinaus - ja international - gewann das "Bad Nassau" an Anerkennung und Bedeutung. Nur zwei Jahre älter als sein Vorgänger wurde Dr. Runge. Auf der Höhe seines Erfolges, aus vollem Wirken und Schaffen, starb er am 12. Januar 1882 ebenfalls an einem Schlaganfall. Nach einer dreimonatigen Vertretungszeit durch Sanitätsrat Dr. Geisse-Ems trat am 1. April 1882 Dr. Gustav Wolzendorff in die Stellung des leitenden Arztes ein. Ein schweres Nervenleiden zwang ihn allerdings bereits nach gut drei Jahren zur Aufgabe. Der am 1. April 1883 als Assistenzarzt eingetretene Dr. Eugen Poensgen, der sich mit der zweiten Tochter Dr. Haupts vermählt hatte, wurde am 2. Dezember 1885 zum leitenden Arzt des Kurhauses gewählt. Er brachte das Haus zu neuer Blüte. Es wurden neue Apparate angeschafft, eine Trinkwasserleitung gelegt und die Zentralheizung für Bäder, Gänge und Gesellschaftsräume eingebaut. 1889/90 wurde der sog. "Mittelbau" in Angriff genommen und 1893 das Maschinenhaus gebaut, das nun den gesamten Betrieb mit Dampf und Elektrizität versorgte. Amalie Haupt, die Frau des Gründers und "Seele und Mutter" des Kurhauses, verstarb am 8. Dezember 1900 im Alter von 82 Jahren. In den Folgejahren wurde weiterer Grundbesitz erworben, um die Garten- und Parkanlagen zu erweitern. Zwei benachbarte Häuser wurden angekauft, östlich ein Anbau an das alte "Haupthaus" errichtet, der "Mittelbau" und der hintere Teil des Saalbaus begonnen. Durch das ganze Haus und alle Fremdenzimmer wurde eine Niederdruckzentralheizung geführt. Wegen der erheblichen Bautätigkeit wurde am 1. November 1903 das Aktienkapital auf 400.000 Mark erhöht. Zur Zeit des 50jährigen Jubiläums hatte das Kurhaus bereits die beachtliche Zahl von 110 Fremdenzimmern. In diesem Jubiläumsjahr wurde die Verwaltung des Bades Nassau in die Hände eines Direktor gelegt. Ende 1909 verließ nach sehr erfolgreichem Wirken Dr. Eugen Poensgen aus gesundheitlichen Gründen das Kurhaus. Am 1. Januar 1910 übernahm Dr. Muthmann die ärztliche Leitung. Während des Krieges 1914/18 diente das Kurhaus teilweise als Lazarett, und auch in der Nachkriegezeit wurde es von den Besatzungsmächten fast zur Hälfte als Lazarett in Anspruch genommen. Nachdem sich 1919 Dr. Muthmann selbständig gemacht hatte, übernahmen am 1. November 1919 Dr. Fritz Poensgen - der Sohn Eugen Poensgens - und Dr. Rudolf Fleischmann gemeinsam die Leitung der ärztlichen Abteilung. Nach der für den Kurbetrieb belastenden Kriegs- und Nachkriegszeit hatten die beiden große Aufbauarbeit zu leisten. Während des folgenden Jahrzehnts erholte sich der Betrieb zu alter Größe. Insbesondere gelang es wieder, die Beziehungen zum Ausland zu knüpfen. Am 26. März 1936 starb mit Dr. Fritz Poensgen der letzte der Familie, die durch drei Generationen dem Betrieb vorgestanden hatte. Dr. Fleischmann führte das inzwischen einfach "Sanatorium Nassau" genannte Kurhaus als leitender Arzt bis 1945 weiter. Die Behandlungsmöglichkeiten hatten sich ganz enorm ausgeweitet. Zur Behandlung gelangten alle in das Gebiet der Inneren Medizin und Neurologie fallenden Erkrankungen. Dementsprechend waren auch alle neuzeitlichen Untersuchungsmöglichkeiten und ein bestausgestattetes Labor vorhanden. Zur Therapie standen als Kuranwendungen alle therapeutischen Hilfsmittel zur Verfügung. Nach Modernisierungsarbeiten in drei Bauabschnitten (1928, 1834, 1937) verfügte das gesamte Sanatorium über exquisite Einrichtungen. Die Zimmer waren mit fließendem warmem und kaltem Wasser, Zentralheizung, Leichtsignalanlage, Doppeltüren und teilweise "Staatstelefon" ausgestattet. Zu den Zimmern, die z.T. ein Privatbad und eine eigene Toilette hatten, führten Personalaufzüge. Die Küche bereitete jede verordnete Diät, die Verpflegung war reichlich und bestand aus erstem und zweitem Frühstück, Mittagessen, Nachmittagstee und Abendessen. Gesellschaftsräume waren in reichem Maße vorhanden: eine große Halle, Lesezimmer mit Bücherei, Herrenzimmer mit Billard, Damenzimmer, Musikzimmer, Gesellschaftssaal, geschlossene und offene Veranden. Im gepflegten Kurpark befand sich eine Liegehalle. Da sich alle Kurmittelräume im Haus befanden, waren sie bequem zu erreichen. Zu Beginn des zweiten Weltkrieges wurde das Kurhaus von der Militärbehörde als Lazarett beschlagnahmt. Dr. Fleischmann wurde der leitende Militärarzt. Gegen Ende des Krieges fielen verschiedentlich in und um Nassau einzelne Bomben. Zwei Großangriffe am 2. Februar und am 19. März 1945 zerstörten das Städtchen Nassau zu fast 80%. Beim Angriff vom 2. Februar wurde das einst so berühmte und geschätzte "Kurhaus Bad Nassau" geradezu ausgelöscht. Vom Ende des Kurhauses lasse ich betroffene Überlebende mit Auszügen aus ihren Originalschilderungen zu Wort kommen (aus Schreckenstage in Nassau a.d.L. am Ende des II. Weltkrieges"). Dr. med. Marie Schmitt, die als Ärztin in Nassau tätig war, erlebte am 2. Februar den Angriff in der Fahlbergschen Villa in der Emser Straße, wurde mit Angehörigen darin verschüttet und schildert die Augenblicke danach u.a. wie folgt: "Ich machte mich mühsam frei aus dem Schutt, trat an die Fensterhöhle und rief um Hilfe. Das war natürlich zwecklos. Auf einmal rief meine Schwester: "Sieh mal, unten in unserem Garten laufen ja nackte Männer!" Wirklich: Das Kurhaus, unser großes, schönes Kurhaus, ganz in unserer Nähe, war von vielen Bomben belegt worden, obwohl es das Hauptlazarett war. Und doch hatte sein Chef immer wieder gesagt: ,Nassau ist Lazarettstadt, und hier kann nicht passieren!. Die kleinen Backsteinmauern, die man vor die Kellerfenster des Kurhauses gebaut hatte, was hätten sie schon nützen können? Das ganze große, mit 250 Betten belegte Haus mit seinen drei Flügeln, lag in Schutt und Asche. Wenige Menschen hatten sich daraus retten können. Die nackten Menschen in unserem Garten gehörten dazu. Man sah sie nachher noch auf den Hömberger Berg hinaufspringen. Es waren neuangekommene Soldaten, die (noch nicht registriert) in der Entlausungskabine ohne Kleider von den Bomben überrascht worden waren und von denen auch viele ihre Leben lassen mußten. Im Kurhaus wurden fast 100 Soldaten, dazu die Ärzte, die Schwestern und das ganze Personal getötet". Elisabeth Hemme, Ehefrau des Kurarztes Dr. Hemme, schreibt u.a. über den Untergang des Kurhauses in Nassau: "Wie herrlich sind doch diese klaren, kalten Wintertage! Nassau liegt unter einer Schneedecke. Um die Mittagssunde leuchtet sie fast im Schein der kurzen Sonnenstrahlen. Aber Alarm folgt auf Alarm, und manchesmal sehen wir ein Geschoß der V 2 der Sonne entgegenschweben. Nassau sei anerkannte Lazarettstadt, so heißt es. Mit schweren Angriffen hätten wir nicht zu rechnen. Der Kölner Heim, das kleine Nassauer Krankenhaus, das Kurhaus, alle ganz nahe beieinander, tragen groß das Zeichen des Roten Kreuzes. So sind wir auch diese Mal, obwohl hier und da eine Bombe fiel, verhältnismäßig ruhig. Feste Keller hatte das alte, leichtgebaute Kurhaus nicht. Bäder und Kurmittelräume sind unten. Bis unter das Dach ist das Haus belegt mit vielen Genesenden, Passanten und wenigen ganz Hilflosen. Wenn die Sirenen heulen, kommen die Schwerkranken in den Keller. In den Gängen des Hochpaterres versammelt sich die ganze Belegschaft mit dem Chefarzt Dr. Fleischmann. De sind über 300 Menschen. Jeder hat seinen ihm zugewiesenen Platz. Sessel, Stühle, Tragen stehen bereit. Jede Schwester weiß, welche Gruppe sie betreut. Die Ärzte gehen hin und her. Eben wird ein Trupp genesender Soldaten in die Bäder geführt. Da gibt es wieder Alarm und das gewohnte Bild auf den Gängen. Aber von draußen strömen plötzlich viele Menschen ins Haus. Es scheint, nach dem Motorenlärm zu urteilen, eine große Menge Flugzeuge in der Nähe zu sein. Das Tosen nimmt zu. Da fallen die ersten Bomben! Aus der Gruppe Dr. Fleischmann, Dr. Tenner, Dr. Hemme löst sich mein Mann und beugt sich über meinen Sessel. Ein kleiner Blutstrom läuft ihm über das von Mörtelstaub kalkweiße Gesicht. Ganz ruhig höre ich ihn sagen: "Wir stehen in Gottes Hand". Durch den dicken Staub tönt laut Dr. Fleischmanns letzter Befehl: "Notbeleuchtung einschalten!" Irgendwo blitzt ein schwaches Lichtlein auf. Aber Schlag auf Schlag folgt. Die Wände wanken, stürzen ein. Die beiden Ärzte sind verschwunden. Die Kranken rund um mich herum liegen unter Trümmern. Eine Schwester war unter meinen Sessel gekrochen. Wir sehen ihr Gesicht, sie atmet noch und konnte später lebend ausgegraben werden. Über sie, meinen Mann und mich senkt sich die gegenüberstehende Fachwerkwand, deren Balken so stark sind, daß die stürzenden Mauerbrocken uns nicht erschlagen. Etwa zwei Meter weiter nach rechts begann die massive Mauer. Sie hat im Zusammenfallen alles unter sich begraben, darunter den Chefarzt Dr. Fleischmann. Ein grauenhafter Sog umgibt uns. Die Decke über meinen Knien und meine Handtasche wurde später viele Meter weit weg im Mauerschutt gefunden. Wie lange waren die Minuten, in denen sich der Untergang des Kurhauses vollzog? Mehr als zehn Volltreffer sollten auf dieses Haus gefallen sein! Das alte Kurhaus, im Frieden weithin berühmt, liegt in Schutt und Asche. Viele Menschen fanden in den Jahrzehnten seiner Blüte hier Hilfe. Viele Menschen flüchteten jetzt unter sein Dach und fanden den Tod. Was wissen wir Menschen? Gottes Wille hat kein Warum? Wann wird es heißen: Friede auf Erden?! Von dem einst so stattlichen "Kurhaus Bad Nassau" ist heute nichts mehr zu sehen. Es wurde ausgelöscht. Wie viele andere lädierte Gebäude mußte es aufgrund einer polizeilichen Verfügung wegen des hohen Schadensgrades völlig abgerissen werden. Die Aktiengesellschaft wurde aufgelöst. Einige wenige ehemalige Wohlgebäude für Angestellte des Kurhauses findet man noch in der Eimels- und Emser Straße. In diesem Bereich hat - wie anfangs ausgeführt - der Rat der Stadt in Dank und Anerkennung einen Weg Dr. Haupt gewidmet. Dem hoch angesehenen Kurhaus hatte es die Stadt übrigens zu verdanken, daß sie oft als "Bad Nassau" bezeichnet wurde. Nicht weit von der wohl aus der La Téne-Zeit stammenden "Alteburg" im Mühlbachtal zwischen Geisig und Scheuern befindet sich der überaus schöne Aussichtspunkt "Dr. Haupts Ruhe". Eine Wanderung dorthin lohnt sich immer. Neben dem Genuß der weitgehend unberührten Natur sollte man sich an diesem Platz auch des Mannes erinnern, der sich Mitte des vorigen Jahrhunderts tatkräftig für sozial nicht abgesicherte kranke und bedürftige Menschen einsetzte und der sich um Nassau hohe Verdienste erworben hat. Daß Dr. Emil Haupt und sein Werk heute weitgehend vergessen ist, entspricht durchaus seinem Lebensmotto: "Stell Dich in Reih`und Glied, das Ganze zu verstärken. Mag auch, wers Ganze sieht, dich nicht darin bemerken". (Friedrich Rückert) Literaturhinweise: Poensgen, Dr. E., Kurhaus Bad Nassau 1856-1906. Festschrift zum 1. Juni 1906. Unbekannter Verfasser, Dr. Haupt zu Nassau und seine Heilanstalt, 1867. Henninger, A., Das Herzogtum Nassau, Darmstadt 1862. Sanatorium Nassau/Nassau an der Lahn (ausführlicher Prospekt, vom Sanatorium Nassau herausgegeben, Ende der 1930er Jahre). Heinzmann, H. (Herausgeber), Schreckenstage in Nassau a.d.L. am Ende des II. Weltkrieges, 1962. Freiherr vom Stein Von Karl-Heinz Schönrock Auf einem Felssattel - dem sogenannten "Stein" - auf halber Höhe des Burgbergs wachsen im Laufe der Zeit zu und verfallen mehr und mehr die Reste einer einst stattlichen Burg. Mit dieser Burg hatten die Grafen von Nassau die Steins belehnt, die ihnen dafür treu als Burgmannen und Gefolgsleute dienten. Im Laufe der Jahrhunderte wurden aus den Lehnsleuten der Nassauer Grafen schließlich freie Reichsritter. Die erste Nennung der Steins finden wir in einer Urkunde von 1158, in der ein "Freier Hugo de lapide" (= Stein) vorkommt. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts bauten die Herren vom Stein ihren mitten im Städtchen Nassau gelegenen Gutshof zu einem kleinen Schloß aus, in das sie 1621 einzogen. Dieser Familie vom Stein, einem der ältesten Burgmannengeschlechter der Grafen von Nassau, entstammt HEINRICH FRIEDRICH CARL REICHSFREIHERR VOM UND ZUM STEIN. Der Siebenjährige Krieg Friedrich des Großen - Steins späterem ersten preußischen Dienstherrn - ging ins zweite Jahr, als am 25.10.1757 Heinrich Friedrich Carl im elterlichen Schloß in Nassau geboren wurde. Das Kirchenbuch der evangelischen Kirche von Nassau weist als Taufpaten den Königlich Preußischen Kammerherrn und Kapitän Friedrich Leopold von Adelsheim und dessen Gemahlin aus. Der übrige Eintrag lautet wörtlich: "1757, den 28. Oct., haben Herr Carl Philipp Freyherr von und zum Stein und dessen Fr. Gemahlin Henrietta Carolina geb. v. Langwerth ein Söhnlein taufen lassen, geb. den 25. abends und genannt: Henrich Friederich Carl." Man sagt, daß Stein von seiner Mutter inniges Gemüt und scharfen Verstand geerbt habe, während ihm sein Vater Redlichkeit und Rechtlichkeit, Charakterfestigkeit und Zuverlässigkeit, Ernsthaftigkeit und Nüchternheit, aber auch aufbrausendes, zornesmutiges Wesen und die Schwäche ungestümten Aufwallens "vermacht" hat. In seiner Lebensbeschreibung von 1823 faßt Stein zusammen, was er seinen Eltern verdankt: "Ich wurde von sehr achtungswerthen Eltern aus dem Stand der Reichritterschaft gebohren, unter dem Einfluß ihres frommen, ächt deutschritterlichen Beyspiels auf dem Lande erzogen, die Idee von Religion, Vaterlandsliebe, Standes und Familien Ehre, Pflicht sein Leben zu gemeinnützigen Zwecken zu verwenden, und die hiezu erforderliche Tüchtigkeit durch Fleiß und Anstrengung zu erwerben, wurden durch ihr Beyspiel und Lehren, meinem jungen Gemüth tief eingeprägt." Damit ist das geistig-seelische Fundament beschrieben, auf dem Stein zeit seines Lebens gestanden hat. Carl vom Stein tritt schon sehr früh aus der Enge des heimatlichen Raumes heraus. Im Oktober 1773 begibt er sich in Begleitung seines Hofmeisters Friedrich Rudolf Salzmann nach Göttingen und nimmt das Studium der Rechts-, Staats- und Wirtschaftswissenschaften auf. Im Frühjahr 1777 beendet er hier das Studium und schließt ein Praktikum am Reichskammergericht in Wetzlar und eine kurze Tätigkeit als Jurist beim Regensburger Reichstag an. Gegen Ende dieses Jahres reist Stein an den Hof des Kurfürsten von Mainz und befindet sich 1778/79 als Abschluß des Studiums auf "Kavalierstour" zu Fürstenhöfen in Frankreich, Österreich und Ungarn und studiert das Bergwerkswesen. Mit seiner Ernennung zum preußischen Kammerherrn und Referendar im Bergwerks- und Hüttendepartement in Berlin beginnt im Februar 1780 Steins 28jährige Beamtentätigkeit in preußischen Diensten - zunächst unter König Friedrich II. (dem "Großen"). Auf anschließenden Reisen lernt er die preußischen Provinzen kennen. Bereits nach zwei Jahren wird Stein zum Geheimen Oberbergrat befördert und im Frühjahr 1784 zum Direktor der Westfälischen Bergämter und der Mindenschen Bergwerkskommission ernannt. Er übersiedelt zu seinem neuen Amtssitz Schloß Wetter an der Ruhr. Dem erst 27jährigen Oberbergrat unterstehen alle Zechen, Hütten und Salinen Westfalens, und sehr schnell steigt er in seiner westfälischen Laufbahn zum Kammerdirektor und Kammerpräsidenten in Kleve und Hamm auf, um schließlich zum Oberpräsidenten der westfälischen Provinzen des preußischen Staates aufzusteigen. Im Oktober 1804 wird Stein vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. zum "wirklichen Geheimen Staats- Kriegs- und dirigierenden Minister" berufen und zieht von Westfalen nach Berlin. Seine erste Ministertätigkeit ist gekennzeichnet durch die Beseitigung der Zölle in den mittleren Provinzen und die Anfänge einer Reform des Steuerwesens. Zugleich setzt sein Kampf gegen die unzeitgemäße preußische Staatsführung und die Kabinettsregierung seines Königs ein. Im April 1806 veröffentlicht Stein seine erste bedeutende Denkschrift: "Darstellung der fehlerhaften Organisation des Kabinetts und der Notwendigkeit der Bildung einer Ministerialkonferenz" und unterbreitet Reformvorschläge für die obersten Behörden im Staat. Der Konflikt mit dem König spitzt sich zu, sodaß Stein schließlich um seine Dienstentlassung bittet. Am 4. Januar 1807 wird er als "widerspenstiger Staatsdiener" entlassen und zieht sich grollend in seine nassauische Heimat zurück. Hier findet er im Sommer die Muße, seine staatspolitischen Gedanken in einer genialen Skizze niederzuschreiben. Im Juli wird sie fertig, die später so bezeichnete NASSAUER DENKSCHRIFT "Über die zweckmäßige Bildung der obersten und der Provinzial-, Finanz- und Polizeibehörden in der preußischen Monarchie". Stein geht es um die Weckung von Kräften für einen Neubau des Staates, um wirkliche, mitverantwortliche Teilnahme des Bürgers am Staatsleben. Volk und Staat sollen sich in den Selbstverwaltungskörpern der Gemeinden, Kreise, Provinzen und der Versammlung der Reichsstände begegnen. Der selbständig denkende und selbstverantwortlich handelnde Mensch soll den Untertan ablösen und der bloße Obrigkeitsstaat durch einen Volksstaat ersetzt werden. Als nach dem Frieden von Tilsit auf Druck Napoleons Minister Hardenberg von Friedrich Wilhelm III. entlassen wurde, erfolgt am 3. Oktober 1807 Steins Rückberufung und Ernennung zum leitenden Minister Preußens mit Hauptamtssitz in Königsberg. Napoleon selbst hatte dies dem König empfohlen und so - Ironie der Geschichte! - seinem größten Gegner die Bahn zur Ausführung des Werkes der Erhebung geebnet. Obwohl bei Stein die "Wunden" seiner erst ein Dreivierteljahr zurückliegenden Entlassung noch nicht verheilt sind, folgt er ohne Zögern dem Ruf des Königs und teilt ihm mit: "In diesem Augenblick des allgemeinen Unglücks wäre es sehr unmoralisch, seine eigene Persönlichkeit in Anrechnung zu bringen." Stein geht sofort an die Arbeit. Bereits am 9. Oktober 1807 wird das erste Reformgesetz zur Befreiung der Bauern aus der Erbuntertänigkeit verkündet. Die Landbewohner werden dadurch freie Staatsbürger und können auf eigener Scholle selbst ihr Schicksal bestimmen und im Zusammenwirken mit anderen Ständen ihre Kräfte frei im Dienste des Gemeinwohls entfalten. 1808 hat Stein sehr schwierige Verhandlungen mit dem französischen Generalintendanten Daru über Kriegskontributionen zu führen. Am 15. August beschreibt Stein in einem Brief an den Fürsten Wittgenstein Möglichkeiten einer Volkserhebung gegen Napoleon. Der Brief wird durch französische Polizei beschlagnahmt. Mit der Verkündung der "Städteordnung" am 19. November 1808 erreicht Stein in seinem Bemühen um die Verwirklichung der städtischen Selbstverwaltung einen vollen Erfolg. Bereits fünf Tage später folgt die "Verordnung, die veränderte Verfassung der obersten Verwaltungsbehörden in der Preußischen Monarchie betreffend". Hierin geht es um die Reform der Ministerien nach dem Fachprinzip und die Beseitigung der "Nebenregierung" des königlichen Kabinetts. Ebenfalls an diesem 5. November erfolgt die Entlassung Steins wegen des Briefes an Wittgenstein. Napoleon verhängt im Dezember die Acht über Stein, der davon Anfang Januar erfährt und aus Berlin nach Böhmen flüchten muß. Dies ist der Beginn seines dreijährigen Exils. Im Frühjahr 1812 wird Stein von Zar Alexander I. nach Rußland eingeladen und dort dessen Berater. Stein verfaßt auch hier wichtige Denkschriften zu deutschen Fragen. Im Zusammenwirken mit den Militärs Scharnhorst, Blücher und Gneisenau wird Stein zum engagiertesten geistigen Kämpfer und Vorbereiter des Vollzugs der Befreiung von der Herrschaft Napoleons. Er vermittelt den Abschluß des preußisch-russischen Bündnisses und die Einbindung Österreichs. In Anwesenheit Steins siegen dann auch die Alliierten im Oktober 1813 in der "Völkerschlacht" von Leipzig gegen Napoleon. Im April 1814 nimmt Stein an der Pariser Friedenskonferenz und ab September als Berater des Zaren und der preußischen Regierung am Wiener Kongreß teil. Nach siebenjähriger Abwesenheit kehrt Stein im Mai 1815 nach Nassau zurück und trifft sich hier Ende Juli mit Johann Wolfgang von Goethe, mit dem er in seinem "Wurstwagen" eine Fahrt nach Köln unternimmt. Zwischen dem Hauptteil des Nassauer Schlosses und dem linken Seitenflügel läßt sich nun Freiherr vom Stein zum Gedächtnis an die erfolgreich verlaufenen Befreiungskriege nach Plänen des Koblenzer Baumeisters Johann Claudius von Lassaulx vom nassauischen Bauinspektor Christian Zais den neugotischen Turm bauen. Im September 1818 tauscht Freiherr vom Stein sein Gut Birnbaum bei Posen gegen das Schloß Cappenberg bei Lünen in Westfalen ein, das nun sein Hauptwohnsitz wird. Im Januar 1819 kommt es auf Anregung Steins zur Gründung der "Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde", deren Präsident er wird. Er gibt den Anstoß und beginnt mit den Vorarbeiten zu den "Monumenta Germaniae Historica", der bedeutendsten Quellensammlung der deutschen Geschichte. Am 15. September stirbt Steins Frau Wilhelmine, deren Herz er in einer Grabstätte des Nassauer Schloßparks beisetzen läßt. In der Kirche des Dorfes Frücht - das ursprünglich den Steins gehörte und auf dessen Besitz in erster Linie deren Reichsunmittelbarkeit zurückzuführen war - ruhten die Eltern des Freiherrn. Nach dem Friedensschluß läßt Stein eine alte, kleine Kapelle oberhalb des Dorfes zur Familiengruft ausbauen. Dorthin läßt er die Särge seiner Eltern und seiner Gemahlin überführen. Heinrich Friedrich Carl Reichsfreiherr vom und zum Stein stirbt am 29. Juni 1831 in Cappenberg. Er wird in einem feierlichen Trauerzug über Köln, Bonn und Bad Godesberg nach Nassau überführt und im "Freiheitsturm" des Schlosses aufgebahrt. Am 23. Juli erfolgt die Beisetzung in der Familiengruft in Frücht. In der Beschreibung auf dem Sockel seines Grabmals wird Stein (so wie nachstehend wiedergegeben) treffend gekennzeichnet: "Der Letzte seines über sieben Jahrhunderte an der Lahn blühenden Rittergeschlechtes, demüthig vor Gott, hochherzig gegen Menschen, der Lüge und des Unrechts Feind, hochbegabt in Pflicht und Treue, unerschütterlich in Acht und Bann, des gebeugten Vaterlandes ungebeugter Sohn, in Kampf und Sieg Deutschlands Mitbefreier. Ich habe Lust abzuscheiden und bei Christo zu seyn." Reichsfreiherr Heinrich Friedrich Carl vom und zum Stein ist eine große historische Gestalt. Er gilt - auch im Weltmaßstab - als ein bedeutender politischer Denker und Reformer. In der schweren Zeit um die Wende des 18./19. Jahrhundert hat er einen beachtlichen Beitrag zur Erneuerung des politischen Lebens geleistet. Sein Werk wirkt nachhaltig bis in unsere Zeit. So ist es kein Wunder, daß ihm höchste Ehrungen in Deutschland, Europa und der übrigen Welt zuteil wurden. Kaum eine größere deutsche Stadt ist ohne Steindenkmal, Steinschule oder Steinstraße. Die hochangesehene Freiherr-vom-Stein-Gesellschaft und die Vielzahl beachtenswerter Biographien und Würdigungen haben Denkmalcharakter. "Vom deutschen Volk" wurde dem Freiherrn vom Stein dicht neben der Familien-Stammburg auf dem Nassauer Burgberg ein Denkmal errichtet und 1872 von Kaiser Wilhelm I. eingeweiht. Wegen Beschädigungen dieses Denkmals im Zweiten Weltkrieg erfolgte der Abriß und die Errichtung eines neuen an gleicher Stelle. Dieses wurde unter großer Beteiligung der Bevölkerung am 28. Juni 1953 durch Theodor Heuß - den ersten Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland - eingeweiht. In der Stadt Nassau wird das Gedächtnis des "großen Sohnes" unter anderem durch die Widmung einer Straße und der Grundschule aufrechterhalten. Nicht zuletzt weckt immer wieder neu das Steinsche Schloß am Marktplatz - das heute im Besitz des Grafen Carl-Albrecht von Kanitz (einem Ururenkel des Freiherrn) ist - Erinnerungen an den großen deutschen Staatsmann. Hermann August Weber Von Karl-Heinz Schönrock H. A. Weber wurde im Jahre 1900 in Nastätten geboren und blieb - auch als Weitgereister und Vielerfahrener - stets seiner engeren Heimat, dem Nassauer Land, eng verbunden. Erinnerungsträchtige Kindheitsjahre verlebte er in Höchst bei Frankfurt und die Schuljahre in Montabaur. Die Jahre des Studiums verbrachte er in Frankfurt am Main, Würzburg und München. Es folgten dann Tätigkeiten als Schauspieler, Stiefelputzer, Zeitungsausträger, Redakteur und freier Schriftsteller in Dresden und Berlin. Die Jahre des Reisens und der Ungebundenheit in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Ungarn, Nordafrika, Süd- und Mittelamerika erwirkten bei ihm eine weite und tiefe Welterfahrung. Auf dem langen Umweg durch die Welt fand er nach Holzappel, wo er lange Zeit den ursprünglich gewählten Beruf des Lehrers ausübte. In den Stunden der Abende und Nächte formten sich in H. A. Weber die Erlebnisse und Erfahrungen, Erkenntnisse und Einsichten seiner Wanderjahre und vor allem die ihn so tief berührenden unmittelbaren und hautnahen Begegnungen mit Menschen zu Dramen, Prosatexten und Versen. H. A. Weber begann als Dramatiker, nachdem er als Schauspieler 1924/25 das Theater aus nächster Nähe kennengelernt