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Die Kur Ob die Römer bereits die warmen Quellen unmittelbar hinter dem Limes genutzt haben, ist ungewiss. Größere Badeanlagen haben sie jedenfalls nicht errichtet. An der Kränchen-Quelle wurden lediglich einige römische Münzen (Vitrine 1, links) aus der Anfangszeit des Limes gefunden.
Die ersten mittelalterlichen Badebecken wurden dort, wo heute das Kurhaus steht, direkt über den Thermalquellen unter freiem Himmel angelegt. Man sprach noch von einem "Wildbad". Seit dem frühen 14. Jahrhundert entstanden Badehäuser, die von Badern geleitet wurden. Männer und Frauen badeten gemeinsam und fast oder ganz unbekleidet. Erzbischöfe, Grafentöchter und Ritter gehörten zur mittelalterlichen Badegesellschaft in Ems. Man aß und trank im Bad, der Bader, zugleich Wundarzt und Barbier, massierte, scherte und schröpfte seine Gäste und ließ sie zur Ader. Nach der Reformation wurden im 16. Jh. die Becken für beide Geschlechter getrennt. Der Kupferstich von Wilhelm Dilich mit dem Bad um 1600 und das danach gefertigte Modell des Bades vermitteln davon einen Eindruck: man saß stundenlang in geselliger Runde in den flachen Badebecken und wartete auf den Badeausschlag, weil man glaubte, dass dann die Krankheit über den Körper ausgetrieben würde. Das hier dargestellte alte Bad mit den spätgotischen Gewölben stand ungefähr im Eingangsbereich des heutigen Kurhotels. Im 18. Jahrhundert kam das gemeinsame Bad aus der Mode, und man bevorzugte Einzelbäder. Das gesellschaftliche Leben verlagerte sich in die Brunnenhalle des 1712 erbauten Kurhauses und auf die Kurpromenade. Im Mittelpunkt stand jetzt die Trinkkur, an die Badegläser aus dem 17. bis 20. Jahrhundert in Vitrine 1 (links) erinnern. Die Lithographie der Brunnenhalle mit dem Kesselbrunnen (um 1840) illustriert Dostojewskis Schilderung der morgendlichen Trinkkur. Seit Dryander, der 1535 eine erste Badeschrift über Ems verfasste, betreuen Badeärzte die Kurgäste. Immer genauer beschrieben sie in ihren Badeschriften die heilende Wirkung des Emser Wassers bei Erkrankungen der Atemwege und der Organe und gaben Anweisungen für eine medizinisch vernünftige Kur. Instrumente und Rezeptbücher aus dem Besitz von Badeärzten des 19. Jahrhunderts sind erhalten. Eine Besonderheit unter den Kuranwendungen war die Bubenquelle. Sie stand in dem Ruf, Kinderlosigkeit zu überwinden, für die man damals ausschließlich eine Unfruchtbarkeit der Frau verantwortlich machte. Deswegen musste sich manche Fürstin auf einem Damensitz über der Bubenquelle niederlassen, in der Hoffnung, dem Land den erwarteten Thronfolger zu bescheren. Für mittellose Kranke gab es schon im 15. Jahrhundert ein Armenbad, das von Spenden der übrigen Kurgäste unterhalten wurde. Aus dem Armenbad entwickelte sich um 1860 das Hospitalbad zum ersten Kurheim von Bad Ems. Eine Sauciere aus dem Hospitalbad, ebenfalls in Vitrine 1, erinnert an diese alte Einrichtung. Die Inhalation wurde in Bad Ems zwar nicht erfunden, aber maßgeblich entwickelt von Mechanikern wie Carl Heyer und August Göbel. In Vitrine 2 sind Apparate für die Inhalation des vernebelten Heilwassers durch die Nase oder den Mund zu sehen. Die Kurgäste sitzen an den Einzelapparaten, während bei der Rauminhalation der gesamte Raum vernebelt wird. Die Patienten tragen zu diesem Zweck weiße Schutzkleidung. Auf dem Holzstuhl aus der Rauminhalation des alten Kurmittelhauses ist die ausbleichende Wirkung der Dämpfe zu erkennen. Die Sitzbadewanne in der Raummitte stammt aus der Anfang des 20. Jahrhunderts eingerichteten Hydrotherapieabteilung des alten Kurmittelhauses. Eine Druckgrafik an der Fensterseite zeigt das 1852 erbaute alte Kurmittelhaus gegenüber dem Kurhaus. |