St. Goarshausen bis Hahnstätten-Zollhaus
Streckenlänge: ca. 41 km
Streckenprofil: stetiges Auf und Ab mit Höhenunterschieden von rund 350 m, sehr anspruchsvoll; siehe Höhenprofil auf nebenstehender Karte.
Der Loreley-Aar-Radweg durchmisst auf einer Länge von ca. 41 km den gesamten Rhein-Lahn-Kreis von West nach Ost bzw. umgekehrt. Im Juni 2004 wurde die überwiegend abseits von Straßen verlaufende Radwegeverbindung zwischen Rheintal und Aartal der Öffentlichkeit übergeben. Die Fahrt durch die Höhen und Täler des westlichen Hintertaunus fordert auch dem geübten Radwanderer sehr viel Schweiß und Ausdauer ab.
Von St. Goarshausen aus steigt auf der Trasse der ehemaligen „Nassauischen Kleinbahn“ der Radweg bis Bogel stetig an und berührt dabei auch das Örtchen Reichenberg. Nach Bogel geht`s bergab nach Endlichhofen und Miehlen („Schinderhanneshaus“). Dann führt der Weg stetig bergan, vorbei an Hof Aftholderbach, benutzt die Kreisstraße bis Bettendorf mit, steigt stark an, überquert die B 260, verläuft bergab durch Obertiefenbach bis zur Plätzermühle, leicht hügelig zur Hollermühle, steil bergauf nach Rettert und überwiegend eben an Ober- und Mittelfischbach vorbei nach Katzenelnbogen. Leicht ansteigend erreicht man den Wald, und es beginnt, vorbei an Burg Hohlenfels, eine teils mäßige, teils steile Abfahrt nach Hahnstätten.
Aktueller Charakter der Strecke
Die Grundcharakteristik dieser Route hat sich nicht geändert: Der Loreley-Aar-Radweg ist keine gemütliche Flusstalroute, sondern eine sportliche Verbindung zwischen Rhein und Aar mit häufigen Richtungswechseln, längeren Anstiegen und teils raschen Abfahrten. Wer die Strecke aus dem Rheintal heraus beginnt, startet unmittelbar mit Höhenmetern. Gerade der erste Abschnitt ab St. Goarshausen verlangt eine angepasste Krafteinteilung. Für Tourenräder mit guter Übersetzung, Trekkingräder, Gravelbikes und E-Bikes ist die Route gut geeignet; mit ungefederten Rädern und schmaler Straßenbereifung kann sie je nach Untergrund stellenweise anstrengender sein.
Auch wenn der Radweg überwiegend abseits größerer Straßen verläuft, handelt es sich nicht durchgehend um einen einheitlich ausgebauten Bahntrassenweg. Neben gut fahrbaren Abschnitten gibt es Passagen auf Wirtschaftswegen, an kleineren Straßen und an Querungen. Dadurch bleibt die Tour abwechslungsreich, erfordert aber Aufmerksamkeit, insbesondere bei Nässe, Laub, losem Schotter oder in schnellen Abfahrten. Familien mit kleinen Kindern sollten die Tour wegen des anspruchsvollen Profils nur sehr gut vorbereitet angehen oder kürzere Teilstücke wählen.
Praktisch ist heute vor allem die Nutzung mit E-Bike: Die Strecke wird dadurch deutlich zugänglicher, ohne dass der sportliche Charakter ganz verloren geht. Wer ohne Motorunterstützung fährt, sollte ausreichend Getränke mitnehmen und bei warmem Wetter zusätzliche Pausen einplanen. Zwischen einzelnen Orten liegen Abschnitte ohne direkte Versorgungsmöglichkeit.
Wegbeschaffenheit und Orientierung
Der historische Verlauf über die ehemalige Nassauische Kleinbahn ist landschaftlich besonders reizvoll. Dennoch sollte man die Beschilderung aufmerksam verfolgen, da der Weg nicht überall selbsterklärend ist und an einzelnen Stellen auf örtliche Wegeführungen trifft. In der Praxis empfiehlt sich zusätzlich eine aktuelle Radkarte oder eine digitale Navigation, denn Baustellen, Umleitungen oder kurzfristige Sperrungen können auch auf etablierten Routen vorkommen.
