Oldtimerclub Nicolaus August Otto Holzhausen,
Axel Gapp, Zum Burgblick 7, 65558 Burgschwalbach
Tel.: 06430/1303 eMail: Axel.Gapp@t-online.de
Museumsleiter: Günther Köhler
Handlungsreisender in Köln
Nicolaus August Otto wurde am 14. Juni
1832 in Holzhausen an der Haide im Taunus geboren. In der Familie
herrscht ein recht bescheidener Wohlstand. Otto verliert sehr früh
seinen Vater, besucht acht Jahre die Dorfschule in Holzhausen und
zwei Jahre die Realschule in Langenschwalbach. Nach einer kurzen
Ausbildung zum Kaufmann und einer kurzen Tätigkeit in Frankfurt
kommt Otto 1853 nach Köln und wird Reisender bei der
Kolonialwarenhandlung von Joh. Chr. Altpeter. Er wohnt bei seinem
Bruder Wilhelm in der Pfeilstraße 14.
In der rheinischen Metropole nimmt ihn, wie könnte es auch anders sein, der Frohsinn des Karnevals gefangen. Bei einem Maskenfest im Kuhberg, dem damals größten Tanzsaal Kölns, lernt Otto seine spätere Frau Anna Gossi kennen.
1860 wird Otto Handlungsreisender für ganz Westdeutschland bei der Colonialwarenhandlung en gros von Karl Mertens.
Patentanmeldung 1862
Man weiß nicht genau, was Otto
bewogen hat, sich als Kaufmann mit technischen Problemen zu
befassen. Entscheidend waren wohl ein von Ettienne Lenoir 1860 in
Frankreich entwickelter Verbrennungsmotor und die bereits seit
Jahren als Antriebskraft eingesetzten Heißluftmaschinen, welche
die Aufmerksamkeit so manschen Ingenieurs erweckten.
Auch Otto hört von diesen Maschinen und so mag auf seinen
Fahrten in pferdebespannten Kutschen über Landstraßen
vermutlich die Idee gereift sein, eine Kraftmaschine zu schaffen,
die zur "Fortbewegung von Gefährten auf Landstraßen leicht
und nützlich verwendet, sowie auch der kleinen Industrie von
erheblichem Nutzen werden könne".
Diese Gedanken bringt Otto in seinem ersten Patentgesuch an das Königliche
Preußische Handelsministerium am 2. Januar 1862 zum Ausdruck.
Er läßt sich von seinem
Mechaniker Michael Zons in Köln eine Modellmaschine des Lenoir-Motors
bauen. Die Experimente unter anderem mit dem Zündzeitpunkt sind
erfolgreich, und Otto erkennt die Auswirkungen eines verdichteten
Gas-Luftgemisches.
Diese Erkenntnis über die Auswirkungen der verdichteten Ladung
und den Arbeitsablauf in vier Takten veranlaßt Otto, sich von
Zons eine Vierzylindrige Maschine mit Zylindern in Boxeranordnung
bauen zu lassen. Die Zündungen der Maschine sind jedoch so
heftig, daß das Triebwerk in kürzester Zeit zertrümmert wird.
Otto gelangt zur Überzeugung, daß eine direkte Umsetzung der
Verbrennungsenergie auf einen Kurbeltrieb nicht möglich ist.
Atmosphärische Gasdruckmaschine
Um den Triebwerkszerstörungen
auszuweichen, geht Otto nun ganz neue Wege. Er löst den Kolben
vom Triebwerk und baut eine Maschine mit frei fliegendem Kolben
in einem stehenden Zylinder. Bei dieser Maschine wird der Kolben
erst beim Niedergang durch ein Schaltwerk mit der Motorwelle und
dem Schwungrad gekuppelt. Der atmosphärische Luftdruck und die
Gewichte von Kolben und Zahnstange werden zur Arbeitsleistung
herangezogen.