hatte. Die Bühne gestattete es ihm, plastisch-wirksam ihn bedrängende Fragen zu stellen und Antworten aufzuzeigen - Fragen nach dem Menschen, seinem Verhalten und seiner Bestimmung, seinem sozialen Verständnis, seinem geistigen Standort und seinem seelischen Zustand inmitten einer von Krisen, Konflikten, Kämpfen und Krämpfen geschüttelten Welt und Zeit. Von den Dramen und Schauspielen, die von vielen Bühnen des In- und Auslandes aufgeführt wurden, seien genannt: "Frauenschlacht" (1930), "Vorposten in Shanghai" (1931), "Europa, gute Nacht" (1932), "Schloß im Wind" (1937), "Harfe im Sturm", "Romantische Ballade" und das 1952 in Koblenz uraufgeführte Drama "Es muß zwar Ärgernis kommen". Vielen Radio-Hörern wurde H. A. Weber durch seine Hörspiele "An jenem Tag", "Plantage Esperanza" "Traum des Infanten", "Die Flucht des Michelangelo" und "Tage des Lorbeer" bekannt. Einen ganz besonderen Erfolg erlebte Weber mit seinem Lustspiel "Holzappel", das 1935 in Gießen zur Uraufführung kam. Der Autor hat in immer neuen Variationen Menschen in der Spannung von ICH und WIR, von Selbstüberwindung und Liebe, von Selbstsucht und Verzicht, in der Polarität von Zeit und Ewigkeit, von Sein und Schein, von HIER und DORT gezeigt. Er hat Wege zur Lösung von Konflikten gesucht, hat sich um Antworten aus dem Geist des Humanen bemüht. Als einer der bedeutendsten Lyriker seiner Zeit ist H. A. Weber den gleichen Aufgaben konfrontiert geblieben. Auch hier hat er keine Auswege ins Künstlerisch-Unverbindliche, in die "Nur-schöne Form des Nichtssagenden" gewählt, sondern hat sich den Fragen und Rufen gestellt. "Anruf und Antwort" heißt daher bezeichnend sein 1956 erschienener Versband. Andere Gedichtsammlungen tragen ähnlich beziehungsvolle Titel: "Sendung und Schicksal", "Überfahrt", "Das Haus" oder schließlich die 1961 erschienene Dichtung von visionärer Kraft und außerordentlicher Inständigkeit und Gewalt der Sprache "Der große Epilog". Verschiedene Lyrikpreise und andere Auszeichnungen waren der verdiente Lohn. Nach dem 2. Weltkrieg gehörte H. A. Weber zu den Mitbegründern des damaligen Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller Rheinland-Pfalz, dessen tatkräftiger Präsident er in den Jahren 1955 - 1967 war. Am 22. März 1976 erhielt der Dichter und Schriftsteller Hermann August Weber für seine hervorragenden Verdienste und sein außergewöhnliches dichterisches Schaffen das Bundesverdienstkreuz. In seinen letzten Lebensjahren war Weber regelmäßig im Südwestfunk zu hören: so in den Sendungen "Treffpunkt Ü-Wagen in Nassau an der Lahn" und "Morgenläuten in Nassau an der Lahn". Schließlich konnte man ihn in einer eigens für ihn anläßlich seines 78. Geburtstages gestalteten Sendung "Gedichte von H. A. Weber" am 12. Mai 1978 erleben. Nicht lange nach seinem Tode am 16. Februar 1979 verwirklichte die Stadt Nassau die Wiederauflage des sehr gefragten Bild- und Textbandes "Anmut des Tales - Städte der Lahn", in dem Weber dem unteren Lahngebiet - nach seiner entsprechenden Hörfolge im Südwestfunk - ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Im Jahre 1980 erschien postum der Lyrikband "Landnahme" mit Gedichten voller dichterischer Intensität, Tiefe und Schönheit. Hermann August Weber war ein zutiefst musischer und harmonischer Mensch und nicht nur in seinem Alter voll Menschlichkeit und Weisheit. Es war ihm ernst, Werk und Leben, Wort und Tat in Einklang zu bringen und das Motto seines Dramas "Frauenschlacht" zu verwirklichen: "Der Mensch kann nur auf zwei Arten wirken: sein Selbst durchsetzen, das ist das Werk; sein Selbst aufgeben, das ist die Liebe." Er hat aus dieser Spannung zu leben und zu schreiben versucht und so ein reifes Werk dichterischer Leistung geschaffen. Der Park von Nassau: Stille sammelt sich nach innen, sie neigt sich wie ein voller Ast, färbt Beete mit pastellnen Kreiden, den Rasen mit dem tiefren Grün. Des Lichtes Netze, goldnes Filigran, schweben nun zärtlich, sind wie Seiden. Der Bäume Häupter führen ihr Gespräch. Das Schilf am Teich ist Heimat der Libelle, sonnige Weide dem gläsernen Vlies. Flüsternde Schritte gehen im Kies. Die Greisin beugt sich in die Stille, als suche sie vertraute Gegenstände, oder das Sein erloschener Gestalten. Sie lächelt und legt in den Schoß die zerbrechlichen Hände. Zur Geschichte des Henrietten- Von Karl-Heinz Schönrock Nachdem es 130 Jahre lang ein Mittelpunkt für kranke, notleidende Menschen unserer Stadt und Umgebung war und nun seit vielen Jahren ein Dornröschendasein führt, soll noch einmal ein Blick auf die Enstehung und Geschichte des ehemaligen Henrietten-Theresen-Stifts in Nassau geworfen werden. Zunächst ist es notwendig, sich in die Lage der Menschen in der damaligen Zeit zu versetzen: Erst unter Reichskanzler Bismarck begann ab 1883 die soziale Absicherung der Menschen durch eine Sozialgesetzgebung und Sozialversicherung. Zur Entstehungszeit des Nassauer Stifts gab es noch keine Kranken-, Unfall-, Invaliden- und Altersversicherung. Viele Menschen hatten durch Armut und Krankheit ein äußerst schweres Los zu tragen und waren in der Regel auf die Barmherzigkeit ihrer Mitmenschen angewiesen. Aus der Bürgerschaft Nassaus und der näheren Umgebung bildete sich im Jahre 1850 ein Verein mit dem Ziel, zwei "Wohltätigkeitsanstalten" zu gründen: eine allgemeine Krankenanstalt, worin Kranke ohne Unterschied der Religion, der Konfession, der Heimat, des Alters, des Geschlechts und der Vermögensverhältnisse Verpflegung und Genesung suchen sollten, sowie eine vorzugsweise protestantische Rettungsanstalt (aus der schließlich die Heilerziehungs- und Pflegeheime Scheuern geworden sind) für verwahrloste Knaben, um sie zu tüchtigen Bürgern heranzubilden. Initiator der Gründung eines Krankenhauses war der Nassauer Arzt Dr. Emil Haupt, der sechs Jahre später die "Kaltwasserheilanstalt" in Nassau gründete, aus der mit der Zeit das berühmte Kurhaus "Bad Nassau" wurde. Der Nassauer Kaplan Burchardi betrieb insbesondere die Gründung des Rettungshauses. Ende September 1850 wurde ein gedruckter Aufruf an die Behörden des Herzogtums Nassau sowie an Freunde und Bekannte versandt, in dem unter Hinweis auf die Verpflichtungen der christlichen Religion die Notwendigkeit der Errichtung beider Anstalten erläutert wurde, da von staatlicher Seite offenbar nichts zu erwarten stand. Gleichzeitig wurde durch Aufsätze in öffentlichen Blättern versucht, Interesse für das Unternehmen zu erwecken. Zahlreiche Spenden gingen ein. Den Plan, in der Stadt Nassau ein Gebäude auszuwählen oder zu erbauen, ließ man fallen, als die Gräfin Henriette von Giech (älteste Tochter des Freiherrn vom Stein) den obersten Stock des von ihr gekauften und leerstehenden Schlosses Langenau an der Gelbachmündung unentgeltlich auf die Dauer von sechs Jahren zur Verfügung stellte, dazu 13.5 Morgen Land zur Bewirtschaftung und eine Spende von 500 Gulden. Am 14. September 1851 wurde die "Anstalt zu Langenau" feierlich eingeweiht. In der Folgezeit wurden wiederholt Sammlungen veranstaltet, um in der Stadt Nassau ein Haus zu erwerben oder zu errichten. Weitere 500 Gulden für den Baufonds gaben die Töchter des Freiherrn vom Stein, die Gräfinnen Henriette und Therese. Die Stadt Nassau und umliegende Gemeinden trugen nicht unerheblich zu den Baukosten bei. Da von der inzwischen verstorbenen Gräfin Giech ein Nachlaß für den Baufond von 19.857 Gulden zur Verfügung stand und ihre Schwester, Gräfin Therese von Kielmannsegge, weitere 7.626 Gulden als unveräußerliches Kapital sowie 5.000 Gulden als unverzinsliches Darlehen für die Zeit des Bestehens der Anstalt zur Verfügung stellte, konnte bereits im Jahre 1857 mit dem Krankenhausneubau "vor den Toren" der Stadt Nassau begonnen werden. Im Jahre 1858 wurde das Krankenhaus fertiggestellt, in Betrieb genommen und erhielt auf Beschluß des Vorstands vom 5. November 1858 in Anerkennung der Zuwendungen der beiden Gräfinnen den Namen HENRIETTEN-THERESEN-STIFT. Mit einer kurzzeitigen Unterbrechung - bedingt durch erhebliche Beschädigungen des Hauses durch Bombenangriffe auf Nassau im Februar und März 1945 - hat das Henrietten-Theresen-Stift genau 130 Jahre der Versorgung Akutkranker gedient. Es war immer ein Belegarztkrankenhaus. "Alte Nassauer" werden sich gern an das segensreiche Wirken und die menschliche Wärme des hier bis zum Ende des 2. Weltkrieges wirkenden Dr. Mutterer und der liebevoll und hingebend betreuenden Schwester Pauline erinnern. Gegen Ende des Krieges diente das Henrietten-Theresen-Stift neben dem Kurhaus und den Hotels "Müller" und "Nassauer Hof" als Lazarett. Stets mühte sich ein Krankenhausvorstand um einen ordentlichen und geregelten Krankenhausbetrieb. Besondere Verdienste erwarb sich "Nassaus letzter Amtsrichter", Vorstandsmitglied Adalbert Kalbitzer, in den sechziger Jahren um die Anpassung der aus dem Jahre 1891 stammenden Stiftungssatzung an die heutigen Verhältnisse als Voraussetzung für eine effektive Vorstandsarbeit. Als das Henrietten-Theresen-Stift schließlich im Jahre 1977 von der Landesregierung aus dem Krankenhauszielplan herausgenommen wurde, war die Schließung dieses Hauses als Akutkrankenhaus nur noch eine Frage der Zeit. Alle Bemühungen des Vorstandes um Erhalt, zuletzt unter dem Vorsitz von Herbert Baum, die Anstrengungen der Stadt und Verbandsgemeinde Nassau durch finanzielle Zuschüsse und Wassergelderlasse und nicht zuletzt das engagierte Eintreten für den Erhalt der Akutkrankenversorgung in den Bereichen Chirurgie und Gynäkologie in Nassau durch eine Bürgerinitiative verlängerten lediglich die Agonie des Hauses. Zum 31. März 1988 mußte schließlich der Vorstand - einstimmig! - die Schließung des Krankenhausbetriebes beschließen. Das Stiftungsvermögen fiel - der Satzung entsprechend - an die Stadt Nassau. Diese vermietete das Gebäude des Henrietten-Theresen-Stifts an das Diakonissenhaus Friedenswarte, Bad Ems, die hier ein Aussiedler-Übergangswohnheim einrichtete, bevor es die Stadt 1992 zur Deckung der Verbindlichkeiten aus dem "Erbe" an einen privaten Altenheimträger verkaufte. Herzog Wilhelm und das "Nassauern" Von Karl-Heinz Schönrock Es ist sicher angebracht, den Versuch der Klärung der Begriffe "Nassauer" und "Nassauern" an den Anfang dieses Beitrages zu stellen. Landläufig wird ein plötzlicher, meist nur kurz andauernder Regenschauer ein "Nassauer" genannt. Um einen solchen geht es im folgenden nicht. Als "Nassauer" wird umgangssprachlich ein auf anderer Leute Kosten Lebender bezeichnet, einer, der sich gern aushalten und freihalten läßt oder sich vor dem Bezahlen drückt - ein Schmarotzer also, ein Schnorrer. Das zu diesem Substantiv gehörende Verb "nassauern" bedeutet dementsprechend schnorren, schmarotzen, auf Kosten anderer leben. Die genaue Herkunft und Ableitung dieser Begriffe ist nicht hundertprozentig belegt. Das "Rotwelsch", eine Art Geheimsprache von Vagabunden und Bettlern des Hohen Mittelalters, kennt bereits den Ausdruck "naß" für umsonst. Das im Kern deutsche Sprachgut des Rotwelschen war stark vom Jiddischen und Wörtern der Zigeunersprache durchsetzt. Im Jiddischen verwendete man für nassauern die Ausdrücke "nossnen" oder "nossen". Im Frühneuhochdeutschen findet man die Bezeichnung "naß" auch für durchtrieben, gerissen und dazu passend "nasser Bube", "nasser Knabe" oder "nasser Junge". Seit dem 15. Jahrhundert ist der Ausdruck "naß" als Bezeichnung für umsonst, unentgeltlich bekannt. In der Gaunersprache zu Anfang des 19. Jahrhunderts wird "nassenen" für schenken und geben verwandt. Die Berliner verwenden heute noch die Ausdrücke "für naß" oder "per naß" für gratis irgendwo reinkommen, etwas umsonst bekommen oder umsonst genießen. So spricht man hier auch schon mal von "nassen Knaben, die viel verzehren und wenig haben". Fühlen Sie sich, lieber Leser, nicht "veräppelt", wenn ich Sie nun bitte: Nehmen Sie das bisher Gesagte über Entstehung und Bedeutung des Begriffs "Nassauern" nicht ernst! Es handelt sich dabei lediglich um (weitgehend unbewiesene) Behauptungen, ja Auswüchse und Fehldeutungen einiger Philologen und Kulturhistoriker. Ich möchte Ihnen im folgenden darstellen, was es mit dem geflügelten Wort "Nassauern" wirklich auf sich hat, wie es tatsächlich dazu kam - wie wir Nassauer es (richtig!) sehen. Das "Nassauern" hat seinen Ursprung tatsächlich im frühen 19. Jahrhundert. Nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon wurde Europa auf dem Wiener Kongreß (1815) wieder neu geordnet. Zum