Die Oberfläche wechselt je nach Abschnitt. Teilstücke auf Asphalt rollen angenehm, andere Abschnitte können wassergebundene Decken, rauere Wirtschaftswege oder kurze Straßenverbindungen aufweisen. Nach längeren Regenphasen können sich verschmutzte Stellen, Pfützen oder ausgespülte Randbereiche bilden. Wer mit Gepäck fährt, sollte den Reifendruck nicht zu hoch wählen und Bremsen sowie Schaltung vor der Tour überprüfen.
Besondere Vorsicht ist in den Abfahrten angezeigt, vor allem dort, wo Wald, Kurven und wechselnder Belag zusammenkommen. Im Herbst können feuchtes Laub und verdeckte Unebenheiten das Bremsverhalten spürbar verändern. In offenen Hochlagen ist wiederum mit Wind zu rechnen. Eine defensive Fahrweise ist daher sinnvoller als ein sportlich hohes Tempo.
Etappen und markante Abschnitte
St. Goarshausen bis Bogel: Gleich zu Beginn prägt der lange Anstieg den Charakter der Tour. Wer direkt nach dem Start zu schnell fährt, merkt das meist später. Sinnvoll ist ein ruhiger Einstieg mit niedriger Trittfrequenz und kurzen Trinkpausen. Die Aussichtslagen und der Bezug zur ehemaligen Bahntrasse machen diesen Abschnitt dennoch besonders interessant.
Bogel, Endlichhofen und Miehlen: Nach dem ersten längeren Anstieg folgt eine Entlastung. Das Gefälle Richtung Endlichhofen und Miehlen fährt sich angenehmer, sollte aber nicht unterschätzt werden. In den Orten kann man eher eine kurze Pause einplanen als auf den freieren Zwischenstücken. Miehlen ist zudem durch das Schinderhanneshaus ein markanter kulturhistorischer Punkt auf der Strecke.
Richtung Bettendorf und Plätzermühle: Danach wird die Route erneut fordernd. Das stetige Bergauf und Bergab verlangt nicht nur Kondition, sondern auch Konzentration, weil sich die Belastung anders verteilt als auf langen gleichmäßigen Anstiegen. Gerade diese Wechsel machen den Weg für trainierte Radfahrer reizvoll, für Gelegenheitsfahrer aber anstrengend.
Rettert, Katzenelnbogen und Hahnstätten: Hinter der Hollermühle zieht die Strecke noch einmal deutlich an. Wer bis hierher gut mit den Kräften gehaushaltet hat, kommt meist sicher nach Katzenelnbogen. Die Passage in Richtung Burg Hohlenfels und die spätere Abfahrt nach Hahnstätten bilden einen stimmungsvollen Abschluss, verlangen bergab aber weiterhin eine kontrollierte Fahrweise.
Für wen ist die Tour geeignet?
Die Route eignet sich vor allem für geübte Freizeitradler, ambitionierte Tourenfahrer und E-Bike-Nutzer, die eine landschaftlich abwechslungsreiche Verbindung mit sportlichem Anspruch suchen. Weniger geeignet ist sie als entspannte Einsteigerroute oder für schwere Anhänger. Wer mit Jugendlichen unterwegs ist, sollte deren Kondition realistisch einschätzen und mögliche Abbruch- oder Umstiegsmöglichkeiten vorab prüfen.
Eine Hin- und Rückfahrt an einem Tag ist nur für sehr sportliche Fahrer empfehlenswert. Deutlich angenehmer ist es, die Strecke als einfache Tour zu planen und An- und Rückreise vorab zu organisieren. So bleibt mehr Zeit für Besichtigungen und Pausen in den Orten.
Praktische Hinweise für die Planung
Am angenehmsten fährt sich die Strecke meist im späten Frühjahr, im Sommer an nicht zu heißen Tagen und im frühen Herbst. Im Hochsommer sind die Anstiege deutlich kräftezehrender, während in der kühleren Jahreszeit Waldpassagen länger feucht bleiben können. Nach Sturmereignissen oder längeren Regenperioden lohnt es sich, vorab lokale Hinweise zu Wegen und Sperrungen zu prüfen.