1863 wird diese Maschine erstmals erprobt. Bis Ende 1863 erhält
Otto für seinen atmosphärischen Motor einige ausländische
Patente, jedoch nicht in Preußen. Aus diesem Grund trennt sich
Otto von Zons, denn eine Geheimhaltung des Motors vor den Kunden
des Kölner Mechanikers scheint nicht mehr gewährleistet. Er
richtet am Gereonswall 61 eine eigene Werkstatt ein.
Ottos kleines väterliches Erbe geht zur Neige, und wäre wohl,
wie so viele Erfinder vor und nach ihm, finanziell gescheitert,
wenn ihm nicht das Schicksal in höchster Not den Helfer zugeführt
hätte, dessen er jetzt bedurfte.
Otto lernt Eugen Langen kennen, damals noch ein junger Ingenieur
aus der Kölner Zuckerbranche. Ihm führte er im Februar 1864
seine atmosphärische Maschine vor. Eugen Langen erkennt die Fähigkeiten
Ottos und gründet mit ihm noch 1864 die Firma N.A. Otto &
Cie.
Diese Firma in der Servasgasse in Köln ist das erste Unternehmen
der Welt, das sich ausschließlich mit dem Bau von
Verbrennungsmotoren befaßt. Die bisher bestehende Maschine von
Otto wird weiterentwickelt und 1867 als "Atmosphärische
Gaskraftmaschine", wie sie nunmehr genannt wird, von Otto
und Langen auf der Weltausstellung in Paris der Öffentlichkeit
vorgestellt.
Weltausstellung in Paris
Hier in Paris können Otto und
Langen ihren ersten großen Erfolg verbuchen. Ihre Maschine wird
mit der "goldenen Medaille" ausgezeichnet, da der
Gasverbrauch nur ein Drittel dessen der Konkurrenzmaschinen beträgt.
Diesem Erfolg ist es zuzuschreiben, daß die Nachricht vom neuen
Gasmotor rasch in alle Welt dringt. Denn nun hat man endlich eine
Antriebskraft, die wirtschaftlich ist und die man nach Belieben
an- und abstellen kann.
Die Werkstatt in der Kölner Altstadt wird bald zu klein, und so
zieht man 1869 in neue, eigene Gebäude an der Grenze von Mühlheim
und Deutz. Im Jahre 1872 wird die Firma in eine
Aktiengesellschaft umgewandelt, und es entsteht die "Gasmotoren-Fabrik
Deutz AG".Gottlieb Daimler wird als technischer Direktor
verpflichtet und Wilhelm Maybach als Chefkonstrukteur. Otto ist für
die kaufmännische Verwaltung verantwortlich.
Die dadurch brachliegende Schöpferkraft Ottos kommt jedoch immer
wieder zum Durchbruch. Seine Gedanken beginnen erneut um den
zertrümmerten Motor aus dem Jahre 1862 zu kreisen und kehren zurück
zu der Frage nach einer gezielten und beherrschbaren Verbrennung
unter Benutzung eines Kurbeltriebes.
Otto greift in aller Stille die früheren Überlegungen der
vorverdichteten Ladung wieder auf, macht sich Gedanken über die
Zündung und Reduzierung der Zündkräfte, die von einem
Kurbeltrieb aufgenommen werden können.
1875 läßt er sich vom Deutzer Direktorium eine unabhängige
Versuchsarbeit zusichern. Denn die Leistungsgrenze von 3 PS ist
bei der atmosphärischen Maschine erreicht, und die bedrohliche
Konkurrenz der Heißluftmaschinen veranlassen ihn, sich ganz der
Technik zu widmen.
Die Geburtsstunde des
Ottomotors
Bereits im Frühjahr 1876 kann
Otto Versuche mit einem "Hochdruckmotor" aufnehmen.
Ein am 9. Mai 1876 an diesem Versuchsmotor aufgenommenes
Versuchsdiagramm gilt als Geburtsurkunde des Ottomotors mit
seiner charakteristischen Verdichtung des Gas-Luftgemisches
Damit ist die Zeit der Vorläufermotoren beendet. Die
Weltmotorisierung nimmt ihren Lauf.