Leidwesen vieler Deutscher stellte dieser die Souveränität der 35 deutschen Kleinstaaten wieder her. Nur wenige dieser Staaten verfügten über eine eigene Universität. Zum Studium mußte man vielfach ins "Ausland" gehen. Auch das noch junge Herzogtum Nassau hatte keine Universität. Wollte ein nassauischer Gymnasialabsolvent nicht landesverräterisch im Ausland (sprich: in Hessen oder sonstwo in Deutschland) studieren, blieb ihm für sein Studium im Herzogtum Nassau nur die "Hohe Schule" von Herborn. Diese besaß jedoch kein Promotionsrecht. Um nassauischen Studenten jedoch ein vollwertiges "inländisches" Studium zu ermöglichen, schloß Herzog Wilhelm von Nassau am 28. Oktober 1817 einen Staatsvertrag mit dem Königreich Hannover, wonach die Königlich Hannoversche Georg-August-Universität zu Göttingen zur Nassauischen Landesuniversität wurde. Landesvater Herzog Wilhelm ging es insbesondere darum, in der neuen "landeseigenen" Universität seine zukünftigen Landesbeamten ausbilden zu lassen. Als Anreiz zur Aufnahme des Studiums im doch immerhin über 300 Kilometer entfernten Göttingen gewährte Herzog Wilhelm seinen Studenten Stipendien in Form eines "Freitisches", d.h. der kostenlosen Verköstigung. Die Stipendiaten konnten also bei einem Göttinger Wirt, mit dem die herzogliche Regierung einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen hatte, umsonst essen. Blieb ein Nassauer Student dem Freitisch fern, fand sich schnell ein fremder, unbefugter, der sich als Nassauer ausgab und das Mahl einnahm. Auf diese Weise entstanden hier die studentischen Ausdrücke "nassauern" und "Nassauer". Diese Scheltwörter sind also lediglich auf die ungebetenen Gäste zu beziehen, die auf Kosten und anstelle anderer - der Nassauer - gegessen und getrunken haben. Fazit: Nassauer waren (und sind!) keine "Nassauer"! Lassen Sie uns. liebe Leser, wenn es auch ein wenig beschwerlich wird, nun dem "Nassauern" auf den Grund gehen. Dazu ist es erforderlich, in der Frühgeschichte des Herzogtums Nassau herumzustöbern und die betreffenden Rechtsgrundlagen (Edikte und Verordnungen) hervorzukramen, Sie Ihnen zu präsentieren und zu erläutern. Herzog Wilhelm wollte einer Vereinheitlichung und Straffung des gesamten Schul- und Bildungswesens in seinem Herzogtum. Zu diesem Zweck (und aus einigen anderen Gründen) erließ er am 24. März 1817 ein "Landesherrliches Edikt" (das sog. Nassauische Schuledikt, veröffentlicht im "Verordnungsblatt des Herzogthums Nassau" Nr. 5 vom 29. März 1817). Als Grundlage zum Verständnis der weiteren Ausführungen halte ich es für nützlich. Ihnen etwa eine Seite des insgesamt 72 Seiten umfassenden Edikts im (originalen) Wortlaut zuzumuten. Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden, souveräner Herzog zu Nassau xc. xc. Haben in Folge des unterm 9./11. September 1815 erlassenen, die Verwaltungs=Organisation Unseres Herzogthums betreffenden Edicts, auf Vortrag Unserer Landes=Regierung, und nach angehörtem Gutachten Unseres Staatsraths, den unter sehr verschiedenartigen Formen in den verschiedenen Landestheilen bestehenden öffentlichen Unterrichts=Anstalten eine zweckmäßige in einander eingreifende Einrichtung zu geben beschlossen, und verordnen zu dem Ende, wie nachfolgt: In Erwägung der Bedürfnisse des Staats, und der zu ihrer Befriedigung vorhandener Mittel sollen bestehen: I. Volksschulen II. Gelehrten Schulen, und für jede dieser Hauptgattungen nachstehende Bestimmungen gelten. Das ist der sog "Eingang" in das Edikt. und die "Allgemeine Bestimmung über die öffentlichen Unterrichts=Anstalten". Es folgen hunderte von Paragraphen, die das gesamte Schul- und Bildungsspektrum von der Elementarschule über die Realschule, das Pädagogium und Gymnasium bis zum Lehrer-Seminarium und die entsprechenden Lehrpläne und Schulordnungen behandeln. In unserem Zusammenhang interessieren die §§29-31, die den "Nassauischen Zentralstudienfonds" betreffen. Herzog Wilhelm schuf diesen Fonds, um die Finanzierung der von ihm eingeleiteten neuen Kulturpolitik sicherzustellen. Wie wir sehen werden, faßte dieser Zentralstudienfonds 14 bis dahin bestehende Einzelfonds (Zentral- und Provinzialfonds und Stiftungen) zusammen. Die drei nun im Wortlaut folgenden Paragraphen betreffen nacheinander die Bildung, Verwendung und Verwaltung des Zentralstudienfonds. §. 29. Aus allen zum öffentlichen Unterricht bestimmten Central= und Provinzial=Fonds und Stiftungen wird, nach deren erfolgter vorgängigen Abtheilung mit anderen Fonds, und nach Ausscheidung der fremdartigen Ausgaben, ohne Rücksicht der Confession, ein Central=Studienfond gebildet, und der nöthige Zuschuß aus der Staatscasse mittelst jährlicher Verwilligung des nach Maasgabe gehöriger Nachweisung erforderlichen Credits zum Budjet Unserer Landesregierung geleistet. Zur Bildung des Central=Studienfonds werden demnach unter obigen Bestimmungen und Beschränkungen vereinigt: 1) der Fond der Akademie zu Herborn, 2) der Fond des Schulseminariums zu Dillenburg, 3) der Fond des Winterschen Legats für die Schulen, 4) der Fond des Merzischen Legats, 5) der alte und neue lateinische Schulfond zu Dillenburg, 6) der Hadamarische Schulfond, 7) der Gnadenthaler Stiftsfond, 8) der Dietzer Stiftsfond, 9) der Dillenburger Lotteriefond, 10) der Klarenthaler Klosterfond zu Wiesbaden, 11) der Präsenzfond zu Idstein, 12) der Schulverbesserungsfond daselbst, 13) der Doctionsfond zu Montabaur, 14) der geistliche Walburgisstiftsfond zu Weilburg. Sodann der Betrag derjenigen zu Unserer Landesherrlichen Verfügung stehenden Stiftungs-Vermögens, welches fundationsmäßig für den Zweck des öffentlichen Unterrichts verwendet werden kann, und die auf Unseren Domänen übernommenen fundationsmäßigen Beiträge zu diesen Fonds, so wie die darauf haftenden Gehaltstheile, Frucht= und Holzvergütungen für die bei öffentlichen Lehranstalten angestellten Lehrer, und sonstige beständige Beiträge zu dem Aufwand für öffentliche Lehranstalten. §. 30. Der Central= Studienfond bestreitet in vierteljährlicher Vorausbezahlung die Besoldungen der bei dem Schullehrer=Seminarium, bei der landwirtschaftlichen Schule, bei den Pädagogien, bei dem Gymnasium und bei dem theologischen Seminarium angestellten öffentlichen Lehrern, desgleichen die Besoldungen und besondere Belohnungen der Nebenlehrer und sonstigen Officianten, die Anschaffung und Unterhaltung der zum Zweck dieser Anstalten nothwendigen Gebäude, der Instrumente und Apparate, der Bibliotheken und sonstigen Bedürfnisse. Die zu ertheilenden Stipendien werden darauf angewiesen, und die nöthigen Verwaltungskosten daraus bestritten. §. 31. Der Central=Studienfond, auf welchen alle Vorzüge der Armen=Anstalten und öffentlichen Stiftungen anwendbar erklärt werden, wird unter der Aufsicht Unserer Landesregierung, mit Anstellung eines von Uns auf den Antrag derselben zu ernennenden Cassirers, verwaltet; sämmtliche Recepturbeamten erheben die in ihren Renteibezirken erfallenden Einnahmen, und bestreiten die darin vorkommenden Ausgaben, alles nach Maaßgabe der über die Verwaltung des Domanial=, Gemeinde= und Armen=Vermögens bestehenden Allgemeinen Ordnung, und der darüber von Unserer Landesregierung ertheilten Vorschriften. Der zu dem jährlichen Bedarf etwa nothwendige Beitrag aus allgemeinen Mitteln des Staats macht einen Abschnitt des Regierungs=Büdjets aus. Durch die Bildung des Zentralstudienfonds hatte Herzog Wilhelm auch die finanziellen Voraussetzungen für eine Bezuschussung des "inländisch-nassauischen" Studiums seiner Studenten im Königreich Hannover geschaffen. Jetzt konnte der nächste Schritt - die Bestimmung der Universität Göttingen zur Landesuniversität des Herzogtums Nassau - getan werden, denn alle damit verbundenen Ausgaben für die Stipendien (Freitische), die Aufsichts- und Verwaltungsaufgaben der Göttinger Georg-August-Universität und die Bezahlung der von Nassau verpflichteten Professoren konnten mit Mitteln des Zentralstudienfonds bestritten werden. So erließ die herzogliche Regierung prompt die folgende Verordnung: (Die Bestimmung der Universität Göttingen zur Landes=Universität für die Studierenden aus dem Herzogthume Nassau betreffend.) Durch das landesherrliche Edict vom 24ten März dieses Jahrs sind die niedern Lehranstalten für solche, welche sich eine wissenschaftliche Bildung überhaupt verschaffen wollen, angeordnet worden. Um aber auch denjenigen Jünglingen, welche sich dem Nassauischen Staatsdienste widmen, die vorzügliche Gelegenheit und Unterstützung zu ihrer völligen planmäßigen Ausbildung zu geben, welche durch eine auf das vollständigste ausgebildete Landes=Universität erreicht werden kann; so ist dazu die Universität Göttingen ausersehen, und zwischen dem Herzoglichen Nassauischen Staats = Ministerium und dem Königlichen Cabinets = Ministerium in Hannover am 28. October I. J. eine Convention abgeschlossen worden, wodurch: 1.) Die Königlich Hannöverische Regierung den Herzoglich Nassauisch Studierenden, während ihres Aufenthalts in Göttingen, alle Rechte und Vorzüge der Inländer bewilligt, in so weit nur dieses letztere sich mit den daselbst bestehenden Fundationen vereinbaren läßt. 2.) Die Herzoglich Nassauische Regierung der Universität zu Göttingen die Rechte einer inländischen Corporation zugesteht und ihren Einfluß dahin verwendet, daß alle Studierende aus dem Herzogthum Nassau ihren accademischen Cursus vorzugsweise in Göttingen absolviren; ohne jedoch dadurch die freie Wahl der Studierenden in Ansehnung anderer Universitäten zu beschränken. 3.) Die Herzoglich Nassauischen Studierenden von der Königlich Hannöverischen Regierung der für die Handhabung der academischen Disciplin bestellten Behörde zur vorzüglichen Aufsicht empfohlen werden und letztere über den Fleiß und das sittliche Betragen derselben an die Herzoglische Landesregierung allgemeine periodische und in besonderen Fällen von Wichtigkeit auch specielle Berichte zu erstatten hat. 4.) Die Nassauische Landes = Statistik wird durch einen von der Herzoglichen Landesregierung zu erwählenden, zu besoldenden und mit einer besonderen Instruction zu versehenden Professor der Universität, welcher alle Rechte und Vorzüge eines Nassauischen Staatsdieners genießt, in Privat = Vorlesungen unentgeldlich gelehrt. 5.) Die Herzogliche Regierung stellt zwölf Stipendien jedes von sechszig Reichsthaler jährlich im zwanzig Gulden Fuß und in halbjährigen Raten zahlbar zur verfügung des academischen Senats zu Göttingen, in der Art, daß dieselben vorzugsweise an Nassauische Studierende von tadellosem Betragen vergeben werden, so lange sich deren bis zu dieser Anzahl in Göttingen befinden. 