Zur Ausrüstung gehören ausreichend Wasser, ein Ersatzschlauch oder Pannenset, eine Minipumpe und möglichst auch Licht, falls sich die Tour durch Pausen oder technische Probleme verlängert. Bei E-Bikes sollte der Akku für die Höhenmeter großzügig kalkuliert werden. Wer häufig hohe Unterstützungsstufen nutzt, kann den Energiebedarf auf dieser Route leicht unterschätzen.
Verpflegung sollte man nicht allein auf spontane Einkehrmöglichkeiten stützen. Zwar gibt es in mehreren Orten grundsätzlich Versorgungsmöglichkeiten, doch Öffnungszeiten können sich ändern, und nicht jede Einrichtung liegt direkt am Weg. Eine kleine Reserve an Getränken und energiereicher Verpflegung gehört deshalb zur sinnvollen Vorbereitung.
Natur, Kultur und Landschaftseindruck
Gerade der Wechsel zwischen Rheinbezug, Hochflächen, kleineren Ortschaften, Waldstücken und historischen Punkten macht den Reiz des Loreley-Aar-Radwegs aus. Anders als reine Flusstalradwege lebt diese Route nicht von gleichmäßiger Linienführung, sondern von Abwechslung. Mal öffnet sich der Blick weit in die Landschaft, mal verengt sich die Strecke im Wald oder zwischen Ortslagen. Das ergibt ein Tourenerlebnis, das sportliche Herausforderung und regionalgeschichtliche Spuren eng miteinander verbindet.
Die ehemaligen Bahntrassenabschnitte erinnern an die Verkehrsgeschichte der Region. Gleichzeitig führt der Weg an Orten vorbei, die kulturell und historisch eng mit dem Rhein-Lahn-Kreis verbunden sind. Wer sich dafür interessiert, sollte genügend Zeit einplanen und die Tour nicht nur als sportliche Leistung verstehen. Mehrere Abstecher und Aufenthalte lohnen sich gerade dann, wenn man die Strecke nicht unter Zeitdruck fährt.
Sehenswürdigkeiten auf dem Weg
Hinweis: Die nachstehenden Angaben stammen aus der ursprünglichen Streckenbeschreibung. Öffnungszeiten, Telefonnummern, Zuständigkeiten und Besichtigungsmöglichkeiten können sich zwischenzeitlich geändert haben und sollten vor einem gezielten Besuch möglichst aktuell geprüft werden.
01 Burg Reichenberg
Von den Grafen von Katzenelnbogen erbaute Burg (1319); baugeschichtlich einzigartige Architektur des Mittelalters.
56357 Reichenberg; Besichtigung nur von außen möglich.
02 Schinderhanneshaus
Direkt am Mühlbach steht das Geburtshaus von Johannes Bückler (1783-1803), besser bekannt als Räuberhauptmann „Schinderhannes“; heute ist hier die Gemeindebibliothek untergebracht.
56357 Miehlen, Hauptstraße 60; geöffnet: Di. 16 – 18 Uhr und Fr. 17 – 19 Uhr.
03 Regionalmuseum „Leben und Arbeiten“
Lebens- und Arbeitswelt des 18. bis 20. Jahrhunderts.
56355 Nastätten, Am Bürgerhaus, Tel. 06772/2978; geöffnet: Di. – Do. 9.30 – 11.30 Uhr, So. 13.30 – 17 Uhr.
04 Geologisches Freimuseum
Rund 50 Exponate von Gesteinsarten, u.a. 10 Zentner schwerer Gesteinsblock verkieselter Korallen, Mineralienausstellung.
56355 Bettendorf, Nastätter Straße, Armin Wilhelm, Tel. 06772/5134 oder 94624; Freimuseum ständig geöffnet, Mineraliensammlung nach Vereinbarung.
05 Nicolaus-August-Otto-Museum
Von der Hollermühle aus erreicht man über einen Abstecher Holzhausen, wo im Geburtshaus von Nic.-Aug. Otto, dem Erfinder des Viertaktmotors, ein Museum eingerichtet ist.