Niederspannungszündung
Das Bestreben nach Unabhängigkeit
von den städtischen Gasnetzen macht sehr bald den Wunsch
deutlich, auch flüssige Kraftstoffe wie Benzin oder Petroleum
verwenden zu können.
Hier ist es wiederum Otto, der einen Vergaser entwickelt. Auch
die bis dahin gebräuchliche Schiebersteuerung mit Gasflammzündung
kann bei einem Einsatz von flüssigen Kraftstoffen nicht übernommen
werden. Die daraufhin von Otto vorgeschlagene Niederspannungszündung
wird erfolgreich viele Jahre im Motorenbau eingesetzt.
Der Deutzer Otto-Magnetzünder ist übrigens der Anstoß zum
Lebenswerk von Robert Bosch.
Die Jahre nach 1876
Die Jahre nach 1876 sind für
Otto erfolgreich, doch der Kampf um die Patente greift seine
Gesundheit an. Er stirbt am 26. Juni 1891 im Alter von 59 Jahren
in seinem Haus am Heumarkt.
Geehrt wurde Nicolaus August Otto 1882 aus Anlaß des 300 jährigen
Bestehens der Universität Würzburg mit der Verleihung der
Ehrendoktorwürde.
1931 wurde zu Ehren von Nicolaus August Otto und seinem Partner
Eugen Langen vor dem Bahnhof in Köln-Deutz ein Denkmal errichtet
und 1951 dem Bahnhofsvorplatz der Name "Ottoplatz"
gegeben.
Auch der Begriff "Ottomotor" ist nach DIN und ISO wie
folgt definiert: "Verbrennungsmotor, bei dem die Verbrennung
des verdichteten Kraftstoff-Luft-Gemisches durch zeitlich
gesteuerte Fremdzündung eingeleitet wird."
Der Viertakt-Ottomotor hat über 100 Jahre seine Entwicklungsfähigkeit
bewiesen.
Trotz aller Fortschritte sind bis zum heutigen Tage die
Grundmerkmale des "Ottomotors" bis auf ganz wenige
Ausnahmen in den Verbrennungsmotoren erhalten geblieben.
| 1832 | am 14. Juni in Holzhausen an der Haide als sechstes Kind des Gastwirtes Phillip Wilhelm Otto geboren. |
| 1838 | Besuch der Dorfschule in Holzhausen |
| 1846 | Realschulabschluß in Langenschwalbach |
| 1848 | Ausbildung zum Kaufmann in Nastätten |
| 1852 | Handlungskommis in einem Lolonialwaren- und Landesproduktengeschäft in Frankfurt |
| 1853 | Beginn der Kölner Zeit mit Tätigkeit in einer Kolonialwarengroßhandlung |
| 1860 | Jean-Joseph-Etienne Lenoir, vielseitiger Erfinder, stellt in Paris den ersten brauchbaren, mit Leuchtgas betriebenen Verbrennungsmotor her. |
| 1861 | Am 2.
Januar reichen die Brüder Wilhelm und Nicolaus August
Otto dem Handelsministerium in Berlin ihre Patentschrift
für einen Spiritusverdampfer ein. Gründe: Unabhängigkeit von Verbrennungsmotoren vom Gasnetz und damit u.a. Fortbewegung von Gefährten auf Landstraßen. Nachbau eines Lenoir-Motors und Experimente mit diesem Motor |
| 1862 | Otto beginnt Versuche mit einem Viertaktmotor, die aber wegen der explosionsartigen Verbrennung nicht zum Erfolg führen. |
| 1863 | Bau und Erprobung einer atmosphärischen Gaskraftmaschine. Erwerb in- und ausländischer Patente für dieses Prinzip. Einrichtung einer eigenen Werkstatt. |
| 1864 | Am 9.
