Kurgäste 

Lange vor "Kaisers Zeiten" reisten hohe Würdenträger ins Emser Bad. 1469 trafen sich hier Erzbischof Johann II. von Trier, Graf Philipp II. von Katzenelnbogen und Markgrafensohn Christoph von Baden. Ulrich von Hutten, die Erzbischöfe von Köln und Salzburg und, 1776, Johann Wolfgang von Goethe zählten in der frühen Neuzeit zu den Gästen des Kurhauses. Um ungefährdet durch die deutschen Kleinstaaten ins Bad zu gelangen, benötigte Jacob Jonas 1549 einen Geleitbrief, ausgestellt von den gräflich-nassauischen Landesherren: ein Vorläufer des Reisepasses. Sieben Tage war die bayerische Kurfürstin Anna Maria Sophia unterwegs, als sie 1763 von Schloß Nymphenburg ins Emser Bad reiste, mit Kutschen und Jachten, mit einem Tross von annähernd 60 Personen, darunter Barone, Gräfinnen, Kammerdiener, Apotheker, Beichtvater, Silberspülerin und Leibwäscherin.

Begegnung König Wilhelms I. (rechts) mit dem französischen Botschafter Benedetti (Mitte) am 13. Juli 1870 (Emser Depesche)

Im 19. Jahrhundert war Bad Ems Weltbad. Die russischen Zaren Nikolaus I. (er steht als "General Romanow" in der Kurliste von 1840) und Alexander II., Künstler und Komponisten, Schriftsteller wie Fjodor Dostojewski, den die Kurliste von 1874 im bescheidenen Hotel Fürst Blücher meldet, stellten sich ein, Reiseführer und ärztliche Badeliteratur in den verschiedensten Sprachen informierten sie über ihren Kurort.

Kaiser Wilhelm I kam 1867 bis 1887 fast jährlich. Das Foto ist von ihm selbst signiert und zeigt ihn als preußischen König 1867 im Ems. Das Modell des Kaiserdenkmals ist der Entwurf des Bildhauers Otto aus dem Jahr 1892 Anders als fast alle Kaiserdenkmäler zeigt das für Bad Ems geschaffene Modell den Monarchen nicht hoch zu Roß in Uniform, sondern in Zivil und in entspannter Haltung. Es trifft damit sicher die Stimmung im Kurort, abseits der protokollarischen Zwänge der Hauptstadt. Die gelöste Stimmung wird im Modell noch unterstrichen durch die geöffnete Jacke und dürfte damit dem Erscheinungsbild Wilhelms I. auf der Kurpromenade nahe kommen. In der Ausführung des Marmorstandbildes im Kurpark allerdings ist die Jacke geschlossen.

Der Besuch Kaiser Wilhelms I. ist verknüpft mit der Emser Depesche. Als sich eine Einigung der deutschen Staaten unter preußischer Führung abzeichnete, kam es zu Spannungen mit Frankreich, das seine Sicherheit bedroht sah. Die Lage spitzte sich zu, als ein Prinz aus dem Haus Hohenzollern für den spanischen Thron kandiderte. Gegen Bismarcks Willen zogen die Hohenzollern die Kandidatur zurück. Frankreich forderte nun vom preußischen König Wilhelm eine Garantie, dass das Haus Hohenzollern für alle Zeiten auf eine solche Kandidatur verzichten werde. Diese Garantieforderung überbrachte der fanzösische Botschafter Benedetti am 13. Juli 1870 auf der Kurpromenade von Bad Ems. Wilhelm lehnte die Forderung ab. Der telegrafische Bericht über diese Begegnung, die "Emser Depesche", wurde von Bismarck vor der Veröffentlichung im Wortlaut erheblich verschärft. Die Veröffentlichung der "Emser Depesche" trug zum Ausbruch des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 bei, der zur Gründung des Deutschen Reiches führte.

Aus der Liste bekannter Kurgäste (siehe Abbildung: Zu Gast in Bad Ems) sei hier ein kleiner Ausschnitt wiedergegeben:  

Johann II. von Trier Kurfürst, Erzbischof 1465, 1469

Ulrich von Hutten Ritter 1515

Ernst v. Köln Kurfürst, Erzbischof um 1600

J. W. v. Goethe Dichter 1774

Jenny Lind Sängerin 1849, 1855

Jacques Offenbach Komponist 1859-1870

Ferdinand Lassalle Politiker 1864

Wilhelm I. Preuß. Kg., Dt. Kaiser 1867-1887

Alexander II. Zar von Russland 1870-1876

Alfred Krupp Industrieller 1871-1884

F. M. Dostojewski Schriftsteller 1874-1879

Richard Wagner Komponist 1877

Leopold II. Belg. König 1905

Im hinteren Teil von Raum 1 geht es weiter, zunächst auf der Fensterseite.


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