6.) Von den in Göttingen bestehenden sieben und sechszig Königlich Hannövrischen Freitischstellen, welche zunächst für Ausländer bestimmt sind, werden drei Stellen ausschließlich Nassauischen Studierenden gewidmet, und wird überdieß hinsichtlich der übrigen vier und sechszig Stellen auf die zu Göttingen studierenden qualificirten Nassauer gleich allen übrigen Competenten Rücksicht genommen. Der Genuß der zwölf Stipendien ist ein mit dem Aufenthalt in Göttingen verknüpfter besonderer Vortheil, welcher den auf andern Universitäten Studierenden nicht zugestanden werden kann. Er wird den einzelnen Studierenden nach einer durch das Datum ihrer Immatriculirung oder der Renovation derselben, sofern diese unmittelbar von ihrem wirklichen Antritt der Studien hergegangen ist, zu bestimmenden Reihenfolge zu Theil; er wird für die ganze Dauer eines dreijährigen Cursus zugestanden, endigt aber auf jeden Fall nach dem frühern Abgang des Inhabers. Der Anfangstermin für die Stipendien ist auf Ostern 1818 festgesetzt. Diese Uebereinkunft, welche ein neuer Beweis landesväterlicher Fürsorge Seiner Herzoglichen Durchlaucht ist, wird hierdurch zur allgemeinen Kenntniß gebracht, damit die Eltern und Vormünder derjenigen, welche sich dem Nassauischen Staatsdienste widmen, die dadurch eröffnete Gelegenheit benutzen können, für die Ausbildung ihrer Kinder und Pflegebefohlenen in den zu ihrem künftigen Beruf unerläßlichen besonderen Kenntnissen nicht nur eine Unterstützung zu erhalten, sondern sie auch zugleich unter besondere Aufsicht auf einer mit den vorzüglichsten Lehrern besetzten und Lehranstalten versehenen deutschen Universität zu bringen. Wiesbaden, den 6. Dezember 1817. Herzoglich Nassauische Landesregierung Neben der "Lesung" nassauischer Statistik (und später auch anderer Studienbereiche) hatte ein Professor auch besondere Aufsichts- und Beurteilungsfunktionen gegenüber den herzoglichen Stipendiaten. So hatte er, als Voraussetzung für die Prolongation (Verlängerung) der Stipendien nach jedem abgeleisteten Semester ein "Tabellarisches Verzeichnis der an der Georg August Universität in Göttingen studierenden Nassauer, nebst Bericht über Fleiß und Sitten derselben" der herzoglich nassauischen Landesregierung zu Wiesbaden zuzusenden. Eine solche Tabelle enthielt Spalten für Namen - Ort woher - Stand des Vaters - Art des Studiums - Tag der Inscription - Alter - Genußzeit (von-bis) des Freytisches. In fast allen Fällen bescheinigte der beurteilende Herr Professor seinen nassauischen Studenten "Ausgezeichnet fleißig und sittsam". (Wie hätte das mit den "Jünglingen" aus dem Nassauer Land auch anders sein können?!) Nachstehend die Kopie eines Begleitschreibens, mit dem ein tabellarisches Verzeichnis der in Göttingen studierenden Nassauer nebst einem Bericht über deren Fleiß und Sitten vom vertraglich engagierten Professor der Regierung zu Wiesbaden zugesandt wurde. Nach dem Tode Herzog Wilhelms im Jahr 1839 bezahlte dessen Sohn und Nachfolger, Herzog Adolph von Nassau, seinen Studenten in Göttingen weiterhin den Freitisch. Als sich bei der 48er Revolution einige nassauische Studenten nicht gerade nassauisch-loyal verhalten hatten und die Zahl der in Göttingen studierenden Nassauer ohnehin geschmolzen war, da bis dahin bereits manche Studenten die akademische Freiheit der landesherrlichen Aufsicht vorgezogen hatten, wurde der aus dem Jahr 1817 stammende Staatsvertrag im September 1848 aufgehoben. Den Studierenden aus Nassau wurde dann auch bald "von oben" die freie Wahl beim Besuch einer höheren Lehranstalt in Deutschland gelassen. Trotzdem studierten in den Folgejahren immer wieder Nassauer in Göttingen, zumal an der Uni Göttingen noch bis nach 1890 Freitische gewährt wurden. Was wurde aber aus dem Nassauer Zentralstudienfond? Er überlebte den "deutsch-deutschen Krieg" von 1866 und die Annektion des Herzogtums durch Preußen. Er "lebte" in Preußen und der Provinz Hessen - Nassau weiter, überstand auch nach 1945 die Aufteilung des "Nassauer Ländchens" an Hessen und Rheinland-Pfalz und ist heute noch eine öffentlich-rechtliche Stiftung, die vom Land Hessen verwaltet wird. Der Nassauische Zentralstudienfonds (NFZ) als öffentlich-rechtliche Stiftung mit eigener Rechtsperson hat seine Grundlage nach wie vor im Nassauischen Schuledikt von 1817. Aus dem hessischen Landeshaushalt erhält der NFZ zur Finanzierung seiner Stiftungsaufgaben keine Mittel. Er muß alle Kosten selbst erwirtschaften. Das Stiftungsvermögen besteht heute noch aus erheblichem NFZ-eigenen Grund- und Waldbesitz, vier Hofgütern und aus angelegten Wertpapieren. Zur Zeit werden für Förderungszwecke jährlich etwa 570.000 Mark ausgegeben. Nach dem Schuledikt von 1817 ergibt sich noch heute für den NFZ folgende Aufgabenstellung: a) die übernommenen fundationsmäßigen Belastungen der Einzelfonds, wie Fruchtbesoldungen und bauliche Unterhaltung, b) die zu erteilenden Stipendien, c) die Zuschüsse an Gymnasien im ehemaligen Herzogtum Nassau, d) die nötigen Verwaltungskosten. An fundationsmäßigen Belastungen werden zur Zeit an vier Pfarreien im Gebiet der Bezirksregierung Koblenz, für sechs Pfarreien an den Evangelischen Zentralkirchenfonds in Wiesbaden und an elf Pfarreien in Hessen-Nassau "in Geld umgewandelte Fruchtabgaben" in unterschiedlicher Höhe zu verschiedenen Terminen gezahlt. So hatte zum Beispiel ein damaliger Stifter verfügt, daß aus dem Ertrag eines bestimmten Ackers dem Pfarrer jährlich zwei Säcke Weizen zustehen. Heute werden diese Weizensäcke nach dem Marktwert in Geld umgerechnet und der betreffenden Pfarrei ausgezahlt. Daneben besteht für den NFZ die Verpflichtung zur Unterhaltung von Pfarr- und Kirchengebäuden. Nach § 30 des Schuledikts von 1817 wird gegenwärtig mit der Zahlung jährlicher Zuschüsse an insgesamt 36 öffentliche Gymnasien im Gebiet des ehemaligen Herzogtums Nassau ( 28 Gymnasien in Hessen und 8 Gymnasien in Rheinland-Pfalz) ein weiterer Stiftungszweck erfüllt. Und nun kommt der Clou: Herzog Wilhelm zahlt noch immer Stipendien an Studenten seines Herzogtums! Wurden die Stipendien ursprünglich lediglich den an der Universität Göttingen Studierenden bewilligt, wurden sie später auch nassauischen Studenten der theologischen Fakultät der Universität Marburg gewährt. Etwa von 1943 an wurde die Gewährung der Stipendien an Studenten. die im ehemaligen Herzogtum Nassau geboren wurden, auf alle Universitäten ausgedehnt und später auch auf die den Universitäten gleichgestellten Hochschulen und Fachhochschulen erweitert. Die Verwaltung des NFZs wurde durch den im Gebiet des ehemaligen Herzogtums Nassau zuständigen Regierungspräsidenten vorgenommen; dies ist seit 1968 das Regierungspräsidium in Darmstadt (Abt. VIII - Forsten und Naturschutz, Dezernat 69 b). Durch diese verwaltungstechnische Zuordnung zur Abteilung "Forsten und Naturschutz" ist der NFZ in der Lage, sich für die optimale Bewirtschaftung des erheblichen NFZ- eigenen Grund- und Waldbesitzes der Organisationsstruktur dieser Abteilung und der nachgeordneten Forstämter bedienen zu können. Die vermögenswirtschaftliche Aufsicht obliegt dem Kultusministerium in Wiesbaden. Möchte nun ein Student ein Stipendium erhalten, kann er beim Regierungspräsidium in Darmstadt - Abt. Forsten und Naturschutz - ein Antragsformular anfordern. Dies kann auch telefonisch unter der Nr. 0 61 51/60 41 03 erfolgen. Die Bewilligung und Auszahlung der Stipendien erfolgt auf Grund besonderer Bedingungen, die allerdings nicht sehr hoch angesiedelt sind. Eine Voraussetzung ist, daß der beantragende Student im Gebiet des Herzogtums Nassau geboren wurde und in Deutschland studieren möchte. Verlangt wird ein Abiturs - Notendurchschnitt von 3,3 und eine gewisse Bedürftigkeit. Bedürftig ist jeder, der Bafög bekommt. Aber auch, wer keine Zahlungen aus dem Bafög erhält, kann zu einem Stipendium gelangen, wenn das Einkommen der Eltern unter einem bestimmten Höchstsatz liegt. Aus dem herzoglichen "Fleiß- und Sitte-Anforderungen" an seine Göttinger Studenten hat sich eine weitere Bedingung in die Gegenwart hinübergerettet: Jedem Antrag muß ein Zeugnis über eine Fleißarbeit beigefügt werden. Dazu ist einem Dozenten oder Professor eine Arbeit vorzulegen, die nicht zum eigentlichen Studienplan gehört. Sie muß mindestens mit der Note 3 bewertet sein. Dabei sind Umfang und Art dieser Fleißarbeit nicht festgelegt. Nach Erfüllung der vorgenannten Antragsbedingungen erhält der Student pro Semester ein Stipendium von 1.000 Mark. Es handelt sich dabei um "eine Ausbildungsbeihilfe in Form einer Belobigung in Geld für eine besondere Studienleistung", die nicht die Zahlungen nach Bafög mindert. Denken wir nun zum Schluß noch einmal daran zurück, wie alles geworden ist! Der damals erst 25jährige WILHELM, von Gottes Gnaden, souveräner Herzog zu Nassau, hat 1817 den Nassauischen Zentralstudienfonds gebildet und daraus die Freitische für seine Studenten in Göttingen bezahlt. Dadurch brachte er - ungewollt - das "Nassauern" zur Welt. 155 Jahre nach seinem Tod können nassauische Studenten noch s e i n e Stipendien erhalten. Mir kommt in diesem Zusammenhang die Ballade "Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland" in den Sinn, in der Theodor Fontane beschreibt, wie "der von Ribbeck auf Ribbeck" noch lange über seinen Tod hinaus havelländische Jungen und Mädchen mit Birnen versorgt. Diese Ballade gipfelt in dem Schlußvers: "So spendet Segen noch immer die Hand des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland." Diese beiden Zeilen könnte man sinngemäß auf Herzog Wilhelm von Nassau übertragen. Nassau in aller Welt Von Karl-Heinz Schönrock Fragt man nach Nassau, so bekommt man (außer in unserer unmittelbaren Umgebung) in der Regel zur Antwort: "Ach ja, Nassau/Bahamas". Wir müssen uns damit abfinden, daß dieses wohl weltweit das bekannteste Nassau ist. Kaum jemand weiß noch, daß das ursprünglichste, geschichtsträchtigste und bedeutendste Nassau an der Lahn liegt! Dies voraussetzend, möchte ich den Lesern davon Kunde geben, daß es neben "unserem" Nassau an der Lahn noch viele weitere Nassaus auf der Welt gibt. Dabei soll die bloße Aufzählung nicht genügen. Es liegt mir zum einen daran, die völlig verschiedenen Nassaus vorzustellen und Interessantes von ihnen zu beschreiben. Vielleicht wecke ich damit auch bei manchen Lesern die Lust, einige real kennenzulernen. Zum anderen möchte ich, soweit es möglich ist, über die Namengebung berichten - möglichst nachweisen, daß die Abstammung auf das Städtchen bzw. auf das Haus Nassau zurückzuführen ist. Inhalt dieses Beitrages sind nicht nur Orte, kleinere und größere Städte, sondern auch andere "Objekte" mit dem Namen Nassau. Südlich des Äquators reihen sich über einige tausend Kilometer die Inselgruppen Polynesiens durch den Pazifik aneinander. Zu ihnen gehören u. a. die bekannten Fidschi- und Samoa-Inseln, die Cook- und Gesellschaftsinseln. Hier also, ziemlich genau zwischen der Nordspitze Australiens und dem südamerikanischen Staat Peru gelegen, mitten im Pazifischen Ozean, liegt in der Danga-Gruppe die kleine Koralleninsel Nassau, auf der es Kopra- und Kokosnußanpflanzungen gibt. Sie steht seit 1901 unter der Verwaltung Neuseelands. 1607 besetzten die Niederländer die heute zu Indonesien gehörenden Molukken-Inseln und rotteten die dort lebenden Bandanesen aus, weil sich diese ihren Gewürzmonopolansprüchen widersetzt hatten. Die Niederländer vertrieben zudem 16 Jahre später aus gleichem Grund die englische Konkurrenz (erst 1863/64 wurde übrigens das Monopol der Niederländer auf Gewürznelken und Muskat auf Banda aufgehoben). Zur Sicherung dieser Handelsniederlassung erbauten sie bereits 1607 das Fort Nassau. In gleicher Weise sicherte die 1602 gegründete "Holländische ostindische Handelskompagnie" viele ihrer weltweiten Niederlassungen durch Befestigungsanlagen. So entstand 1612 das Fort Nassau bei Mauré, nahe Accra an der Goldküste Afrikas. Es folgten bald weitere Forts mit der Bezeichnung "Nassau" in Afrika. Im Westen Zentral Neuguineas (im ehemaligen Niederländisch-Neuguinea) bildet das Nassau-Gebirge in Ost-West-Richtung eine etwa 300 km lange Bergkette, in der Ausdehnung etwa mit den Alpen vergleichbar. Der höchste Berg des Nassau-Gebirges, der Carstenz, ist mit seinen 5.030 m zugleich der höchste Gipfel Neuguineas. Im Nassau-Gebirge befindet sich eine rund 40 qkm große Vergletscherung. Das Gebirge besteht aus jungtertiären marinen Ablagerungen, die über 5.000 m gehoben wurden. Die Indonesier haben es zwischenzeitlich nach Sukarno umbenannt. An die Bergkette schließt sich das Oranje-Gebirge an, das mit dem 4.750 m hohen Wilhelmina-Berg (nach der "großen" niederländischen Königin benannt) ebenfalls eine beachtliche Höhe erreicht. Im Nordwesten Neuguineas ist nach Nassau eine Bucht benannt. Sie befindet sich 15 km südlich von Salamaua und öffnet sich zum Huon-Golf. Im Zweiten Weltkrieg (1943) landeten hier die Alliierten und brachten die japanische Luftbasis in ihre Gewalt. An der äußersten Südspitze Südamerikas - am 55. südlichen Breitengrad gelegen - befindet sich der Nassau-Golf, auch Bahia-Nassau genannt. Er ist zirka 100 km lang und 25 km breit und wird von den Navarino- und den Wollaston-Inseln eingeschlossen. Ebenfalls in Amerika - jedoch in den USA - entspringt in der äußersten Nordostecke Floridas der Nassau River. Dieser Fluß fließt in östlicher Richtung 40 Meilen durch Florida und mündet - nahe Jacksonville, der größten Stadt Floridas - in den Nassau-Sund, eine schmale Bucht des Atlantischen Ozeans zwischen der Amelia-Insel im Norden und der Talbot-Insel im Süden. Erinnerungen an Nassau und entsprechende Bezeichnungen gibt es in Nordamerika vielfältig. Unter der Protektion Herzog Adolphs von Nassau wanderten um die Mitte des vorigen Jahrhunderts nicht wenige Bewohner des Herzogtums nach Texas aus und hinterließen viele Spuren ihrer nassauischen Heimat. So findet man heute noch im Bereich der Stadt Round Top im Staate Texas unter der Bezeichnung Nassau-Plantage den erhalten gebliebenen Namen einer längst untergegangenen Siedlung vom Jahre 1841. Heute sind dort noch viele Einrichtungen mit deutschen Ausdrücken belegt und manche Nachkommen der Siedler sprechen noch nassauisch-deutsch. Auch die Stadt und der Staat New York in den