Februar besichtigt der Zuckerfabrikant und Ingenieur
Eugen Langen die laufende Atmosphärische Gaskraftmschine. Sie schließen am 31. März einen Gesellschaftsvertrag und gründen mit der "N.A.Otto$Cie." die "erste Motorenfabrik der Welt". |
| 1867 | Ausstellung einer atmosphärischen Gaskraftmaschine auf der Weltausstellung in Paris. Auszeichnung des Motors mit einer Goldmedaille als wirtschaftlichste Antriebsmaschine für das Kleingewerbe. Damit internationale Anerkennung. |
| 1868 | Beginn der serienmäßigen Produktion. |
| 1869 | Beginn des Motorenbaus in England nach einer Lizensvergabe für atmosphärische Gaskraftmaschinen an die Crossley Brothers in Manchester |
| 1872 | Gründung
der Gasmotoren-Fabrik Deutz in Köln als
Aktiengesellschaft. Eintritt von Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach in das Unternehmen. |
| 1876 | Entgültige
Verwirklichung des mit Verdichtung des Gas-Luftgemisches
arbeitenden Viertaktmotors durch August Otto Damit beginnt von Köln aus die Motorisierung der Welt. |
| 1882 | Otto wird
von der Philosophischen Fakultät der Universität Würzburg
die Würde eines Dr. Phil. honoris causa verliehen. Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach scheiden aus dem Unternehmen aus. |
| 1884 | Er entwickelt die Niedersapnnungs-Magnetzündung für vom Gasnetz unabhängige Motoren als Ersatz für die bis dahin gebräuchliche Gasflammenzündung. Diese Zündart ist auch Grundlage für das spätere Lebenswerk von Robert Bosch |
| 1891 | Am 26. Januar stirbt Nicolaus August Otto in seinem Wohnhaus am Heumarkt in Köln |
| 1962 | Übernahme des ca. 1705 erstellten Gebäudes durch KHD |
| 1966 | Einrichtung eines Gedächnisraumes für N.A. Otto (nur Vitrinen und Dokumente) |
| 1975 | Einweihung eines Denkmales vor dem Haus |
| 1976 | 100. Geburtstag des Viertakt-Ottomotore. Einweihung des neu gestalteten Gedächnisraumes mit fünf historischen Motoren, einer Otto-Büste und Wandschaukästen |
| 1981-1982 | Renovierung des Gebäudes außen und innen. |
| 1991 | Gründung
des Oldtimer-Club Nicolaus August Otto e.V. Zweck: U.a. Erhaltung und Ergänzung der Exponate vom N.A.Otto-Gedächnisraum, Restaurierung von Fahrzeugen und Motoren und Aufbau eines Archivs |
| 1993 | Verkauf des Grundstückes und Gebäudes an die Gemeinde Holzhausen. Exponate bleiben Eigentum der KHD AG. Gemäß Vertrag vom 1. Februar 1993 verpflichtet sich die Gemeinde Holzhausen, das Gebäude weiterhin als Museum mit der Motorensammlung zu nutzen. Sie verpflichtet sich desweiteren, keine Motoren anderer Hersteller auszustellen, mit Ausnahme von Anwendungsbeispielen für Otto-Motoren. |
| 1994-1997 | Generalsanierung
des Gebäudes durch die Gemeinde Holzhausen mit
umfangreichen Umbaumaßnahmen für die zukünftige
Gemeindeverwaltung im Obergeschoß. Das gesamte Untergeschoß wird Ausstellungsfläche der Erinnerungsstätte für N.A. Otto. Im Zuge der völligen Neugestaltung des Haus-Umfeldes (neue Straßenführung, neuer Parkplatz) wurde das alte Denkmal durch eine von der KHD AG gestiftete Großmotoren-Kurbelwelle ersetzt. Als Blickfang dient ein neuer Glas-Pavillon, in dem eine alte und historisch interessante DEUTZ - Holzgas-Motorenanlage zu sehen ist. |
| 23.2.1997 | Einweihung der neuen Gemeindeverwaltung und der erweiterten Otto-Ausstellung im kleinen Kreis der Gemeindevertreter. |
| 25.5.1997 | Offizielle Einweihung der Otto-Erinnerungsstätte mit einem Museumsfest, verbunden mit einer Oldtimerausstellung |