56357 Holzhausen, Nic.-Aug.-Otto-Straße 1, Tel. 06772/7242; geöffnet: tägl. 9 – 16 Uhr und nach Vereinbarung
06 Walderlebnispfad Einrich
Stationen: „Insektenhotel“, „Baumtelefon“, „Waldfernrohr“ u.v.m.
56368 Katzenelnbogen, Tel. 06486/9179-14.
07 Einricher Heimatmuseum
Die Ausstellung behandelt die Wohnkultur im 18./19. Jh., Bergbau, Handwerk und Landwirtschaft.
56368 Katzenelnbogen, Bürgerhaus, Römerberg 12, Tel. 06486/911813; geöffnet: April – Okt. So. 14 – 16 Uhr.
08 Burg Hohlenfels
1353-63 auf zerklüftetem Felsen errichtete Höhenburg, im Wald.
65623 Mudershausen; nur von außen zu besichtigen.
Empfehlungen für Pausen und Fahrweise
Auf dieser Strecke zahlt sich eine regelmäßige, eher kurze Pausenstruktur aus. Statt bis zur völligen Erschöpfung durchzufahren, sind kleine Unterbrechungen sinnvoll, besonders nach längeren Anstiegen. Das hält den Kreislauf stabil und reduziert das Risiko, in späteren Abschnitten deutlich an Leistung zu verlieren. Wer in Gruppen fährt, sollte das Tempo nicht an den stärksten Fahrern ausrichten, sondern an den langsameren Teilnehmern. So bleibt die Gruppe sicher zusammen und gefährliche Überlastung wird vermieden.
Für E-Bike-Fahrer empfiehlt sich eine sparsame Unterstützungsstufe auf moderaten Abschnitten und eine höhere nur an wirklich steilen Stellen. Dadurch bleibt genügend Reserve bis Hahnstätten-Zollhaus. Klassische Tourenradler profitieren von einer gleichmäßigen Trittfrequenz, rechtzeitigem Herunterschalten und vorausschauendem Fahren in den Wellen des Profils.
Häufige Fragen zur Strecke
Ist der Loreley-Aar-Radweg für Einsteiger geeignet?
Nur eingeschränkt. Die Strecke ist landschaftlich reizvoll, aber wegen der vielen Höhenmeter und des wechselnden Profils deutlich anspruchsvoller als typische Flussradwege.
Kann man die Route mit dem E-Bike gut fahren?
Ja, gerade für E-Bikes ist die Strecke gut geeignet. Akku, Ladezustand und Reifen sollten jedoch vorab geprüft werden, da die Anstiege den Energieverbrauch erhöhen.
Ist die Strecke komplett autofrei?
Nein. Sie verläuft überwiegend abseits von Straßen, nutzt aber nicht durchgehend reine Radwege. Einzelne Straßen- und Querungsabschnitte gehören dazu.
Wie viel Zeit sollte man einplanen?
Je nach Kondition, Pausen und Besichtigungen ist ein großzügiger Tagesausflug realistisch. Wer fotografiert, Museen besucht oder häufiger stoppt, sollte eher mehr als weniger Zeit einplanen.
Gibt es eine beste Fahrtrichtung?
Beide Richtungen sind möglich. Die hier beschriebene Richtung von St. Goarshausen nach Hahnstätten-Zollhaus beginnt allerdings direkt mit einem längeren Anstieg und ist deshalb konditionell fordernd.
Fazit
Der Loreley-Aar-Radweg zwischen St. Goarshausen und Hahnstätten-Zollhaus bleibt eine charaktervolle, konditionell anspruchsvolle Route durch den Rhein-Lahn-Kreis. Wer eine sportliche Tour mit historischen Spuren, weiten Landschaftsbildern und wechselndem Wegeverlauf sucht, findet hier eine interessante Verbindung zwischen Rhein- und Aartal. Die Strecke verlangt weiterhin gute Vorbereitung, belohnt dafür aber mit Abwechslung und einem deutlich eigenständigen Profil.