USA weisen den Namen Nassau auf. So heißt in der Stadt New York die Parallelstraße zur Wallstreet Nassau Street. Ein etwa 300 Quadratmeilen großer Kreis des Staates New York auf Long Island mit dem Hauptort Mineola führt den Namen Nassau County. Er wird westlich begrenzt durch den Queens-Bezirk von New-York Stadt, im Osten durch Suffolk County, im Süden durch den Atlantik und im Norden durch den Long Island Sund. Nassau County ist heute ein Wohngebiet für fast anderthalb Millionen Einwohner und hat viele bedeutende Handels-, Industrie- und Einkaufszentren. Als "Kartoffelland" bezeichnet, ist es mit seinem Vorzugsklima für New York City ein äußerst wichtiges Versorgungsgebiet. Für Manhatten sind "Fresh Long Island-vegetables" sprichwörtlich geworden. Neben Kartoffeln und Frischgemüse liefert Nassau County New York City viele weitere Lebensmittel und Spezialitäten: Austern, Muscheln und andere Schalentiere, Fische, Getreide, Mehl, Saatgut, Blumen, Milch und Milchprodukte, Geflügel. Für New York ist Nassau County in vielfältiger Hinsicht ein ideales Ferien- und Erholungsgebiet. An der tief eingeschnittenen Küste befinden sich Sommerkolonien und Landsiedlungsgemeinschaften. Die Buchten mit den vielen Inselchen - oft vom Atlantik durch Strandbarrieren geschützt - weisen schöne Strände zum Baden und Brandungsangeln auf. Da die Buchten und Strände in und um Nassau County ideale "Tummelwiesen" für Segel- und Motorboote darstellen, nimmt es nicht wunder, daß sich hier sehr viele Jachtclubs gebildet und angesiedelt haben. "Playground of the East" wird mit gutem Grund Nassau County durch seine vielen "Spiel"-Möglichkeiten auf Golfplätzen, Rennstrecken, Baseballplätzen und bei Segelregatten und Surfs genannt. Wegen der besonders schönen Strände und wohl auch wegen der enormen Kapitalballung (hier wohnen die Allerreichsten der USA!) nennt man diese Gegend auch die "Gold-Coast of America". Allein das Vorhandensein von 46 Golfplätzen macht deutlich, daß sich hier ein Treffpunkt der High-Society Amerikas befindet. Nassau County ist geschmückt mit 60 großzügig angelegten Parks und landschaftsgärtnerisch gestalteten Staatsparkwegen. Durch ein gut ausgebautes Straßen- und Highwaynetz und mehrere Eisenbahnlinien ist es verkehrsmäßig hervorragend erschlossen. Hier befindet sich auch der internationale Flughafen "John F. Kennedy". Das Gebiet um New York war 1609 vom englischen Seefahrer Henry Hudson entdeckt und seit 1614 von Niederländern besiedelt worden, die es Neuniederland nannten. Sie gaben dem von ihnen gegründeten Hauptort den Namen Neu-Amsterdam. Die Kolonie Neuniederland wurde 1664 von den Engländern erobert und nach dem Herzog von York (dem späteren englischen König Jakob II.) in New York umbenannt. Der Name Nassau erinnert an die niederländischen Siedler und die niederländische Zeit New Yorks. 1898 spaltete sich der "Stadtteil" Nassau vom alten Queen County ab, und es kam durch den Zusammenschluß von vier Städten zur Bildung des County of Nassau. Die entsprechende Besiegelung und offizielle Namengebung fand am 1. Januar 1899 statt. Das dazu geschaffene Stadtsiegel trägt den Nassauer Löwen, das Wappentier des House of Nassau. Im Rensselaer-County nordöstlich von New York liegt ein Dorf Nassau mit über tausend Einwohnern. Hier befinden sich Fabriken für Kleidung, Apfelwein und Weinessig, Füllfederhalter und Bleistifte. Mitten in den USA, im Südwesten des Staates Minnesota, im "Lac qui parle"-County an der Grenze zu Süddakota, trägt ein Dorf von nur wenigen Hundert Einwohnern den Namen Nassau. Es liegt in einer fruchtbaren Korngegend 20 Kilometer nordwestlich von Madison. Als auf der Suche nach dem Seeweg nach Indien am 12. Oktober 1492 Kolumbus auf der Insel San Salvador landete, war damit nicht nur Amerika entdeckt, sondern auch die Inselwelt der Bahamas. Heute "entdecken" jährlich über eine Million ausländische Touristen (vor allem US-Amerikaner und Kanadier, aber inzwischen auch viele Deutsche) das karibische Insel-Paradies. Gut die Hälfte der Gesamtbevölkerung von etwa 230.000 (davon 85 Prozent Farbige) lebt auf New Providence, der - von etwa 700 - nur elftgrößten Insel. Die Hauptstadt von New Providence und zugleich des Landes ist Nassau. Sie liegt genau 300 km südöstlich von Miami/Florida und 550 km nordöstlich von Havanna/Kuba entfernt im äußersten Westatlantik. Die Landessprache ist englisch. In Nassau findet man alle christlichen Kirchen; es ist anglikanischer und katholischer Bischofssitz. Hier befindet sich das College of the Bahamas, ein großes Museum, Radio- und Fernsehsender, die bedeutende öffentliche Bibliothek und Organisationen des Commonwealth of the Bahamas. Wegen der streng gehüteten Bankgeheimnisse hat sich Nassau zu einem bedeutenden Finanzzentrum entwickelt. Lange Zeit war Nassau und seine Umgebung wegen seines Naturhafens und der zahlreichen versteckten Ankerplätze ein bevorzugter Stützpunkt spanischer, englischer und französischer Seeräuber. Die beeindruckenden Reste der drei im 18. Jahrhundert gebauten Forts Montagu, Charlotte und Fincastle lassen Erinnerungen an die Piratenzeit wachwerden. Drei naturkundliche Attraktionen bieten Außergewöhnliches aus der Karibik: der Nassau Botanic Garden mit allen Pflanzen und Blumenarten, kleinen Teichen, Kakteengärten und Kinderspielplatz - der Adastra Garden mit seinen in der Welt einzigartigen dressierten Flamingos - das Seafloor Aquarium mit Haifischen, Riesenschildkröten, lebenden Korallenbäumen, dressierten Seelöwen, Delphinen und anderen Meeresbewohnern. Wie die Bahamas allgemein ist New Providence mit Nassau vor allem wegen seines Klimas, seines warmen und klaren Wassers, seiner herrlichen Badestrände und der vielen Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und sportlicher Betätigung für Taucher, Sportfischer, Segler, Motorbootfahrer, Golfer oder Tennisspieler ein besonderer Anziehungspunkt. Der Nassau International Airport ist der bedeutendste und auch der einzige interkontinentale Flughafen der Bahamas. Hier landen die Touristen aus aller Welt, wenn sie nicht per Schiff in den Hafen von Nassau einlaufen. Hoch über dem Hafen ist das Government House mit der davor stehenden Kolumbusstatue zu sehen. Es ist Sitz des Generalgouverneurs (des Staatspräsidenten). Mehr als 200 Jahre waren die Bahamas britische Kronkolonie. Am 10. Juli 1973 erlangten sie ihre nationale Unabhängigkeit, blieben aber weiterhin ein Staat im "Commonwealth of Nations". Die britische Königin ist als formelles Staatsoberhaupt anerkannt und wird durch den Generalgouverneuer vertreten. Als englische Siedler ab 1666 auf der Insel Fuß gefaßt hatten, nannten sie den Hauptort zu Ehren des damaligen Königs Karl II. von England Charles Town. Während der Regierungszeit Wilhelms III. von Oranien-Nassau, der von 1689-1702 Generalstatthalter der Niederlande und zugleich britischer König war, wurde zu Ehren dieses Regenten aus dem Hause Nassau im Jahre 1695 die Hauptstadt der Bahamas in Nassau umbenannt. Der holländische Seefahrer Willem Barents erreichte auf der Suche nach einer Durchfahrt vom Nordmeer in nordöstlicher Richtung zur Sibirischen See als erster die Westküste von Nowaja Semlija. Auf seiner dritten Fahrt 1596 entdeckte er die Bäreninsel und Spitzbergen. Am "Kap Nassau" der sibirischen Insel Nowaja Semlija errichtete er - vorwiegend aus Treibholz - eine Schutzhütte, da ihn das Eis bei der Umsegelung Nordsibiriens zur Überwinterung zwang. Barents fand hier am 20. Juli 1597 den Tod. Im September 1871 - also fast 300 Jahre später - fand der norwegische Kapitän E. Carlsen die Schutzhütte Barents nahezu unversehrt und darin seinen schlichten Bericht über das Unternehmen. Durch Barents erhielt das Kap Nassau seinen Namen, und nach ihm sind die arktische Barentssee und die Barentsinseln (Ostspitzbergen) benannt. Mitten im Dreieck Antwerpen-Breda-Eindhoven liegt das mit etwa 8.000 Einwohnern recht große Dorf Baarle-Nassau-Hertog. "Het is gezellig in Baarle" wirbt ein Prospekt vom Fremdenverkehrsverein von Baarle. Man kann durchaus sagen, daß es nicht nur gesellig, sondern höchst interessant und merkwürdig in Baarle-Nassau-Hertog ist. "Baarle - twe in een" heißt es im Prospekt weiter. Das Dorf setzt sich aus zwei Gemeinden - einer holländischen und einer belgischen - zusammen und wird von einem holländischen und einem belgischen Gemeindevorstand verwaltet. Jeder Gemeindeteil stellt einen eigenen Bürgermeister. Dieses Kuriosum begann bereits Ende des 12. Jahrhunderts. Gottfried van Schoten, Grundherr von Breda, hatte das südlich von Breda gelegene Land um Baarle in Besitz, das früher dem Herzog von Brabant gehörte. Aus dieser Situation entwickelte sich mit der Zeit das holländische (nassauische) Baarle-Nassau und das herzogliche (hertogliche), heute belgische Baarle-Hertog: "Zwei" in einem Dorf, wie es dort heißt. Dies blieb Jahrhunderte so. Auch als im Jahre 1843 die Grenze zwischen den Niederlanden und Belgien festgelegt wurde, änderte sich dieser Zustand nicht. Es erwies sich als unmöglich, die Grenze auf dem Gebiet von Baarle genau zu bestimmen. Es wurde ein Grenzabkommen abgeschlossen, worin von den 5.732 Grundstücken die Nationalitäten festgelegt wurden. Eine bestimmte Anzahl dieser Grundstücke bilden die 21 belgischen Enklaven, das heutige Baarle-Hertog in Holland. Obwohl dieser sonderbare Zustand über Jahrhunderte hinweg viele Verwicklungen und Schwierigkeiten heraufbeschwor, möchte ihn die niederländisch-belgische Bevölkerung von Baarle nicht geändert haben. Die vertraute Sphäre soll unbedingt erhalten bleiben. "Was wäre", sagt man hier, "Baarle ohne das typische Baalsche." Man will, als das "Zwillingsdorf" Baarle-Nassau-Hertog, das "merkwürdigste Dorf auf der ganzen Welt" bleiben. Es muß nicht immer ein Dorf, eine Stadt oder gar ein Kreis sein, der sich "Nassau" nennt. Bei einer Stadtführung in Nürnberg wird dem Besucher mit Sicherheit das Nassauer Haus gezeigt (Karolinenstraße 1, gegenüber der berühmten St.-Lorenz-Kirche). Der älteste Grundtyp Nürnberger Wohnbaus ist der steinerne, ehemals von Zinnen bekrönte Wehrturm als Herrensitz einer adligen Familie. Ein einziger - eben das Nassauer Haus - hat sich bis heute erhalten. Dieses Turmhaus stammt aus der spätromanischen Zeit (12./13. Jahrhundert). Damals wurden wohl Keller, Erdgeschoß und erstes Stockwerk gebaut, die oberen Geschosse und Aufbauten mit dem reizvollen "Chörlein" und dem reichen bildhauerischen Schmuck wurden 1422-1437 durch den Hauseigentümer Jobst Haug aufgesetzt. Sein Besitznachfolger, der wohlhabende Ulrich Ortlieb, hat, zur Erinnerung daran, daß ihm König Sigismund 1431 seine Krone für 1.500 Gulden gepfändet hat, die obere Steinbalustrade mit dem Wappen des Königs, des Papstes, der sieben Kurfürsten und der Reichsstadt Nürnberg geschmückt. Seit 1709 ist das Haus Nassau im Besitz der Schlüsselfelderschen Stiftung. Es hat seinen Namen tatsächlich von unserem Nassau an der Lahn, da man es mit dem Grafen von Nassau, insbesondere dem König Adolf von Nassau, in Verbindung brachte. Dies sei allerdings - was wir nicht glauben wollen! - irrtümlicherweise geschehen. 1945 wurde das Nassauer Haus schwer beschädigt, jedoch 1950-1952 wieder aufgebaut. Wir gehen etwa 300 km weiter in das südliche Deutschland bis an die Donau bei Deggendorf. Hier finden wir - wenn wir genau hinschauen - auf Karten mit entsprechendem Maßstab einen kleinen Ort mit "Nassau" bezeichnet. Es handelt sich um einen Weiler mit 14 Einwohnern, der zur Gemeinde Offenberg in Neuhausen im Landkreis Deggendorf gehört. Nur 10 km nordwestlich Deggendorfs gelegen, befindet sich Nassau gerade noch im Naturpark Bayrischer Wald. Wer dorthin schreiben möchte, hat die neue Postleitzahl 83371 (Post Buchberg) zu verwenden. Wer jedoch mit dem PKW Nassau besuchen möchte, fährt auf der Autobahn A3 bis zur Ausfahrt Metten an der Donau. Da über die Entstehungsgeschichte des Namens dieses Weilers nichts bekannt ist, kann mir auch niemand widersprechen, wenn ich als selbstverständlich voraussetzte, daß von unserem Nassau (Lahn) auch dieser Name hergeleitet wurde. Im Hohenlohischen Frankenland, mitten im Main-Tauber-Kreis, finden wir auch ein Nassau. Es war bis zur Gemeindereform von 1972 noch eine selbständige Gemeinde und ist nun, mit einer Fläche von 1.787 ha, der größte von sieben Stadtteilen der Kernstadt Weikersheim an der Tauber. Statt eines Bürgermeisters "regiert" hier ein Ortsvorsteher. Anders als im Fall Nassau an der Lahn rührt hier der Name tatsächlich vom Wasser her. Der Ort war früher von einem Wassergraben umgeben. So kam es im Laufe der Jahre zu den Bezeichnungen Nassa oder Nassach. Im Volksmund wird der Ort heute noch Nassich (Ort am Wasser) genannt. Urkundlich wird Nassau erstmals zu Beginn des 12. Jahrhunderts erwähnt. Seit dem 13. Jahrhundert ist es im Besitz des Hauses Hohenlohe. Daneben gab es in Nassau einen Ortsadel, der jedoch nur selten genannt wurde. Hier steht eine noch aus staufischer Zeit stammende Pfarrkirche mit frühgotischen Fresken und einem Turm aus der Spätromanik. Im Zuge der landwirtschaftlichen Flurbereinigung wurde außerhalb des Ortes ein Stausee angelegt, der heute als der Nassauer See Bade- und Erholungszwecken dient. Daneben gibt es im Stadtteil Nassau noch einen "Feuersee", das Löschwasserreservoir der örtlichen Feuerwehr. Wichtig für die 370 Bürger ist die schöne Festhalle, die den Sporttreibenden, dem Gesangsverein "Sängerkranz", der Freiwilligen Feuerwehr, dem Landfrauenverein und der Sportfischergemeinschaft Nassau auch gute Dienste als Mehrzweckhalle tut. Im Ort gibt es ein Bestattungsinstitut, ein Autohaus, ein Transportunternehmen und eine Zweigstelle der Volksbank Weikersheim. Im Osterzgebirge, 45 km südwestlich von Dresden, in einem bis 100 m tief eingeschnittenen Seitental der Freiberger Mulde, liegt das Waldhufendorf Nassau. Vom Wald eingeschlossen, zieht es sich 7 km am Dorfbach und an der Dorfstraße entlang. Hier, in diesem gern besuchten Urlaubs- und Erholungsort, leben ca. 1.400 Einwohner. Viele Erholungssuchende - insbesondere aus den Ballungsräumen Chemnitz und Dresden - finden sich regelmäßig ein. Der in den Monaten Januar bis März recht schneesichere Ort (er liegt auf einer Höhe von 495-760 m über NN) zieht vor allem Winterurlauber und Skifahrer an. Neben der Landwirtschaft spielt das Hotel- und Gaststättengewerbe eine führende Rolle. Wanderungen auf gut beschilderten Wegen und Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung zu sehens- und erlebenswerten Zielen bieten sich an. Nur ein Katzensprung ist es nach Frauenstein und Freiberg, zum Spielzeugmuseum Seiffen und zum Eisenhammer in Dorfchemnitz. Nicht weit liegen das Hochmoor in Zinnwald und die Talsperren Rauschenberg, Lehnmühle und Lichtenberg. Und wen zieht es nicht in die nahe Sächsische Schweiz und die Bastei! In Nassau erinnert das 1912 errichtete Steiger-denkmal an den fortschrittlichen Landtagsabgeordneten und Erbrichter von Nassau Carl Gotthilf Steiger, unter dessen Führung sich die Bewohner Nassaus 1834 von Frondiensten und anderen Belastungen befreiten. Mit der 1748 eingeweihten Orgel verfügt das Kirchlein von Nassau über ein ganz besonderes Kleinod: eines der besterhaltenen Werke des berühmten Orgelbauers Gottfried Silbermann. Den "Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins" von 1926 ist über Nassau zu entnehmen: "Mundartlich de Nass, das Dorf in der wasserreichen Aue. Nassau gehörte einst zur Herrschaft Rechenberg, später zum Amt Frauenstein und wurde Anfang des 13. Jahrhunderts von vorwiegend fränkischen Siedlern angelegt. Die erste urkundliche Erwähnung stammt allerdings erst aus dem Jahre 1449, und zwar als "Nassau" (Naßaue)." Ohne daß offiziell eine Partnerschaft beschlossen worden wäre, bestehen seit der "Wende" gute und intensive freundschaftliche Beziehungen zwischen Nassau an der Lahn und Nassau im Erzgebirge. Nun habe ich Sie, liebe Leser, mit vielen Nassaus bekanntgemacht und, wie ich glaube, mit der Vielzahl überrascht. Diese rein sachliche Darstellung möchte ich jedoch ganz persönlich, menschlich, abschließen. Ist auch die Zahl der verschiedenen Dörfer, Städte und Stätten groß, die diesen Namen tragen, so wimmelt es geradezu daneben von Nassauern - in der ganzen Welt! Im "Rösselsprung" durch
die Von Karl-Heinz Schönrock Die Geschichte des Hauses Nassau - seiner Herren, Grafen, Könige, Prinzen, Fürsten, Herzöge und Großherzöge, seiner hohen geistlichen Würdenträger, seiner Haupt-, Neben- und Teillinien, seiner Verästelungen und Verzweigungen, seiner Teilungen, Wiedervereinigungen und Vererbungen - ist eine äußerst komplizierte und schwierige Angelegenheit, die sicher nur von wenigen Fachhistorikern wirklich bewältigt wird. Meine Absicht ist es, längsschnittartig einen einigermaßen nachvollziehbaren Überblick über die Geschichte des Hauses Nassau von seinen Anfängen bis zur Gegenwart zu geben, der selbstverständlich bei weitem nicht lückenlos und vollständig sein kann und soll. Daß ein solcher Überblick notwendigerweise nur in zeitlichen Sprüngen und mit gewissen Vereinfachungen und Abrundungen präsentiert werden kann, muß nicht ausdrücklich betont werden. Frühzeit der Nassauer Grafen Über der Vor- und Frühzeit der Grafen von (Laurenburg-) Nassau liegt der Dunstschleier der Geschichte. Tief im Nebel der Zeit lassen sich nur ungefähre Konturen ihrer Vorfahren - der Herren von Lipporn vom 9. bis 11. und schließlich im 11. und 12. Jahrhundert der Grafen von Laurenburg - erkennen. Lediglich Nennungen in diversen Urkunden lassen entsprechende Rückschlüsse und Vermutungen über Verbindungen und Verwandtschaftsverhältnisse zu. So weiß man von einem Drutwin, der 940/47 die Florinskirche zu Lipporn gründete und von einem Grafen Ruprecht von Laurenburg, der von 1079-1089 Mainzer Vogt im Siegerland war. 1093 wird in der - allerdings gefälschten ! - Laacher Stiftungsurkunde Graf Dudo von Laurenburg erwähnt. Erstmals verläßlich wird dieser genannt, als er 1117 das sich in seinem Besitz befindliche Lipporn mit der Florinskirche zur Stiftung einer Probstei dem Kloster Schaffhausen übereignet. Er nennt sich dabei selbst "Tuto de Lurinburg, advocatus". Die Ursprünge und der Bau der Burg Nassau sind bis heute umstritten und noch immer nicht völlig geklärt. Offenbar durch Besitzansprüche der Laurenburger im Bereich der Grundherrschaft Nassau des Wormser Domstiftes kam es wohl um 1100 zum Bau der Burg auf dem Bergkegel in Nassau. Die Grafen Rupert oder Ruprecht (1124-1152) und Arnold (1124-1148) von Laurenburg, Enkel (väterlicherseits) des Mainzer Vogtes Graf Ruprecht und Söhne des 1117 erwähnten Grafen Dudo, nahmen um 1120 endgültig Besitz von der Burg Nassau. Sie verlegten - wie man heute sagen würde - ihren Wohnsitz von Laurenburg nach Nassau und gestalteten die Burg weiter aus. Dadurch gerieten die beiden Grafenbrüder in heftigen, jahrzehntelangen Streit mit dem Domstift zu Worms, das sich selbst als Besitzer des gesamten Nassauer Burgberges empfand und die Besitzergreifung durch die Laurenburger für widerrechtlich erklärte. Der Streit zwischen den Grafen und dem Domstift wurde schließlich, da keine Einigung zwischen den Streitenden zustandekam, vor den höchsten Instanzen des Reiches und der Kirche fortgeführt. Der Streitfall lag Kaiser Lothar vor, als dieser 1128/1129 seinen Hoftag in Worms hielt. Kaiser Lothar entschied gegen die Brüder, die jedoch trotzdem die Burg und den Berg in ihrem Besitz behielten. Der Wormser Bischof brachte die Angelegenheit vor den Heiligen Stuhl und erwirkte 1152/1153 durch Papst Eugenius III. die Exkommunikation des Grafen Rupert. Diese wurde - nachdem die Nassau-Laurenburger sich von den gegen sie gerichteten kaiserlichen und kirchlichen Entscheidungen unbeeindruckt zeigten - am 13. Mai 1154 von Papst Anastasius IV, ebenfalls Ruperts Witwe Beatrix von Limburg und deren Söhnen Rupert und Arnold angedroht, falls sie nicht innerhalb von 14 Tagen die Burg Nassau und deren Umgebung zurückgeben würden, die der inzwischen verstorbene Rupert widerrechtlich dem Wormser Domkapital entzogen habe. Beatrix und ihre Söhne blieben hart. Selbst die Androhung des päpstlichen Bannstrahls vermochte sie nicht zum Verzicht zu bewegen. Der Zwist fand schließlich durch die Mithilfe des Erzbischofs Hillin von Trier seine gütliche Lösung. Dieser tauschte am 9. März 1159 vom Domstift Worms die Burg Nassau gegen seinen Hof zu Partenheim im Nahegau. Am 1. April 1159 belehnte er daraufhin die Gräfin Beatrix von Laurenburg und deren Söhne mit der Burg, nachdem diese auf ihre Eigentumsrechte an der Burg verzichtet und 150 Mark gezahlt hatten. Die Laurenburger erkannten die Burg Nassau als Lehen und "offenes Haus" des Erzbischofs von Trier an und räumten ihm einen Platz zum Bau eines Hauses und einer Kapelle für den Fall ein, daß er oder einer seiner Nachfolger hier einmal vorübergehend seinen Wohnsitz nehmen wollte. Zum Lehen gehörte auch das "Tal" (der Ort) Nassau, Hof Gericht und Kirchensatz. Nach diesem Vergleich mit Worms und der Belehnung durch das Trierer Erzstift war Nassau nun endgültig Sitz des (früheren) Laurenburger Grafenhauses geworden, das sich fortan nach dieser Burg und dem Ort im Tal "von Nassau" nannte. Erster urkundlich erwähnter "Graf von Nassau" (1160) ist Heinrich I. ("Henricus comes des Nassouve"). Landesteilung Unser erster "Rösselsprung" bringt uns zur "Bruderteilung", der großen Nassauischen Landesteilung des Jahres 1255. Die Grafschaft Nassau hatten einen enormen Aufstieg erlebt und sehr zügig großen Besitz erworben, den die Grafen durch enge Beziehungen zu den Staufern, insbesondere zu Kaiser Friedrich I., genannt Barbarossa, festigten, so daß der bis etwa zur Mitte des 13. Jahrhunderts regierende Graf Heinrich II. zu Recht den Beinamen "der Reiche" erhielt. Als dessen Bruder Rupert IV. 1230 dem Deutschen Ritterorden beitrat, überließ Graf Heinrich großzügig dem Deutschorden viele nassauische Dörfer und die Patronate der Kirchen zu Herborn, Frickhofen und Niederzeuzheim. Darüber hinaus machte sich Heinrich der Reiche durch zahlreiche große Schenkungen an Klöster einen Namen. Nachdem nun Heinrich 1247 gestorben war, führten seine Söhne Walram II. und Otto I. zunächst gemeinsam die Herrschaft über die große und bedeutende Grafschaft. Am 16. Dezember 1255 ließen sie dann durch beiderseits Bevollmächtigte ihr Land teilen., mit der Lahn als Grenzlinie. Otto, der jüngere der Brüder, hatte das Recht der Wahl. Er wählte sich das nördliche Gebiet mit den Städten Siegen, Dillenburg, Herborn und Ginsberg. Den südlichen Teil der Grafschaft, die Taunusseite mit den Städten Idstein und Weilburg, erhielt Walram. Beiden gemeinsam blieben die Burg Nassau, der Hof in Nassau mit allem Zubehör, die Grafschaft auf dem Einrich, Becheln und Sulzbach, die Laurenburg mit der Esterau, die Pfandschaften und Lehen. Das Patronatsrecht zu Nassau kam an Otto, der auch jährlich 12 Karraten Wein vom Zehnten in Niederlahnstein erhalten sollte. Graf Otto war nach Norden orientiert und nahm von nun an seinen Wohnsitz in Siegen. Der Teilungsvertrag von 1255 beendete jäh den schnellen und beachtlichen Aufstieg der Grafschaft Nassau zu einer großen Territorialmacht und bestimmte das Schicksal des Hauses Nassau bis zum heutigen Tage, blieben doch die ottonische und walramische Hauptlinie auf Dauer gespalten. Die Landesteilung war Ausgangspunkt einer Zersplitterung und Zerstückelung der Grafschaft in viele Teil- und Untergrafschaften, Herrschaftsgebiete, Linien und Nebenlinien. Ohne auf die äußerst komplizierten und verwickelten Vererbungen und Teilungen selbst einzugehen, will ich nachfolgend kurz und grob die durch spätere Teilungen entstandenen Linien aufzeigen. Die ottonische Linie teilte sich 1303 in die ältere Dillenburger (bis 1328), die ältere Hadamarer (bis 1394) und die Siegener Linie (bis 1734 und 1743).1348 wurde durch Einheirat die Grafschaft Diez erworben. Es zweigten die älteren Beilsteiner (1343), die Liebenscheider (1380) und die Bredaer Linien (1403) ab und fielen immer wieder zurück. Die seit 1516 endgültig selbständige Bredaer Linie erbte 1530 das südfranzösische Fürstentum Orange (Oranien) und begründete damit das Haus Nassau-Oranien. Die Bredaer oder ältere oranische Linie starb 1702 aus und wurde von der Diezer oder jüngeren Oranischen Linie beerbt, die 1815 Nassau verlor, jedoch seit dieser Zeit den niederländischen Königsthron innehat und die bis 1890 das Großherzogtum Luxemburg mitregierte. Graf Johann VI. von Dillenburg (1559-1606) gelang es, alle ottonischen Gebiete noch einmal zu vereinen. Nach seinem Tode teilte sich die ottonische Linie dann in die jüngeren Linien Beilstein (bis 1620), Dillenburg (bis 1739), Hadamar (bis 1711), Siegen (bis 1734/43) und in die Linie Diez. Die walramische Linie spaltete sich genau hundert Jahre nach der Bruderteilung, 1355, in die Idstein-Wiesbadener (bis 1605) und die Weilburger Linie. Graf Philipp I. von Nassau-Weilburg trat 1381, nach dem Tode des letzten Saarbrückener Grafen Johann II., die Nachfolge in der Grafschaft Saarbrücken nebst Commercy und Morley in Lothringen an, ein großer territorialer Erfolg ! Weitere Trennungen von Linien und Aufteilungen von Gebieten (zwei-, drei- und vierherrische Gebiete) schwächten das walramische Grafenhaus. Graf Ludwig II. (1565 - 1627) gelang noch einmal die Vereinigung aller walramisch-nassauischen Grafschaften (Weilburg, Saarbrücken, Wiesbaden, Idstein). Dies war jedoch nur kurzfristig und hatte keine bedeutenden politischen Folgen. Seit 1651 bestanden fünf walramische Teillinien: die Wiesbaden-Idsteiner (bis 1721), die Saarbrücker (bis 1723 und 1797) mit ihren Zweigen Ottweiler (bis 1728) und Usingen (bis 1816) und die jüngere Weilburger Linie (bis 1912). 1688 wurden der Graf von Idstein und 1737 der von Weilburg gefürstet. Nun im "Rösselsprung" entlang der beiden nassauischen Hauptlinien zu einigen bedeutenden geschichtlichen Ereignissen und Personen. Walramische Linie Nach dem Tode König Rudolfs von Habsburg (1291) wollten die deutschen Kurfürsten verhindern, daß dessen Sohn Albrecht König wird. Sie kürten darum den mit relativ wenig Hausmacht ausgestatteten Grafen Adolf von Nassau, Sohn des Begründers der walramischen Linie, 1292 zum deutschen König, weil sie unter anderem hofften, ihn "ausnehmen" zu können und mit ihm leichtes Spiel zu haben. In diesen Erwartungen getäuscht, setzten die Kurfürsten - einmalig in der deutschen Geschichte ! - Adolf nach sechsjähriger Regierungszeit ab und wählten nun doch Albrecht zum König. König Adolf spielte dieses Spiel aber nicht mit, und es kam zum entscheidenden Kampf zwischen den Heeren der beiden Kontrahenten - zur letzten großen Ritterschlacht der Weltgeschichte am Hasenbühl bei Göllheim am Donnersberg. Als Ritter selbst kämpfend, fiel König Adolf am 2. Juli 1298. Albrecht von Habsburg wurde sein Nachfolger. In seinem nassauischen Gebiet hatte Graf und König Adolf insbesondere die Städte Weilburg und Idstein gefördert, die Burg Sonnenberg bei Wiesbaden ausgebaut und das Kloster Klarenthal gegründet. Andere Walramen erlangten hohe geistliche Würden. Da ist zuerst Bischof Johann von Utrecht (1267 - 1288) zu nennen. König Adolfs Bruder Diether wurde Erzbischof von Trier (1300 - 1307), sein Enkel Gerlach Erzbischof von Mainz (1346 - 1371). Später folgten aus dieser älteren Linie Nassau-Idstein auf dem Mainzer Erzbischofsstuhl noch Adolf I. (1381 - 1390), Johann II. (1397 - 1419) und Adolf II. (1461 - 1475). Nun ein großer Sprung über dreieinhalb Jahrhunderte: Gut drei Jahre nach dem Reichsdeputationshauptschluß von 1803 traten neben weiteren 14 deutschen Potentaten die Fürsten von Nassau-Usingen und Nassau-Weilburg dem unter dem Protektorat Napoleons gegründeten Rheinbund bei. Sie erhielten durch die Rheinbundakte vom 12. Juli 1806 für linksrheinische Verluste erhebliche rechtsrheinische Gebietsgewinne (die Grafschaft Holzappel, die Herrschaft Schaumburg, die Steinschen Besitzungen Frücht und Schweighausen, das Dorf Wasenbach und die Burg Langenau) und zugleich den Herzogtitel. Friedrich August von Nassau-Usingen wurde der erste von drei Herzögen Nassaus. Nach Bestätigung des Herzogtums durch den Wiener Kongreß (1815) und nach dem Tode des Usingers (1816) folgte Herzog Wilhelm von Nassau-Weilburg auf dem Thron des nunmehr vereinigten Herzogtums Nassau. Er war es dann auch, der durch einen Vertrag mit dem Königreich Hannover die Universität Göttingen zur Nassauischen Landesuniversität machte, um Studierwilligen aus seinem Herzogtum, zukünftigen Nassauer Landesbeamten, dort das Studium zu ermöglichen. Als besonderen Anreiz richtete er ihnen in Göttingen einen Freitisch ein und legte damit den Grundstein zur Entstehung des berühmt-berüchtigten "Nassauerns". Einen Tag nach dem Tode seines Vaters Wilhelm bestieg Erbprinz Adolf den Herzogsthron. Er hatte das Pech, im "Deutsch-Deutschen Kriege" von 1866 mit Österreich, Hannover und Kurhessen auf der "falschen" Seite zu stehen und verlor dadurch sein blühendes Nassauer Ländchen. Von Preußen annektiert, trug es fortan den Namen Provinz Hessen-Nassau. Herzog Adolf wurde abgesetzt und durch Vertrag vom 18. September 1867 mit einer Entschädigung abgefunden. Er mußte sein Land verlassen und lebte zunächst vorwiegend in Wien oder auf seinem Schloß Hohenburg bei Lenggries, gelegentlich auch in seinem Palais in Königstein im Taunus. Da, wie wir noch sehen werden, die nassau-oranische Linie in den Niederlanden ausstarb, wurde Adolf aufgrund eines entsprechenden nassauischen Hausgesetzes Großherzog von Luxemburg. Als er 1905 starb, trat sein Sohn Wilhelm (Guillaume IV) die Nachfolge an. Mit dessen Tod war auch die walramische Linie 1912 im Mannesstamm erloschen. Bis 1964 regierten die Großherzoginnen Marie-Adelheid (1912 - 1919) und Charlotte (1919 - 1964). Letztere, gest. 1985, übertrug ihrem Sohn Jean 1964 das Amt des Großherzogs von Luxemburg, das er heute noch innehat. Durch dessen Sohn Henri (geb. 1955), verheiratet mit der Cubanerin Marie-Teresa Mestre, ist der walramischen Linie des Hauses Nassau die männliche Nachfolge wieder gesichert. Ottonische Linie Wie wir bereits wissen, war die ottonische Linie von Beginn an nördlich orientiert. Während nach der Landesteilung von 1255 in Weilburg, Idstein, Usingen und schließlich in Wiesbaden, Saarbrücken und Kirchheimbolanden Residenzen der walramischen Nassauer Grafen entstanden, residierten weitab der Burg Nassau, die bisher als Wohnsitz gedient hatte, die Grafen der ottonischen Linie in Dillenburg, Siegen, Herborn, Beilstein und Hadamar. "Von Beatrix zu Beatrix" könnte man die Geschichte der ottonischen (oranischen) Nassauer überschreiben, denn mit der schon zu Anfang erwähnten Eheschließung des Grafen Rupert mit Beatrix von Limburg, Tochter des Herzogs Walram von Niederlothringen (und damit erste "nassauische" Gräfin), spannt sich der Bogen bis zur heute regierenden Königin Beatrix der Niederlande aus dem Hause Nassau-Oranien. Auch Ruperts Urenkel, Graf Heinrich der Reiche, holte sich mit der Gräfin Mechthild von Geldern eine Frau aus den Niederlanden. Die beachtliche Stellung, die das Haus Nassau später in den Niederlanden gewann, wurde erst 1403 wirklich eingeleitet, als sich Graf Engelbert I. von Nassau-Dillenburg mit der sehr reichen Erbin Johanna von Polanen, von der Leck und Breda vermählte. Engelbert I. wurde durch diese Heirat der Stammvater der Linie Nassau-Breda, die Ausgangspunkt für alle künftigen Beziehungen Nassaus zu den Niederlanden werden sollte. Wilhelm von Oranien Als Nassauer von weltgeschichtlicher Bedeutung begegnete uns Graf Wilhelm I. von Nassau-Dillenburg, Sohn Wilhelms des Älteren (des Reichen) von Nassau-Dillenburg und Julianes von Stolberg. Er wurde am 24. April 1533 im Dillenburger Schloß geboren. Von seinem Vetter Renatus (René) von Chalon, Prinz von Orange, Graf von Nassau-Breda, erbte Wilhelm 1544 das kleine, von Kaiser Friedrich Barbarossa 1178 zum Fürstentum erhobene Orange an der Rhône, das erst 1530 durch Erbschaft an ihn gefallen war. Graf Wilhelm I. von Nassau, später auch "der Schweiger" oder "Wilhelmus von Nassauen" genannt, legte sich von nun an auch den Beinamen "von Oranien" (als deutsche Form von "Orange") zu. Diesen übernahmen dann auch seine Nachfolger, und er vererbte sich schließlich auf die Angehörigen des Hauses Nassau-Diez, das heute noch mit Königin Beatrix in den Niederlanden regiert. Wilhelm von Oranien regierte seit 1559 als Statthalter von Holland, Zeeland, Utrecht und West-Friesland. Als Führer des niederländischen Freiheitskampfes gegen die spanische Fremdherrschaft und grausame Unterdrückungspolitik von König Philipp II., Herzog Alba, der Regentin Margarete von Parma und dem Kardinal Granvella hat er sich höchste Verdienste erworben. Wilhelm und seine Brüder haben nicht nur nahezu ihr gesamtes (nassauisches) Vermögen, sondern auch ihr Leben für den Unabhängigkeitskampf der Niederlande geopfert. Wilhelm wollte die Aufhebung der Inquisition, die Toleranz der verschiedenen Religionen und die Befreiung von der spanischen Herrschaft erreichen. Trotz seiner starken Persönlichkeit und der Zielstrebigkeit seines lebenslangen Kampfes hat er dieses hohe Ziel nicht ganz erreicht, hatte aber doch die Grundlage für die Errichtung der niederländischen Republik gelegt. Die Niederländer ehren Wilhelmus von Nassauen noch heute als den "Vater des Vaterlandes" und besingen ihn stolz im "Wilhelmus", der niederländischen Nationalhymne. Weltbedeutung erlangte auch der 1650 in Den Haag geborene Wilhelm III. von Oranien, der Urenkel des "Schweigers" und Sohn Wilhelms II. Als Ludwig XIV. von Frankreich 1672 in die Niederlande einfiel, erlangte Wilhelm als Generalkapitän der niederländischen Truppen und Statthalter in fünf von sieben Provinzen der Republik die traditionellen Ämter der oranischen Hauptlinie, zwang die Franzosen zum Rückzug und leistete in der Folgezeit der Hegemonialpolitik des Sonnenkönigs erfolgreich Widerstand. Durch seine Vermählung (1677) mit Maria, der Tochter des englischen Stuart-Königs Jakob II. (nicht identisch mit Schillers "Maria Stuart"), hoffte er, auch die Unterstützung Englands gegen Frankreich zu gewinnen. Da Jakob II. wiederholt versuchte, gegen das Parlament zu regieren und durch ihn zudem die Wiedereinführung des Katholizismus in England drohte, rief die parlamentarische Opposition Wilhelm 1688 gegen Jakob II. nach England. Wilhelm von Oranien folgte diesem Ruf sofort und landete mit einer starken Macht noch im November 1688 in England. Jakob II. floh nach Frankreich zu Ludwig XIV. Nachdem Wilhelm und seine Frau Maria die "Declaration of Rights" beschworen hatten, erhielten beide im April 1689 die englische Königskrone. Die nun folgende politische Umwälzung in England ist als die "Glorreiche Revolution" in die Geschichte eingegangen. Wilhelms Bedeutung liegt vor allem in seiner erfolgreichen Politik gegenüber Frankreich (auch als der französische König die spanische Erbfolge beanspruchte). Er verhinderte den Sieg des gegenreformatorischen Kampfes Ludwigs und machte die Idee des europäischen Gleichgewichts zu einem Leitsatz der zukünftigen englischen Politik. Ihm, dem Sohn aus dem Hause Nassau zu Ehren, wurde die Stadt Charles-Town auf den Bahamas in "Nassau" umbenannt. Wilhelm regierte als Statthalter der Niederlande und König von England (darum auch "Statthalterkönig" genannt) bis zu seinem Tode 1702. Da er kinderlos blieb, starb mit ihm auch die nassau-dillenburgische Linie in den Niederlanden aus. An die Regierung kam die Linie Nassau-Diez, mit der es in gerader Folge bis zur heute regierenden Königin Beatrix weitergeht. Als Statthalter der Niederlande folgten später Wilhelm IV. Karl Heinrich Friso (1711 - 1751), Prinz von Oranien; Wilhelm V., Fürst von Oranien-Fulda (1748 - 1806); Wilhelm VI., Fürst von Oranien-Fulda (1772 - 1843). In der nachnapoleonischen Zeit wurde durch den Wiener Kongreß Europa neu geordnet. Die Niederlande wurden zum Königreich und Luxemburg zum Großherzogtum. Statthalter Wilhelm VI. wurde König der Niederlande und zugleich Großherzog von Luxemburg und nannte sich als König fortan Wilhelm I. Ihm folgten noch die Könige Wilhelm II. und Wilhelm III., die ebenfalls als Großherzöge Luxemburg regierten. Als mit König Wilhelm III. 1890 die oranische Linie im Mannesstamm ausstarb, ging, wie bereits erwähnt, nach dem nassauischen Hausvertrag das Großherzogtum Luxemburg an die walramische Linie über. Bis zur Inthronisierung der beim Tode ihres Vaters erst zehnjährigen Tochter Wilhelmina regierte Königin-Witwe Emma in den Niederlanden. Am 31. August 1898, als Wilhelmina 18 Jahre alt und nach niederländischem Recht großjährig wurde, legte Königin Emma die Regentschaft nieder, und Wilhelmina war für die nächsten 50 Jahre Königin der Niederlande. Sie gab die Krone 1948 in die Hände ihrer Tochter Juliana, die wiederum nach 32 jähriger Regentschaft die Königswürde am 30. April 1980 ihrer ältesten Tochter Beatrix übertrug. Nun, in der 26./27. Generation des Hauses Nassau, ist die männliche Erbfolge in der nassau-oranischen Linie wieder gesichert, denn mit Beatrix und Klaus von Amsbergs ältestem Sohn Wilhelm Alexander steht ein Erbprinz zur Übernahme des Königsamtes bereit. Quelle: Erstveröffentlichung in Heimatjahrbuch des Rhein-Lahnkreises 1989
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